Die sozialen Medien 2025: KI-Müll und noch mehr Hass als früher

Wie steht es um die sozialen Medien? Vor zwei Jahren sah ich sie am Tiefpunkt angelangt. Vor einem Jahr war zu konstatieren, dass es Wunschdenken gewesen war, die eine oder andere Plattform möge bankrottgehen. Twitter hatte die Kurve gekriegt, Meta betrieb bei Facebook und Instagram Business as usual und der neue Stern am blauen Himmel (Bluesky) hatte bereits von seiner Farbe verloren.

Und dieser Herr hier möchte Gouverneur werden.

2025 setzten sich diese grossen Trends fort. Keines der grundsätzlichen Probleme verschwand oder wurde nur ansatzweise geringer. Dafür kam mit dem KI-Slop – mehr dazu später – ein riesiges Ärgernis dazu. Die Betreiber der Plattformen gehen inzwischen davon aus, dass ihr Schlendrian geduldet wird, selbst wenn er groteske Züge annimmt. Ein Beispiel von unzähligen aus diesem Jahr, aber ein besonders abstossendes: Der republikanische Gouverneurskandidat twitterte am 25. Juli ein Photoshop-Bild, das ihn am Eingang vor dem KZ Auschwitz zeigt, mit dem Text: «My 0% Unemployment Plan».

Stolze Nazis posieren auf X

Ich habe nachgesehen: Der Tweet ist fünf Monate später noch online und hat nicht einmal eine Community Note bekommen. Und ja, dieser Tweet hat politische Relevanz, indem er in vier (oder fünf) Worten klarmacht, dass wir es mit einem nicht wählbaren Menschenhasser zu tun haben. Trotzdem zeigt er an, auf welchem Niveau wir angelangt sind. Langford wurde für seinen Post «verdroschen» (lambasted), aber auch nur im übertragenen Sinn. Auf der Liste der Kandidaten für die Gouverneurswahl in Kalifornien 2026 ist sein Name weiterhin aufzufinden. Drei Jahre nach Elon Musks Übernahme sind stolze Nazis, die unter ihrem Klarnamen die industrielle Menschenvernichtung propagieren, in der Normalität angelangt.

Bluesky ist nach drei Jahren nicht zu einer Alternative avanciert. Die Plattform wächst weiterhin moderat mit vierzig Millionen Usern im Oktober. Was die Dynamik und die Stimmungslage angeht, wurde meinem persönlichen Empfinden nach der Ton auch bei Bluesky in diesem Jahr rauer. Bei «The Atlantic» gab es vor einem Jahr eine Analyse dazu: Aufgrund der Abwanderung bei Twitter (X) werden diverse Rechte auch auf Bluesky aktiv. Es existieren noch immer deutliche Unterschiede, aber natürlich machen sich die populistischen Diskursmittel der Provokation und Anfeindung bemerkbar. Im Oktober kreuzte das Weisse Haus auf Bluesky auf – und avancierte schnell zu einem der meistgeblockten Account.

Sind diese Plattformen nicht alle «rogue»?

Wenn wir bei der Politik sind: Hat die aufgegeben, irgendetwas regulieren zu wollen? In den USA brauchen wir diese Frage nicht zu stellen, aber wenn Elon Musk klare Wahlempfehlungen zugunsten der AfD ausspricht, könnte man wenigstens in Europa auf den Gedanken verfallen, die Demokratie vor solchen Beeinflussungen zu schützen. Liesse sich nicht viel vehementer von den rechtlichen Möglichkeiten Gebrauch machen? In der EU gibt es folgende Handhabe (zitiert von «Euronews»):

Sollte X oder eine andere grosse Online-Plattform einen schwerwiegenden Verstoss gegen das DSA begehen, könnte die Europäische Kommission eine Geldstrafe in Höhe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Umsatzes der Plattform verhängen. Bislang kam das nicht vor. «Rogue-Plattformen», die sich ihren Verpflichtungen verweigern und «das Leben und die Sicherheit von Menschen gefährden», könnten gemäss DSA ebenfalls mit einer vorübergehenden Sperrung belegt werden.

