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ÖPNV in Essen: Diese Betrugsmasche steckt hinter dem Sechs-Monats-Ticket für 2,35 Euro

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Faktencheck

ÖPNV in Essen: Diese Betrugsmasche steckt hinter dem Sechs-Monats-Ticket für 2,35 Euro

Eine Fahrkarte für sechs Monate, die nur 2,35 Euro kosten soll: Dafür wirbt ein Facebook-Beitrag der Seite „ÖPNV Essen“. Hinter dem angeblichen Angebot steckt eine internationale Betrugsmasche, bei der es um Datendiebstahl geht.

von Sara Pichireddu

24. Juli 2025

Mit diesem Ticket des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr kann man nicht sechs Monate fahren – hinter dem Angebot steckt Phishing. Damit sollen persönliche Daten abgegriffen werden. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck) Behauptung

Zum Jubiläum des Verkehrsverbandes Rhein-Ruhr (VRR) würden 500 Karten für nur je 2,35 Euro verkauft, mit denen man sechs Monate den öffentlichen Nahverkehr nutzen könne.

Aufgestellt von: Beiträgen auf Facebook Datum:
07.07.2025

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Falsch. Das angebliche Angebot des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ist erfunden, eine Fahrkarte für 2,35 Euro für sechs Monate gibt es nicht. Hinter den Beiträgen steckt eine internationale Betrugsmasche, durch die Daten gestohlen werden sollen.

„VRR feiert sein Jubiläum mit einer besonderen Chipkarte“: Sechs Monate sollen 500 „Einwohner von Essen und Umgebung“ den Nahverkehr kostenlos nutzen können. Das behauptet eine Facebook-Beitrag, der Nutzerinnen und Nutzer in eine Falle locken soll: Angeblich feiert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) Jubiläum und bietet dafür eine Nahverkehrs-Fahrkarte für nur 2,35 Euro an. Der Facebook-Beitrag selbst ist zwar nicht viral, doch er wurde mehrfach als Werbeanzeige verbreitet und erreichte auf diesem Weg mehr als 4.400 Ansichten.

In dem Beitrag sind Fotos von Bussen und Bahnen der Essener Ruhrbahn zu sehen, sowie ein grün-weißes „Chipticket“ mit dem VRR-Logo und der Aufschrift „6 Monate kostenlos“. Eine Nutzerin kommentiert: „Alles offiziell, die Website ist seriös, Chipkarte erhalten“ und veröffentlicht selbst nochmal ein Foto der Fahrkarte. Doch das macht so einen Beitrag nicht automatisch glaubwürdig.

Das Bild der Karte geht auf ein sechs Jahre altes Design des VRR zurück. Eine solche Karte ist nicht in Umlauf. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Mehrere Details wecken Zweifel: Das Profil, von dem der Kommentar stammt, enthält neben einem Beschreibungstext auf Französisch keine Informationen, folgt aber hunderten Seiten, zum Großteil Verkehrsunternehmen – es ist also wahrscheinlich gefälscht.

Die Anzeigen selbst verlinken nicht auf die Ruhrbahn oder den VRR, sondern auf eine Webseite mit völlig anderem Namen und anderer Adresse (URL). Auch die Facebook-Seite „ÖPNV Essen“, von der die Anzeige stammt, wirkt unseriös: Sie hat nur drei Follower, wurde am selben Tag erstellt wie der Beitrag, und hat keine anderen Beiträge veröffentlicht. Zudem haben weder die E-Mail-Adresse noch die Telefonnummer etwas mit der Essener Ruhrbahn oder dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zu tun. Die Telefon-Vorwahl gehört zu einem Ort in Ostfriesland (Niedersachsen).

Ähnliche Anzeigen wurden auch in Berlin, Chemnitz und Düsseldorf geschaltet. Sie gleichen sich im Wortlaut und greifen auf dieselbe IT-Infrastruktur zurück.

Dahinter steckt eine internationale Betrugsmasche, die regionale Verkehrsbetriebe imitiert

Das Muster hinter den Fakes ist bekannt: Die spanische Faktencheck-Organisation Maldita berichtete darüber bereits. Sie deckte mehr als 1.000 Facebook-Seiten auf, die örtliche Verkehrsdienstleister in mehr als 60 Ländern weltweit imitierten. Die Phishing-Masche, also Betrug mit dem Ziel, Zahlungsdaten zu erbeuten, geht immer nach einem ähnlichen Prinzip vor. Das geht so:

  • Immer geht es in den Beiträgen um ein regionales Verkehrsunternehmen, das zu seinem Jubiläum sehr günstige Tickets vergibt. Genutzt werden alte Bilder von unterschiedlichen Webseiten.
  • Nutzerinnen und Nutzer werden beim Klick auf die Anzeige auf eine Webseite geleitet, die mit dem Verkehrsunternehmen nichts zu tun hat. Dort werden drei einfache Quizfragen gestellt.
  • Anschließend erscheinen sechs Geschenkboxen, von denen der Nutzer drei auswählen soll. Nach dem zweiten Klick gewinnt man das vermeintliche „Deutschlandticket – 6 Monate kostenlos“.
  • Danach folgt ein Formular zur Eingabe personenbezogener Daten (Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail).
  • Im Anschluss wird zur Eingabe von Kreditkartendaten aufgefordert.
  • Ein weiteres Detail ist auffällig: Wie auch viele der Fake-Webseiten, über die Maldita berichtete, läuft die Webseite mit dem Fake-Angebot aus Essen über den russischen Hosting-Anbieter JSC Selectel.

    Die Webseite läuft über einen Hosting-Dienstleister in Russland (Quelle: Domaintools; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Fake-Verkehrsseiten schicken Zahlungsaufforderungen

    So gehen die Betrüger vor: Betroffene berichten laut Maldita, dass sie, nachdem sie die ersten 2,35 Euro gezahlt haben, weitere und immer größere Zahlungsaufforderungen erhielten. Ein Ticket bekamen sie nie. Sie werden aber von den Webseiten dazu aufgefordert, persönliche Daten wie Name, Adresse und Kreditkartennummer zu hinterlegen. Wer diese Daten schließlich erhält, ist unklar.

    Bei Phishing versuchen Betrüger Geld oder Identität von Nutzern zu stehlen, indem sie sie dazu bewegen, persönliche Informationen wie Kontodaten oder Kennwörter auf Webseiten einzugeben, die sich als seriös ausgeben. Phishing ist in Deutschland strafbar.

    Wie uns ein Sprecher der Ruhrbahn bestätigte, sind die Seiten und Angebote nicht echt. „Wir haben die Seiten seinerzeit bei Facebook gemeldet und unsere Kunden via Facebook auf die Betrugsmasche aufmerksam gemacht“, so ein Sprecher. Bereits im Januar 2025 sei dem Verkehrsbetrieb eine Masche dieser Art aufgefallen. Ein entsprechendes Angebot zum Jubiläum habe es nicht gegeben.

    Die Facebook-Seite sowie das Angebot sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung am 23. Juli noch online. Aktuell hat die Seite aber laut der Werbebibliothek von Meta keine aktiven Anzeigen geschaltet.

    Transparenzhinweis: CORRECTIV ist seit 2017 in einer Kooperation mit dem Facebook-Konzern Meta, um Desinformation auf dem Sozialen Netzwerk zu bekämpfen. Mehr Informationen zu der Kooperation erhalten Sie hier.

    Mitarbeit: Johannes Gille
    Redigatur: Steffen Kutzner, Sarah Thust

    Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

    • Recherche zum weltweiten Netzwerk aus Betrugsseiten, Maldita, 16. Juli 2025: Link (Englisch)

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    Author: Sara Pichireddu

    #betrugsmasche #diese #essen #hinter #monats #sechs #steckt

    ÖPNV in Essen: Diese Betrugsmasche steckt hinter dem Sechs-Monats-Ticket für 2,35 Euro

    In einem Beitrag wirbt eine betrügerische Seite mit einer ÖPNV-Fahrkarte für nur 2,35 Euro für Essen und die Region. Hinter dem Angebot steckt eine internationale Masche.

    correctiv.org

    Bus und Bahn in Chemnitz: Hinter angeblicher 6-Monat-Karte für 2,35 Euro steckt Phishing

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    Faktencheck

    Bus und Bahn in Chemnitz: Hinter angeblicher 6-Monat-Karte für 2,35 Euro steckt Phishing

    Eine Facebook-Seite wirbt für ein Nahverkehrsticket in Chemnitz, die Anzeige richtet sich an Menschen vor Ort. Es gebe 500 Karten zu je sechs Monaten für 2,35 Euro. Die Karten gibt es nicht, dahinter steckt Betrug.

    von Sarah Thust

    22. Juli 2025

    Passagiere steigen in einen Bus der CVAG in Chemnitz (Symbolfoto: Jan Woitas / DPA / Picture Alliance) Behauptung

    Zum Jubiläum der CVAG in Chemnitz würden 500 Fahrkarten für nur je 2,35 Euro verkauft, mit denen man sechs Monate den öffentlichen Nahverkehr nutzen könne.

    Aufgestellt von: Beiträgen auf Facebook Datum:
    02.06.2025

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    Falsch
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    Falsch. Das angebliche Angebot der CVAG ist erfunden. Hinter den Beiträgen steckt eine internationale Betrugsmasche, durch die persönliche Daten und Kreditkarten-Informationen erbeutet werden sollen.

    „6 Monate unbegrenzte Fahrten für nur 2,35 €“, heißt es in einem Beitrag der Facebook-Seite „ÖPNV Chemnitz“. Angeblich verkaufe das Verkehrsunternehmen CVAG anlässlich eines Jubiläums 500 Abo-Karten für den örtlichen Nahverkehr zum Sonderpreis. Das klingt zu gut, um wahr zu sein – und das ist es auch.

    Der Beitrag zu Chemnitz wurde zwischen 3. und 7. Juni immer wieder über Werbeanzeigen auf Facebook verbreitet, die gezielt Menschen im Raum Chemnitz erreichen sollten. Ein Blick in die Werbebibliothek von Meta zeigt, dass diese Anzeigen oft nur wenige Stunden aktiv sind und dann abgeschaltet werden. Doch in der Zwischenzeit erreichten sie hunderte Nutzerinnen und Nutzer. Die Seite ist auch im Juli noch online. 

    Ein Sprecher der CVAG schrieb CORRECTIV.Faktencheck, dass das Ticket nicht existiert. Man habe rechtliche Schritte eingeleitet. Die Werbeanzeigen passen aus mehreren Gründen zu einer Phishing-Masche, die es auf Zahlungsinformationen abgesehen hat.

