Also egal wie ich es drehe, ich kann mir nicht vorstellen, dass solche Forderungen politisch auf irgendwen abzielen, außer Manfred der gerade 43 Jahre 38h/Woche am Band stand und irgendwie nicht reflektiert bekommt, dass weil er das gemacht hat, nicht jede*r machen müssen soll.
Alternativ vielleicht noch der eigentlich schon tote "Hidden Champion" ausm Mittelstand der gerne einen noch dolleren Arbeitgebermarkt hätte und als nächstes dann den Tarifvertrag kündigt.
Das Ding ist, ich sehe selbst in Ländern in denen formal ein starker Arbeitgebermark - auch in white collar jobs - vorherrscht, keinen Vorteil für die Unternehmer.
Weil es primär bedeutet das Arbeiter*innen ziemlich kreativ werden müssen um ihren Job zu bekommen und behalten.
Was dann in meiner Erfahrung einfach in einer Spirale von immer beschisseneren Arbeitsbedingungen/Umgehungsstrategien endet.
Schon lustig in wie wenig Zeit man gesellschaftlich solche Rückschritte machen kann.
@Mr_Chons @byteborg @Lilith ich möchte noch eine Alternative Begründung liefern, die nicht erfordert, dass die Leute absichtlich böse sind.
Die Unternehmen haben aktuell mehrere Probleme. Mangelnde Innovation, überalternde Belegschaft, hohe Löhne und Probleme beim Absatz wegen Punkt eins und wegen der instabilen Weltlage.
Aus sich vieler Manager bedeutet alte Belegschaft nur, dass viele Leute wegfallen werden und weniger nachkommen. 1/x
@Mr_Chons @byteborg @Lilith Das erzeugt Druck auf die Löhne nach oben. Höhere Löhne erhöhen die Kosten und damit die Produktpreise. Am Ende ist man weniger konkurrenzfähig. An der Stelle könnte man zwei Dinge tun. Durch Innovation Produkte herstellen, die man teurer verkaufen kann, weil sie sonst niemand hat, oder die Löhne drücken.
Aber Löhne drücken kann man nicht wenn man gleichzeitig ein Arbeitskräftemangel hat. Also muss das Angebot besser werden. 2/x
@Mr_Chons @byteborg @Lilith Das Angebot wird besser wenn die Leute mehr arbeiten müssen. Also muss die Wochenarbeitszeit steigen.
Das ist deren Argumentationslogik. Was dabei übersehen wird ist warum Leute Teilzeit arbeiten. Und welche Alternativen sie haben. Das scheint nicht in deren Weltbild zu passen.
Gerade Fachkräfte können ggf. auch ganz kündigen wenn der/die Partner*in Vollzeit arbeitet um sich z.B. um die Kinder zu kümmern. Das reduziert dann die Kaufkraft und 3/x
@Mr_Chons @byteborg @Lilith verkleinert die Workforce. Beides wirkt sich negativ auf die Ziele der Arbeitgeber aus. Weil weniger Arbeiter eher zu höheren Löhnen führt. Weniger Arbeiter begrenzt auch Innovation. Und gleichzeitig schrumpft die Binnennachfrage. Also man schadet dem eigenen Absatzmarkt.
Aber um anders zu handeln müsste man sich von alten Zöpfen verabschieden und insofern geht es auch um Macht bzw den Erhalt von Strukturen.4/x
@prefec2 @byteborg @Lilith Q.e.d. - Du hast meine vollkommene Zustimmung. Die CDU oder die Arbeitgeber sind nicht per se böse, sie machen oder fordern nur Dinge, die, wie du schön darlegst, nicht durchdacht, populistisch und am Ende ausbeuterisch sein können.
Die Probleme der Innovationskraft sowie der demographisch zu berechnenden Arbeitsmarktsituation wird eben durch die Förderung nach mehr Wochenarbeitszeit nicht behoben, nur verschoben. Und das, wie du auch richtig sagst, nur kurzfristig.
@prefec2 @Mr_Chons @byteborg @Lilith
"will ich Wachstum": Der Zwang zum Wachstum ist eines der Grundprobleme unserer Zeit, in welcher die Gesamtbevölkerung tendenziell abnimmt.
Der Zwang zum Wachstum kommt vom #Kredit mit #Zins: Jetzt schon von etwas profitieren, dass noch gar nicht da ist, das erst in der Zukunft erwirtschaftet und zurückbezahlt werden muss.
Stetiges #Wachstum ist eine exponentielle Funktion. Das geht in einer endlichen Welt nicht. Punkt. Die einen haben das bereits eingesehen (#degrowth), die andern halt noch nicht.