Mit DSA ist das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act) der EU gemeint. Gab es 2025 Fälle bei Twitter, Facebook und Co., die eine solche Einstufung als «Rogue-Plattformen» ermöglicht hätten? Ja. Die EU-Kommission habe Verstösse im Bereich des Jugendschutzes und der Desinformation vor Wahlen festgestellt, berichtete Netzpolitik.org und auch die «Tagesschau» vor zwei Monaten.

Die Brüsseler Behörde beanstandet, dass die Nutzer beim Anzeigen etwa von terroristischen Videos, antisemitischen Texten oder Kindesmissbrauch zu viele Schritte durchlaufen müssten. Diese seien womöglich auch noch irreführend dargestellt. Laut EU-Kommission sind das unnötige Hürden, die nicht im Einklang mit dem europäischen Digitalgesetz stünden.

Vermutlich fände man viel mehr, würde man genauer hinsehen. Ich lese gefühlt alle drei Tage von Online-Mobs, die auf eine Weise auf Leute losgehen, die deren «Leben und die Sicherheit» auf jeden Fall gefährden könnten.

Das Social-Media-Verbot als Drohung

Dass das Wohlbefinden Jugendlicher bedroht ist, darüber müssen wir nicht diskutieren. Seit dem 10. Dezember gilt in Australien ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Auch bei uns läuft diese Debatte. Ich bin mir unschlüssig, ob ich für ein Verbot plädieren soll. Aber ich sehe die Drohung eines Verbots als sinnvollen Hebel, um den Konzernen mehr Verantwortung abzuringen. Die oben erwähnten Hürden abzubauen, wäre ein Klacks.

Angesichts der politischen Grosswetterlage müssen wir sogar froh sein, wenn die Regulierung nicht weiter abgebaut wird. Im Januar schlossen die Tech-Bosse und die US-Regierung informelle Allianz, was nicht ohne Folgen blieb:

Die EU steht unter Druck, da US-Tech-Milliardäre sich Trump annähern und gleichzeitig europäische Vorschriften angreifen. Mark Zuckerberg, Geschäftsführer von Meta, verspottete europäische Gesetze als «Zensur», als er ankündigte, die Faktenprüfer in den USA auf Facebook, Instagram und Threads abzuschaffen. Auch wenn diese Massnahme nur in den USA gilt, befürchten Aktivisten die Verbreitung ungeprüfter englischsprachiger Inhalte in Europa.

Die KI-Sintflut bricht heran

Jesus reisst Sprüche am Kreuz – KI-Dreck, wie er (nicht im Heiligen) Buch steht.

Zum letzten, bereits kurz erwähnten Teilchen in diesem frustrierenden Puzzle. Das sind die Kreationen der künstlichen Intelligenz, die anteilsmässig in den letzten zwölf Monaten massiv zugelegt haben. Im Frühling beschrieb ich das Problem ausführlich, um im April festzustellen, dass Meta nicht gewillt ist, irgendetwas dagegen zu tun. Die Konzerne erfüllen die Pflicht zur Kennzeichnung nicht.

Im Juni liess sich belegen, dass sich KI bereits etabliert hatte, um Facebook inhaltlich mit reaktionären Motiven zu bewirtschaften. Anhand der sogenannten «Bibel-Vlogs» zeigt sich, dass solche Inhalte nurmehr primitivste Unterhaltungsgelüste bedienen. Was die Frage aufwirft, ob sich die sozialen Medien damit nicht selbst ad absurdum geführt und überflüssig gemacht haben.

Trotzdem werde ich mich hüten, (schon wieder) den baldigen Tod der sozialen Medien zu prognostizieren. Sie erwiesen sich in der Vergangenheit als hartnäckig. In der Politik sind sie zu einem so grossen Machtfaktor geworden, dass selbst Politikerinnen und Politiker mit echten Vorbehalten diese Plattformen zur Selbstdarstellung nicht mehr missen wollen.

Eine Prognose wage ich jedoch schon: Es wird auch 2026 schlimmer, nicht besser werden.

Beitragsbild: Mir ging es 2025 auch so – die ganze Zeit (Karola G, Pexels-Lizenz).