    Fake-Anzeigen zu Berlin und zu Düsseldorf im Vergleich (Quelle: Facebook; Grafik: CORRECTIV.Faktencheck)

    Facebook-Seite hinter Werbeanzeige hat nichts mit CVAG in Chemnitz zu tun

    Der Beitrag verlinkt nicht die CVAG in Chemnitz, sondern eine unseriöse Webseite. Die ist Teil einer Betrugsmasche, über die die Faktencheck-Redaktion . CORRECTIV.Faktencheck entdeckte ähnliche Fälle in Berlin, Heilbronn und Düsseldorf

    Sie alle gleichen dem Fall Chemnitz: Hinter dem Fake-Beitrag steckt nicht das offizielle Facebook-Profil des Verkehrsunternehmens. Der Seite folgen nur 248 Nutzer, während die echte Facebook-Seite 7.770 Follower hat. Auch wurde die Fake-Seite mehrfach umbenannt, wie ein Blick auf den Abschnitt „Seitentransparenz“ zeigt. Die E-Mail-Adresse hat nichts mit den Verkehrsbetrieben in Chemnitz zu tun. Die Telefon-Nummer existiert nicht.

    ÖPNV-Fakes: Dahinter steckt ein internationaler Ring aus Kreditkartenbetrügern

    Die hat im Juli 2025 über die Vorgehensweise der Betrüger hinter den Facebook-Seiten berichtet. Sie fand dabei mehr als 1.000 Facebook-Seiten, die regionale Verkehrsdienstleister in über 60 Ländern weltweit imitierten. Sie gehen alle nach demselben Prinzip vor und verwenden nahezu identische Beitragstexte. Ziel ist es, Kontodaten zu erbeuten. 

    Bei Phishing versuchen Betrüger an Geld oder Identität von Nutzern zu stehlen, indem sie sie dazu bewegen, persönliche Informationen wie Zahlungsdaten oder Kennwörter auf Webseiten einzugeben, die sich als seriös ausgeben. Phishing ist in Deutschland strafbar.

    Dahinter steckt ein internationales Betrugsnetzwerk, das schwer zu fassen ist: Laut Maldita sitzt ein Teil der Administratoren der Facebook-Seiten in Vietnam. Im Fall Chemnitz ist dem nicht so. Doch es finden sich andere Parallelen: So läuft – auch im Fall Chemnitz – die Fake-Webseite über den russischen Server-Anbieter JSC Selectel.

    Das Profil der Fake-Adresse zeigt: Die Webseite läuft über Rechenzentren in Russland (Quelle: Domaintools; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Berichte von Betroffenen zeigen, dass die Betrüger nach den ersten 2,35 Euro weitere Zahlungsaufforderungen über größere Summen stellen. Ein Ticket wird nicht versandt. 

    Transparenzhinweis: CORRECTIV ist seit 2017 in einer Kooperation mit dem Facebook-Konzern Meta, um Desinformation auf dem Sozialen Netzwerk zu bekämpfen. Mehr Informationen zu der Kooperation erhalten Sie hier.

    Mitarbeit: Johannes Gille
    Redigatur: Steffen Kutzner, Sophie Timmermann 

    Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

    • Recherche zum weltweiten Netzwerk aus Betrugsseiten, Maldita, 16. Juli 2025: Link (Englisch)

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    Author: Sarah Thust

    #angeblicher #chemnitz #hinter #karte #monat #phishing #steckt

    (Merkurist) Mainzer Gautor in “Gaytor” umbenannt: Was dahinter steckt

    Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Mainz hat bei Google Maps einen neuen Namen bekommen. Was dahinter steckt.

    Direktlink

    #dahinter #gautor #gaytor #mainzer #merkurist #steckt #umbenannt

    merkurist.de

    Hinter angeblichem Action-Gewinnspiel auf Facebook steckt Datenklau

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    Besondere Taschen, Mobiltelefone, Bargeld und Gutscheine: Mit diesen vermeintlichen Gewinnen soll ein Facebook-Beitrag Nutzerinnen und Nutzer Mitte Januar dazu verleiten, an einem angeblichen Gewinnspiel des Discounters Action teilzunehmen. Der Beitrag wurde hundertfach geteilt. Rund 50 Nutzer sind dem Aufruf schon nach kurzer Zeit gefolgt, denn sie kommentierten „Herzlichen Glückwunsch“ unter den Beitrag. Dadurch soll für sie angeblich bis zum 30. Januar 2025 einer der Gewinne winken. 

    Doch Vorsicht, hinter dem angeblichen Gewinnspiel steckt nicht der Discounter. Im Folgenden erklären wir, woran das erkennbar ist.

    Anders als es den Anschein erweckt, steht dieser Facebook-Beitrag nicht mit dem Discounter Action in Verbindung (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Facebook-Seite gefälscht: Angebliches Gewinnspiel ist nicht von Action

    Die Facebook-Seite „Action fans.“, die den Beitrag veröffentlicht hat, ist eine Fälschung. Zum anderen hat die Seite auffällig wenige „Gefällt mir“-Angaben und Follower, obwohl der Discounter sehr bekannt ist. Die Seite trägt auch keinen blauen Haken, sie ist also nicht von Meta verifiziert. 

    Weitere Belege für die Fälschung sind erkennbar, wenn man auf den Reiter „Seitentransparenz“ klickt. Dort heißt es, die Seite wurde am 15. Dezember 2024 erstellt. Doch seitdem wurden nur dieses und ein weiteres angebliches Gewinnspiel veröffentlicht. Für die Beiträge zeigt sich keiner verantwortlich, das Impressum fehlt.

    Der fehlende blaue Haken neben dem Namen der Facebook-Seite, die geringe Zahl an „Gefällt mir“-Angaben sowie das fehlende Impressum zeigen, dass die Seite eine Fälschung ist (Quelle: Facebook; Screenshot und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

    Die echte Facebook-Seite des Discounters trägt hingegen das Original-Logo und den blauen Haken. Die Seite hat Millionen „Gefällt mir“-Angaben und ist auch über eine Verlinkung auf der Webseite von Action zu finden. Auf der offiziellen Seite von Action findet sich das Gewinnspiel nicht. 

    Fake-Gewinnspiel führt zu dubioser Webseite, die sich als Action ausgibt

    Wer den Facebook-Beitrag kommentiert, um an dem angeblichen Gewinnspiel teilzunehmen, erhält eine automatisierte Nachricht. Darin steht die Aufforderung, den Beitrag in Profilen und fünf Facebook-Gruppen zu teilen. Das ist eine typische Masche, über die wir schon häufiger berichteten. Sie führt dazu, dass der Beitrag mehr Reichweite erhält und vertrauenswürdig wirkt. 

    Die automatisierte Nachricht enthält zudem einen Link, der zu einer Seite des Dienstes „Google Sites“ führt. Damit lassen sich kostenlos Webseiten erstellen. Die Seite gibt vor, von Action zu stammen, doch die Internetadresse (URL) sieht anders aus. Sie endet mit den Worten „halaman muka“. Webseiten mit diesem Zusatz standen laut betrugsalarm.com – einer Webseite, die gemeldete Betrugsfälle im Netz erfasst – bereits in der Vergangenheit in Verbindung mit gefälschten Gewinnspielen.

    Webseiten, die in ihrer Internetadresse den Zusatz „halaman muka“ tragen, veröffentlichten bereits in der Vergangenheit gefälschte Gewinnspiele (Screenshot und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)

    Fake-Gewinnspiel dient Datenklau, offenbar von einer Briefkastenfirma

    Statt den ursprünglich angepriesenen Taschen, Mobiltelefonen, dem Bargeld oder den Gutscheinen soll es jetzt laut der Webseite einen 500-Euro-Gutschein von Amazon zu gewinnen geben sowie einen Zugang, um 30 Tage kostenlos Amazon Audible zu testen. 

    Doch dafür müssen noch persönliche Daten wie die E-Mail-Adresse und die Handynummer angegeben werden – an dieser Stelle ist Vorsicht geboten. Denn die Daten werden nicht bei dem Discounter Action landen, sondern bei der Firma, die im Impressum angegeben ist: Global Lead Generation Ltd.

    Wer über das Fake-Gewinnspiel auf einer Webseite landet, wird aufgefordert, seine persönlichen Daten einzugeben. Laut Impressum landen diese bei einer Firma namens Global Lead Generation Ltd. (Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Die Adresse der Firma liegt in Großbritannien. Ein Blick in das dortige Unternehmensregister zeigt, dass an dieser Adresse jedoch hunderttausende angebliche Firmen gemeldet sind oder es mal waren. Laut Aufnahmen von Google Maps aus 2022 steht an der Adresse ein Wohnhaus. Eine Suche nach dem Firmennamen im Unternehmensregister führt außerdem zu einer anderen als im Impressum angegebenen Adresse. Es handelt sich also offenbar um eine Briefkastenfirma. 

    Diese Adresse ist im Impressum der Webseite angegeben, die das Fake-Gewinnspiel bewirbt. Laut dem britischen Unternehmensregister sind oder waren dort hunderttausende angebliche Firmen registriert (Quelle: Google Maps; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Vor Phishing, also dem Datenklau, bei gefälschten Gewinnspielen warnen auch Facebook sowie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Name des Discounters Action wurde dabei häufig missbraucht, wie wir mehrfach berichteten

    Daran kann man unseriöse Facebook-Seiten erkennen: 

    • Ist das Facebook-Profil mit einem blauen Haken verifiziert?
    • Gibt es ein Impressum?
    • Liegt die Follower-Anzahl in einer glaubwürdigen Größenordnung für die Bekanntheit einer Marke oder Person?
    • Welche Art von Beiträgen werden auf dem Facebook-Profil veröffentlicht?
    • Wann wurde die Seite erstellt?

    Redigatur: Viktor Marinov, Sophie Timmermann

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    Author: Kimberly Nicolaus

    #action #angeblichem #datenklau #facebook #gewinnspiel #hinter #steckt

    Deepdive: So viel Nazi steckt in der FPÖ

    Die FPÖ wird in Österreich vermutlich die nächste Regierung anführen. Doch wer ist Herbert Kickl, der vermutlich nächste Bundeskanzler? Was wollen die führenden Player der Partei? Und wie rechts ist die FPÖ?

