Soziale Medien mit Alterskontrolle? Es geht viel einfacher!

«Wir haben einige deiner Einstellungen geändert», zeigte mir Youtube neulich an. Die personalisierte Werbung sei deaktiviert worden. Begründung: «Wir sind nicht sicher, ob du schon über 18 Jahre bist.»

Soll ich mich geschmeichelt über mein jugendliches Erscheinungsbild fühlen und die Angelegenheit gut sein lassen?

Nein, natürlich nicht. Es wäre sünd und schad, diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen, mich über Youtube und Google lustig zu machen. Denn wir haben hier einen Tech-Konzern, der 2025 einen Gewinn von 132 Milliarden Dollar einstrich – etwas weniger als das Bruttosozialprodukt der Slowakei. In diesem Jahr will die Google-Mutter Alphabet 185 Milliarden in die KI investieren: Grund genug für den gemeinen Youtube-Nutzer, anzunehmen, dass Google in der Lage sein müsste, mein Alter auf dreissig Jahre genau zu schätzen. (Das hätte die Frage locker geklärt, ob ich schon 18 bin.)

Schon mal was von den Grundrechenarten gehört, Sundar Pichai?

Nun, es ist nicht ausgeschlossen, dass eine noch nicht 18-jährige Person in diesem Haushalt einige Videos schaute und mein Profil leicht verfälschte. Wenn dennoch der Inhaber des Accounts als Massstab dient, brauchen wir keinen ausgeklügelten Algorithmus, um dessen Mindestalter festzustellen. Mein Youtube-Konto existiert ungefähr seit 2007. Das heisst, selbst wenn ich es im zarten Säuglingsalter angelegt haben sollte, wäre ich inzwischen ungefähr 19. Verifikation mittels Subtraktion – einer Methode, für die man keine neuen Rechenzentren bauen müsste.

Was dieser Sache eine gewisse Brisanz verleiht, ist die Diskussion um die Altersgrenzen bei den sozialen Medien. Bei der stellt sich die Frage, wie die Kontrolle durchgeführt werden soll. Im Stil von gewissen Websites für Erwachsenenunterhaltung, bei denen man auf die Frage, ob man schon 18 sei, entweder Ja oder Nein anklicken kann, vermutlich nicht.

Nebst der Selbstdeklaration existieren zwei weitere Methoden: die Überprüfung mittels eines amtlichen Dokuments und die Schätzung anhand von Verhaltensmustern – letzteres würde ich als die Youtube-Methode bezeichnen.

Entweder E-ID. Oder gar kein Altersnachweis

Für mich ergeben sich zwei Erkenntnisse:

Erstens ist das ein deutliches Argument für die E-ID, den elektronischen Identitätsnachweis. Natürlich in einer datensparsamen Variante. Sprich: Youtube – oder sonst eine Plattform mit einem Mindestalter – erhält über meine ID lediglich die verbindliche Auskunft, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Mein effektives Alter und alle anderen Informationen, die zum Profil zählen, werden nicht preisgegeben.

Zweitens: Wäre es nicht viel einfacher, wenn für Internetangebote das Prinzip gelten würde, dass ein Altersnachweis für die normale Nutzung nicht erforderlich ist?

Lasst mich zur Illustration einen verrückten Vergleich machen: Tageszeitungen und die gängigen Magazine lagen früher (als derlei Medien noch zum regulären medialen Inventar zählten) in Reichweite von Kindern bereit und waren ohne Alterskontrolle zugänglich.

Das bedeutete durchaus nicht, dass alles, was dort zu lesen war, kindgerecht gewesen wäre. Aber das war seltenst ein Problem. Kaum ein Zwölfjähriger las den «Spiegel» von hinten bis vorn durch, um so auf die Reportage aus einem Kriegsgebiet oder den Bericht über die Epstein Files zu treffen. Er orientierte sich nach seinen Interessen und landete zwangsläufig bei harmlosen Themen wie Tierberichten, den Rätseln oder der Kinderseite. Meine Erfahrung mit Kindern ist, dass viele davon ein ausgezeichnetes Gespür dafür haben, was sie sich zumuten wollen und was nicht.

Der Vergleich hinkt! Oder hinkt er nicht?

Bevor jetzt einer kommentiert, dass dieser Vergleich brutal hinken würde, mache ich den naheliegenden Einwand gleich selbst: Bei den «Legacy-Medien» gibt es keinen Algorithmus, der die Themenauswahl vornimmt – das muss man selbst tun. Da diese Algorithmen das krasse Zeug bevorzugen, setzt das eine Spirale in Gang. Die hat zur Folge, dass auch Dinge, die im Kern harmlos sind und von Kindern konsumiert werden könnten, auf verantwortungslose Weise übersteigert dargeboten werden.

Das heisst: Standardmässig funktionieren Facebook und Youtube wieder wie zu den Anfangszeiten. Es gibt keine algorithmischen Vorschläge, sondern nur das, was Nutzerinnen und Nutzer selbst aussuchen – entweder direkt, oder über die Leute, denen sie folgen. Wer auf den algorithmischen Kram nicht verzichten mag, der muss über 18 sein und den Altersnachweis erbringen. Zur zusätzlichen Absicherung wird standardmässig jugendfrei gepostet. Leute, die ohne ihre Altherrenwitze nicht auskommen, pflegen selbige, müssen aber ein zwingendes Häkchen beim Beitrag setzen. Falls jemand das vergisst, haben die anderen User die Möglichkeit, solche Beiträge zu melden – worauf die Plattform sofort und ernsthaft reagiert. Und Leute, die öfter den Jugendschutz unterlaufen, werden sanktioniert.

Bei den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland darf man gewisse Inhalte aus Gründen des Jugendschutzes erst ab einer bestimmten Zeit ansehen – wie im linearen Fernsehen, wo der Horrorfilm erst nach 22 Uhr läuft.

Ich fand lange Zeit reichlich albern. Aber vielleicht ist es das gar nicht? Wie wäre es, den gleichen Mechanismus bei Youtube und Facebook anzuwenden? In welcher Zeitzone sich ein Nutzer oder eine Nutzerin befindet, lässt sich ohne jeglichen Altersnachweis feststellen. Und was die Eltern angeht, müssten die für den Jugendschutz nichts weiter tun, als nach neun Uhr abends das WLAN abzudrehen.

Nachtrag: Wir sprachen im Nerdfunk über die Idee. Kevin fand sie albern: Die Leute würden die sozialen Medien langweilig finden, wenn es keine algorithmische Auswahl mehr gäbe und man tatsächlich nur noch den Kram sehen würde, der in der eigenen Bubble kursiert. Aber wären langweiligere soziale Medien wahrlich so schlimm – oder nicht vielleicht die Lösung?

Beitragsbild: Google würde natürlich darauf hereinfallen (Artur Skoniecki, Pexels-Lizenz).

#DerOnlineShitDerWoche #Googologie #Wochenkommentar #Youtube

Google Gemini erkennt leider längst nicht alle KI-Deepfakes

Kollege Thomas Benkö schrieb letzte Woche auf Linkedin über die angebliche Schneeleopard-Attacke in Koktokay. Bei «Blick» dokumentierte er den Fall einer chinesischen Skifahrerin, die mit einem vorbeistreifenden Raubtier ein Selfie machen wollte (gute Idee, übrigens) und daraufhin attackiert wurde. Wie heutzutage kaum mehr anders zu erwarten, war es nur ein KI-Fake. Respektive genauer: Teile der Geschichte scheinen zu stimmen, doch nicht das gesamte Material, das darüber veröffentlicht wurde, ist authentisch.

Auch das ZDF analysierte die Begebenheit. Sie führt uns vor Augen, dass eine Halbwahrheit problematischer sein kann als eine glatte Lüge. Letztere wischen wir vom Tisch. Doch bei ersterer müssen wir mühselig zwischen realen und erlogenen Details unterscheiden und uns mit der Frage auseinandersetzen, welches Framing dahinterstecken könnte. In diesem Fall war’s vermutlich schlichte Klickgeilheit.

An dieser Stelle soll es um ein technisches Detail gehen. Sowohl der «Blick» als auch das ZDF weisen auf SynthID hin. Das ist Googles Methode, KI-generierte Inhalte mit einem digitalen Wasserzeichen erkenntlich zu machen. Das wird nicht nur bei Bildern und Videos eingebettet, sondern selbst bei Text. Ich halte das für eine sinnvolle Massnahme, doch wie hier analysiert, ist es keineswegs ein Patentrezept gegen Deepfakes. Enthält ein Inhalt kein SynthID-Wasserzeichen, ist das kein Beweis für seine Authentizität.

«Dieses Selfie ist gefälscht»

Benkö weist darauf hin, dass Googles Chatbot Gemini die SynthID-Markierung ausliest. Und in der Tat: Ein Test mit dem vermeintlichen Selfie der tollkühnen Skifahrerin ergibt das unzweifelhafte Ergebnis:

Eine Analyse mit dem Tool SynthID hat ergeben, dass Teile des Bildes digitale Wasserzeichen enthalten, die auf den Einsatz von Google KI-Modellen hinweisen.

Hier ist der Fall klar: Gemini hat das SynthID-Wasserzeichen entdeckt.

Das bringt uns zur Frage: Wie gut ist Gemini generell beim Enttarnen von KI-Inhalten?

Bei diesem Test interessiert mich vor allem, wie Googles künstliche Intelligenz im umgekehrten Fall abschneidet. Werden Bilder als authentisch erkannt, wenn sie das erwiesenermassen sind, aber trotzdem aussehen wie KI-generiert?