#Bluesky #Facebook #Jahresmusterung #Politik #SozialeMedien #Twitter

Zuckerberg führt sich auf, wie der Schurke in einer Sci-fi-Dystopie

Bei Meta läuft das Geschäft. Es gab wieder Rekordgewinne, wenngleich der Geldregen wegen der Steuern nicht so üppig wie in früheren Jahren auf die Aktionäre niederprasselte. Doch obwohl die IRS die hohle Hand macht, kann es sich Mark Zuckerberg leisten, gewaltige Summen in die Rekrutierung von neuem Personal zu stecken.

«Wired» berichtete im Juli darüber: Die Angebote an Talente im Bereich der künstlichen Intelligenz beliefen sich auf Beträge von dreihundert Millionen über vier Jahre, mit einer Vergütung von über hundert Millionen im ersten Jahr:

Meta unterbreitete Mitarbeitern von OpenAI mindestens zehn unglaublich hohe Angebote, wie gut informierte Kreisen verlauten liessen. Ein hochrangiger Forscher wurde für die Position des Chefwissenschaftlers angeworben, lehnte das Angebot jedoch ab. Das Vergütungspaket umfasst zwar Aktienanteile, diese werden jedoch bereits im ersten Jahr sofort ausgezahlt.

Das ist ein klarer Ausdruck von Metas KI-Ambitionen. Ebenso die Abteilung mit dem Namen Meta Superintelligence Labs. Die Investitionen belaufen sich auf 14,3 Milliarden, fand die «New York Times» heraus. Sam Altman ist (nicht überraschend) erzürnt darüber, dass man ihm seine Top-Leute abwirbt. Er dürfte nicht der einzige im Silicon Valley sein, der einen Groll auf Meta hegt. Auch Apple hatte einen Abgang zu verzeichnen: Ruoming Pang, eine der KI-Koryphäen des iPhone-Konzerns, wurde mit zweihundert Millionen US-Dollar geködert.

Mark Zuckerberg will den Fortschritt radikal beschleunigen

Und wir fragen uns: Was plant Meta genau?

Nun, Mark brachte seine Pläne höchstselbst zu Papier (oder zu Tastatur). Er schrieb:

Ich bin äusserst optimistisch, dass Superintelligenz der Menschheit helfen wird, unser Fortschrittstempo zu beschleunigen. Vielleicht noch wichtiger ist, dass Superintelligenz das Potenzial hat, eine neue Ära der persönlichen Selbstbestimmung einzuläuten, in der die Menschen mehr Handlungsspielraum besitzen, um die Welt in die von ihnen gewünschte Richtung zu verbessern.

Eine Superintelligenz ist ein System, das dem menschlichen Intellekt in wesentlichen Bereichen oder generell überlegen ist. Es ist nicht erwiesen, dass eine solche Technologie nach dem jetzigen Stand der Dinge überhaupt realisierbar ist. Heutige Sprachmodelle funktionieren in den Grenzen ihrer Trainingsdaten. Für den nächsten «Evolutionssprung» müssten die irgendwie überwunden werden – genauso, wie ein menschliches Genie in der Lage ist, die Grenzen des bisherigen Wissens und Könnens auszudehnen. Wird das passieren? Vielleicht, vielleicht nicht. Und falls es passiert, könnte das bis 2045 der Fall sein, wie Ray Kurzweil prognostiziert. Genauso gut ist möglich, dass es so lange dauert, dass Mark Zuckerberg es nicht mehr erlebt.

Wie auch immer: Dass der Meta-Chef so tut, als ob er diese Errungenschaft mit seinen Milliarden kaufen könnte, ist ein Zeichen von Hybris.

Jedem seine persönliche Superintelligenz!

Jedenfalls konkretisiert er seine Pläne wie folgt:

Die Vision von Meta ist es, jedem Menschen persönliche Superintelligenz zugänglich zu machen. Wir glauben daran, diese Kraft in die Hände der Menschen zu legen, damit sie sie für das einsetzen können, was ihnen in ihrem Leben wichtig ist.