    Es sind extrem rechte Kader, die wohl künftig in Österreichs Ministerien an den Schalthebeln der Macht sitzen. Politisch ausgebildet wurden sie zumeist in Burschenschaften und anderen deutschnationalen Studentenverbindungen. Und gleichzeitig sind sie beinhart marktradikal und wollen umfangreiche soziale Kürzungen durchsetzen.

    Herbert Kickl: Ideologe im Maschinenraum der FPÖ

    Beginnen wir mit dem FPÖ-Vorsitzenden und vermutlich nächsten österreichischen Bundeskanzler: Herbert Kickl. Der 56-jährige Kärntner hat bereits früh bei der FPÖ angedockt, schon ab 1995 arbeitete er für die Parteiakademie der „Freiheitlichen“. Später wird er gar zum Leiter der Akademie aufsteigen, Kickl ist somit kein ideologisches Leichtgewicht – er ist ein überzeugter extremer Rechter und weiß ganz genau, was er tut. 

    Doch lange Zeit ist Kickl vor allem im Hintergrund tätig, im „Maschinenraum“ der Partei. Dort allerdings fällt das Talent des Studenten der Philosophie und Politikwissenschaft für einschlägige Parolen schnell auf. Rassistische Slogans wie „Abendland in Christenhand“ oder „Daham statt Islam“ stammen aus seiner Ideenwelt. Innerhalb der Partei steigt er deshalb schnell auf, schon 2005 wird er Generalsekretär. Die bürgerliche Tageszeitung „Presse“ nennt ihn bereits 2009 den „Provokateur im Dienste der FPÖ“.

    Kickls berüchtigte „Ideenschmiede“

    Parallel zu seinem Aufstieg in der FPÖ wird Kickl zum Firmenchef. Und diese Geschichte verdient durchaus Beachtung, denn sie zeigt, wie Kickl tickt. Der FPÖ-Mann gründet Anfang der Jahrtausendwende die Werbeagentur Ideenschmiede, die die Wahlkampagnen für Jörg Haider abwickelt. Privat und gegen Honorar. Der Parteiangestellte Kickl verdient also mit Werbung für die eigene Partei. Sagen wir so: Das ist doch eher ungewöhnlich.

    Und Fragen zu dieser Firma gibt es bis heute. Denn Aufträge gibt es auch vom (damals rechts regierten) Land Kärnten. Der Falter schreibt 2019 [Paywall] über „um etwa 20 Prozent überhöhte Tarife“, die Steuergelder sollen anschließend in die Parteikassen geflossen sein. Die Behörden hätten auch ermittelt, doch laut Falter ließ der damalige ÖVP-nahe Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek den Fall einstellen. Kickl selbst sagt dazu, er wäre in der Firma „nur wenige Wochen“ stiller Teilhaber gewesen. Das konnte nie widerlegt werden, Kickl wurde nie als Beschuldigter geführt und es gilt die Unschuldsvermutung.

    Die korrupte rechte „Buberlpartie“

    Haider hatte sich in dieser Zeit mit einer ganzen Truppe von marktradikalen Schnöseln umgeben, der sogenannten „Buberlpartie“. Die wohl häufig koksgeschwängerte Truppe spürte sich kaum mehr, „anything goes“ war die Mentalität. Und das galt auch für den Griff in die Staatskasse.

    Schon zwischen 2000 und 2006 gab es erstmals eine Koalition der ÖVP mit der extremen Rechten. Zuerst mit der FPÖ, dann mit der von Haider neu gegründeten FPÖ-Abspaltung „Bündnis Zukunft Österreich“. Es war eine rechte Regierung von Sozialabbau, Privatisierungen – und Korruption. In den Jahren nach dem Ende dieser Regierung gab es auch zahlreiche Korruptions-Verurteilungen gegen hohe Funktionäre von FPÖ und ÖVP. So wurde etwa der ehemalige ÖVP-Innenminister Ernst Strasser zu einer unbedingten Gefängnisstrafe verurteilt

    Die juristische Aufarbeitung ist immer noch nicht abgeschlossen

    Doch das vermutlich wichtigste Verfahren im gesamten Komplex ist bis heute nicht abgeschlossen, jenes gegen den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (erst FPÖ, dann ÖVP): Der wurde zwar schon vor rund vier Jahren in erster Instanz zu acht Jahren Haft verurteilt, doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. 

    Und die gerichtliche Aufarbeitung der umfangreichen Korruptionsvorwürfe gegen Schwarz-Blau II zwischen 2017 und 2019 hat gerade erst begonnen. Unter anderem wird der ÖVP vorgehalten, verschiedene Boulevardmedien mit Inseraten gefüttert zu haben, im Gegenzug seien gefakte Umfragen publiziert worden. Bundeskanzler Sebastian Kurz von der ÖVP musste deshalb im Oktober 2021 zurücktreten. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

    Fast 50 Prozent für die FPÖ

    Unter Schwarz-Blau II wird auch der jetzige FPÖ-Chef Kickl erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt – er übernimmt den Posten des Innenministers in der rechten „Bürgerblock“-Regierung. Bundeskanzler wird der damals noch neue ÖVP-Strahlemann Sebastian Kurz. Er hatte die CDU- Schwesterpartei kurz davor übernommen und real auf FPÖ-Kurs gebracht. Intern wurde von der Kurz-Fraktion als Parole ausgegeben: „FPÖ-Themen, aber mit Zukunftsfokus“. Mehr über den Rechtsruck der ÖVP könnt ihr hier lesen.

    Das Vorbild der ÖVP lag und liegt dabei auf den Tisch: Ihre damalige ungarische Schwesterpartei FIDESZ hat unter Premier Viktor Orbán erfolgreich eine weit rechte Sammelpartei aufgebaut (inzwischen ist die FIDESZ in einer gemeinsamen EU-Fraktion mit der FPÖ verbunden). Dieser Neuausrichtung der ÖVP war ein deutliches Warnsignal für die Konservativen vorangegangenen.

    Bei der Präsidentschaftswahl 2016 – in Österreich eine Volkswahl – hatte der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer in der Stichwahl fast 50 Prozent der Stimmen erreicht. Der grüne Kandidat Alexander Van der Bellen gewann nur „arschknapp“, wie er selbst sagte.

    „Wundern, was alles gehen wird“

    Und schon im Wahlkampf hatte Hofer – später auch kurzzeitig FPÖ-Chef – gedroht: „Sie werden sich wundern, was alles gehen wird.“ Nun werden wir es vermutlich herausfinden. 

    Gleichzeitig war die Präsidentschaftswahl 2016 bereits ein deutlicher Fingerzeig, wohin die Reise in Österreich gehen würde. Zumindest für alle, die es sehen wollten. Denn die FPÖ hatte damals in fast allen ländlichen Regionen des Landes einen großen Teil der traditionellen ÖVP-Stimmen übernommen. 

    Die ÖVP reagiert darauf mit einem strategischen Rechtsruck. Und die aktuellen Pläne zur Formierung einer blau-schwarzen Koalition sind letztlich die Konsequenz dieser Entwicklung.

    Soziale Kürzungen, Rassismus und Neonazismus

    Als ÖVP und FPÖ dann nach der Wahl 2017 eine Regierung bilden, ist es vor allem eine Regierung des brutalen Sozialabbaus. So wird etwa der 12-Stunden-Regelarbeitstag und die 60-Stunden-Regelarbeitswoche trotz massiver Proteste durchgesetzt und die Krankenkassen werden weitgehend unter Unternehmer:innenkontrolle gestellt. Im Gegenzug werden Milliarden-Geschenke für Unternehmen und Konzerne versprochen.

    Als Ablenkung dient der Rassismus. Unter anderem wird die Mindestsicherung für besonders arme Menschen gekürzt – eine üble soziale Attacke. Menschen mit Migrationsbiografie müssen als Vorwand dafür herhalten. Grenzen gibt es kaum mehr. So sagt Kickl etwa bei einer Pressekonferenz Anfang 2018, er wolle Asylwerber „konzentriert an einem Ort halten“. Der eindeutige Unterton ist offensichtlich.

    Und die FPÖ setzt auch auf Botschaften an die einschlägige Szene. So behauptet der damalige Innenminister Kickl im November 2018 im österreichischen Parlament ernsthaft, dass Neonazismus in Österreich nicht strafbar wäre. Völliger Unsinn: Selbstverständlich ist nationalsozialistische Wiederbetätigung in Österreich strafbar und wird mit dem NS-Verbotsgesetz sogar sehr streng bestraft.

    FPÖ: Freundschaftsvertrag mit Putin

    Sympathien aus der FPÖ gibt es auch für die Diktatur in Russland. Bereits 2016 hatte die FPÖ ganz offiziell einen Freundschaftsvertrag mit der Putin-Partei „Geeintes Russland“ abgeschlossen. Im Dezember 2021 sagte Andrej Klimow, Spitzenfunktionär der Kreml-Partei, zur APA, die Vereinbarung sei auf Bitte der österreichischen Seite geschlossen worden.

    Offiziell war Kickl an der Unterzeichnung nicht beteiligt – doch Kickl war zwischen 2005 und 2017 Generalsekretär der FPÖ. Dass er nicht involviert war, ist somit kaum denkbar. Und bestimmte Verbindungen aus der FPÖ zum Kreml sind ohnehin evident: Karin Kneissl, ab 2017 Außenministerin auf einem FPÖ-Ticket, lebt inzwischen sogar in Russland und macht Propaganda für Kriegsverbrecher Putin. 

    Letztlich sollte das niemand überraschen: Zur Hochzeit der damals bereits ehemaligen Außenministerin im August 2018 war Putin sogar eigens nach Österreich gereist. Die Bilder von Kneissls Verbeugung vor Putin sorgten schon damals für Erstaunen. Putin soll Kneissl übrigens zur Hochzeit Ohrringe im Wert von 50.000 Euro geschenkt haben.

    Und es geht nicht nur um Propaganda, sondern auch um direkte Spionage. Die FPÖ sei unter allen österreichischen Parteien jene, die am engsten in russische Spionage verwickelt ist, bestätigt der ehemalige Geheimdienst-Chef Peter Gridling Anfang 2025 im Standard. Und, so Gridling: „Die FPÖ war ein Einfallstor für russische nachrichtendienstliche Informationsgewinnung.“ Russland werde „diese Verbindungen weiterhin nutzen“.

    Die Polizei-Razzia im Geheimdienst

    Apropos Informationsgewinnung: Unter Innenminister Kickl gab es im Februar 2018 sogar eine Razzia der Polizei im Inlandsgeheimdienst. Angeführt wurde die Polizeieinheit von einem FPÖ-Gemeinderat, dem Polizeioberst Wolfgang Preiszler – höchst sensible Daten wurden beschlagnahmt. Unter anderem wurde auch das Büro der damaligen Referatsleiterin für Extremismus durchsucht. 