Ich verwende für diesen Zweck zwei Aufnahmen, die beide von freien Fotoplattformen stammen¹ und erwiesenermassen echt sein müssen. Sie wurden nämlich veröffentlicht, bevor die KI-Bildgeneratoren mit fotorealistischen Möglichkeiten existierten. Um es kurz zu machen: Bei denen bekleckert sich Gemini nicht mit Ruhm.

Gemini liegt zweimal voll daneben

Im Gegenteil; er vermutet in beiden Fällen fälschlicherweise eine KI:

Weckt zu Unrecht KI-Vibes.

Mann mit Geldbündeln:
Dieses Bild weist sehr starke Merkmale einer KI-Generierung auf. Achte auf die Finger der rechten Hand: Sie wirken unnatürlich lang und verformt. Auch die Texturen der Geldscheine und die Schrift darauf («Franklin Barbershop») sind typisch für Bild-KIs, die oft Schwierigkeiten haben, Text und feine Details wie die Sicherheitsmerkmale von Währungen korrekt darzustellen.

Sieht künstlich aus, stammt aber von 2018.

Paar auf der Bank (Stockfoto-Stil):
Auch dieses Bild zeigt bei genauerer Betrachtung Unstimmigkeiten, die auf KI hindeuten. Besonders auffällig ist die Hand der Frau auf dem Rücken des Mannes: Die Fingerstellung und die Anzahl der sichtbaren Finger wirken anatomisch nicht korrekt. Auch der Übergang der Haare zur Schulter zeigt oft unnatürliche Verschmelzungen.

Immerhin erkennt Gemini die zwei Kontrollaufnahmen, die tatsächlich mit KI generiert worden sind.

Trotzdem ist Googles Chatbot damit schlechter als zwei spezialisierte Erkennungs-Algorithmen: aiornot.com lag schon 2024 in allen Fällen richtig. Das gleiche gilt für Sight Engine aus meinem letztjährigen Test. Dieser meiner Erfahrung nach sehr zuverlässige Detektor liegt indes beim Schneeleoparden-Bild daneben und attestiert ihm fälschlicherweise Authentizität.

Bei den Beispielen ohne SynthID vermutet Gemini KI, wo wir es mit echter Fotografie zu tun haben.

Fazit: Es ist – und bleibt – kompliziert.

  • Gemini hilft uns in eindeutigen Fällen, in denen ein SyntID-Marker vorhanden ist. In allen anderen Fällen ist Googles KI nicht zuverlässig.
  • Umgekehrt zeigt dieses Beispiel, dass auch bewährte KI-Detektoren nicht von false negatives gefeit sind.

Die Authentizität garantieren kann nur der Urheber einer Aufnahme – sei es, weil die Aufnahme kryptografisch über die Metadaten abgesichert wurde, wie es die Content Authenticity Initiative anstrebt. Oder sei es, weil die Aufnahme über verlässliche Wege aus einer vertrauenswürdigen Quelle zu uns gelangte. In anderen Fällen helfen uns die hier vorgestellten Werkzeuge, unseren Grad der Unsicherheit zu verringern. Aber völlige Gewissheit garantieren sie nicht – und auf alle Fälle müssen wir diese Werkzeuge bewusst und mit Kenntnis ihrer Grenzen einsetzen.

Der sonst zuverlässige KI-Detektor von Sight Engine liegt hier falsch.

Fussnoten

1) Einige Details zu den beiden Aufnahmen:

Beitragsbild: Das Ding könnte auch aus Plastik sein (Mart Production, Pexels-Lizenz).

#DerOnlineShitDerWoche #Googologie #KI #VideoBildgenerator

Wie schnell Google 2025 bereit war, seine Kernwerte zu opfern

Was bleibt von Google für 2025 in Erinnerung?

Wenn wir am positiven Ende anfangen wollen, dann ist das die Einschätzung, dass der Konzern aus Mountain View bei der künstlichen Intelligenz Boden gutmachen konnte. Meines Erachtens ist Gemini Konkurrenten wie ChatGPT, Claude, Perplexity und Mistral noch immer unterlegen. Der Qualitätsrückstand ist immerhin geschrumpft. Und vor allem gelang es Google, für diverse Aha-Momente zu sorgen:

Fortschritt um wirklich jeden Preis

Die Fehlinformationen sind nicht das grösste Problem der «AI Overviews».

Dieser Fortschritt ist technisch eindrücklich, gibt indes gleichzeitig Raum für Kritik und Kontroversen. Dass die KI an Sitzungen als Aktuar auftritt, hat in meinem Social-Media-Umfeld für mehr Ablehnung denn Begeisterung gesorgt. Mir waren die Auswüchse von Veo 3 im Juli einen eigenen Blogpost wert: Denn so spektakulär die neuen Möglichkeiten sein mögen, so fragwürdig ist die Weise, wie sie genutzt werden. Das Stichwort dazu – das in der Jahresmusterung von 2025 noch häufiger fallen wird – ist AI Slop: per künstlicher Intelligenz produzierte Inhalte, die in den sozialen Medien allgegenwärtig sind und den menschlichen Output verdrängen.

Die weitreichendste technische Neuerung im Jahr 2025 betrifft die Suchmaschine: Die künstliche Intelligenz hielt Einzug auf Google.ch. Seit dem März tauchen die KI-Zusammenfassungen am Anfang der Suchresultate, die sogenannten AI Overviews, auch bei uns auf. Nur Monate später, im Oktober, legte der Konzern mit dem KI-Modus nach: Er eliminiert die klassischen Suchresultate vollständig. Stattdessen erscheint eine ausformulierte Antwort auf unser Anliegen, zu der sich auch Nachfragen stellen lassen. Das hat eine ganze Reihe negativer Implikationen, die Google nicht zu adressieren gewillt ist. Das ist so problematisch, dass ich die Zeit für gekommen erachte, ein Zeichen zu setzen: Verweigern wir uns – auch wenn es schwierig istder Google-Suchmaschine oder zumindest den AI Overviews!

Machtmissbrauch und Opportunismus

So unerfreulich das alles ist, kommt es noch dicker: Obwohl Google Millionenbussen der EU wegen Wettbewerbsverzerrung kassierte, missbraucht der Konzern weiterhin fröhlich seine Marktmacht, um der Konkurrenz Nutzerinnen und Nutzer abspenstig zu machen – und entdeckte zu diesem Zweck die Pop-up-Werbung neu.

Wer in Firefox oder in einem Drittbrowser Websuchen durchführt, wird mit Meldungen wie diesen hier gepiesackt.

Der heftigste Kritikpunkt ist einer, der sich nicht nur gegen Google, sondern genauso gegen Microsoft, Meta, Apple, Amazon und Konsorten richtet (und deswegen in der Jahresmusterung noch häufiger zu lesen sein wird): Wir erinnern uns daran, wie eilfertig und devot die Bosse dieser Firmen im Januar zu Trumps Amtseinführung eilten, um ihre Geschäftsinteressen zu schützen. Das waren nicht nur Lippenbekenntnisse: Es gab weitreichende Zugeständnisse an den neu-alten Herrscher im (inzwischen arg ramponierten) Weissen Haus, die zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und von uns allen gehen. Zwei Beispiele:

Der zweite Aspekt scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich gravierend. Doch ich erinnere mich lebhaft daran, wie stolz gerade Google auf die internationale, vielfältige Belegschaft war. Im «Wired»-Artikel heisst es dazu:

Berichte aus den letzten zehn Jahren zeigten, dass Google und Dutzende anderer Technologieunternehmen stetig mehr Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten einstellten, obwohl diese Gruppen im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung der USA in technischen und Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert waren.

Das scheint passé. Wir könnten hoffen, dass die Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion bloss pro forma aufgegeben wurden, und im Geheimen weitergeführt werden. Leider ist das wohl eine leere Hoffnung, weil das schnell herauskäme und Trump nur umso wütender wäre.

Partizipation für alle – das war mal

Darum bleibt uns nur der Schluss, dass wir es mit einem tiefgreifenden Kulturwandel zu tun haben. Er erfolgt zulasten der Minderheiten, der vulnerablen Gruppen. Und er setzt Utopie ein endgültiges Ende, dass die Vernetzung der Welt eine einigende und ausgleichende Wirkung hat.

Den Tiefpunkt des Jahres erreichte Google für mich im Oktober 2025, als es das Unternehmen Apple gleichtat und Apps entfernte, die Immigranten vor den Agenten der US-Einwanderungsbehörden warnt. Ein AP zitierte zu dieser Causa die Bürgerrechtsanwältin Alejandra Caraballo, die an der Cyberlaw Clinic der Harvard University arbeitet:

«Das ist ein Präzedenzfall, der mich beunruhigt. Mit dem kann die Regierung im Grunde vorschreiben, welche Apps die Menschen auf ihren Handys haben.»

Dem Geschäft tat das alles keinen Abbruch. Mitte September erreichte Google-Mutter Alphabet als viertes Unternehmen eine Marktkapitalisierung von drei Billionen US-Dollar.

Beitragsbild: Ein Bild aus besseren Tagen (Christina Morillo, Pexels-Lizenz).