@prefec2 @Mr_Chons @byteborg @Lilith
Rein ökonomisch richtig, aber man muss weitere Parameter einbeziehen:
- Die Arbeitgeber wollen die älteren Boomer-Fachkräfte behalten und diese komplett verschleißen - sehr kurzfristig Sichtweise
- Für die jüngeren Arbeitskräfte verstärkt sich der Druck insb. durch schlechtere Infrastruktur (u.a. längere Verkehrswege, steig. familiäre Belastungen)
Fazit:
Wohlfahrtsverluste, soz. Erosion, Ausfälle durch erhöhten Verschleiß, Konkurrenzfähigkeit sinkt
@Mirabeaulacht Mein Punkt ist nicht, dass die das aus Versehen machen. Es geht auch nicht um den Arzt, der den Staat und damit uns alle betrügt. Mir geht es darum das Handeln dieser Wirtschaftsvertreter besser zu verstehen. Mein Argument ist, dass die aus ihrer Perspektive das was sie tun nicht als unsozial oder böse einstufen. Das heißt nicht, dass das in Ordnung ist was die tun - ganz im Gegenteil. Es hilft deren Gedankenwelt besser zu verstehen. Zumindest ist das meine These.
@prefec2 @Gegenwind @byteborg @Lilith
Es gibt kein #Menschenrecht auf #Gewinn durch #Ausbeutung. Wenn die #Arbeitgeber die Leute nicht mit guten #Arbeitsbedingungen locken können oder wollen, dann ist das ihr Problem und nicht das Problem der grossen #Mehrheit der #Menschheit.
Arbeit, die wir wirklich, wirklich wollen – das Grundlagenwerk zur New-Work-Bewegung Wie kann die Zukunft der Arbeit aussehen? Frithjof Bergmann beschreibt in diesem Buch die neuen Perspektiven der Arbeitsgesellschaft, die als „New-Work“-Konzept bekannt wurden und heute aktueller sind denn je. Im Vordergrund seiner Arbeit steht die Frage, was wir wirklich wirklich wollen, wo Talente und Stärken liegen, und wie diese mit der Arbeitswelt verknüpft und umgesetzt werden können.
Spannend, den kannte ich noch nicht. Ich empfand den Begriff New Work immer komplett falsch benutzt. Und genauso wie "agile" wurde es bald eine Worthülse.
Was zum Thema auch noch passt:
Daniel Pink - Drive
https://www.danpink.com/books/drive/

“Important reading…an integral addition to a growing body of literature that argues for a radical shift in how businesses operate.” —Kirkus Most of us believe that the best way to motivate ourselves and others is with external rewards like money—the carrot-and-stick approach. That’s a mistake, Daniel H. Pink says in, Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us, his provocative and persuasive new book. The secret to high performance and satisfaction—at work, at school, and at home—is the deeply human need to direct our own lives, to learn and create new things, and to do better by ourselves and our world. Drawing on four decades of scientific research on human motivation, Pink exposes the mismatch between what science knows and what business does—and how that affects every aspect of life. He demonstrates that while carrots and sticks worked successfully in the twentieth century, that’s precisely the wrong way to motivate people for today’s challenges. In Drive, he examines the three elements of true motivation—autonomy, mastery, and purpose—and offers smart and surprising techniques for putting these into action. Along the way, he takes us to companies that are enlisting new approaches to motivation and introduces us to the scientists and entrepreneurs who are pointing a bold way forward. Drive is bursting with big ideas—the rare book that will change how you think and transform how you live.
@Lilith Sehr motivierende Ideen sind das. Damit wird gleichzeitig meine ME/CFS Erkrankung aufgewertet. Sehr gut!
BTW: neulich hörte ich in einem Interview einen Politiker sagen: Wir Politiker machen Reformen und Reformen sind gut für die Menschen.
Obwohl ich nur über Broadcast dabei war, antwortete spontan mit "Amen".
@Lilith Dieses unempathische "Mir hat's ja auch nicht geschadet" (doch, hat es) gehört zu den Grundübeln dieser Zeit …
(Und die feine Ironie, dass ich dank 40h-Woche, unausgeglichen Überstunden, wenig Urlaubstagen und spätem Renteneintritt selbst dann im Schnitt mehr Stunden gearbeitet haben werde als Manfred, wenn ich die nächsten 10 Jahre Teilzeit mache, lassen wir auch mal weg – weil mein Arbeitsleben ja gerade nicht Maßstab für andere sein soll)
@[email protected] So langsam dämmert denen in der CxU, dass Arbeitsleistung und Kaufkraft fehlen, wenn man in blindem Wahn um nahezu jeden Preis, auch den des Rechtsbruchs, Menschen aus Deutschland entfernt und Deutschland maximal unattraktiv für Zuwanderung macht. In diesem Zusammenhang dürfte dieser Vorstoß stehen, ebenso die Diffamierung der Krankschreibung und die Forderung von Merz, das Arbeitszeitgesetz (!) am Besten gleich ganz abzuschaffen. Weitere solche Dinger werden folgen...
Dieser Logik liegt ein so verengtes Verständnis von "Arbeit" (Arbeit = Erwerbsarbeit) zugrunde, das wir doch eigentlich schon überwunden hatten? :-(
Abseits der "Freien Wirtschaft" und aus eigener Erfahrung: Bei (verbeamteten) Lehrkräften in Schleswig-Holstein (CDU-geführte Landesregierung) wird das leider schon bei der Genehmigung von Teilzeitanträgen mit ähnlicher Begründung so praktiziert ...