    Nach ihren Angaben verschwand dabei unter anderem der Ausdruck einer E-Mail, wo der österreichische Neonazi-Führer Gottfried Küssel einige Personen zu einer Veranstaltung eingeladen hatte. Eine der eingeladenen Personen: Polizeioberst Preiszler. Also jener Polizeioffizier und FPÖ-Funktionär, der die Razzia leitete.

    Sellner am Telefon

    Zum Thema „Behörden und Rechtsextremismus“ könnte vermutlich auch Reinhard Teufel einige interessante Informationen beisteuern, er gilt als Chefberater von Kickl. Schon in der schwarz-blauen Koalition ab 2017 hatte Teufel eine wichtige Funktion: Er wurde Kabinettschef in Kickls Innenministerium, also der Leiter der politischen Führung des Ministeriums. 

    Und noch bis mindestens Ende 2017 hatte der deutschnationale Burschenschafter (B! Brixia Innsbruck) laut dem Boulevardblatt „Österreich“ einen „regelmäßigen“ Austausch mit Martin Sellner, dem Gesicht der neofaschistischen Gruppe Identitäre. Das soll aus einem Bericht des Verfassungsschutzes hervorgehen, aus dem „Österreich“ im September 2019 zitierte.

    Brisant werden solche Kontakte zwischen FPÖ und Identitären auch in der Gesamtschau. So gab es im März 2019 eine Hausdurchsuchung in Sellners Wohnung in Wien. Es ging um Geldüberweisungen des späteren Christchurch-Massenmörders an Sellner und die Identitären. B.T. hatte 2019 in einer Moschee im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen ermordet. (Hier könnt ihr lesen, wie eng die Verbindung des Attentäters zu den Identitären war.)

    Hausdurchsuchung bei Sellner – und alle Zeit der Welt

    Doch später stellte sich heraus, dass Sellner den E-Mailverkehr mit T. nur 41 Minuten vor dem Eintreffen der Polizei gelöscht hatte. Der Verdacht: Er wurde gewarnt. Auch die Polizei zeigte sich bei der Hausdurchsuchung ausnehmend freundlich: Die Polizisten warteten geduldig 12 Minuten vor der Tür, bis Sellner ihnen endlich die Tür öffnete. Sagen wir so: Solch höfliche Zurückhaltung ist bei Hausdurchsuchungen ansonsten nicht unbedingt der übliche Modus Operandi der österreichischen Polizei.

    Die „Krone“ berichtete danach, dass FPÖ-Teufels Name im Ermittlungsakt auftauchte, der eine angebliche Vorwarnung Sellners kurz vor dem Zugriff beleuchten würde. Teufel sagt dazu, er hätte „niemanden gewarnt“ und es gilt die Unschuldsvermutung. Teufel ist allerdings nicht der einzige im blauen Verhandlungsteam mit Identitären-Connections.

    FPÖ: Beste Verbindungen zu den Identitären

    Auch Generalsekretär und Nationalratsabgeordneter Schnedlitz gilt als jemand, dem die neofaschistische Gruppe Identitäre nicht fremd ist. Vorsichtig formuliert. Die Distanzierung der FPÖ von den Identitären sei „definitiv vorbei“, erklärte er etwa im November 2020 im Identitären-nahen Magazin „Info Direkt“. Später ruderte Schnedlitz gegenüber der APA zwar zurück. Doch im Februar 2022 marschierte er in Niederösterreich dann wieder gemeinsam mit Identitären. 

    Auch für ein Foto posierte er bei dieser Gelegenheit mit dem Identitären-Kader Elias Schuch – beide zeigten dabei das „OK-Zeichen“, das in extrem rechten Kreisen als Code für „White-Power“ verwendet wird. Schuch ist inzwischen selbst zum führenden Kader der FPÖ-Jugendorganisation „Freiheitliche Jugend“ aufgestiegen. Andere (ehemalige?) Identitäre arbeiten inzwischen bereits für die Fraktion der FPÖ im österreichischen Parlament.

    Der FPÖ-Burschenschafter will sich von Potsdam nicht distanzieren

    Der zweite FPÖ-Generalsekretär, Christian Hafenecker, erhielt seine politische Ausbildung in der schlagenden deutschnationalen „Burschenschaft Nibelungia“ – einem Mitgliedsbund des einschlägigen Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ (DB). Als das berüchtigte rechte Geheimtreffen vom November 2023 in Potsdam mit Teilnahme von Identitären-Gesicht Sellner bekannt wird, meldet sich auch der FPÖ-Generalsekretär zu Wort. Und nennt die teilnehmenden AfD-Vertreter in einer Aussendung „patriotische Politiker“. 

    Und Nationalratsabgeordneter Hafenecker sieht „nicht den geringsten Anlass, sich auf Zuruf von Linksparteien von Patrioten zu distanzieren“. Es zeigt gleichzeitig exemplarisch die Linie der FPÖ im Umgang mit der äußersten Rechten: Während es in der AfD zeitweise noch taktische Distanzierung gibt, sind in der FPÖ bereits alle Hemmungen gefallen. Das zeigt auch ein Video der Partei-Jugend vom September 2023. 

    Alle Hemmungen fallen

    Als Vorbild empfiehlt die Freiheitliche Jugend in diesem Video etwa den Schriftsteller Ernst Jünger. Der hatte ab 1930 sogar die Nazis rechts(terroristisch) überholt – auch der Name des Wiener Identitären-Zentrums „Rautenklause“ ist übrigens eine Anspielung an Jünger. Empfehlungen gibt es von der FJ auch für den portugiesischen faschistischen Diktatur António de Oliveira Salazar. 

    Und schließlich zeigt die FJ auch noch ihre Sympathie für den japanischen Faschisten und Putschisten Yukio Mishima, einem Liebling der Identitären (alles über die gefährliche Verehrung der Identitären für Mishima könnt ihr hier lesen). Doch Hafenecker rückt nach erster Aufregung über das Video in einer Pressekonferenz zur Verteidigung aus. Und die FPÖ mokiert sich über die „Aufregung der etablierten Medienlandschaft rund um das harmlose Video“.

    Die ÖVP und das „Sicherheitsrisiko“ Kickl

    Das FJ-Video zeigt aber gleichzeitig auch: Hier sind keine dumpfen Rechtsextremen am Werk. Sondern ideologisch geschulte Kader. Der heutige ÖVP-Chef Christian Stocker sagte als Reaktion auf das Video übrigens: „Das Video der FPÖ-Jugend bestätigt unsere Ablehnung von Herbert Kickl als Mitglied einer Bundesregierung.“ Und Kickl sei „ein Sicherheitsrisiko für die innere Sicherheit“. 

    Doch die Wahrheit ist offensichtlich eine Tochter der Zeit: Inzwischen würden Stocker und die ÖVP gerne Juniorpartnerin in einer Koalition mit dem „Sicherheitsrisiko“ werden.

    Das Wording der Neofaschist:innen

    Apropos Sicherheitsrisiko: Eine weitere Kickl-Vertraute wäre der FPÖ fast schon abhandengekommen: Die oberösterreichische Abgeordnete Susanne Fürst. Sie hatte bereits 2021 einen Antrag für einen ungarischen Pass gestellt. Doch das österreichische Staatsbürgerschaftsrecht ist enorm strikt, damit hätte sie wohl die österreichische Staatsbürgerschaft verloren. 

    Im Juni 2024 wünschte sich FPÖ-Generalsekretär Hafenecker dann in der EU „einen Remigrationskommissar, eine Remigrationskommissarin“ – und übernahm damit exakt das Wording der selbsternannten und neofaschistischen „Neuen Rechten“. Hafeneckers Personalvorschlag für diesen Posten? Susanne Fürst. Hätte das mit der ungarischen Staatsbürgerschaft geklappt, hätte sie sich dann immerhin gleich selbst nach Ungarn „remigrieren“ können.

    Kickl putscht sich an die Spitze der FPÖ

    Nachdem das berüchtigte Ibiza-Video veröffentlicht, zerbricht die schwarz-blaue Regierung im Mai 2019. Parteichef Strache hatte dort unter anderem ausführlich beschrieben, wie Superreiche heimlich die FPÖ finanziert hätten. Er tritt als Vizekanzler und kurz danach auch als Parteichef zurück. Innenminister Kickl verliert damit ebenfalls seinen Job.

    Kurz danach muss Strache sogar die Partei verlassen und gründet eine weitere FPÖ-Abspaltung, das Team Strache. Das Projekt bleibt erfolglos, erneut zeigt sich: Neben der FPÖ ist in Österreich langfristig kein Platz für eine weitere extrem rechte Partei.

    Für rund zwei Jahre übernahm danach der vormalige FPÖ-Präsidentschaftskandidat Hofer die Partei. Doch Kickl macht immer mehr Druck und putscht schließlich gegen den Parteichef. Im Juni 2021 ist Kickl am Ziel: Er wird zum 14. Bundesparteiobmann der FPÖ gewählt. 

    Die Pandemie dürfte Kickl dabei geholfen haben: Während Hofer in der Pandemie-Bewältigung einen eher vorsichtigen Kurs fährt, setzt Kickl voll auf das Milieu der Pandemieleugner:innen. Nachdem er zu Beginn der Pandemie noch selbst einen Lockdown gefordert hatte, dreht er sich schnell um 180 Grad. Und mobilisiert die Straße.

    Kickl setzt auf die Straße

    Und Kickl macht dabei etwas, was von der FPÖ bis dahin nicht bekannt war: Er setzt auf die Macht der Straße. Alle Parteichefs vor ihm hatten die Basis höchstens vor Wahlen auf die Straße mobilisiert. Und dann immer nur bei gut kontrollierbaren Standkundgebungen samt vorgegebener Choreografie. 

    Doch die FPÖ setzt sich nun an die Spitze der Corona-Bewegung. Sie organisiert in Österreich zahlreiche Demos, teils mit über 40.000 Teilnehmenden in Wien (die Protestierenden reisen allerdings großteils aus ländlichen Regionen an). Kickl agitiert von der Bühne, im Publikum unter anderem: Faschistische Identitäre, rechte Hooligans und Neonazis. Und vor allem zu den Identitären hat die FPÖ ohnehin beste Verbindungen. Doch auch zu anderen einschlägigen Milieus gibt es offene Leitungen.