#Googologie #Jahresmusterung #KI #Suchmaschine

Eine Handvoll KI-Tricks für Gmail und Google Sheets

Ihr erinnert euch: Wie Microsoft integriert auch Google die künstliche Intelligenz an allen Ecken und Enden in die Office-Anwendungen. Bei einem ersten Test im Januar scheiterte Gemini an vielen der naheliegenden Aufgaben. Ist das inzwischen besser? Für eine Schulung hatte ich neulich ausgiebig Gelegenheit, mich mit Gemini in Google Workspace zu beschäftigen. Und meine Kollegin Jessica hat ein paar Funktionen ausgegraben, die es wert sind, hier besprochen zu werden.

Mit Englisch als Hauptsprache beherrscht Google Workspace die meisten KI-Tricks.

Ein Trick vorneweg: Wer sich berufen fühlt, Gemini auszureizen, der tut gut daran, seinen Google-Account auf Englisch umzuschalten. Viele KI-Tricks stehen nur mit dieser Spracheinstellung zur Verfügung – wir können aber dennoch mit deutschen Dokumenten und Prompts arbeiten.

Und so geht es: Wir gehen zu unserem Google-Account (myaccount.google.com), klicken auf Persönliche Daten (Personal info) und bei Allgemeine Einstellungen für das Web (General preferences for the web) auf Sprache (Language) und fügen Englisch (Vereinigte Staaten) bzw. English (United States) hinzu. Über den Knopf mit den Pfeilchen tauschen wir die Sprachen aus: Wenn Englisch oben und Deutsch unten steht, dann erscheint die Benutzeroberfläche in Englisch. Es kann sein, dass das nur mit Verzögerung passiert. Falls Google unsere Nerven überstrapaziert, beschleunigen wir die Sache, indem wir den Browser neustarten. Falls auch das nicht hilft, loggen wir uns aus und wieder ein.

1) Gmail: Mails aufstöbern und die KI als Ghostwriter

Im Mailprogramm Gmail ist es bekanntlich schwierig bis unmöglich, mit der Suchfunktion auch tatsächlich etwas Vernünftiges zu finden. Dank der künstlichen Intelligenz wird das etwas besser:

  • «Suche mir Mails mit Anhängen grösser als 20 MB.» (Show me mails with attachments bigger than 20 mb.)
  • «Zeige mir Mails, die an mehrere Empfänger gesendet wurden und meinen Namen im Body enthalten.» (Find me group mails, where my name is mentioned in the text body.)

Es bleibt Glückssache, ob ein solcher Prompt ein brauchbares Ergebnis hat. Sehr spezifische Prompts haben meist nicht den gewünschten Erfolg¹, aber offen formulierte Anweisungen² sind zweckdienlich. Die haben den Nachteil, dass wir uns auf die Bewertung der künstlichen Intelligenz verlassen müssen. Die kann adäquat sein – muss aber nicht. Sollte es bei der Suche nach Mails wichtig sein, dass keine Nachricht übersehen wird, empfehle ich, die Liste selbst durchzuscrollen. Falls die Zeitersparnis im Vordergrund steht, ist die Hilfe Geminis willkommen.

Und unter Umständen praktisch:

Gemini formuliert anhand eines Dokuments eine passende Antwort auf ein Mail.

Der Add to calendar-Knopf, der bei Mails mit spezifischen Daten erscheint. Doch auch wenn Gemini keine Terminerstellung anbietet, können wir das über einen passenden Prompt veranlassen³. Eine Interaktion mit den anderen Office-Anwendungen ist ebenso möglich. Wenn wir im Promptfeld in der Gemini-Leiste die At-Taste betätigen, erscheint eine Liste von Dokumenten aus Google Drive. Die können wir für einen Mailentwurf verwenden. Es klappt gut, anhand einer Docs eine Antwort vorformulieren zu lassen⁴. Umgekehrt funktioniert es leider nicht, direkt anhand eines Mails oder einer Liste von Mails Dokumente in Google Drive zu erstellen⁵.

2) Docs: Zuhören statt lesen

In der Textverarbeitung gibt es zwei kleine Neuerungen.

  • In der Menüleiste sitzt die Funktion Listen to this tab (erkennbar am Play-Knopf mit KI-Kringel). Klicken wir den an, wird uns das Textdokument als Hörstück präsentiert. Allerdings gibt die Stimme auch deutsche Inhalte knallhart in Englisch wieder.
  • Automatisch eine Zusammenfassung einfügen. Das klappt über den Befehl Insert > Building blocks > AI summary.
Wer nicht lesen will, kann hören.

Spielerei oder nützliches Feature? Das liegt im Auge des Betrachters bzw. des Zuhörers. Die Vorlesefunktion ergibt wenig Sinn beim Anforderungskatalog an ein neues Projekt der Geschäftsleitung oder beim Protokoll der letzten Teamsitzung. Aber bei längeren Dokumenten, die wir nicht nur querlesen, sondern uns konzentriert zu Gemüte führen wollen, kann sie sinnvoll sein. Bedauerlicherweise lässt sich die Rezitation nicht herunterladen: Ich könnte mir hervorragend vorstellen, geschäftliche Pflichtlektüre in akustischer Form beim Joggen zu absorbieren.

Die Zusammenfassung ist nicht verkehrt. Auch wenn wie üblich gilt, dass die künstliche Intelligenz nicht immer Prioritäten so setzt, wie wir es tun würden.

Die automatisch generierte Zusammenfassung lässt sich an einer beliebigen Stelle im Dokument einfügen.

3) Sheets: Prompts in Zellen

Ein paar praktische Tricks gibt es auch für Googles Tabellenkalkulation Sheets. Die erste Methode ist so einfach wie wirkungsvoll:

  • «Hübsche diese Tabelle auf.» (Make this table nice.)

Gemini formatiert die Tabelle daraufhin schön als Block mit Spaltenköpfen und einem Reiter, über den sich die Farben anpassen, Gruppierungen einrichten, die Ansichten umschalten und Benachrichtigungen verwalten lassen⁶.

Das grösste Potenzial steckt allerdings in der neuen Funktion: Die lautet AI und erlaubt es uns, einen Prompt anzugeben, dessen Output in der entsprechenden Tabelle angezeigt wird. Auf diese Weise lässt sich in einem Rutsch eine beliebige Anzahl von Abfragen ausführen. Ein kleines Beispiel illustriert das:

In dieser Tabelle sind in Spalte A einige Tiere aufgeführt. Mit der KI-Formel⁷ lassen sich nun die beiden Spalten B und C mit der Körperlänge und dem Gewicht befüllen.

Mit diesem Trick füllt die KI uns die Werte in die Tabelle ein.

Fussnoten

1) Der Prompt «Suche mir Mails aus den letzten zwei Wochen, die direkt an mich adressiert sind und von einer Person aus dem Unternehmen stammen» (Show me mails from the last too weeks that were adressed at me and come from a person within the company) hat den gegenteiligen Effekt und bringt uralte Nachrichten zum Vorschein, die nicht direkt an mich adressiert sind und von einer Person ausserhalb des Unternehmens stammen. ↩

2) Was war in den letzten zwei Wochen wichtig? (What was important during the last two weeks?) ↩

3) Zum Beispiel: «Mach einen Termin am nächsten Montag um neun, damit wir im Team darüber diskutieren können.» (Make entry in my calendar to discuss this next Monday at 9am with the team.) ↩

4) Etwa mit folgendem Prompt: «Entwirf eine Antwort anhand des Dokuments @Vorschläge-zuhanden-der-Geschäftsleitung». (Draft an answer according to the project description in @….) ↩

5) Ich habe probiert, mir anhand meines Ordners mit interessanten Pressemeldungen eine schöne Übersichtstabelle generieren zu lassen (Create a list in sheets with the 25 newest mails in this folder with sender, topic and a short description.). Gemini fertigte diese Liste an, verlagte jedoch von mir, sie eigenhändig in eine Tabelle zu kopieren. Der Versuch, die Beträge aus einer Rechnung in eine Tabelle zu übernehmen, schlug gänzlich fehl (Create a spreadsheet from the highlighted lines of text.). Gemini meinte, dazu sei er nicht in der Lage, und erklärte mir daraufhin die Funktion der Zwischenablage. ↩

6) Die Terminologie dieses Features ist in Deutsch leider unglücklich geraten. In der englischen Übersetzung unterscheidet Google zwischen Sheets – also dem Blatt als ganzes und dem Table. Letzteres ist der als Einheit formatierte Teilbereich, den ich z. B. Tabellenblock nennen würde. In Deutsch wird beides als Tabelle bezeichnet, was die Unterscheidung quasi verunmöglicht. ↩

7) Die Formel in Spalte C für das Gewicht lautet: =AI("Gewicht in kg von "&A2&" als reine Zahl ohne weitere Angaben") ↩

Beitragsbild: Der Moment, an dem wir mit Geminis Hilfe unsere Office-Aufgaben einhändig und noch im Pyjama erledigen, ist bedauerlicherweise noch nicht eingetroffen (Sincerely Media, Unsplash-Lizenz).

#Gemini #Googologie #KI #Office

Brave Search schiesst einen Ehrentreffer gegen Google

Bei den Suchmaschinen gibt es kein Entrinnen vor Google und Microsoft. Auch viele der vermeintlichen Konkurrenten greifen im Hintergrund auf die Indizes der beiden Tech-Giganten zu. Nur wenige Suchmaschinen sind unabhängig.

Eine davon ist Brave Search. Sie stammt vom Hersteller des gleichnamigen Browsers, der seit bald zehn Jahren als datenschutzfreundliche Alternative zu Google Chrome antritt¹. Sie verwendet einen eigenen Index, der lediglich unter gewissen Umständen durch Resultate von Google ergänzt wird.

Zu diesem Suchbegriff schiesst Brave ein Eigentor.

