Lobby-Budget verdoppelt: Trumps evangelikale UnterstĂŒtzer nehmen EU ins Visier
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Europa
Lobby-Budget verdoppelt: Trumps evangelikale UnterstĂŒtzer nehmen EU ins Visier
Seit dem Amtsantritt von Trump in den USA gewinnen evangelikale Hardliner an Macht â allen voran die Alliance Defending Freedom. Mit immer gröĂeren Geldsummen treibt die rechts-religiöse Gruppe auch in der EU das Rollback voran.
von Gabriela Keller
02. Juni 2025
Die Alliance Defending Freedom agiert vor allem als christliches Anwaltsnetzwerk, ihre Ziele setzt sie mit juristischen Mitteln durch â oder mit politischer Lobbyarbeit. Foto: jametlene-reskp-j93RfbkK0P4 / unsplash.com
Mit einem drastisch gestiegenen Lobby-Budget versucht eine millionenschwere, rechts-religiöse Organisation aus der NÀhe von US-PrÀsident Donald Trump, ihre Agenda in Europa durchzusetzen: Die Alliance Defending Freedom (ADF) zÀhlt in den USA zu den mÀchtigsten evangelikalen Gruppen und kÀmpft weltweit gegen Abtreibungen, gleichgeschlechtliche Ehen und andere Rechte von Homosexuellen und Trans-Menschen.
In der EuropĂ€ischen Union hat sie ihr Budget zuletzt verdoppelt, wie aus dem Transparenzregister der EU hervorgeht: Zwischen Juli 2023 und Juni 2024 gab das BrĂŒsseler BĂŒro der ADF ĂŒber 1,1 Millionen Euro fĂŒr Lobby-AktivitĂ€ten aus â im Vergleich zu 650.000 im Vorjahr. Zuvor bewegten sich ihre Ausgaben meist knapp unter 600.000 Euro.
Auf CORRECTIV-Anfrage nach ihren Zielen teilt die Organisation mit, sie widme sich dem âSchutz der Menschenrechte auf Religionsfreiheit und der Redefreiheitâ.
Trumps Wahlsieg beflĂŒgelt die autoritĂ€re Rechte
Politische Beobachter aber vermuten eine klare Strategie: âSie visieren neue Möglichkeiten in BrĂŒssel anâ, sagt Kenneth Haar, Experte fĂŒr Finanzen und soziale Gerechtigkeit bei der lobbykritischen Organisation Corporate Europe Observatory in BrĂŒssel. âDas ist etwas, was wir regelmĂ€Ăig bei Lobbyorganisationen beobachten: Wenn sie glauben, dass die politischen UmstĂ€nde fĂŒr sie gĂŒnstig sind, stocken sie ihre Budgets auf.â
Seit dem Wahlsieg Trumps im November 2024 hat die Organisation ihren Einfluss in den USA weiter deutlich ausgebaut. Wie CORRECTIV mehrfach berichtete, arbeiten Organisationen und Akteure aus dem MAGA-Lager systematisch am Export ihrer politischen Ziele in Richtung Europa â und die autoritĂ€re Rechte in aller Welt fĂŒhlt sich im Aufwind.
Von ihrem Lobby-Budget in Europa finanziert âADF Internationalâ Konferenzen, Briefings und Kampagnen, vorgeblich zu Themen wie âReligionsfreiheitâ und âMenschenwĂŒrdeâ, das geht aus dem Transparenzregister der EU hervor. Fragt man bei der Pressestelle der Organisation nach, wofĂŒr das Geld verwendet wird, bleibt die Antwort unkonkret: Sie setze sich in ihren BĂŒros in Europa, so auch in BrĂŒssel, dafĂŒr ein, âeuropĂ€ische Werte zu vertretenâ, teilt die ADF-Pressestelle CORRECTIV mit.
Ein christliches Anwaltsnetzwerk, das seine Ziele juristisch durchsetzt
Die Organisation stehe âin voller Ăbereinstimmung mit den Rechten, Freiheiten und GrundsĂ€tzen, die in der Charta der Grundrechte der EuropĂ€ischen Union festgelegt sind.â Als GrĂŒnde fĂŒr das rapide gewachsene Budget nennt âADF Internationalâ unter anderem âEinnahmen zur Abdeckung eines Verlustes aus dem vorherigen Berichtszeitraumâ, eine Aufstockung des Personals sowie steigende Instandhaltungskosten und Inflation.
Im Kern agiert die ADF vor allem als ein christliches Anwaltsnetzwerk und setzt ihre ultrakonservativen Ziele juristisch durch, indem sie ĂŒber Gerichtsverfahren PrĂ€zedenzfĂ€lle erzeugt und so die Rechtslage in ihrem Sinne Ă€ndert.
