@xriss Guck mal bitte in den Blog-Post. Da ist das Geschichtslehrbuch der 9. Klasse drin und auch das Literaturlehrbuch. Vielleicht warst Du ja in beiden Fächern immer Kreide holen, aber die Frühlingssonate solltest Du auch gehabt haben. Da ging es um die Verbrechen der Wehrmacht in Babyn Jar.

https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Babyn_Jar

Das waren 33.000 Juden in 36 Stunden.

Im Westen war die #Wehrmachtsausstellung noch nach der Wende ein Riesenskandal. Was? Opa? Der war immer so lieb. Unmöglich!

Und die ganzen Straßennamen? Die Herbert-Baum-Oberschule in Berlin?

Klar haben sich die Kommunisten gefeiert. Wer will es ihnen verdenken? Sie haben die Nazis bekämpft und viele sind dafür gestorben. Die Foltermethoden, die #WilliBredel selbst erlebt hat, kannste in #DiePrüfung nachlesen. Aber es ist eben einfach nicht war, dass Juden und der Holocaust in der DDR nicht vorkamen. Oder guck Dir die Briefmarken an. Die Auflagenhöhe steht daneben:

https://so-isser-der-ossi.de/2019/09/01/der-ossi-und-der-holocaust/#Briefmarken

Irgendwer muss die gesehen haben, oder?

In den Anfangsjahren der DDR

@stefanmuelller

Wie kommst du darauf, dass die Beschäftigung mit der Frühlingssonate zugleich eine Beschäftigung mit Verbrechen in Babyn Jar war?
Wikipedia gab es damals noch nicht. Und selbst wenn, wäre der Verweis auf eine außerschuliche Informationsquelle ja eher der Beleg für das Gegenteil, also dass entsprechende Fakten und Hintergründe nicht im Unterricht vermittelt wurden.

https://scripta.bbf.dipf.de/viewer/image/516420275/151/LOG_0010/

In der DDR wurde sicherlich nicht verschwiegen, dass und wie viele Juden Opfer des Nationalsozialismus waren. Aber die Besonderheit, Einzigartigkeit, Singularität des Holocaust spielt so gut wie keine Rolle, kommt praktisch nicht vor.

Auch deine Beispiele zu den Briefmarken finde ich nicht überzeugend als Beleg für die Befassung mit dem Holocaust (=industrieller Völkermord an den *Juden*). Die Briefmarke mit dem 9armigen Leuchter als jüdisches Symbol ist erst von 1988. Weitere Briefmarken mit auf den ersten Blick als jüdische Symbole zu erkennende Marken muss man wohl mit der Lupe suchen. In deinem Blog ist die zweite Briefmarke mit dem Davidstern (1963).
Im Blog erwähnst du, dass für die Gedenkstätte Sachsenhausen über Spendenmarken 2 Mio durch die Bevölkerung zusammengekommen sind. Als Beleg für die Verbundenheit der Bevölkerung mit den jüdischen Opfern? In der abgebildeten Briefmarke darunter spielen Juden (wieder) keinerlei Rolle.

(Wenn die Welt untergeht, wenn (West-)Medien Frankfurt/Oder ohne "Oder" schreiben, dann hätte ich Verständnis dafür, dass es eine Befassung mit dem Holocaust in der DDR nicht wirklich gegeben hat.)

Bei den 2 Mio. Spendenmarken aus 1955 sieht es für mich so aus, dass es wohl keine Postbriefmarken mit Spendenzusatz waren, da sich bei Wikipedia keine finden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Briefmarken-Jahrgang_1955_der_Deutschen_Post_der_DDR
https://de.wikipedia.org/wiki/Aufbau_und_Erhaltung_der_Nationalen_Mahn-_und_Gedenkst%C3%A4tten
https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Mahn-_und_Gedenkst%C3%A4tten

Es dürfte sich eher um eine Spendemarke ohne Briefmarkenfunktion gehandelt haben:
https://www.historische-wertpapiere.de/de/hsk-auktion-xxv/?AID=50296&AKTIE=Kuratorium+f%FCr+den+Aufbau+nationaler+Gedenkst%E4tten+in+Buchenwald%2C+Sachsenhausen+und+Ravensbr%FCck

Ob und wer die unter welchen Bedingungen erworben hat oder erwerben musste, liegt nicht unbedingt auf der Hand.

@xriss

@peer

„Wie kommst du darauf, dass die Beschäftigung mit der Frühlingssonate zugleich eine Beschäftigung mit Verbrechen in Babyn Jar war?“

Und hier zu #BabynJar. Ein Auszug aus dem Buch und aus meinem Blog. Der Name Babyn Jar kommt nicht vor und ich habe auch erst vor ein paar Jahren gelernt, was da genau gemeint war, aber es steht da: „Hauptmann Pritzker war vor seiner Einberufung zur Sowjetarmee Musikpädagoge am Konservatorium in Kiew. Er war verheiratet, hatte eine Tochter und einen Sohn, beide noch schulpflichtig. Im Jahre 1942 haben deutsche Soldaten der Hitler-Wehrmacht in Kiew Zehntausende Juden, Männer, Frauen und Kinder, zusammengetrieben wie Vieh und unweit der Stadt vor ihren Gräbern erschossen. Unter den Opfern befanden sich des Hauptmanns Frau und Kinder. Die Familie hatte am Abend, bevor Pritzker einberufen wurde, die #Frühlingssonate von Beethoven gespielt.“

Die Erzählung ist von dem Kommunisten #WilliBredel, dem offensichtlich nicht nur am Anpreisen des kommunistischen Widerstands gelegen war.