Das macht Brave zu einem Kronfavoriten für Leute, die ihre Abhängigkeit von Google reduzieren möchten. Eine Einschränkung vorneweg: Unsere Abhängigkeit vom Technologiestandort USA reduzieren wir mit Brave nicht. Das Unternehmen ist in San Francisco domiziliert. Falls unser Ziel ist, uns auf den europäischen Standort auszurichten, müssten wir uns mit Qwant anfreunden (hier getestet) – aber dummerweise ist die französische Suchmaschine eng mit Bing von Microsoft verbandelt.

Doch jegliche Abnabelungsversuche stehen und fallen mit den Suchresultaten: Wie also schneidet Brave Search im Vergleich ab? Mein Testverfahren ist gezwungenermassen hemdsärmlig². Doch es taugt dazu, einen ersten Eindruck zu vermitteln. Und es erlaubt einen Vergleich mit anderen Suchmaschinen. Übrigens: Auch Brave entwickelt einen KI-Modus à la Google AI Mode. Hier im Test geht es jedoch ausschliesslich um die klassische Websuche.

1) Suchbegriff «nerdfunk»

Bei diesem Suchbegriff möchte ich auf unseren Podcast verwiesen werden, der eine eigene Website hat und der bei Wikipedia erwähnt ist. Doch Brave liefert elf Treffer, die allesamt das Wort «Nerdfunk» nicht enthalten. Eine Suche mit Anführungszeichen ("nerdfunk") liefert keine Resultate. Auch die Option Lokale Ergebnisse ändert daran nichts.

Dieser Test allein beweist, dass der Brave-Index mit der Konkurrenz (auch Duck Duck Go, Qwant und Swisscows) nicht mithalten kann. Auch der erwähnte Google-Fallback kommt nicht zum Zug.

2) «verschwthdw»

Auch das ist ein exotischer Suchbegriff, der darauf ausgelegt ist, die Grenzen des Index auszuloten. Es handelt sich um ein Kürzel, das für meinen verblichenen Podcast «Verschwörungstheorie der Woche» steht. Google findet ihn zweimal hier in diesem Blog.

Randbemerkung: Duck Duck Go schlägt Google um Längen und liefert zehn Treffer, u.a. auch zu archive.org und auf einigen Podcast-Verzeichnissen.

Brave Search muss sich ein zweites Mal geschlagen geben.

3) Schüssler

Besser als Google: Zu diesem Familiennamen liefert Brave ein viel umfassenderes Bild.

Bei diesem Suchbegriff interessiert mich, wie die Resultate gewichtet werden: Dominieren die gleichnamigen Salze die Ergebnisse? Oder wird in einer sinnvollen Weise darauf hingewiesen, dass das ein Familienname ist?

Bei meinem Test vor sieben Jahren überzeugte bei diesem Test nur Qwant ansatzweise. Brave hingegen brilliert: Er liefert am Anfang eine KI-generierte Antwort, die erklärt, dass es sich um einen Familiennamen handelt. Erwähnt werden Wilhelm Heinrich Schüssler als Erfinder der «biochemischen Heilweise», bei der die erwähnten Salze eine zentrale Rolle spielen. Erwähnt werden auch die Theologin Elisabeth Schüssler Fiorenza, sowie Hans Schüssler.

Letzterer war ein Pionier auf dem Gebiet der Ionenfallenphysik, von dem ich überhaupt erst durch Brave erfahren habe. Das beweist eindrücklich, dass selbst Google als Suchmaschinen-Primus es nicht immer schafft, die Bandbreite eines Themas abzubilden.

Fazit: Ein widersprüchliches Resultat

Siehe da: Fast hätte ich Brave abgeschrieben. Doch dann verschaffte mir die alternative Suchmaschine einen echten Aha-Moment, den ich ihr hoch anrechne.

Daraus ergeben sich gleich mehrere Erkenntnisse:

  • Google ist und bleibt die Nummer eins.
    Die Anzeichen deuten darauf hin, dass Google die grösste Datenbasis zur Verfügung hat. Das rechtfertigt den Status als Branchenführer und ist ein triftiger Grund, Google auch weiterhin als erste Anlaufstelle für Webrecherchen zu benutzen.
  • Aber: Google ist nicht unschlagbar.
    Bei einem meiner exotischen Suchbegriffe ist Duck Duck Go informativer. Leider ist für uns Nutzerinnen und Nutzer nicht vorhersehbar, in welchen Fällen es sich lohnt, eine Zweitmeinung einzuholen. Mein Tipp lautet, das immer dann zu tun, wenn Googles Resultate ein uneinheitliches Bild ergeben – und wenn wir nicht an den kleinen und exotischen Websites interessiert sind, die bei den Konkurrenz-Suchmaschinen typischerweise durch die Maschen fallen.
  • Die grosse Chance für die Konkurrenz ist die Gewichtung.
    Google kennt am meisten Websites. Aber der legendäre Pagerank sortiert sie nicht immer in die optimale Reihenfolge. In einigen Fällen macht eine andere Gewichtung den Unterschied. Wenn ich spekulieren darf, dann liegt das im Fall meines Nachnamens daran, dass sich Brave mehr an den informationsvermittelnden Websites wie Wikipedia und weniger an kommerziellen Quellen orientiert.

Nach diesem Test ist klar, dass Brave Search nicht zu meiner Haupt-Suchmaschine wird und ich auch niemandem empfehle, Google durch Brave zu ersetzen. Aber ich rate mit Nachdruck dazu, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann es sinnvoll sein könnte, einen Konkurrenten zurate zu ziehen: Brave, Duck Duck Go und gern auch Qwant. Genau wie bei den Sprachmodellen erweitert das den Horizont und sorgt für überraschendere, vielseitigere Einsichten.

Fussnoten

1) Die Meinungen bei dieser Frage gehen auseinander, aber was mich angeht, hat es Brave nicht geschafft, mich von Firefox wegzulocken. Trotz jüngster Vorbehalte finde ich Firefox generell und auch bezüglich Datenschutz überzeugender, weil dieser Browser nicht auf dem von Google kontrollierten Chromium-Projekt basiert. Ich ziehe das Stiftungsmodell von Mozilla dem weniger transparenten Geschäftsmodell des Brave-Herstellers vor. Und auch wenn Brave von Haus aus einen starken Datenschutz aufweist, lässt sich Firefox diesbezüglich hervorragend anpassen – und ich empfehle als Ergänzung gern die NextDNS-Firewall. ↩

2) Jeder, der es schon einmal probiert hat, weiss, wie schwierig es ist, Suchresultate objektiv zu vergleichen: Wir alle führen Dutzende oder Hunderte Suchen pro Woche durch, die jeweils ihrerseits Dutzende oder Hunderte Resultate produzieren. Für ein faires Urteil müssten die aufgezeichnet, verglichen und bewertet werden: eine Arbeit, die weder berufliche noch private Anwenderinnen und Anwender leisten können – und leider auch ich als Hobby-Blogger nicht. Darum verlassen sich viele aufs Bauchgefühl. Bei dem gewinnt typischerweise Google – obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das daran liegt, dass die Liste tatsächlich besser ist oder der Faktor der grösseren Vertrautheit den Ausschlag gibt. ↩

Beitragsbild: Nicht so viel Erfahrung wie der Champion – aber der Ehrgeiz ist unverkennbar (My Profit Tutor, Unsplash-Lizenz).

#datenschutz #googologie #suchmaschine

Google Websuche für Fortgeschrittene

Ausgangslage: Wir haben eine Liste mit Suchresultaten von Google. In der möchten wir nicht, wie üblich, einen oder vielleicht mehrere Treffer anklicken. Stattdessen haben wir uns zum Ziel gesetzt, eine systematische Auswertung vorzunehmen.

Gründe dafür gibt es diverse:

  • Wir wollen Einblicke über die Google-Suche gewinnen. Ich überprüfte neulich, wie sich die Suchresultate je nach Browser unterscheiden.
  • Als theoretisches Exempel planen wir eine Langzeitstudie, in der wir festhalten werden, wie sich die Suchresultate über die Zeit verändern.
  • Es könnte interessant sein, auszuloten, wie die Personalisierung sich bei bestimmten Sachverhalten auswirkt.
  • Oder wir fassen eine bestimmte Website ins Auge und finden heraus, wie oft dort Informationen zu bestimmten Themen veröffentlicht werden.

Einige dieser Beispiele sind nicht hypothetisch, sondern haben sich bei meinen Recherchen hier im Blog und auch bei Nachforschungen für meinen Arbeitgeber ergeben. Die Erkenntnis dabei: Googles Trefferlisten sind für menschliche Nutzerinnen und Nutzer optimiert. Sie eignen sich von Haus aus nicht dazu, in einer Tabellenkalkulation oder per KI verarbeitet zu werden. Für diesen Zweck müssen sie in eine strukturierte Form überführt werden.

Kurz: Gefragt ist eine Methode, bei der Googles Suchresultate in eine verwertbare Form überführt werden. Im Szenario hier hätte ich gern eine Excel-Liste – aber auch CSV oder Json wären okay.

Und siehe da: Die Lösung ist erstaunlich einfach. Wir benötigen keine Scraping-Software, wie man befürchten könnte. Die gibt es (siehe hier und hier), aber sie sind aufwendig in der Handhabe. Doch um die Google-Suchresultate abzugreifen, reicht ein simples Browser-Plug-in.