    Ins Parlament oder ins Gefängnis?

    Zahlreiche junge Nazis haben sich in den letzten Jahrzehnten in Österreich die Frage gestellt: „Ins Parlament oder ins Gefängnis?“ Denn einerseits gibt es in Österreich ein relativ scharfes NS-Verbotsgesetz, ein vergleichbares Gesetz existiert in Deutschland nicht. Das kann schnell Ärger bringen.

    Und andererseits gibt es im Gegensatz zu Deutschland eine seit inzwischen rund 70 Jahren gesellschaftlich verankerte extreme Rechte. Die FPÖ, deren Vorläuferorganisation bereits 1949 gegründet wurde, verspricht Einfluss, Karrieremöglichkeiten und auch einen gewissen Schutz. Und damit haben sich viele Nachwuchs-Nazis für die Karriere entschieden. Ohne sich allzu sehr ideologisch verbiegen zu müssen.

    Alles nur Einzelfälle

    Dafür bürgt schon Geschichte und Tradition der FPÖ: Exemplarisch dafür steht bereits der erste Parteivorsitzende im Jahr 1955: SS-Brigadegeneral Anton Reinthaller, als Mitglied der Reichsregierung in Berlin der formell höchstrangige österreichische Nazi nach Adolf Hitler.

    Und weil diese Tradition von vielen offenbar bis heute hochgehalten wird, gibt es in der FPÖ regelmäßig neue „Einzelfälle„. Der Begriff wurde einst von FPÖ-Politiker:innen geprägt, wenn wieder einmal ein einschlägiger Skandal auftauchte: Ein Hitlergruß hier, ein Hakenkreuz da, Rassismus und Antisemitismus dort. 

    Inzwischen wird der Begriff „Einzelfall“ in Österreich allerdings nur noch ironisch verwendet – denn tatsächlich tauchen solche Einzelfälle mit solcher Häufigkeit auf, dass die FPÖ insgesamt als einziger Einzelfall bezeichnet werden muss.

    Die zentrale Rolle der Burschenschaften

    Bewahrt werden die einschlägigen Traditionen in der FPÖ auch und vor allem über die deutschnationalen Student:innenverbindungen. Sie sind die wichtigste Scharnierorganisation der österreichischen Rechten, dort treffen sich alle einschlägigen Fraktionen: So sind die meisten männlichen (und manche weibliche) Führungskader der FPÖ „korporiert“. Der Wiener Burschenschaft Aldania etwa wird nachgesagt, dass sie ohne Probleme eine eigene Fraktion im 100-köpfigen Wiener Gemeinderat bilden könnte.

    Auch der Kaderkern der Identitären ist deutschnational und burschenschaftlich geprägt. Sellner selbst wurde in der Wiener Burschenschaft Olympia sozialisiert, ebenso sein Wiener Sprachrohr Gernot Schmidt. Die Olympia gilt als führende Rechtsaußen-Burschenschaft im gesamten deutschsprachigen Raum und spielt im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ traditionell eine wichtige Rolle.

    Über alle (scheinbaren) Grenzen hinweg

    Und schließlich haben auch bekannte Neonazis wie Gottfried Küssel eine Heimat in den Studentenverbindungen gefunden. Küssel selbst hatte zeitweise auch in der deutsche NS-Szene eine führende Rolle, seine Truppe „Alpen Donau“ ist intern inzwischen vermutlich ein Ableger der deutschen Neonazi-Partei „Der III. Weg“. 

    An einer Wehrsportübung von Küssels damaliger Truppe VAPO (Volkstreue Außerparlamentarische Opposition) nahm in den späten 1980er oder frühen 1990er Jahren übrigens auch der spätere FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache teil. Strache behauptete später, er hätte seine Teilnahme abgebrochen – prüfen lässt sich das nicht. 

    Danach entschied Strache sich fürs Parlament, während Küssel ins Gefängnis wanderte. Insgesamt jedenfalls ist die offene Neonazi-Szene in Österreich im Vergleich zu Deutschland enorm schwach aufgestellt – zu verlockend ist die Karriere in der FPÖ.

    Afghanistan ist doch nicht so sicher

    Doch bleiben wir noch kurz bei den deutschnationalen Verbindungen! Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Alleine in Wien gibt es um die 40 Korporationen, viele besitzen ein eigenes Haus. In der zweitgrößten Stadt des Landes, in Graz, sind es an die 20, in der Oberösterreichs Landeshauptstadt Linz noch immer über zehn. Und auf den Buden findet dann über alle scheinbaren oder tatsächlichen Organisationsgrenzen hinweg die rechte Vernetzung statt. (Hier könnt ihr alles lesen, was ihr über Burschenschaften wissen müsst.

    Am Beispiel der bereits erwähnten Wiener Burschenschaft Olympia: Dort sind nicht nur identitäre Kader verankert, sondern auch wichtige Köpfe der FPÖ – etwa Norbert Nemeth, Nationalratsabgeordneter und Klubdirektor des freiheitlichen Parlamentsklubs. Und dann gibt es auch noch offene Neonazis bei der Olympia, etwa Herbert Fritz. Der fuhr 2023 nach Afghanistan, um zu beweisen, dass das Land sicher genug für Abschiebungen sei. Es lief nicht so gut. 

    In Afghanistan saß Fritz dann neun Monate in der Haft der Taliban. An der Kampagne zu seiner Freilassung beteiligten sich FPÖ-Funktionäre, Identitäre und Neonazis.

    Die AfD als „Azubis der FPÖ“

    Für deutsche Verbindungsstudenten war ein politischer Einfluss, wie ihn die FPÖ ermöglicht, dabei lange Zeit nur ein Traum. Doch mit der AfD ist dieser Traum nun wesentlich näher gerückt: Nun gibt es auch in Deutschland einen parteipolitischen Arm für die Burschenschaften, Corps, Landsmannschaften und anderen einschlägigen Verbindungen.

    Nicht nur aus diesem Grund nennt der FPÖ-Ideologe (und Burschenschafter) Andreas Mölzer die AfD die „Azubis der FPÖ“, für österreichische Leser:innen: die Lehrlinge der FPÖ. Und dieser Befund gilt sicherlich nicht nur für das deutschnationale Verbindungsstudententum. Denn tatsächlich versucht die FPÖ bereits seit vielen Jahren, eine Schwesterpartei in Deutschland aufzubauen.

    Wie die FPÖ versucht hat, einen deutschen Ableger zu gründen

    Schon Mitte der 1990er Jahre wollte die FPÖ mit dem „Bund freier Bürger“ einen Ableger in Deutschland hochziehen, Parteivorsitzender wurde der vormalige FDP-Politiker Manfred Brunner. 

    Der Versuch scheiterte, die bundesweiten Wahlergebnisse blieben enttäuschend. Einzig bei der Kommunalwahl in München konnte der BfB 1996 mit zwei Mandaten ins Stadtparlament einziehen. Im August 2000 löste sich die Partei wieder auf. Die Gründung der AfD wurde dann in Österreich mit viel Sympathie verfolgt, auch Redner wurden immer wieder nach Deutschland geschickt.

    Unter ihnen auch der jetzige Parteichef Kickl. Im Jänner 2020 referierte er bei der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung in Berlin. Bei Kickls Vortrag in der ersten Reihe: die nunmehrige AfD-Vorsitzende Alice Weidel.

    Die „blaue Allianz“ von FPÖ und AfD

    Schon 2016 gründeten FPÖ und AfD auch ganz offiziell eine „blaue Allianz“. Ein dafür bestens geeigneter Verbindungsmann ist Daniel Tapp, der Pressesprecher von Weidel. Er wurde in Österreich ausgebildet, wie die Süddeutsche schreibt [Paywall] und hat auch eine politikwissenschaftliche Arbeit über die FPÖ geschrieben. Was die FPÖ der AfD vermitteln möchte, wird dabei besonders in der Medienpraxis deutlich. 

    Die FPÖ hat es inzwischen in Österreich geschafft, ein eigenes Medienuniversum aufzubauen. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Allein „FPÖ TV“, der professionell aufgemachte YouTube-Kanal der Partei, hat über 220.000 Abonnent:innen. Im zehnmal so großen Deutschland hat die deutsche Kopie „AfD TV“ im Vergleich äußerst mickrige 300.000 Abonnent:innen.

    Ein weiterer Rat der FPÖ für die AfD: Die „Neutralisierung des öffentlichen rechtlichen Rundfunks“ nach dem Vorbild Viktor Orbáns. So umriss der ehemalige FPÖ-Landesrat Elmar Podgorschek einmal das Ziel bei einem Vortrag für die AfD Thüringen. Eingeladen hatte laut dem Magazin „Falter“ Thüringens AfD-Chef Björn Höcke – unter dem Titel „Was die AfD von der FPÖ lernen kann“.

    Der selbsternannte „Volkskanzler“ und die Verschwörungssender

    Und es geht nicht nur um „FPÖ TV“ – dazu kommen viele weitere Social-Media-Kanäle, die die FPÖ bereits sehr früh und sehr erfolgreich bespielte. Und zusätzlich gibt es rund um die FPÖ inzwischen zahlreiche extrem rechte Medien-Plattformen, etwa AUF1, Report24 oder Info Direkt. Alle drei haben inzwischen übrigens den Großteil ihrer Zugriffe nicht mehr aus Österreich, sondern aus Deutschland. Und finanziert werden viele dieser Plattformen unter anderem mit Inseraten der FPÖ (und zunehmend auch der AfD). Meine Analyse über diese rechten Medien und ihre Finanzierung könnt ihr hier lesen

    Der erfolgreiche Aufbau eigener Medien führt inzwischen auch zu einem entsprechend selbstbewussten Auftreten. So gab etwa FPÖ-Chef Kickl das erste Live-Interview nach den Hochrechnungen am Wahlsonntag im September 2024 keinem etablierten Medium, sondern den rechten Verschwörungsplattformen AUF1 und RTV. 

    Apropos Wahlkampf: Schon ab Anfang 2023 hatten Kickl und die FPÖ in ihrer Propaganda den Begriff „Volkskanzler“ etabliert. Es ist ein Begriff, den zuvor bereits die NS-Propaganda umfassend benutzt hatte. Damals war es der „Volkskanzler Hitler“. Die FPÖ hat dennoch keinerlei Problem damit, heute vom „Volkskanzler Kickl“ zu sprechen.