#Antifaschismus #DDR #Holocaust

@xriss

@stefanmuelller

"Beschäftigung" im Unterricht ist mehr, als dass es Material im Stoff gibt, mit dem man sich beschäftigen *könnte*.

Den verbindlichen DDR-Lehrplan zur Frühlingssonate habe ich im vorigen Post mitgeschickt. Es ging um die aufkeimende deutsch-sowjetische Freundschaft, die hohe moralische Überlegenheit der in der sozialistischen Gesellschaft aufgewachsenen und erzogenen sowjetischen Menschen.

Ob der Sowjetsoldat Russe oder anderer Nation war, spielte ja sowieso nie eine Rolle, aber hier auch nicht, dass er "nebenbei" auch Jude war.

Klar, im Bredel-Text wird das nicht unterschlagen, aber es gibt unzählige offizielle DDR-Texte über die Verbrechen in Baby Jar, in denen nicht erwähnt wird, dass die Opfer Juden waren. Und sie waren ja nicht "zufällig" nebenbei auch Juden, sondern sie wurden umgebracht *weil* sie Juden waren.

Leider kann ich mich auch nicht erinnern, ob und schon gar nicht wie die Frühlingssonate in meiner Klasse behandelt wurde. Das muss aber natürlich nichts heißen.
(An Effi Briest und ein weites Feld kann ich mich aber bspw. erinnen.)

@xriss

@peer

Ich hatte, als ich an diesem Blog-Post gearbeitet habe, in meiner Klasse eine Umfrage gestartet und da wurde die Frühlingssonate genannt.

Ich hatte mich erst über die merkwürdigen Zahlen in Deinen Artikeln gewundert. Ich habe deshalb noch mal auf der Babyn Jar-Seite nachgeschaut.

Ja, es sind noch viel mehr Menschen dort gestorben:

https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Babyn_Jar

„Bis zur Einnahme Kiews durch die Rote Armee im November 1943 fanden weitere Massenerschießungen an verschiedenen Orten im Stadtgebiet von Kiew statt, bei denen sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten unterschiedlicher Nationalitäten getötet wurden. Die Anzahl der Opfer liegt unterschiedlichen Schätzungen zufolge bei insgesamt zwischen 150.000 und 200.000. “

Das heißt, dass die Anzahl der Toten in Kiew um den Faktor fünf (!) über der der ermordeten Jüd*innen liegt.

Insgesamt sind während der Nazi-Herrschaft doppelt so viele Nicht-Jüd*innen gestorben wie Jüd*innen:

https://so-isser-der-ossi.de/2024/11/16/zwei-diktaturen-zwei-toepfe/

Das ändert nichts an der generalstabsmäßig geplanten Vernichtung der Juden, die auch thematisiert wurde (siehe nächster Post), aber in den von Dir zitierten Artikeln ist eben die (zu niedrig geschätzte) Gesamtzahl genannt.

@xriss

@peer

Danke für den Link auf die Lehrpläne! Da kann man klar sehen, dass die Kinderschuhe aus Lublin im Kontext von #Holocaust bzw. #Völkermord, wie es im Osten hieß diskutiert wurden.

https://scripta.bbf.dipf.de/viewer/image/516407163/93/

„Die Schüler sollen diese Ballade als erschütternde Anklage gegen den Faschismus und seine barbarischen Methoden des Völkermords aufnehmen und erleben. Ihr Haß gegen den Faschismus und seine gegenwärtigen Vertreter soll wachgehalten und ihre Bereitschaft zur Verteidigung unserer sozialistischen Heimat gefestigt werden. […] die balladenhafte Fiktion einer Gerichtsverhandlung gegen die am millionenfachen Mord Schuldigen als Grundmotiv“

#DDR #Schule #Antifaschismus

@xriss

@stefanmuelller

Ernsthaft?

Definiere mal Holocaust, so wie ihn Juden verstehen und/oder wie er in der BRD verstanden wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust
https://www.annefrank.org/de/anne-frank/vertiefung/was-ist-der-holocaust/

Um dieser Begrifflichkeit gerecht zu werden, reicht es nicht, dass man Oberbegriffe für die Opfer nimmt, so dass je nach Absicht oder Verständnis Juden mitgemeint sein können oder auch nicht.

Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass es keinen Unterschied macht oder machen sollte, ob die Menschen, die zu Opfern wurden, neben dem Menschsein auch Juden waren. Aber aus Sicht der Opfer, deren Angehörigen und anderen ist es aber nicht egal.

