Der KI-Vampir auf der Arbeit â der KI-Roboter auf dem Tennisplatz
FĂŒr Euch kuratiert: Schon wieder bin ich auf einige Artikel rund um KI gestoĂen, die ich fĂŒr erwĂ€hnenswert und kommentierenswert halte. Da geht es um den neuen Kollegen im BĂŒro, der wie ein Vampir unsere Hirn aussaugt. Warum eigentlich den Kollegen und nicht die Kollegin? Judith Peters schwĂ€rmt davon, wie genial die KI Claude von Anthropic fĂŒrs Bloggen ist. AndrĂ© Mensch vom französischen Anbieter Mistral war im Interview mit dem Deutschlandfunk. Und schlieĂlich spielt die KI jetzt auch Tennis, wahrscheinlich sogar deutlich besser als ich. Das trifft ins Herz.
Der Vampir: Wenn KI unser Hirn einfriertBloggen: Wenn den ach so perfekten Texten die Kanten fehlenMistral: Warum wir eine europÀische Alternative brauchenHumanoide Roboter: Wenn der Tennispartner plötzlich ein Algorithmus ist Der Vampir: Wenn KI unser Hirn einfriert
Sowohl Marcus Schuler in der FAZ wie auch Jens Polomski in seinem KI-Newsletter widmen sich einem Thema, das uns alle stresst oder stressen könnte, denn ⊠der neue Kollege im BĂŒro ist ein Vampir. Er arbeitet schneller als alle anderen, braucht keinen Schlaf und produziert unermĂŒdlich neue Texte, Bilder und neuen Code. Doch wie bei Vampiren ĂŒblich, hat auch dieser einen Preis: Er ernĂ€hrt sich von menschlicher Energie.
Ihr ahnt, um was es geht: Generative KI. FrĂŒher verbrachten Entwickler Stunden damit, ein Problem zu durchdenken und eine Lösung zu bauen. Heute spuckt die KI in Minuten VorschlĂ€ge aus â und der Mensch wird zum Gutachter am FlieĂband. Prompt schreiben, Output lesen, beurteilen, korrigieren, neu prompten â eine Endlosschleife aus PrĂŒfen, Bewerten und Entscheiden. Das stresst. Nicht nur Entwickler.
Ich merke das auch selbst, beispielsweise wenn ich durch ChatGPT die Titelbilder fĂŒr meine BlogbeitrĂ€ge erstellen lasse. Oft finde ich kein Ende, weil das aus meiner Sicht noch immer nicht âperfektâ ist. Also noch eine Iteration und noch eine Iteration. Dem Thema widmet sich Jens im Newsletter und stellt Regeln auf, wie man âBrain Fryâ, mentaler Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und EntscheidungsĂŒberlastung vermeiden kann.
Er zitiert eine Studie von BCG und der University of California in Riverside, die ein interessantes Paradox zeigt: Wird KI gezielt fĂŒr Routineaufgaben eingesetzt, sinkt das Burnout-Risiko um etwa 15 %. Gleichzeitig berichten rund 14 % der Nutzer von besagtem âBrain Fryâ. Der Auslöser ist dabei meist nicht die KI selbst, sondern ihre Nutzung: stĂ€ndiger Wechsel zwischen Tools, permanentes PrĂŒfen von KI-Ergebnissen und der Druck, mit dem unerschöpflichen Output der Maschinen Schritt zu halten. Die KI kennt keine Pausen. Der Mensch braucht sie. Der Vampir wird nicht mĂŒde. Der Mensch schon. Wir mĂŒssen uns und der KI Grenzen setzen.
Ăbrigens haben laut Search Engine Journal Marketer den höchsten âAI brain fryâ aller Berufe. Ein Pokalđ, den wir eigentlich nicht haben wollen.
Bloggen: Wenn den ach so perfekten Texten die Kanten fehlen
Gerade enthusiastisch ist der Artikel von Judith Peters ĂŒber den Einsatz von KI â konkret Claude â als Schreib- und Denkassistent fĂŒr Blogger und Bloggerinnen. Sie beschreibt â10 geniale Wegeâ, wie wir KI nutzen können und sollten, von der Themenfindung bis zum Texten, SEO und GEO optimieren und Social-Media-Teaser formulieren.
Viele der Dinge, die sie beschreibt, habe ich auch âgepromptetâ â in ChatGPT und in Perplexity. Und die entsprechenden Spaces oder GPTs sind in der Tat sehr nĂŒtzlich, aber âgenialâ? Ich habe sie bewusst âRedaktionsassistentenâ getauft. KI ist ein Werkzeug, kein Zaubertrick. Der Unterschied entsteht nicht durch âgeniale Wegeâ, sondern durch den eigenen Anspruch an Texte. Persönlichkeit, BrĂŒche, eigene Sprache â all das lĂ€sst sich nicht wirklich automatisieren und braucht zumindest Nacharbeit.