Das sind drei Kandidaten:

Google Search Results Scraper

Bei dieser Erweiterung für Google Chrome führen wir ganz normal unsere Websuche durch und treffen wunschgemäss unsere Sucheinstellungen (wir wählen z.B. die Suchfilter nach unserem Gusto).

Haben wir die Resultate vor uns, wie wir sie einsammeln möchten, öffnen wir den Google Search Results Scraper und klicken auf Collect Search Results. Jetzt klickt sich die Erweiterung von einer Resultate-Seite zur nächsten und sammelt die Informationen ein. Über die Schaltfläche Save Results to Excel file werden sie als Xlsx-Datei gespeichert. Es gibt auch die Möglichkeit, die Resultate nur von einer Seite einzusammeln (Option Collect results from the current page only).

Google Search Results Scraper klickt sich eigenmächtig durch die Resultate-Seiten.

In der Tabelle enthalten sind die Datenfelder Source (der Name der Website), Title (der Titel der Seite), Link (die URL), Snippet (der Textauszug mit Verweis auf den Treffer) und Email (E-Mail-Adressen in einem Suchtreffer, falls vorhanden).

Diese Erweiterung liefert exakt das Gewünschte – mit einer grossen Einschränkung, an der jedoch nicht das Plug-in die Schuld trägt, sondern die Suchmaschine. Wir erhalten nicht alle passenden Treffer, sondern nur die wichtigsten. Google verrät uns nicht, was auf der letzten Seite der Liste steht.

Die Ausbeute von Google Search Results Scraper in Excel.

Bei meinem Test habe ich auch in Chrome nur die 99 Top-Resultate erhalten. Das ist sehr wenig und je nach Anspruch ein echtes Problem. Wir können nur probieren, unsere Suche so ausgeklügelt zu gestalten, dass wir nur wenige, aber genau die richtigen Resultate erhalten. Ein Trick dafür wäre, die Suche in kurzen Intervallen durchzuführen; etwa einmal pro Woche mit dem Suchfilter Letzte sieben Tage.

Google SERP Extractor Tool

Diese Erweiterung existiert nicht nur für Chrome, sondern ebenso für Firefox. Sie erfüllt den Zweck, liefert unter Firefox leider oft nur die Treffer der ersten Seite. Warum, beschreibe ich im Detail hier.

Das Google SERP Extractor Tool sammelt bescheidene zehn Links ein.Web Scraper ist nicht auf Google spezialisiert, muss dafür aber entprechend konfiguriert werden.

Web Scraper

Diese Erweiterung für Google Chrome und für Firefox funktioniert nicht nur mit Google, sondern greift beliebige Inhalte ab: Wir könnten sie mit Bing oder Duck Duck Go benutzen. Das eröffnet eine Methode, das eben beschriebene Problem der Limitierung auf weniger Resultate zu umgehen. Nachteil: Dieser Sammler muss für diese Aufgabe konfiguriert werden, was Zeit in Anspruch nimmt.

Fazit: Praktisch, aber mit einem Pferdefuss

Suchresultate in eine maschinenlesbare Form zu überführen, ist für vielerlei Zwecke praktisch: Wir zählen und vergleichen Inhalte via Tabellenkalkulation oder lassen eine KI auf die gesammelten Links los. In einem meiner Tests funktionierte es wunderbar, eine Liste mit Links ChatGPT im Agentenmodus zu unterbreiten und die verlinkten Websites von der KI auf bestimmte Merkmale hin untersuchen zu lassen. Der Ansatz, den Agenten auch die Google-Suche durchführen zu lassen, führte hingegen nicht zum Ziel – darum ist diese hier beschriebene Methode in so einem Fall der Schlüssel zum Erfolg.

Aus Sicht von uns Nutzerinnen und Nutzern sollte Google standardmässig einen Knopf bereitstellen, über den sich die Liste mit einem Klick herunterladen lässt. Warum es den nicht gibt, ist nicht schwer zu erraten: Es würde Googles Position als allmächtiger Gatekeeper über die Datenschätze des Web schwächen. Zwar nur ein wenig, aber dennoch so stark, dass es einen solchen Knopf niemals geben wird.

Es gibt ein klares Indiz dafür, dass Google derlei Scaping nicht mag. Es ist in den Nutzungsbestimmungen untersagt, und wir laufen Gefahr, uns unbeliebt zu machen – ich habe nach wenigen Tests Warnungen bezüglich ungewöhnlichen Datenverkehrs erhalten. Für Datensammlungen im grösseren Stil müssen wir auf eine andere Methode ausweichen. Ein interessanter Kandidat wäre in diesem Fall Apify – aber den habe ich im Rahmen dieses Blogposts nicht näher angeschaut.

Beitragsbild: Von hier zu Excel in einem Klick (Cottonbro Studio, Pexels-Lizenz).

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Was Googles Büroagenten können – und was nicht

Mit den Tasks führt ChatGPT Aufgaben zeitgesteuert aus. Mich überzeugt das bislang nicht. Bei den Google Workspace Flows ist das anders. Ich bin ein Fan von Automatisierungsmöglichkeiten. Und in diesem Feld eröffnen sich neue Möglichkeiten.

Zuerst zu den Grundlagen: Es handelt sich um Agenten in Google Workspace. Weniger technisch ausgedrückt: Autonom agierende Softwaremodule führen in der Umgebung mit den Geschäfts-Apps Aktionen aus. Es braucht einen Starter, der den Agenten in Bewegung versetzt. Und natürlich eine klare Vorgabe, welche Aktionen er ausführen soll.

1) Die Ausgangslage

Google kündigte die Flows im April auf der Next-Konferenz an. Seit zwei Wochen tauchen sie bei Nutzerinnen und Nutzern auf. Ich sah sie Ende letzter Woche zum ersten Mal im Geschäfts-Account meines Arbeitgebers, und hatte seitdem Zeit für einige Experimente. Falls ihr es selbst ausprobieren wollt: Ihr braucht einen Bezahl-Account und Zugang zum Gemini-Alpha-Programm.

In Workspace Flows lassen sich Agenten manuell bauen oder auch per KI erstellen.

Falls das gewährleistet ist, richtet ihr unter flows.workspace.google.com eure Agenten ein. Unter Discover finden sich eine Menge vorgefertigter Helferlein, die sich für eigene Zwecke adaptieren lassen. Sie geben einen Eindruck davon, was möglich ist. Und sie lassen erahnen, wo die Grenzen liegen.

2) Auslöser: Den Agenten in Gang versetzen

Wir können uns von Gemini einen Agenten bauen lassen – natürlich. Aber um uns einen Überblick der Möglichkeiten zu verschaffen, ist es sinnvoller, selbst Hand anzulegen. Das tun wir via Plus-Symbol. Als Erstes wählen wir einen Starter; neudeutsch würde man auch von einem «Trigger» sprechen. Das ist das Ereignis, das den Agenten in Aktion versetzt.

Wie der Screenshot zeigt, hält Workspace ein Dutzend solcher Auslösrvor:

Die Starter: Sie versetzen den Agenten in Bewegung.

Der naheliegendste ist der Zeitplan (Schedule). Auch ein neues E-Mail kann einen Agenten auslösen, wobei wir die Möglichkeit haben, auf alle Nachrichten zu reagieren oder auf einen bestimmten Absender oder einen spezifischen Wortlaut zu achten. Vor allem letzteres ist vielversprechend: Ein simpler Flow setzt uns darüber in Kenntnis, dass eine Nachricht zu einem wichtigen Thema eingetroffen ist.

Weitere Starter betreffen den Chat: Wir reagieren auf Erwähnungen, Nachrichten, Emoji-Reaktionen oder auf Neuankömmlinge in einem Gruppenbereich (Space). Auch Änderungen an Dokumenten und in der Dateiablage können Aktionen auslösen, ebenso neue Formularantworten. Mit der Option Based on a meeting führen wir Aktionen anhand von Kalendereinträgen aus. Es gibt die Option, eine bestimmte Sitzung oder die Option Every Meeting auszuwählen und die Aktion mit einem bestimmten Zeitversatz vor oder nach dem angesetzten Termin auszuführen.

Damit ergeben sich einige Einsatzmöglichkeiten, die sich vor allem für wiederkehrende Ereignisse anbieten: Wir lassen den Agenten vor einer Sitzung die Traktandenliste verschicken oder versenden hinterher eine auf dem KI-Sitzungsprotokoll basierende Aufgabenliste.

Gleichzeitig werden die Einschränkungen sichtbar: Die Starter sind nicht so spezifisch definierbar, wie wir es vielleicht gern hätten. Die Gästeliste und andere Elemente stehen nicht zur Verfügung. Das verwehrt uns die Möglichkeit, dem Kollegen Brahimowic (oder der Kollegin Rüdishüli), die jedes Mal fünf Minuten zu spät kommt, eine Extra-Einladung zu schicken.

Allerdings: Es gibt im weiteren Verlauf unseres Flows die Möglichkeit, auf spezifische Gegebenheiten einzugehen. Das ist mit einem Check-if-Schritt (siehe weiter unten) realisierbar.

3) Steps: Die Aktionen definieren

Die Steps: Aktionen, die mittels KI oder auch anhand harter Kritierien ausgeführt werden.

Haben wir den Auslöser festgelegt, dann fügen wir eine oder mehrere Aktionen (Steps) an. Das sind die eigentlichen Aufgaben, die der Agent erledigen soll. In vielen Fällen bietet es sich an, Gemini auf den Plan zu rufen (Ask Gemini) oder eine eigene spezialisierte Variante (Ask a Gem) zu involvieren.