    Wie die FPÖ die Klimakrise verharmlost und die Energiewende sabotiert

    Besonders völkisch gibt sich die Partei des selbst ernannten „Volkskanzlers“, wenn es um erneuerbare Energien geht. Ebenso wie die Republikaner in den USA oder die AfD setzt auch die FPÖ massiv auf Propaganda vor allem gegen Windenergie. Ein Vorwand der FPÖ: Angeblich solle die „heimische“ Landschaft geschützt werden.

    Und Energieversorgung durch erneuerbare Energien wie Wind und Sonne sei angeblich nur eine Illusion der „grünen Klima-Fantasten“, behauptet Kickl im Dezember 2024 auf Facebook. Dazu verlinkt er einen Artikel der FPÖ. Und dort zeigt sich dann sehr schnell und sehr deutlich, woher tatsächlich und (buchstäblich) der Wind weht. 

    Denn in diesem Artikel wettert die FPÖ dann gegen eine angebliche „Klima-Hysterie“. Und exakt das ist die Stoßrichtung der FPÖ: Der Krieg gegen die Windkraft wird von der extremen Rechten dazu benützt, die menschengemachte Klimakrise infrage zu stellen. Zur Freude und für die Profite der Öl-, Gas- und Autokonzerne.

    Ein lebensgefährlicher marktradikaler Kahlschlag droht

    Im Vorfeld der geplanten Regierung von FPÖ und ÖVP meldet sich wiederholt die marktradikale Lobbygruppe „Agenda Austria“ (AA) zu Wort. Die AA ist der Thinktank der einflussreichen Industriellenvereinigung (IV), dem österreichischen Gegenstück zum Bundesverband der Deutschen Industrie. Und die IV gilt als wichtige Königsmacherin für Blau-Schwarz und teils als äußerst FPÖ-affin. Was die AA fordert, hat also Gewicht. Und es ist brutal.

    Denn die AA fordert von der neuen Regierung wörtlich: „Subventionen kürzen wie Argentinien“. Um das einzuordnen: Der extrem rechte Präsident Javier Milei zieht ihn Argentinien gerade ein Sparprogramm durch, dass für viele Menschen buchstäblich lebensgefährlich ist.

    Ein Jahr im Amt: Warum wir weniger „Milei wagen“ sollten

    Soziale Heimatpartei?

    „56 Prozent der 46 Millionen Argentinierinnen und Argentinier sind arm, fast ein Drittel extrem arm“, berichtet die Frankfurter Rundschau (FR) Anfang Dezember 2024. Die Renten sind seit Anfang 2024 um mehr als ein Drittel geschrumpft. Hunderttausende Menschen aus dem Staatsdienst wurden entlassen, die Universitäten bekommen fast kein Geld mehr. Subventionen für Energie und den öffentlichen Nahverkehr wurden gestrichen. 

    Millionen würden laut FR ohne Unterstützung inzwischen verhungern. Doch Mileis „Ministerium für Humankapital“ sperrt inzwischen sogar die Nahrungsmittelhilfen für Suppenküchen. Und das ist das Vorbild der Industriellenvereinigung für Blau-Schwarz.

    In der öffentlichen Propaganda verwendet die FPÖ gerne den Slogan „Soziale Heimatpartei“. Tatsächlich ein schlechter Scherz: Kaum eine Partei in Österreich hat ein marktradikaleres Programm als die FPÖ. Und nach der Wahl bestätigt das auch die „Agenda Austria“: In Wirtschaftsfragen gäbe es „zwischen FPÖ und ÖVP wenig Trennendes – bei den meisten großen Themen besteht Einigkeit“. Damit drohen nun in Österreich enorme soziale Einschnitte, die große Teile der Bevölkerung treffen werden.

    Wie stabil wäre Blau-Schwarz?

    Und exakt das könnte für die FPÖ an der Regierung zum enormen Problem werden. Denn bei kaum einer Partei in Österreich klaffen die öffentliche Wahrnehmung und das tatsächliche Programm so sehr auseinander wie bei der FPÖ. Das zeigte sich schon bei der letzten schwarz-blauen Koalition ab 2017.

    Da wollten FPÖ und ÖVP gemeinsam die Notstandshilfe kürzen, eine wichtige Arbeitslosenunterstützung. Eigentlich hätte das niemanden überraschen dürfen, immerhin hat auch die FPÖ entsprechende Forderungen bereits seit Jahren in ihren Programmen verankert. Doch wer liest schon Programme, wenn lautstark platter Rassismus verkauft wird? 

    Feuer am Dach

    Auch in großen in Teilen der FPÖ-Wähler:innenbasis war Feuer am Dach. Auf einmal hätten soziale Kürzungen nicht nur „die Ausländer“ getroffen, sondern die gesamte Bevölkerung. Und damit auch viele FPÖ-Wähler:innen und ihr soziales Umfeld. Die Folge: Die FPÖ musste zurückrudern – ob die FPÖ die Kürzungen dennoch durchgezogen hätte, wissen wir nicht, nachdem die Regierung mit dem Ibiza-Skandal auseinanderbrach.

    Ob die FPÖ diesen Spagat diesmal schafft, wird die Zukunft zeigen. Sicher ist das nicht: Sowohl die erste schwarz-blaue Koalition zwischen 2000 und 2006 wie die Neuauflage zwischen 2017 und 2019 endeten für die FPÖ mit Niedergang und Spaltungen. Es könnte der FPÖ auch diesmal drohen. 

    Doch gleichzeitig zeigte sich in der Vergangenheit: Wenn die FPÖ verliert, gewinnt die ÖVP. Und umgekehrt. Bereits seit 1983 gibt es bei jeder Nationalratswahl in Österreich eine rechte Mehrheit. Die Linke in Österreich hat also noch große Aufgaben vor sich, wenn sie diese Mehrheit kippen will.

    Artikelbild: Helmut Fohringer/APA/dpa, Der Blog von Michael Bonvalot.

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    #deepdive #steckt

    Wer ist Herbert Kickl?

    Nach gescheiterten Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP, SPÖ und Neos steht der 56-jährige Kärntner FPÖ-Chef vor Regierungsbildung mit der Volkspartei. Erfahren Sie mehr über den Mann aus Radenthein.

    News.at

    Whatsapp-Kettenbrief: Hinter Kontakt „Tobias Mathis“ steckt kein Virus

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    Faktencheck

    Whatsapp-Kettenbrief: Hinter Kontakt „Tobias Mathis“ steckt kein Virus

    In Sozialen Medien warnen Nutzerinnen und Nutzer sich gegenseitig vor einem Kontakt namens „Tobias Mathis“. Anders als behauptet, verbirgt sich hinter dem Namen aber weder ein Virus noch irgendeine andere Gefahr.

    von Matthias Bau

    28. November 2024

    Auf Whatsapp kursieren immer wieder Falschbehauptungen und Nachrichten mit betrügerischem Inhalt (Symbolbild: Taidgh Barron / zumapress.com / Picture Alliance) Behauptung

    Der Whatsapp-Kontakt „Tobias Mathis“ sei ein Virus und würde die Festplatte zerstören und Daten stehlen.

    Aufgestellt von: Facebook-Beitrag Datum:
    17.11.2024

    Quelle

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    Falsch
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    Falsch. Die Nachricht über den vermeintlich gefährlichen Kontakt kursiert seit Jahren im Netz. Eine Gefahr stellt er laut dem Bundesinnenministerium nicht dar.

    Seit Jahren wird immer wieder behauptet, einen bestimmten Kontakt bei Whatsapp anzunehmen, könne das eigene Handy schädigen. So heißt es auf Facebook, der Kontakt „Tobias Mathis“ sei ein Virus und könne „die ganze Festplatte“ zerstören und Daten stehlen. Das sei von „Europ1 und Sat1“ bestätigt worden. Auch über unseren Whatsapp-Bot schickten uns Leserinnen und Leser die Behauptung mit der Bitte, sie zu überprüfen.

    Auf Facebook verbreitet sich ein Kettenbrief, der vor einem angeblichen Virus auf Whatsapp warnt, dass sich hinter einem Kontakt namens „Tobias Mathis“ verbergen soll

    Kettenbrief über „Tobias Mathis“ seit mindestens 2017 im Umlauf

    Eine Google-Suche zu dem Kettenbrief führt zu zahlreichen Medienberichten. Sowohl T-online, Mimikama, als auch Chip und Giga berichteten darüber, dass die Behauptung seit 2017 kursiert – und falsch ist. Es gehe keine Gefahr von der Annahme eines Whatsapp-Kontakts aus. Weder beim deutschen Fernsehsender Sat1, noch beim französischen Sender Europe1 findet sich die angebliche Warnung vor dem Kontakt.

    Vom Kettenbrief selbst geht wohl ebenfalls keine Gefahr aus: Es sind keine Links enthalten, die auf Phishing oder andere Betrugsmethoden hinweisen. Sollten Sie den Kettenbrief bekommen, verbreiten Sie ihn und die erfundene Geschichte nicht weiter.

    Das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) klärte im Januar 2020 über den Kettenbrief auf seiner Webseite „Sicher im Netz“ auf. Dort heißt es, es drohe keine Gefahr. Das BMI rät dazu, Absender darüber zu informieren, dass es sich um eine Falschmeldung handele und so die Verbreitung des Kettenbriefs zu stoppen. Grundsätzlich sei es immer ratsam, keine Links oder Dateien von unbekannten Kontakten zu öffnen.

    Redigatur: Gabriele Scherndl, Uschi Jonas

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    Author: Matthias Bau

    #hinter #kettenbrief #kontakt #mathis #steckt #tobias #whatsapp

    Whatsapp-Kettenbrief: Hinter Kontakt „Tobias Mathis“ steckt kein Virus

    Nachrichten über einen Whatsapp-Kontakt namens „Tobias Mathis“ kursieren seit Jahren im Netz. Eine unmittelbare Gefahr ist er nicht.

    correctiv.org

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    Faktencheck

    Landtagswahl Sachsen: Ein parteiischer Wahlvorstand in Chemnitz? Das steckt dahinter

    Die AfD Chemnitz berichtet auf Facebook von einem Wahlvorstand, der öffentlich vor der Landtagswahl in Sachsen seinen politischen Wunsch geäußert haben soll. Das stimmt, er wurde deswegen von seinem Amt abberufen. „Angekündigter Wahlbetrug“, wie es auf Facebook heißt, ist das aber nicht.

    von Johannes Gille

    24. September 2024

    Am 1. September 2024 fanden Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen statt – ein Facebook-Beitrag wurde einem Wahlvorstand in Chemnitz davor zum Verhängnis. (Quelle: Michael Reichel / DPA / Picture Alliance) Behauptung

    Ein Wahlvorstand für die Landtagswahlen 2024 in Chemnitz habe gegen die Pflichten seines Amtes verstoßen, indem er sich in einem Facebook-Beitrag politisch positionierte. Das sei angekündigter Wahlbetrug.