Mir liegt ein «Heilige Scheisse!» auf der Zunge. Naiver Fortschrittsglaube in Ehren, aber das ist selbst für zuckerbergsche Verhältnisse schmerzhaft schönfärberisch. Meta und Mark Zuckerberg haben immer und immer wieder bewiesen, dass sie Eigeninteressen vor die gesellschaftliche Verantwortung stellen. Belege dafür gibt es viele – ich belasse es mit einem Hinweis auf den fahrlässigen Umgang mit dem KI-Matsch (AI Slop), den diese Plattformen 2025 an den Tag gelegt haben (siehe hier, hier, hier, hier und hier).

Überlegen wir uns mal, nur aus Spass, was passieren würde, wenn es Meta gelänge, eine solche Superintelligenz zu entwickeln. Und tun wir das unter der Prämisse, dass kein anderes Unternehmen dazu in der Lage wäre:

  • Wir hätten es mit einer extremen Machtkonzentration zu tun. Die Regierungen dieser Welt hätten Meta wenig bis nichts entgegenzusetzen.
  • Meta würde die Kommunikationsflüsse kontrollieren. Positiv gesehen wäre das Moderationsproblem bei Facebook, Instagram und allen anderen sozialen Medien gelöst. Negativ daran wäre, dass niemand mehr etwas verlautbaren könnte, was Meta nicht passt.
  • Wenn Mark Zuckerberg heute der Konkurrenz die Leute abspenstig macht, würde er bei dieser Ausgangslage kaum zögern, sie komplett plattzumachen und sich bei den Plattformen, dem Werbegeschäft und in der Cloud zum Alleinherrscher aufschwingen.

Das klingt nach einem dystopischen Sci-fi-Szenario, das ich in Romanform gern lesen, aber nicht selbst erleben möchte.

Es wird nicht passieren. Bereiten wir uns trotzdem vor

Aber wie angedeutet: Realistisch ist dieser Plottwist nicht. Es ist meine Überzeugung, dass sich eine menschliche Existenz nicht zu hundert Prozent simulieren lässt. Deswegen ist es von vornherein ausgeschlossen, in der Simulation über das Vorbild hinauszuwachsen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass mit weiterem exponentiellem Fortschritt eine Art Universalmodell entsteht, in dem alles Wissen und jede erdenkliche Fähigkeit steckt. Das würde mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Lage sein, selbst zu handeln, und zwar in einer Geschwindigkeit, bei der die Menschheit Mühe hätte, mitzuhalten.

Welche Befugnisse würden wir ihm einräumen? Bei Mark Zuckerberg halte es für ausgeschlossen, dass er sein Versprechen ernst meint und er jeden Menschen maximal ermächtigen würde Er würde vielleicht eine Art Matrix etablieren, aber die wahre Macht für sich monopolisieren. Das ist Grund genug, diese Entscheidung nicht einem einzelnen Konzern zu überlassen – das wäre ein Job für die vereinigte Menschheit. Wenn es an dieser Stelle noch ein weiteres Argument bräuchte, dann wäre das ein Hinweis auf die politische «Neuorientierung» des Meta-Chefs (Mark Zuckerberg has gone full Maga, Inside Mark Zuckerberg’s Trump pivot).

Auch ohne diesen Hinweis ist es klar, dass diese Tech-Konzerne eingefangen werden müssen – nicht nur Meta, aber vor allem. Ihre Macht muss beschränkt werden. Das wirkungsvollste Mittel wäre, sie in kleinere, kontrollierbare Einheiten zu zerschlagen. Und es braucht eine systematische und politisch gewollte Förderung offener, transparenter und gemeinnütziger Technologien, Schnittstellen, Algorithmen und Organisationen. Dann wird alles gut!

Beitragsbild: Kaum zu glauben, was man durch Mark Zuckerbergs Brille sieht (Alessia Lorenzi, Pexels-Lizenz).