Vielleicht wird in einer Welt voller glattgebĂŒgelter KI-Texte der unperfekte, eigenwillige Ton plötzlich zum Differenzierungsmerkmal? Wer komplett auf KI setzt, verliert am Ende an Wiedererkennbarkeit. Die Zukunft des Bloggens und Schreibens generell gehört nicht den besten Prompts, sondern denjenigen, die KI bewusst nutzen und sie gleichzeitig begrenzen â und sich den letzten, entscheidenden Schritt selbst vorbehalten.
Mistral: Warum wir eine europÀische Alternative brauchen
Im Deutschlandfunk bin ich auf einen Artikel ĂŒber und ein Interview mit dem Mistral-MitgrĂŒnder Arthur Mensch gestoĂen. Mistral scheint der einzig verbliebene halbwegs ernsthafte Wettbewerber zu den groĂen US-amerikanischen KI-Anbietern zu sein. Seit geraumer Zeit verfolge ich, was rund um das Unternehmen passiert, und nutze auch regelmĂ€Ăig Le Chat, das ChatGPT des französischen Herstellers. Le Chat ist so etwas wie das Schaufenster: ein Beweis, dass europĂ€ische KI nicht nur im Backend existiert.
Mensch macht im Interview sehr deutlich, dass der eigentliche Hebel von KI nicht im Consumer-Spielzeug liegt, sondern in Unternehmen. Mistral positioniert sich bewusst nicht als ChatGPT-Klon, sondern als Anbieter von KI fĂŒr den produktiven Einsatz: Systeme, die tief in Unternehmensdaten, Prozesse und Tools integriert sind, eine europĂ€ische Gegenmacht zu US-Techgiganten wie Google oder OpenAI. Das Rezept: Open-Source-Modelle, die Unternehmen selbst hosten und anpassen können â ohne Daten an US-Clouds zu verlieren.
Europa, so Mensch, muss aufhören, sich als technologischen Zwerg zu sehen, und stattdessen öffentliche Nachfrage schaffen â also gezielt in europĂ€ische KI investieren, statt US-Lösungen zu kaufen. Wenn nur zwei oder drei KI-Anbieter bestimmen, welche Inhalte Nutzer:innen erhalten, wird KI zum Werkzeug politischer Einflussnahme â besonders in Wahlkampfzeiten.
Seine Forderung ist klar: EuropĂ€ische Verwaltungen und Unternehmen sollten gezielt in Anbieter wie Mistral investieren, um ein eigenes Ăkosystem aufzubauen. Meine Forderung und Meinung: Mistral selbst muss Le Chat stĂ€rker in den Markt bringen, um auch Endanwendern bekannter zu werden. Ja, das fordert natĂŒrlich Investitionen. Schon lĂ€nger haben Lars und ich Mistral und Le Chat auf unserer Themenliste bei #9vor9. Ich denke, es wird jetzt wirklich Zeit, das Unternehmen und seine Angebote einmal vorzustellen.
Humanoide Roboter: Wenn der Tennispartner plötzlich ein Algorithmus ist
Und schlieĂlich zu meinem letzten Thema der Woche: FĂŒnf Stunden Amateurtennis, ein paar wackelige VorhandschlĂ€ge und ein Haufen unkoordinierter SeitwĂ€rtsbewegungen â und schon steht der Roboter am Netz und spielt Ballwechsel wie ein Hobbyspieler nach dem dritten Bier. Chinesische Forscher haben bewiesen, dass ein humanoider Roboter mit den Bewegungsdaten von fĂŒnf Freizeit-Tenniscracks mehr anfangen kann als so mancher Mensch mit jahrelangem Training.
Die Forscher haben nicht nur bewiesen, dass der Unitree G1 Roboter Tennis spielen kann, sondern dass er es mit unseren Fehlern lernt. Er bewegt sich halbwegs natĂŒrlich und hat eine 96-prozentige Erfolgsquote bei VorhandschlĂ€gen. Was bedeutet das fĂŒr uns Tennisspieler? Wenn selbst ein Roboter mit fĂŒnf Stunden Amateur-Tennis mehr erreicht als so manche teure Trainerstunde, wird dann bald der lokale Tennislehrer durch einen Algorithmus ersetzt? Von der Ballmaschine zum humanoiden Tennis-Roboter, der uns trainiert?
Wenn beim nĂ€chsten Mal mein Ball mal wieder im Netz landet, habe ich zumindest einen Trost. Irgendwo lernt gerade ein Roboter aus genau diesem Fehlschlag. Und in der Zwischenzeit werde ich die Trainerstunden und Matches mit meinen Tennispartnerinnen und -partnern beim TCB in Bessungen weiter in meiner ganzen Unperfektion genieĂen â ganz besonders das AprĂšs-Tennis. In diesem Spiel, Satz und Sieg. Hier geht es zum Artikel von Marcus Schwarze in der FAZ (leider hinter der Bezahlschranke).
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