Ihr gröĂter Erfolg bisher: das Aus von Roe vs. Wade, also dem landesweiten Grundrecht auf Abtreibungen in den USA. Wie CORRECTIV vor etwa einem Jahr berichtete, steigen die Ausgaben der ADF in Europa seit Jahren rapide an â die neuen Zahlen zeigen, dass die Entwicklung sich weiter zuspitzt.
âKalt erwischtâ â das ĂŒberraschende Aus der Anti-Diskriminierungsrichtlinie
Die ADF pflegt enge Verbindungen zur Trump-Regierung; die Organisation gab bekannt, beim RĂŒckbau der Rechte fĂŒr Trans-Menschen mit Trump zusammenarbeiten zu wollen. Und Mike Johnson, Sprecher des ReprĂ€sentantenhauses, war frĂŒher ihr Sprecher. âADF Internationalâ teilt hierzu mit, sie sei eine âĂŒberparteilicheâ Organisation und nicht mit bestimmten Parteien oder Politikern verbunden.
Auch in Europa treibt sie ihre Ziele voran: Vor wenigen Tagen behauptete der Ableger âADF internationalâ in einem Newsletter, sie stehe als treibende Kraft hinter dem Aus der europĂ€ischen Anti-Diskriminierungs-Richtlinie, die Benachteiligung auf Grundlage von Religion, Alter, sexueller Orientierung oder einer Behinderung verhindern sollte. Zur Ăberraschung vieler hatte die EU-Kommission das Vorhaben im Februar gestrichen. Die BegrĂŒndung: âââKeine absehbare Einigung â der Vorschlag ist blockiert und weiterer Kompromiss unwahrscheinlich.â
âDas hat uns alle kalt erwischtâ, sagt die GrĂŒne EU-Abgeordnete Katrin Langensiepen. âEs ist nun vom Tisch, und es wird alle zukĂŒnftigen Initiativen zu DiversitĂ€t und Inklusion schwĂ€chen.â TatsĂ€chlich hing die Richtlinie seit mehr als 15 Jahren fest, mehrere LĂ€nder stemmten sich dagegen, etwa Italien und Tschechien. Vor allem aber war es der Widerstand aus Deutschland, der die Richtlinie aufhielt. Zuletzt stand die FDP auf der Bremse.
ADF International brĂŒstet sich mit Erfolg ihrer Lobbyarbeit in Europa
âIch glaube, wenn Deutschland sich bewegt hĂ€tte, als gröĂter Mitgliedsstaat, dann wĂ€re das ein Signal gewesenâ, sagt die EU-Abgeordnete Gabriele Bischoff (SPD), âaber diese Themen haben im Moment leider keine Konjunktur mehr.â In den vergangenen Monaten ist die EU deutlich nach rechts gerĂŒckt. Gerade mit Blick auf die USA reagierten progressive KrĂ€fte bestĂŒrzt auf das Aus der Richtlinie.
Der Luxemburger Sozialdemokrat Marc Angel schrieb in einem Kommentar von âTrumpismus in Europaâ. Denn kurze Zeit zuvor gab PrĂ€sident Trump in den USA die Streichung aller Gleichstellungs-Programme bekannt.
In ihrem Newsletter brĂŒstet sich die âADF Internationalâ mit dem Scheitern der Initiative: Es handele sich um einen âSchlĂŒssel-Meilensteinâ ihrer BemĂŒhungen. SchlieĂlich, schreibt sie, hĂ€tte die Richtlinie christliche Floristen, Fotografen oder Konditoren zwingen können, an âEventsâ mitzuwirken, die ihrem Glauben widersprechen. Offenbar sind gleichgeschlechtlichen Hochzeiten gemeint. Dagegen habe âADF internationalâ gekĂ€mpft, sei mit âRegierungsvertreternâ in Kontakt getreten und habe mit einer âbreit gefĂ€cherten Informationskampagneâ das âBewusstsein geschĂ€rftâ. Dies habe zum âErfolgâ gefĂŒhrt.
Ob die Behauptungen zutreffen, lĂ€sst sich nicht prĂŒfen â sie zeugen von einem GefĂŒhl der StĂ€rke. Mit welchen Regierungen âADF Internationalâ in Kontakt stand, beantwortet sie nicht. Auf Nachfrage schreibt sie, die Richtlinie hĂ€tte eine Gefahr fĂŒr die âKernfreiheiten von Menschen und Unternehmenâ in der EU bedeutet und âein paar geschĂŒtzte Gruppen auf Kosten der Freiheit aller anderen BĂŒrgerâ privilegiert.
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Author: Gabriela Keller
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