    Aufgestellt von: Facebook-Beiträgen, AfD Kreisverband Chemnitz Datum:
    31.08.2024

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    Größtenteils richtig
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    Größtenteils richtig. Der Wahlvorstand wurde wegen seines Beitrages durch die Stadt Chemnitz von seinem Amt abberufen, da er seine politischen Ansichten in Verbindung mit seinem Amt als Wahlvorstand äußerte. Angekündigter Wahlbetrug ist das in den Augen der Stadt jedoch nicht.

    Kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen am 1. September 2024 wurde ein Wahlvorstand in Chemnitz von seinem Amt abberufen. Laut einem Beitrag in einer lokalen Facebook-Gruppe habe er seine Verpflichtung zur Unparteilichkeit verletzt. Der örtliche Kreisverband der AfD spricht sogar von „angekündigtem Wahlbetrug“ und gibt an, Anzeige erstattet zu haben.

    Was steckt dahinter?

    Anstoß für die Debatte ist der Screenshot eines Facebook-Beitrags, in dem ein Wahlvorstand des Wahlkreises Chemnitz-Siegmar von seiner Arbeit im Wahlbüro berichtete. Der Facebook-Nutzer schreibt, er habe ein zu dicht am Wahllokal angebrachtes Plakat der AfD abhängen lassen. Daraufhin bringt er seine politischen Ansichten zum Ausdruck: „Thüringen ist bereits verloren“, schreibt er, bevor er dem CDU-Kandidaten seines Wahlkreises viel Erfolg bei der Wahl wünscht. Die AfD Sachsen bezeichnet er als gesichert rechtsextremistisch eingestuft – was sie laut Verfassungsschutz Sachsen auch ist.

    Wir fragten die Landeswahlleitung nach dem Vorfall und erhielten stattdessen eine Antwort von der Stadt Chemnitz – der Chemnitzer Bürgermeister und Leiter der kommunalen Statistikstelle der Stadt waren Wahlleiter der Chemnitzer Wahlkreise. Ein Pressesprecher der Stadt Chemnitz bestätigte, dass es sich bei dem Facebook-Nutzer tatsächlich um einen Wahlvorstand eines Chemnitzer Wahlbezirkes handelte. Der Beitrag stelle einen Bruch mit dem Gebot zur unparteiischen Wahrnehmung des Amtes dar, zu dem Wahlvorstände und andere Wahlorgane verpflichtet sind. Aufgrund des Beitrags sei der Wahlvorstand von seiner Position abberufen worden.

    Neutralitätsgebot oder Meinungsfreiheit – was wiegt hier stärker?

    Aber hat der Nutzer damit nicht nur von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht? Zu diesem Schluss kommen einige Nutzerinnen und Nutzer in den Kommentaren unter einem Beitrag auf Facebook.

    Der Sprecher der Stadt Chemnitz schreibt uns dazu: „Insofern die Mitglieder der Wahlvorstände als Privatpersonen ohne eine konkrete Bezugnahme auf ihre Tätigkeit als Mitglied eines Wahlorgans agieren, besteht der Grundsatz der freien Meinungsäußerung. Da der in Frage stehende Post jedoch unter direkter Bezugnahme auf die Tätigkeit als Wahlvorstand erfolgte, tritt der Grundsatz der Wahrung des Neutralitätsgebotes als Mitglied eines Wahlorgans ein.“

    Keine Hinweise auf Wahlbetrug und keine polizeiliche Anzeige durch die AfD Chemnitz

    In den Kommentaren unter dem Facebook-Beitrag unterstellten Nutzerinnen und Nutzer dem Wahlvorstand darüber hinaus, eine Manipulation der Wahl zu planen. Der Kreisverband Chemnitz der AfD schreibt in seinem Beitrag sogar, es handle sich hierbei um „offensichtlich angekündigten Wahlbetrug”. Ein Stadtrat der Partei habe den Wahlvorstand deshalb angezeigt, heißt es in dem Beitrag.

    Damit ist aber keine polizeiliche Anzeige gemeint. Auf Nachfrage erklärt Nico Köhler, Stadtrat der AfD Ratsfraktion in Chemnitz, der Stadtrat habe den Vorfall bei der Wahlbehörde gemeldet. Die Stadt berief den Wahlvorstand zwar ab, der Pressesprecher schrieb uns aber, es liege „keine Form des Wahlbetruges“ vor. Abgesehen von der Abberufung habe der Wahlvorstand keine Konsequenzen zu befürchten.

    Unbegründete Anschuldigungen des Wahlbetrugs wurden rund um die Landtagswahlen zahlreich verbreitet, wie wir in mehreren Faktenchecks aufklärten (zum Beispiel hier, hier und hier). Dahinter steckt eine Taktik, die unter anderem aus AfD-nahen Kreisen rund um Wahlen immer wieder wiederholt wird, wie wir in unserem Hintergrund erklären.

    Redigatur: Gabriele Scherndl, Uschi Jonas

    Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

    • Gesetz über die Wahlen zum Sächsischen Landtag, Sächsischer Landtag, 11. August 2023: Link

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    Author: Johannes Gille

    https://www.bachhausen.de/landtagswahl-sachsen-ein-parteiischer-wahlvorstand-in-chemnitz-das-steckt-dahinter/

    #chemnitz #dahinter #landtagswahl #parteiischer #sachsen #steckt #wahlvorstand

    Landtagswahl Sachsen: Ein parteiischer Wahlvorstand in Chemnitz? Das steckt dahinter

    Ein Wahlvorstand in Chemnitz äußerte sich vor der Landtagswahl politisch auf Facebook. Dafür wurde er von der Stadt seines Amtes enthoben.

    correctiv.org

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    Faktencheck

    Kein Zusammenhang mit Solingen-Anschlag: Was hinter den Ermittlungen zur Schleuseraffäre in NRW steckt

    Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt gegen organisierte Schleuserkriminalität. Zu den dutzenden Beschuldigten gehört auch der Oberbürgermeister von Solingen, Tim Kurzbach. Auf X deuten einige Nutzer an, er habe den Attentäter von Solingen eingeschleust – doch bei den Ermittlungen geht es um etwas anderes.

    von Sarah Thust

    11. September 2024

    Nach dem Anschlag auf dem Stadtfest in Solingen am 23. August 2024 kursieren in Sozialen Netzwerken mehrere Falschmeldungen (Quelle: Malte Ossowski / Sven Simon / Picture Alliance) Behauptung

    Es gebe einen Zusammenhang zwischen Ermittlungen gegen Solingens Oberbürgermeister Kurzbach im Rahmen der Schleuseraffäre und dem Anschlag auf dem Stadtfest am 23. August 2024, bei dem der Tatverdächtige Syrer ist.

    Aufgestellt von: X-Beiträgen Datum:
    24.08.2024

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    Fehlender Kontext
    Über diese Bewertung

    Fehlender Kontext. Bei den Ermittlungen geht es vor allem um gefälschte Aufenthaltstitel, allerdings vor allem für wohlhabende Personen aus China und dem Oman. Laut Staatsanwaltschaft liegen keine Erkenntnisse auf eine Beteiligung von Personen mit syrischer Staatsbürgerschaft vor. Hauptbeschuldigte sind zwei Anwaltskanzleien, es wird auch gegen mehrere Kommunalpolitiker ermittelt, darunter auch Tim Kurzbach. Er selbst bestreitet die Vorwürfe.

    Nach dem Anschlag auf dem Stadtfest in Solingen in Nordrhein-Westfalen kursieren in Sozialen Netzwerken etliche Spekulationen über den Täter. Laut Ermittlern soll der Tatverdächtige aus Syrien stammen und im Namen der Terrororganisation IS gehandelt haben.

    In diesem Kontext verbreitete sich auf Telegram und X tausendfach ein Teil eines Medienberichts: „Oberbürgermeister Tim Kurzbach soll in die Machenschaften einer Schleuserbande verwickelt sein“, heißt es darin. Ein Nutzer schreibt auf X: „Je mehr man zu Solingen erfährt, desto wahnsinniger wird alles.“ Andere deuten an, Kurzbach habe den Attentäter eingeschleust. 

    Der Original-Artikel stammt vom WDR – verlinkt wird er in den Beiträgen nicht, sie zeigen nur einen Teil davon. Ein Detail fehlt darin: In dem WDRArtikel von Juni ist keine Rede von Menschen aus Syrien. Es geht um eine Schleuserbande, gegen die bundesweit ermittelt wird, die vor allem wohlhabende Chinesen nach Deutschland gebracht haben soll. Der Tatverdächtige von Solingen ist dagegen laut Medienberichten als Asylsuchender über Bulgarien nach Deutschland eingereist.

    Ein Medienbericht über laufende Ermittlungen in der Schleuseraffäre wird einen Tag nach dem Anschlag in Solingen auf X ohne Kontext verbreitet. Einige Nutzerinnen und Nutzer ziehen daraus falsche Schlüsse. (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Weiter heißt es, Solingens Oberbürgermeister Kurzbach habe von Ermittlungen gegen ihn im Zuge der Affäre erfahren. Über eine Internetsuche finden sich weitere Medienberichte zum Thema – die Staatsanwaltschaft ermittelt laut eigener Angabe deutschlandweit gegen mehr als 30 mutmaßliche Bandenmitglieder und rund 140 Personen, die die Bande mit illegal erworbenen Aufenthaltstiteln nach Deutschland geschleust haben soll. Die Schleuserbande soll auch Kontakte zu Lokalpolitikern, etwa aus Solingen, sowie zur Landesregierung von Nordrhein-Westfalen unterhalten haben. 

    Wie die Deutsche Presse-Agentur (DPA) am 12. Juli berichtete, stammen 16 Beschuldigte aus dem Umfeld kommunaler Ämter – einer der mutmaßlichen Köpfe der Schleuserbande soll auch mehrere Amtsträger persönlich getroffen haben, darunter NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). 

    Staatsanwaltschaft sieht keine Hinweise auf Beteiligung von Personen mit syrischer Staatsbürgerschaft 

    Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nennt das Ermittlungsverfahren „Investor“ und hat dazu im April 2024 mehrere Pressemitteilungen veröffentlicht. Im April hatte die Polizei demnach bei zwei Razzien mehr als 200 Wohnungen in acht Bundesländern durchsucht, mehrere Personen festgenommen und Bargeld, Mobiltelefone und Dokumente sichergestellt. 