Wir können konkret

  • uns einen Überblick über die ungelesenen Mails verschaffen (Recap unread emails),
  • Informationen extrahieren (Extract),
  • Entscheidungen treffen (Decide) oder
  • Zusammenfassungen erstellen lassen (Summarize).

Falls ihr euch fragt, was es mit den Entscheiden auf sich hat: Hier geht es darum, zu beschliessen, ob eine nachfolgende Aktion ausgeführt werden soll oder nicht. Beispiel: Wir sind in den Ferien und wollen von unserem Chef nur in Ausnahmefällen belästigt werden. Gemini soll anhand von Kriterien wie Dringlichkeit oder Überfälligkeit entscheiden, ob wir unserem Chef freundlich mitteilen, dass wir nicht verfügbar sind, oder stattdessen eine Benachrichtigung absetzen, die uns am Pool oder beim Skifahren aus unserer Entspannung reisst und darauf aufmerksam macht, dass unser Arbeitgeber leider nicht ohne uns auskommt.

Eine ähnliche Wirkungsweise hat die Überprüfung (Check if): Bei einem Termin überprüfen wir z. B. Titel des Meetings. Das ermöglicht uns, anhand eines bestimmten Stichworts zu entscheiden, ob die weiteren Schritte ausgeführt werden sollen oder nicht. Weitere Parameter sind die Beschreibung, allfällige Anhänge und der Besprechungsort, sowie die Link zu Notizen, Kalendereintrag und Videokonferenz.

Der Check anhand von Merkmalen, bei Mails z.B. des Betreffs oder Nachrichtentextes.

Bei E-Mails gibt uns Check if Zugriff auf den Betreff, den Textinhalt, die ID, die Kategorie und die Adresse sowie den Klarnamen des Absenders. Anhänge und der Quellcode lassen sich nicht heranziehen.

Weitere Verfeinerungsmöglichkeiten gibt uns das Modul Filter. Es grenzt die Auslöser ein, die tatsächlich ausgeführt werden. Wenn unserem Ablauf ein E-Mail zugrunde liegt, hält der Filter die Variable Email attachments bereit. Sie erlaubt es uns, anhand von Dateiname oder -typ zu selektieren. Unser Agent könnte sich so auf PDFs von bestimmten Personen beschränken und die in Google Drive speichern.

Und eine echte Geheimwaffe ist der Schritt Send a webhook. Sie eröffnet uns einen Weg ins freie Netz und zu beliebigen Anwendungen, die sich mit dieser Methode steuern lassen. Nur ein Beispiel: Über die Rest-API von Word­press oder ein passendes Plug-in liesse es sich einrichten, dass ein Mail von einem bestimmten Absender sofort im Blog veröffentlicht wird.

Zu den weiteren zur Verfügung stehenden Aktionen:

  • Gmail:
    Mails verschicken, eine Antwort entwerfen, eine Nachricht mit einem Label versehen, als gelesen markieren, als ungelesen markieren, mit Stern versehen, den Stern entfernen, weiterleiten oder archivieren.
  • Chat:
    In einem Gruppenbereich posten, eine Nachricht senden, im Chat benachrichtigt werden.
  • Sheets: Eine Zeile einfügen, eine Zeile aktualisieren, eine Zeile löschen oder eine Tabelle abrufen.
  • Drive:
    Einen Mailanhang sichern, einen Ordner erstellen.
  • Kalender:
    Einen Eintrag hinzufügen, Gäste zu einer Sitzung hinzufügen.
  • Docs: Eine Textdatei anlegen, etwas zu einem Dokument hinzufügen.
  • Tasks:
    Eine Aufgabe hinzufügen.

Des Weiteren stehen in den Flows Dritt-Apps zur Verfügung, namentlich Confluence, Jira, Mailchimp, Quickbooks und Salesforce.

Grenzen, Risiken und Nebenwirkungen

Fazit: Keine Frage, es steckt eine Menge Potenzial in den Flows. Das erschliesst sich uns Nutzerinnen und Nutzern nicht sofort: Ich hielt die Starter anfänglich für zu eingeschränkt, bis mir aufgegangen ist, dass sie erst in Kombination mit den Funktionen Check if und Filter ihr wahres Potenzial entfalten. Mir gefällt überdies, dass die Flows nicht ausschliesslich auf die künstliche Intelligenz setzen, sondern auch klassische deterministische Ansätze bereithalten: Filterungen und Entscheidungen lassen sich auch anhand «harter» Kriterien wie Dateinamen oder Titeln von Kalendereinträgen treffen.

Nach gut einer Woche des Experimentierens erlaube ich mir kein abschliessendes Urteil. Ich bin sicher, dass wir gerade bei ausgefalleneren Ideen schnell an Grenzen stossen werden. Es ist wie bei der Kurzbefehle-App von Mac, iPhone und iPad, die einige Ähnlichkeiten zu den Flows aufweist: Sie bringt uns auf Ideen für Workflows, die im Alltag nicht richtig funktionieren oder schnell an Grenzen stossen. Es würde mich nicht überraschen, wenn auch mit den Flows sich spezifische Ideen nicht realisieren lassen, weil ein bestimmter Parameter nicht zugänglich ist oder Gemini unsere Absichten zu wenig gut versteht oder keinen qualitativ ausreichenden Output liefert.

Das Beispiel: Jeden Morgen eine Übersicht der wichtigen Mails.

Einer meiner ersten Agenten ist dazu da, mir am Morgen eines jeden Arbeitstags eine Übersicht meiner E-Mails zu liefern. Er soll speziell auf die Mitteilungen von Arbeitskollegen achten, bei den Medienmitteilungen eine Triage nach Wichtigkeit vornehmen und die Newsletter nach herausragenden Neuigkeiten absuchen. Das funktioniert nicht schlecht und ist eine Arbeitserleichterung. Aber es ist nicht wegzudiskutieren, dass ich eine Aufgabe delegiere, die ich selbst erledigen müsste – zumindest dann, wenn ich mir sicher sein will, dass sie nach meinen Kriterien und Vorlieben erledigt wurde.

Darum bleibt es dabei: Im Idealfall spart die KI Zeit mit einer lästigen Routinearbeit. Aber die Verantwortung, dass nichts Wichtiges übersehen wurde, verbleibt weiterhin bei uns selbst. Ausserdem stellte ein Arbeitskollege fest, dass die KI in bestimmten Situationen, die sie (auch aus nichtigen Gründen) als heikel erachtet, die Ausführung verweigert: Das beeinträchtigt die Zuverlässigkeit.

Beitragsbild: Schon klar, wer hier den Durchblick hat (Vitaly Gariev, Unsplash-Lizenz).

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Es könnte sein, dass die Google-Suche manche User benachteiligt

Die Google-Suche ist kaputt und keiner merkt es: Das war mein Befund im August 2023. Er basierte auf der Tatsache, dass im Firefox-Browser nur wenige Suchresultate zugänglich sind. Meistens umfasst die Liste der Links nur eine einzige Seite. Das sind rund vierzig bis siebzig Treffer in Fällen, bei denen das Web Tausende passender Sites bereithält.

Das ist ein echtes Problem. Wir können nicht davon ausgehen, dass Google so gewichtet, wie wir es tun würden. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass ein wichtiges Resultat nicht auf der ersten, sondern erst auf der zweiten, dritten oder fünften Seite zu finden ist. Doch da diese Inhalte nicht aufgeführt werden, können wir sie nicht überprüfen: Google gaukelt uns vor, sie seien inexistent.

Auch die nicht-personalisierten Resultate weisen Unterschiede auf

Hat bei Google irgendjemand diesen Missstand bemerkt? Wurde das Problem in den letzten zwei Jahren eventuell sogar behoben? Anfang Oktober machte ich die Probe aufs Exempel und stellte fest: Nein, keineswegs. Die Sache ist im Gegenteil  noch schlimmer – oder sagen wir: dubioser – geworden.

Lasst mich das anhand eines Beispiels erklären. Es bezieht sich auf eine Suche nach meinem Namen¹, zeitlich beschränkt auf die letzten sieben Tage. Google offeriert seit Ende 2024 die Option, die Personalisierung abzuschalten, was ich für mein Experiment natürlich tue. Denn ist die Personalisierung aktiv, fallen die Resultate in verschiedenen Browsern zwangsläufig unterschiedlich aus, da die gespeicherten Nutzerinteressen nicht identisch sind. Mit der neutralen Voreinstellung dürfen wir erwarten, dass Google in Firefox und in Chrome identische Listen liefert.

Ist das der Fall?

Auf den ersten Blick ähnliche Resultate: Firefox links, Google Chrome rechts.

Erstaunlicherweise nicht. Wir konstatieren im Gegenteil beträchtliche Unterschiede:

  • Es gibt Abweichungen beim Layout. Der Hinweis der Personalisierung erscheint bei Firefox prominenter als bei Chrome.
  • Die Bilder werden unterschiedlich platziert.
  • Und vor allem zeigt Chrome eine Navigation mit insgesamt vier Trefferseiten. Klickt man auf Weiter, wird bereits die zweite Seite als letzte angegeben; die Seiten drei und vier verschwinden auf mysteriöse Weise. Dennoch gibt uns Chrome zehn weitere Links, die bei Firefox fehlen.

Wir halten fest, dass Chrome mehr als doppelt so viele Resultate bereitstellt wie Firefox. Das ist eine klare, massive Benachteiligung des Konkurrenz-Browsers.

