Logo-Gestaltung mit KI: Einen Design-Preis gibt es noch nicht
Kann die KI uns bei Gestaltungsaufgaben helfen? Meine Ansprüche liegen tief: Für meine Ansprüche braucht es kein überragendes Design, sondern bloss etwas, mit dem man sich nicht blamiert.
Obwohl die Latte fast am Boden liegt, wurde ich bei früheren Versuchen bitter enttäuscht: Ich liess mir vor drei Jahren und zweimal vor acht Jahren ein Logo kreieren und erhielt so langweilige, generische Resultate, dass ich selbst in fünf Minuten etwas Besseres hinbekommen hätte. Doch ist die Zeit inzwischen reif? Schliesslich haben die Bildgeneratoren in den letzten Monaten rasante Fortschritte gemacht.
Ein Icon, das hübsch, sympathisch und zugänglich wirkt
Das alte, vor Jahren selbst gebastelte Favicon.Die Herangehensweise ist dadurch eine völlig andere: Wir wählen keine spezialisierte Gestaltungs-App, sondern die üblichen Verdächtigen. Ich starte zwei Versuche mit Gemini und ChatGPT, und zwar mit einer maximal allgemeinen Anfrage: «Du kennst sicher meine Website Clickomania.ch. Kannst du mir ein Favicon gestalten? Es soll den technischen Aspekt widerspiegeln, aber auch sympathisch und nahbar wirken.»
Zur Erklärung: Das Favicon ist das Webseiten-Symbol, das der Browser in den Reitern und Lesezeichen anzeigt und auch in den Resultaten der Suchmaschinen bei der Unterscheidung hilft. Es sollte auch in winzigem Abbildungsmassstab erkennbar sein. Mein bisheriges Icon ist offensichtlich selbst gebastelt, und zwar in der tollen Farbschrift «Gilbert».
Der erste Versuch: ein Rohrkrepierer
Die Resultate zeigen, dass weder Gemini (links) noch ChatGPT (rechts) grosse Kenner meines Schaffens sind. Diese Favicons würde ich niemals verwenden wollen. Dennoch ist zumindest die Version von OpenAI besser als das, was 2023 und 2018 herausgekommen ist.
Geminis erster Versuch, ohne jegliche Instruktionen.Das ist das Icon, das ChatGPT zu diesem Blog hier einfällt.Doch diese zweite Version bringt mich auf eine Idee. Ich zeichne einen groben Entwurf und bitte die KI, ihn mir sauber auszuarbeiten. Das ist der Entwurf:
Meine selbstgezeichnete Skizze, die die Unterzeile des Blogs («Beobachtungen aus einer technologisierten Welt») versinnbildlicht.Versuch 2: Eine Skizze verschönern
Ihn übergebe ich mit einem relativ kurzen Prompt, der als Aufgabe stellt, eine fertige Version auszuarbeiten¹. Gemini liefert folgendes Resultat:
Diese Variante des Logos von Gemini ist kaum von meiner Skizze zu unterscheiden.ChatGPT liefert mir nach dem zweiten Versuch (ich bitte darum, den grauen Hintergrund durch einen schwarzen zu ersetzen) dieses Logo ab:
ChatGPT erzeugt anhand meiner Vorlage diesen ersten Entwurf.Wir können folgende Dinge festhalten: OpenAI schlägt Google deutlich. Beim Sieger-Logo ist die Gestaltungs-Idee erkennbar. Doch es gibt einige Mängel. Der offensichtlichste ist, dass dieses Logo nicht freundlich wirkt.
Ein letzter Anlauf mit einem sehr ausführlichen Prompt
Ich starte einen neuen Chat mit meinem Ursprungslogo und formuliere meinen Prompt sehr viel ausführlicher².
Das sind die beiden Ergebnisse: Erstens Gemini …
Gemini setzt meine Instruktionen nicht buchstabengetreu um: Der Computer ist schwarz, nicht blau, der schwarze Hintergrund fehlt und die Augen und nicht das Gesicht sind rot. Auch Gemini ergänzt den Monitor mit einem Fuss.… und zweitens von ChatGPT.
Das Resultat von ChatGPT: Die Farbangaben wurden einigermassen getreulich übernommen, wobei das Blau zu dunkel geraten ist. Auch ChatGPT fügt eigenmächtig einen Monitorfuss hinzu. Er hat zur Folge, dass das C und «Clickomania» so weit auseinanderstehen, dass man diese beiden Elemente nicht mehr in Verbindung bringt.Fazit: Close, but no cigar, wie der Amerikaner sagt. Im Vergleich zu den grässlichen Logos bei meinen früheren Versuchen sind diese Resultate deutlich besser. Trotzdem bleibt das alte, dilettantische Favicon weiter in Benutzung. Denn obwohl meine Gestaltungs-Idee erkennbar ist, wirken diese KI-Werke blutleer – einfach zu wenig nahbar und menschlich, um dieses Blog und seine Werte repräsentieren zu dürfen.
Fussnoten
1) Das ist der Prompt für die Ausarbeitung:
Das ist mein grober Entwurf, inspiriert von deinem Design. Bitte entwickle daraus eine fertig ausgestaltete Fassung im Stil eines reduzierten, modernen Logos, das als Favicon funktioniert. Beachte folgende Dinge:
- Das Resultat muss quadratisch sein.
- Die Lesbarkeit muss auch in kleiner Reproduktion gewährleistet sein. Passe die Schrift entsprechend an. Verwende einen gut lesbaren Font.
- Falls möglich, verbessere die Verschmelzung des C und des Computerbildschirms.
- Verwende flächige Farben. ↩
2) Das ist der Prompt für den zweiten Versuch:
Das ist der grobe Entwurf für ein Favicon. Bitte entwickle daraus eine fertig ausgestaltete Fassung:
- Dein wichtigster Auftrag lautet, dass das Motiv selbst in kleiner Reproduktion erkennbar ist.
- Der Stil ist modern.
- Das fertige Bild ist quadratisch.
- Das C verschmilzt mit dem Computerbildschirm. Zusammen bilden Monitor und C eine Einheit. Das C ist deutlich vom Bildschirmrahmen abgehoben.
- Die Augen blicken beobachtend, eher freundlich als streng. Sie sind nicht exakt symmetrisch, sondern im Blick leicht nach rechts gerichtet.
- Arbeite mit geometrischen Formen. Ausnahme ist das C: Es darf eine leichte Andeutung einer handgezeichneten Form haben.
- Der Bildschirm und die Schrift stehen auf einem schwarzen Hintergrund.
- Die Farbe der Schrift (C und Clickomania) ist Hex 3399cc.
- Die Farbe des Gesichts (im Bildschirmhintergrund) ist Hex fb7d67.
- Verwende keine Farbverläufe, sondern flächige Farben. ↩
Beitragsbild: Bleistift und Papier sind bei der Logogestaltung weiterhin ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg (Onkar Mehta, Unsplash-Lizenz).
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