#Facebook #Jahresmusterung #MarkZuckerberg

Apple 2025: Eine Tonne Gold für Trump

Apple glänzte 2025 nicht. In Erinnerung wird bleiben, wie Tim Cook dieses Ding aus Gold und Glas im Oval Office vorbeibrachte. «The Verge» nennt es eine Statue, aber nach meinem (laienhaften) Kunstverständnis wäre Skulptur der bessere Begriff. Jedenfalls gibt es einen dicken goldenen Sockel, auf dem eine Glasscheibe thront. Auf der sind mehrere Dinge eingraviert: Trumps Name, das Apple-Logo, Cooks Unterschrift, die Jahreszahl 2025 und das Bekenntnis «Made in USA».

Halten wir das Offensichtliche fest: Egal, ob Statue oder Skulptur, dieser Staubfänger wird in einem Lagerraum verschwinden und nie wieder einen einzigen Strahl Tageslicht abbekommen. Trumps Penthouse in New York sei zwar geschlagene 2800 Quadratmeter gross und auch in Mar-a-Lago gibt es sicherlich ausreichend Ablagefläche. Doch bei allem, was wir über den Geschmack des Mannes wissen, ist ihm dieses Teil nicht goldig, nicht klotzig und protzig genug.

Was wäre Steve Jobs’ Geschenk für Trump gewesen?

Zwar lobt «The Verge» Cooks Fähigkeit, Trump für sich einzunehmen. Er könne das so gut, dass andere Firmenchefs ihn kopieren würden. Trotzdem steht dieses Objekt sinnbildlich für die Verrenkungen, zu denen der Chef eines Billionenkonzerns bereit ist.

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Wir wissen alle, weswegen Apple einen legendären Ruf geniesst: Es ist die Fähigkeit, Design und Funktion in Einklang zu bringen. Das Prinzip Form follows function bringt das nur unzureichend auf den Punkt. Es kommt bei Apple häufig vor, dass die form die function dominiert. Trotzdem entsteht etwas, das aus der Masse herausragt und mehr ist als bloss ein Gegenstand mit einem bestimmten Zweck.

Bei dieser Glasscheibe auf dem Goldsockel ist die function klar. Doch die form wird ihr nicht so ganz gerecht. Was hätte Steve Jobs bei Trump vorbeigebracht? Ich bin überzeugt, dass es etwas gewesen wäre, was Trump in der Eingangshalle seines neuen Ballsaals aufgestellt hätte – und das uns allen ausserhalb der MAGA-Zirkel unmissverständlich kommuniziert hätte, dass sich Jobs als Sieger in diesem Machtspiel sieht.

Wenn ich einen Tipp abgeben darf: Es wäre keine Skulptur, keine Statue, sondern ein Monument geworden. Inspiriert vom legendären Foto nach dem Attentat in Butler, Pennsylvania, in Überlebensgrösse – und natürlich gefertigt aus einer Tonne Gold. (Die Schweizer Delegation mit Goldbarren und Rolex hatte die bessere Nase, aber zu klein gedacht.) Preispunkt für das Korruptionsobjekt in ausreichender Grösse: Etwa 112 Milliarden. Aber nachdem Apple an der Börse inzwischen über vier Billionen wert ist, wäre das finanziell zu stemmen gewesen. Und sonst hätte es auch goldüberzogenes Wolfram getan.

Spielraum, um sich treu zu bleiben

Nach diesem Geschenk hätte es sich Cook leisten können, Trump in anderer Hinsicht Paroli zu bieten. Er hätte sich dagegen entscheiden können, die Apps aus dem Store zu werfen, die Immigranten vor den Agenten der Einwanderungsbehörden warnen und mit denen die Subjekte dieser Menschenjagden Übergriffe dokumentieren können.

Agenten der Immigrationsbehörde führen eine Verhaftung durch.

Ob er es getan hätte? Vielleicht, vielleicht nicht. Sollen wir an dieser Stelle darüber diskutieren, ob sich Unternehmen an ihren Standards messen lassen müssen oder ob wir uns alle insgeheim einig sind, dass die hehren Firmenziele, wie Apples Bekenntnis zu den Menschenrechten bloss pour la galerie sind? Ohne allzu sehr den Moralapostel zu geben, kann und will ich meine Enttäuschung nicht verhehlen.

Was sonst?