Der Holocaust war nicht nur ein Völkermord, sondern der Völkermord an den Juden!

@xriss

Holocaust – Wikipedia

@peer @stefanmuelller @xriss

Ich verstehe die Diskussion nicht mehr. Weder hier noch gesellschaftlich.

Das *Wort* "Holocaust" wurde im Lehrbuch Klasse 9 nicht verwendet, eine falsche Definition ist also nicht das Problem.

Im Gegenteil, es wurde AUSDRÜCKLICH formuliert, was es bedeutet: der Massenmord an den europäischen Juden, die Ausrottung der Juden.

Jeder heute Ü50 hat es in der Schule behandelt.

Alle heute Ü70-Eltern hatten Kinder in der Schule, die Hausaufgaben und Tests geschrieben haben.

Das Land deklinierte das also mit ALLEN Schülern rauf und runter, JAHRZEHNTELANG.

Selbst wenn paar Leute Kreide holen waren oder auf der Sportschule dem Lehrplan nicht gefolgt sind, was im Einzelfall wirklich legitim ist, ...

...können wir doch nicht die GEGENTEILIGE Behauptung, der Holocaust wäre in der DDR unter den Teppich gekehrt worden, ernsthaft akzeptieren.

— mit den Geschichtsbüchern literally vor uns liegend!

https://dresden.network/@steve/112510260971231544

#Holocaust #Shoah #DDR

steve (@[email protected])

Attached: 1 image 4/ - Textauszüge Ab Seite 168: "Nach dem Überfall auf die Sowjetunion begannen die Faschisten auch dort mit Judenverfolgungen" "Diese nahmen in Deutschland, wo seit dem 1. September 1941 das Tragen des Judensterns zur Pflicht gemacht wurde, und in den besetzten Staaten an Umfang und Grausamkeit zu" "20. Januar 1942 ... sogenannte 'Wannsee-Konferenz'" "Dort wurde die 'Endlösung der Judenfrage', ein konkreter Plan zum Massenmord, zur gewaltsamen Vernichtung von mehr als zehn Millionen europäischer Juden, beraten und in Kraft gesetzt. Die schreckliche Bilanz der faschistischen Massenmorde war, dass bis Kriegsende über sechs Millionen Juden umkamen. Ein großer Teil von ihnen wurde in Vernichtungslagern ermordet." Bild mit Karte der KZ im Gebiet von Frankreich, Niederlande, BRD, DDR, Polen, Tschechoslowakei, Österreich. #Geschichte #Schule #Holocaust #Shoah #Juden #Faschismus #DDR #80er

Dresden.Network

@peer @stefanmuelller @xriss

Ich will jetzt Lehrbücher aus dem Westen sehen, deren Buchlisten, deren Fernsehfilme, deren Besuchspläne mit Jugendlichen in KZs.

Wenn der Holocaust im Osten "unter den Teppich" gekehrt wurde, müssen die Lehrpläne im Westen ja vergleichsweise übergequollen sein, oder die Leute müssten sich nach der Schule gebildet haben, in Bibliotheken, im Fernsehen, im Radio.

Wie konnten sie das derart eng fokussiert tun, um dann von einer Wehrmachtsausstellung noch überrascht zu werden?

#Holocaust #BRD

@steve

Da Bildung Ländersache ist, wird das mit den Lehrplänen nicht einfach. Auch waren nach dem Krieg viele Nazis im Westen einfach weiter Lehrer, so dass man nicht wüsste, ob sie nach Lehrplan unterrichtet hätten, wenn man die denn kennte.

(Im Osten gab es einen radikalen Bruch. Dort gab es dann die sogenannten Neulehrer.)

Aber der Kenntnisstand der Schüler*innen ist gut dokumentiert.

Kann man hier sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=7znbxsRjt5k

Wer war #Hitler? Na, das war doch der, der die Autobahnen gebaut hat. Und er hat auch ein paar Menschen umgebracht. So 10.000 oder 30.000. Tja.

Ich kenne bzw. kannte Marianne Meyer Krahmer, die Tochter von Gördeler, dem Bürgermeister von #Leipzig und einem derjenigen, die das Hitler-Attentat geplant hatten und dafür hingerichtet wurden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Marianne_Meyer-Krahmer

Sie war Lehrerin und Direktorin in #Bawü und hat uns geschildert, dass die Nazizeit im Westen keinen angemessenen Raum in der Schule einnahm.

@peer @xriss

#Antifaschismus #Nazis #Holocaust #DDR #BRD

Das wissen Schüler aus dem Jahre 1959 über Hitler und den Nationalsozialismus

YouTube

@steve

3/ Das ist ein Brief von Marianne Meyer-Krahmer, in dem sie die Sippenhaft und das Freikommen aus dem KZ und dann den Wiederanfang mit #BDM-Mädchen an einer Schule in #Bawü beschriebt.

#Nazis #Aufarbeitung

@peer @xriss