Diskrepanzen sind ferner bei den aufgeführten Links selbst zu beobachten:

  • Es gibt sieben Treffer, die übereinstimmend in beiden Listen vorkommen:
    meine Website Clickomania mit der Start- und der Autorenseite, mein Facebook- und mein Twitter-Account, meine Alltags-Tipps zur KI beim  «Tagesanzeiger» sowie der Artikel zur ChatGPT-Kindersicherung aus dem «Tagi».
  • Zwei Treffer sind nur in der Liste von Firefox enthalten:
    die KI-Alltags-Tipps bei der «Berner Zeitung» und eine Veranstaltung der Kirche Marburg, in der ein Namensvetter von mir erwähnt wird.
  • Zwei andere Treffer tauchen nur bei Chrome auf:
    die Kindersicherung von ChatGPT in der «Berner Zeitung» und ein KI-FAQ von Kollega Zeier.

Was Google treibt, ist unfair und undurchsichtig

Sind diese Abweichungen von Bedeutung? Darüber kann man geteilter Meinung sein. Qualitativ halte ich die Resultate für vergleichbar. Müsste ich mich entscheiden, würde ich einen leichten Vorteil bei Firefox orten: Die Artikel in dieser Liste stehen in engerem Bezug zu meinem Namen (bzw. zu dem meines Namensvetters), während Chrome zwei Treffer auf Artikel liefert, in denen ich lediglich bei den Verweisen auf ähnliche Artikel am Ende der jeweiligen Veröffentlichungen vorkomme.

Trotzdem beurteile ich diesen Befund kritisch. Ich führe grundsätzliche Überlegungen ins Feld: Es kann nicht angehen, dass Firefox-Nutzerinnen und -Nutzer bei der Menge der Resultate benachteiligt werden. Es ist inakzeptabel, dass dieses Problem nach zwei Jahren nicht beseitigt wurde. Nebenbei rufe ich in Erinnerung, dass Google bei den mobilen Browsern offensiv versucht, die Firefox-User aus dem Browser in die eigene App abzuwerben.

Die Forderung ist einfach: Gleiche Resultate in allen Browsern

Dass sich die Resultate unterscheiden, werte ich als Anzeichen für eine weitergehende Ungleichbehandlung. Was Google mit ihr bezweckt und wie schlimm sie ist, lässt sich anhand dieses Tests hier nicht erhärten. Aber bekanntlich hat Google eine Vorgeschichte und eine angeschlagene Reputation: Der Konzern halte bei der Websuche eine Monopolstellung und habe diese auf illegale Weise ausgenutzt, urteilte ein US-Gericht im letzten Jahr. Anfang September brummte die EU-Kommission Google eine Milliardenbusse auf.

Hier ein zweiter Vergleich, der nur die Resultate bis 2024 berücksichtigt – sodass keine ganz neuen Ergebnisse das Resultat verzerren sollten. Auch hier zeigen sich bemerkenswerte Unterschiede allein anhand der Bilder. Unterschiede gibt es auch bei der Reihenfolge und inhaltlich: Der Link zum WDR von Firefox fehlt bei Chrome, dafür findet sich dort ein Verweis auf ein Buch des Nord-Süd-Verlags und auf die AG Theater Rämibühl. Chrome hat auch einen exklusiven Verweis auf Spotify; wiederum nur bei Firefox findet sich ein Link zu Disney+. Immerhin: Die Zahl der Resultate ist in beiden Fällen gleich (356).

Bei dieser Strafe geht es zwar um das Werbegeschäft und nicht um die Suchmaschine. Dennoch drängt sich mir die Frage auf, ob im Licht dieser Geschäftspraktiken die vorliegenden Beobachtungen nicht als Indiz für weitere Verfehlungen zu werten sind. Wie auch immer: An Sundar Pichais Stelle nähme ich die klare Haltung der Justiz zum Anlass, vorsichtiger zu agieren und den Entscheid von Nutzerinnen und Nutzern für einen alternativen Browser zu respektieren.

Fussnoten

1) Ich verwende dieses Beispiel nicht aus Egomanie, sondern weil ich Treffer über mich besser beurteilen kann als zu einem anderen Thema, bei dem ich weniger gut über die laufenden Aktivitäten im Bilde bin. ↩

Beitragsbild: Bei Google klarzusehen, ist schwierig bis unmöglich (Maik Winnecke, Unsplash-Lizenz).

#browser #chrome #onlineshit #firefox #googologie #suchmaschine #wochenkommentar

Eindruck schinden mit Notebook LM

Notebook LM mauserte sich in den letzten Monaten zu einem wichtigen Hilfsmittel für Informationsarbeiter. Im Kern ist es eine Ablage für digitale Dokumente zu einem bestimmten Thema – wie ein Ordner auf der Festplatte. Der eigentliche Clou ist – wie das LM im Namen verrät –, dass diese Ablage mit einem Language Model (Sprachmodell) ausgestattet ist.

Es hilft bei der Auswertung der Informationen: Wir stellen Fragen zum Inhalt und lassen uns von der künstlichen Intelligenz die wichtigsten Punkte herausarbeiten und Dinge wie Zeitleisten oder Personenverzeichnisse generieren. Und wie in einem normalen Notizbuch dürfen wir eigene Notizen, Ideen und To-dos erfassen.

Notebook LM von Google: Links die Quellen, in der Mitte der Chatbereich und rechts die Notizen mit den visuellen und multimedialen Auswertungs-Features.

Der entscheidende Unterschied zu «normalen» KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Claude besteht darin, dass sich die Antworten auf das eigene Material beziehen und nicht aus dem allgemeinen Fundus des Trainingsmaterials¹. Seit ich Notebook LM vor gut anderthalb Jahren vorstellte, sind viele Neuerungen dazugekommen. Nicht zuletzt gibt es die Oberfläche inzwischen auch in Deutsch.

Eine wichtige Neuerung sind die diversen Methoden, mit denen sich der Inhalt visuell und multimedial erschliessen lässt. Sie finden sich im rechten Bereich mit der Bezeichnung Studio:

1) Das Recherchematerial als Podcast

Die Audiozusammenfassung ist eine Art Kurzpodcast, bei dem sich zwei Personen über das gesammelte Material unterhalten. Ich führe sie gern bei meinen Schulungen zur KI-Recherche vor, denn sie ist für einen echten Überraschungseffekt gut – zumal bei Leuten, die nicht sehr tief in der KI-Materie drinstecken.

Die Meinungen gehen jeweils auseinander, ob das eine reine Spielerei oder eine nützliche Funktion ist. Mindestens ein Kollege lässt sich die Audiozusammenfassungen seiner wissenschaftlichen Paper herunter und hört sie sich beim Joggen an – eine Methode, für die ich höchste Sympathien hege. Auf alle Fälle demonstriert dieser virtuelle Podcast die Idee des Liquid Content. Sie besagt, dass sich Inhalte mittels künstlicher Intelligenz in höchst unterschiedliche Darreichungsformen verwandeln lassen.

Die Varianten für den virtuellen Podcast.

Durch einen Klick aufs Bleistift-Symbol wählen wir die Sprache der Audiozusammenfassung. Wir haben vier Varianten zur Auswahl, nämlich die detaillierte Analyse, die Zusammenfassung, die kritische Bewertung und eine Diskussion. Und wir dürfen jeweils den Prompt anpassen und dort festlegen, welche Aspekte uns besonders interessieren.

2) Die Mindmap

Seit Kurzem erstellt Notebook LM auch Mindmaps. Nachfolgend ein Beispiel mit dem Material, das ich für meinen Artikel 50 Jahre an der Weltspitze: Ist der Erfolg von Microsoft verdient? sammelte (und kaum brauchte, weil mir die wichtigen Punkte alle selbst eingefallen sind).

In der App ist die Grafik interaktiv, d. h., die einzelnen Äste dürfen aus- und wieder eingeklappt werden: Ohne Zweifel ist das eine hervorragende Möglichkeit, sich mit Details zu beschäftigen und gleichzeitig das grosse Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Ich fände es toll, solche Mindmaps hier im Blog integrieren zu können. Das geht bisher leider nicht.

Aus dem gesammelten Material erstellt Notebook LM diese Mindmap.

3) Karteikarten

Die Lernkarten – in diesem Fall nützlich für Leute, die sich um die Nachfolge von Satya Nadella bewerben möchten.

Diese Option richtet sich weniger an Journalistinnen und Journalisten, sondern an Schüler und Studentinnen. Die Karteikarten sind dazu gedacht, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und sattelfest genug für eine Prüfung zu sein.

Und ja, wenn wir darüber nachdenken, könnte das auch für andere Nutzerinnengruppen nützlich sein: Manager, die sich in einer Sitzung oder in einer Medienkonferenz kritischen Fragen stellen müssen, und Bloggerinnen, die an eine Fernsehdiskussion eingeladen sind, um über ein kniffliges Thema detailkundig Auskunft geben zu können.

4) Berichte

In diesem Bereich finden sich diverse Auswertungsformen: Überblick, Lernplan, Strategie-Memo, historische Fallstudie, biografisches Porträt, chronologischer Überblick oder auch der Blogpost. Auch hier wählen wir die Sprache und passen den Prompt an. Wir haben die Möglichkeit, einen eigenen Bericht einzurichten. Aus journalistischer Sicht bietet es sich an, die wichtigsten Punkte aufzuzählen und so gliedern zu lassen, dass sie sich spannend und flüssig erzählen lassen.

Notebook LM hält sieben Varianten für die unterschiedliche Darstellung der Inhalte parat.