    In den Pressemitteilungen wurde Kurzbach noch nicht erwähnt, aber die Stadt Solingen: „Die Ermittlungen richten sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen 38 mutmaßliche Bandenmitglieder und 147 weitere Personen, die von der Bande geschleust worden sein sollen. Hauptbeschuldigte sind zwei Rechtsanwälte (42 und 46 Jahre) aus dem Kölner Raum. Diese sollen über ihre Rechtsanwaltskanzleien wohlhabende ausländische Staatsangehörige überwiegend aus China und dem arabischen Raum angeworben haben. […] Erlangt wurden die Aufenthaltserlaubnisse bei den Ausländerämtern der Städte Kerpen und Solingen sowie des Rhein-Erft-Kreises und des Kreises Düren.“ 

    In einer Pressekonferenz am 17. April schilderte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, dass die geschleusten Personen, überwiegend aus China und dem Oman, im Internet angeworben worden seien. Ihnen sei eine Aufenthaltserlaubnis und teils sogar die Staatsbürgerschaft in Deutschland in Aussicht gestellt worden. 

    Solingen: Oberbürgermeister Kurzbach weist Vorwürfe von sich

    Pressesprecher Julius Sterzel bestätigte CORRECTIV.Faktencheck auf Nachfrage, dass „keinerlei Erkenntnisse auf eine Beteiligung von Personen mit syrischer Staatsbürgerschaft“ vorliegen würden.

    Die Stadt Solingen verwies auf Nachfrage auf eine Stellungnahme von Kurzbach im Juni. Er schrieb darin: „Die Angelegenheit stellt sich derzeit für mich so dar, dass ein einzelner Beschuldigter mich gemeinsam mit weiteren Personen in eher allgemeiner Form insbesondere als angeblicher Mitwisser beschuldigt hat.“ Dies entspreche nicht den Tatsachen und er werde mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. 

    Redigatur: Paulina Thom, Viktor Marinov

    Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

    • Pressemitteilungen zum Großeinsatz gegen Organisierte Schleuserkriminalität, Staatsanwaltschaft Düsseldorf, 18. April 2024: Link (archiviert)
    • Pressekonferenz, Staatsanwaltschaft Düsseldorf, 17. April 2024: Link (archiviert
    • Stellungnahme von Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Stadt Solingen, Juni 2024: Link (archiviert)
    • Bericht „Schleuserbande: Solingens Oberbürgermeister Kurzbach bestätigt Ermittlungen“, WDR, 6. Juni 2024: Link (archiviert)

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    Author: Sarah Thust

    https://www.bachhausen.de/kein-zusammenhang-mit-solingen-anschlag-was-hinter-den-ermittlungen-zur-schleuseraffaere-in-nrw-steckt/

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    Kein Zusammenhang mit Solingen-Anschlag: Was hinter den Ermittlungen zur Schleuseraffäre in NRW steckt

    Nach dem Anschlag in Solingen deuten Nutzer auf X an, der Oberbürgermeister habe den tatverdächtigen Syrer nach Deutschland geschleust. Das ist irreführend.

    correctiv.org

    In den USA wurden zwei Mitarbeitende des russischen Staatspropagandasenders Russia Today angeklagt, über Scheinfirmen mehrere rechtsradikale Influencer mit großer Reichweite bezahlt zu haben, um russische Propaganda zu verbreiten. Genau diese Influencer wurden wiederum auch von Elon Musk auf seinem Netzwerk Twitter gepusht.

    Die Accounts hatten alle größere Reichweite über blaue und sogar gelbe Haken gekauft. Und Elon Musk persönlich antwortete auf deren Tweets, und pushte deren Propaganda dadurch noch zusätzlich. Der Antisemit Elon Musk hat also auch direkt und persönlich die Reichweite russischer Propaganda massiv vergrößert. So tief steckt der rechtsradikale Verschwörungsideologe im Propaganda-Netzwerk von Putin.

    So funktionierte die Info-Op:

    Die verdeckte Operation beinhaltete die Gründung einer Firma in Tennessee, USA, die englischsprachige Videos auf sozialen Medien wie YouTube, TikTok und Instagram veröffentlichte. Diese Videos beinhalteten oft Kommentare zu politischen und sozialen Themen in den USA und sollten dazu dienen, interne Konflikte zu schüren und die öffentliche Meinung gegen westliche Regierungen zu wenden. Natürlich auch voller Desinformation. Die Finanzierung dieser Firma erfolgte über ein komplexes Netz aus ausländischen Scheinfirmen, wobei fast 10 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt wurden.

    Diese Scheinfirma, „Tenet Media“, erhielt auf Twitter einen gelben Haken. Das verifiziert die Firma als „offizielle Organisation“. Sie erhält dadurch mehr Reichweite durch Elon Musk.

    Musk selbst antwortete mehrfach auf ihre Tweets und vergrößerte so persönlich noch ihre Reichweite:

    Musk antwortete auch 27-mal auf den rechtsradikalen Account Tim Pool, der bei der Scheinfirma „Tenet Media“ gelistet war. Tim Pool erhielt wohl bis zu 100.000 $ pro wöchentlicher Folge

    Auch auf dutzende Male auf den Propaganda-Account „Benny Johnson“, ebenfalls Teil der Operation.

    Eigener Screenshot

    Hier antwortet Musk auf einen Post von „Tenet Media“, produziert von der rechtsextremen Influencerin „Lauren Southern“.

    Eigener Screenshot

    Lauren Southern ist übrigens auch gut befreundet mit der Ehefrau des österreichischen Faschisten Martin Sellner – der Mann, der beim Geheimtreffen in Potsdam einen Vortrag über den “Masterplan” der Massenvertreibungen hielt:

    Musk hatte auch mehrere Interaktionen mit Dave Rubin, der ebenfalls mit Tenet Media gearbeitet hatte.

    Eigener Screenshot

    Dadurch hat Elon Musk etwas mit Putin gemeinsam: Beide trugen dazu bei, dass Pro-Russische Accounts ihre Reichweite massiv erhöhen konnten. 

    Es geht tatsächlich schneller, die Accounts von Tenet aufzulisten, mit denen Musk bisher nicht interagiert hatte: Matt Christiansen und Tayler Hansen bekamen von Twitter „nur“ mehr Reichweite durch ihre blauen Haken.

    Herausreden funktioniert nicht

    Im Nachgang versuchten die rechtsextremen Influencer, sich herauszureden. Sie stellten sich als – was sonst – Opfer dar. Auch die Anklageschrift selbst sagt: Die Influencer wussten eventuell nicht, dass sie von Moskau bezahlt wurden. Aber die Desinformationsverbreiter versuchten es auch so darzustellen, dass sie ja dennoch redaktionell unabhängig gewesen sein sollten. Was schwer zu glauben ist, bei den enormen Summen, die hier geflossen sind. Und auch die Anklageschrift widerspricht. In der Anklageschrift ist zu lesen, wie solche Absprachen funktionieren:

    Die Mitarbeiter von „Tenet Media“ diskutierten, dass doch jemand etwas zum ISIS-Terror-Anschlag in Moskau bringen sollte, inklusive des russischen Propaganda-Narrativs, dass die Ukraine hier primär verantwortlich gemacht werden sollte. 

    Es wurde dann vereinbart, dass „Commentator-3“ (also einer der rechtsextremen Influencer) dazu etwas bringen würde: „He is happy to cover it“ – „Er freut sich darüber zu berichten.“ 

    Screenshot

    Wir wissen an der Stelle nicht, wer Commentator-3 genau ist, aber Matt Christiansen von Tenet Media berichtete wenige Tage später in seinem Youtube Video genau darüber. Und ganz im Sinne Putins. 

    Er sagte dann Sachen wie: „The US National Security Council saying that Ukraine has nothing to do with it, now I know, that it was the Ukrainians.“ – „Der Nationale Sicherheitsrat hat gesagt, dass die Ukraine nichts damit zu tun hatte, jetzt weiß ich, dass es die Ukrainer waren.“

    Selbst ohne direkte Absprachen entbindet es natürlich redaktionell tätige Influencer nicht davon, einfach korrekte Informationen zu berichten. Der Account Benny Johnson verbreitete dutzende Male bereits Falschinformationen. Auch Tim Pool wurde bereits mehrfach mit einer Community Note versehen. Sie verbreiten nicht nur pro-russische Narrative. Sie lügen auch im Sinne Putins. Und kriegen, wie jetzt herauskam, sogar Geld von ihm.

    Elon Musk ist eine Gefahr für die nationale Sicherheit

    Laut einem Gerichtsdokument, welches die Washington Post veröffentlicht hatte, gibt es Grund zur Sorge. Eine Venture Capitalist Firma, die in Twitter investiert hat, hat auch zwei Söhne eines russischen Oligarchen auf seiner Website. Musk selbst verbreitete bereits prorussische Lügen:

    Nein Elon Musk, die Ostukraine bevorzugt nicht Russland

    Musk beteiligt sich auch direkt an Hetze, um in westlichen Gesellschaften einen „Bürgerkrieg“ anzufachen.

    England: Wie Elon Musk hilft, den “Bürgerkrieg” anzufachen

    Musks eigene Tweets, die Falschinformationen über die Wahl in den USA enthielten, haben bereits 1,2 Milliarden Views erreicht. Aber selbst der SPD-Politiker Woidke, der in wenigen Wochen in Brandenburg zur Wiederwahl steht, verteidigt Musk immer noch. Hier wurde ein riesiges, bezahltes Propaganda-Netzwerk hochgenommen – in dem auch die faschistische AfD drin steckt. Und Elon Musk ist mitten drin und hilft Putin bei seiner Propaganda. Es ist verantwortungslos, dass deutsche Regierungsmitglieder, Behörden und Ämter immer noch auf dessen Plattform aktive Accounts haben. Das bequemste Mittel, um russische Lügen einzudämmen ist, endlich die Accounts auf Twitter zu schließen. Es ist höchste Zeit.

    US-Behörden nehmen russische AfD-Propaganda hoch

    Artikelbild: Frederic Legrand – COMEO (Musk), murathakanart (Putin)

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    https://www.bachhausen.de/so-tief-steckt-elon-musk-im-aufgedeckten-putin-netzwerk/

    #aufgedeckten #netzwerk #putin #steckt