5) Quiz

Wie der Name sagt: Mit dieser Option finden wir auf spielerische Weise heraus, wie gut wir mit der Materie vertraut sind. Zum erwähnten Beispiel des Microsoft-Jubiläums liefert mir Notebook LM zehn Fragen, erstens: «Was war der entscheidende strategische Vorteil im Vertrag zwischen Microsoft und IBM im Jahr 1980, der den Grundstein für den Erfolg von Microsoft legte?» Die Antwort gibt es im oben verlinkten Beitrag.

6) Videoübersicht

Diese Option generiert entweder ein Erklärvideo oder aber eine Zusammenfassung. In den Einstellungen haben wir mehrere visuelle Stile zur Auswahl (klassisch, Whiteboard, Wasserfarben, Retro-Druck, traditionell, Papierkunst und Anime). Wir geben die Sprache vor und passen den Prompt unseren Vorstellungen an.

Für die Videozusammenfassung dürfen wir Stil, Sprache und, via Prompt, auch die Stossrichtung festlegen.

Ich habe die Videozusammenfassung für zwei meiner Demo-Notizbücher ausprobiert. Microsofts 50-Jahre-Jubiläum mit den Standard-Optionen führt zu einem fast achtminütigen Clip, der mittels KI-generierter Grafiken die Historie kurz nachzeichnet.

Die Erzählweise ist nüchtern bis leicht langweilig und entspricht dem Ansinnen, die Story des Unternehmens linear zu erzählen. Ein Journalist und eine Kennerin von Microsoft hätten eigene Akzente gesetzt und nicht nur die wichtigen Ereignisse aufgezählt, sondern auch vermeintlich unwesentliche Episoden herangezogen, um das Gespür für das Unternehmen und die prägenden Figuren herauszuarbeiten.

Und wir müssen nicht darüber diskutieren, dass ein längeres Video, das aus computergenerierten Bildern besteht und keinerlei Originalmaterial präsentiert, schnell blutleer und abgehoben wirkt.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=u9aUp74Vjzs?version=3&rel=1&showsearch=0&showinfo=1&iv_load_policy=1&fs=1&hl=de-DE&autohide=2&wmode=transparent&w=640&h=360]

Das gilt auch fürs zweite Beispiel: Es basiert auf den Biografien von Walter Isaacson über Steve Jobs. Wie oben ersichtlich, habe ich einen reichlich zugespitzten Prompt verwendet, der die beiden Tech-Grössen in einem Kampf um den Titel des grössten Innovators aller Zeiten antreten lässt.

Ohne Zweifel: Es ist beeindruckend, wie die künstliche Intelligenz einen solchen Clip in einer halben Stunde aus dem (nicht vorhandenen) Ärmel schüttelt. Es ist nicht verwunderlich, dass sich manche Menschen eingeschüchtert oder gar komplett ersetzbar fühlen, weil sie für die gleiche Arbeit Tage oder eher Wochen gebraucht hätten.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=c0KtmTwpO3M?version=3&rel=1&showsearch=0&showinfo=1&iv_load_policy=1&fs=1&hl=de-DE&autohide=2&wmode=transparent&w=640&h=360]

Aber das Jobs-Musk-Beispiel ist für mich vor allem ein Beweis dafür, dass Minderwertigkeitsgefühle nicht angebracht sind. Ich wäre (mutmasslich) zu einem diametral anderen Fazit gelangt als die KI – und zwar, weil ich ein Mensch bin und als solcher manche Dinge unweigerlich anders gewichten würde.

Vor allem bin ich überzeugt, dass eine lebende Videokünstlerin diesen Clip knackiger hinbekommen hätte – mit einem weniger buchhalterischen Ansatz. Sie hätte es geschafft, die Emotionen eines Wettkampfs zu wecken, die bei Gemini in keiner Sekunde spürbar sind.

Das heisst für mich: Die hier gezeigten KI-Videos, aber auch die Audiozusammenfassungen würde ich nie eins zu eins veröffentlichen. (Dass ihr sie hier seht, ist die Ausnahme von der Regel, die die Regel bestätigen soll.) Das entspricht nicht meinem Ansatz als Blogger und meinem journalistischen Ethos schon gar nicht. Es kann sinnvoll sein, einen simplen, unbestrittenen Sachverhalt auf diese Weise darzulegen. Aber als Journalismus-Ersatz taugen diese KI-Medien nicht.

Halten wir fest, dass wir biologischen Daseinsformen mit unserer Fantasie, den Erfahrungen, Bauchgefühlen und Intuitionen weiterhin als einzige in der Lage sind, echte, wahre Kunst zu produzieren.

👉 Wie sich die grafischen Möglichkeiten bei grossen Datenmengen anwenden lassen, beschreibe ich im Beitrag Wie aus einer verwickelten Geschichte eine anschauliche Grafik entsteht.

Fussnoten

1) Für das implizite Weltwissen, das im gesammelten Bestand nicht vorhanden ist, braucht es den Rückgriff aufs Trainingsmaterial natürlich trotzdem. ↩

Beitragsbild: Das Video zu 50 Jahre Microsoft am Handydisplay.

#Gemini #Googologie #KI

Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft

KI-Antworten statt klassischer Suchresultate: Ist das ein Grund, Google zu boykottieren? Selbstverständlich ist das eine persönliche Entscheidung, auch wenn es triftige Gründe für eine Neuorientierung gibt. Als Reaktion auf meine Ausführungen zum Thema gab es eine interessante Reaktion auf Mastodon: Es bringe nichts, auf Bing oder Duck Duck Go umzusteigen, weil man damit – ich paraphrasiere – den Teufel mit dem Beelzebub austreibe.

Denn in der Tat: Viele der kleinen Suchmaschinen sind nur vermeintlich eine Alternative zum Marktführer. Denn sie funktionieren nicht eigenständig, sondern greifen ebenfalls auf den Google-Index zu. Ein Phänomen, das wir von den Browsern kennen. Die meisten Drittprogramme basieren wie Chrome auf dem von Google entwickelten Open-Source-Browser Chromium: Microsoft Edge, Opera, Vivaldi, Brave, Comet und Arc, um nur einige zu nennen.

Die Abhängigkeiten werden komplizierter, aber kaum kleiner

Das heisst: Leute, die sich einem dieser Produkte zuwenden, um ihre Unabhängigkeit von Google zu verringern, verfehlen ihr Ziel. Zwar bestimmt ein zwischengeschaltetes Unternehmen den Funktionsumfang des Programms. Doch die Marschrichtung wählt noch immer Google. Das zeigt sich bei weitreichenden Eingriffen wie beispielsweise den Schnittstellen, die den Browser-Erweiterungen zur Verfügung stehen.

Zwischenbemerkung: Allein deswegen ist es bedauerlich, dass Richter Amit Mehta am Bezirksgericht des Districts of Columbia Google neulich nicht zwang, Chrome und Android zu verkaufen.

Die interessante Frage ist an diesem Punkt: Wie viel Google handeln wir uns bei der Verwendung einer bestimmten alternativen Suchmaschine ein? Das ist nicht einfach zu bestimmen, da die Betreiber kein Interesse haben, das offenzulegen. Diese Information passt schlecht zum Bemühen, sich als Auswahlmöglichkeit zu präsentieren.

Bing dominiert bei den Google-Alternativen

Bei der besagten Diskussion auf Mastodon machte mich Raoul René auf einen interessanten Blogpost aufmerksam: Er schlüsselt auf, welcher Index bei den jeweiligen Suchanbietern zum Zug kommt.

Der Blogpost erwähnt, dass die russische Suchmaschine Yandex teilweise Resultate für Duck Duck Go geliefert habe, diese Zusammenarbeit derzeit jedoch auf Eis liege. Und ergänzt sei, dass die gern empfohlene Suchmaschine Kagi.com zwar eigene Crawler verwendet, aber auf Bing nicht verzichten kann.

Wir fragen uns an dieser Stelle bang, ob es kein Entrinnen vor Google und Microsoft gibt. Und in der Tat, scheint das unglücklicherweise so zu sein:

Mojeek betreibt einen eigenen Idex

Es gibt zwar Anbieter, die eigene Indizes betreiben. Doch die können kaum mit den ganz Grossen mithalten. Als echte, unabhängige Alternativen dürfen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – diese Suchmaschinen gelten:

Gut zu wissen – aber wir müssten sehr hart gesotten sein, um uns zuzutrauen, mit diesen vier Rechercheinstrumenten über die Runden zu kommen. Sollten wir uns entscheiden wollen, nichts mehr mit Big Tech zu tun haben zu wollen, dann hätten wir allerdings gar keine andere Wahl.

Bleibt nur, zum Aussteiger zu werden?

Wir kommen zur Einsicht, dass uns das moderne Leben nicht erlaubt, alle unsere Überzeugungen konsequent durchzusetzen: nie mehr fliegen, nur noch vegan oder gar frutan essen, CO₂-neutral wohnen und Konsum rein nach Kriterien der Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltverträglichkeit – dieser Aussteiger-Lifestyle ist unvereinbar mit einem normalen Erwerbs- und Sozialleben. Wir kommen um eine pragmatische Haltung nicht herum. Das heisst: Keine komplette Abnabelung von Microsoft und Google, aber eine Reduktion, mit der wir den Schutz unserer persönlichen Daten merklich verbessern und unsere Abhängigkeit bewusst verringern. Schon das ist gut für uns selbst und ein Zeichen gegen die digitale Monokultur.

Beitragsbild: Das ist nicht übertrieben (ev, Unsplash-Lizenz).

#browser #chrome #datenschutz #googologie #suchmaschine #wochenkommentar