Was die technische Entwicklung angeht, kam die Apple Vision Pro 2025 weiterhin nicht vom Fleck. Die zweite Auflage kam Mitte Oktober auf den Markt, die noch immer so teuer ist wie vor zwei Jahren. Es gibt Spekulationen über ein Produkt namens N100, das leichter und günstiger sein soll. Das heisst: Brillenträger wie ich, die ihr normales Nasenfahrrad mit etwas digitalem Schnickschnack versehen würden, kommen wiederum nicht zum Zug.

Apples Hardware von 2025 hat mich nicht gepackt (ich habe allerdings, wie schon letztes Jahr, auch kein Testgerät bekommen).

Apples Software-Updates von 2025 überzeugen

Bei der Software hingegen bin ich zufrieden. Apple hat keinen Geniestreich vollbracht und mit der Liquid Glass, der neue Optik der Betriebssysteme von iPhone, iPad, Mac und Apple TV, die falsche Priorität gesetzt. Aber die lange Reihe kleiner, nützlicher Verbesserungen das für mich auf:

Mit der Kurzbefehle-App von Tahoe lässt sich die KI in Arbeitsabläufe integrieren.

Und während die ganze Apple-Fangemeinschaft (und Forbes) über Apple Intelligence schnöden, gibt es von mir explizites Lob. Klar, ich finde nicht alles toll. Dass die Image Playground-App noch immer Kitsch fabriziert, ist kein überzeugender Leistungsausweis.

Der wesentliche Punkt ist, dass Apple uns ermöglicht, die künstliche Intelligenz datenschutzbewusst zu nutzen. Für die meisten Aufgaben kommen lokale Modelle zum Zug. Die Cloud wird nur bemüht, wenn diese überfordert sind und wir unsere Einwilligung für ChatGPT oder Apples Private Cloud Compute geben.

Ein erwachsener Umgang mit der KI

Natürlich sind unter diesen Umständen nicht die gleichen Resultate zu erwarten, wie wenn wir die maximale KI-Power in der Cloud nutzen und eine beliebige Menge an persönlicher Informationen preisgeben. Das versteht sich eigentlich von selbst und müsste bei der Beurteilung berücksichtigt werden. Aber dazu sind die KI-Euphoriker anscheinend nicht in der Lage.

Die Integration von Apple Intelligence in die Kurzbefehle-App halte ich für vorbildlich. Mozilla könnte sie bei der Weiterentwicklung von Firefox als Leitschnur dienen. Sie gibt uns Nutzerinnen und Nutzer Kontrolle darüber, wann und wie wir die künstliche Intelligenz in unsere Arbeitsabläufe einbauen wollen. Das ist der entscheidende Unterschied zu den Ansätzen von Google und Microsoft. Die haben das Ziel, unsere Nutzung zu maximieren, weil das letztlich unsere Abhängigkeit verstärkt. Wenn Apple im nächsten Jahr uns auch erlaubt, via Schnittstelle beliebige LLMs anzubinden, dann gibt es in der Jahresmusterung 2026 die Bestnote von mir.

Beitragsbild: Falls mich jemand um Hilfe in Sachen Korruption bittet, wäre das hier meine Empfehlung.

#Apple #Datenschutz #Jahresmusterung #KI

Das grosse Glück von Microsoft, nie sympathisch gewesen zu sein

Microsoft überschritt im Oktober die Schwelle zum Vier-Billionen-Konzern. Knapp ein halbes Jahr vorher waren 7000 Stellen abgebaut worden, was einem Drittel der Belegschaft entspricht – und natürlich hängt es von der weltanschaulichen Perspektive ab, ob wir diese beiden Meldungen als widersprüchlich oder folgerichtig empfinden. Was mich angeht, verstärken sie meinen Eindruck, dass Microsoft nicht unbedingt ein Herz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat – weder für die eigenen, noch für die anderer Firmen. Denn wie Ende Oktober herauskam, verpetzt Teams jene Leute, die nicht an ihrem Arbeitsplatz hocken.

Hier in der Schweiz gab und gibt Microsoft 2025 viel zu reden: Die Behörden bei Bund und Kantonen setzen auf die Software des Konzerns. Sie tun das teils schon länger, doch es gibt zunehmend Gründe für Kritik: Die Programme sind inzwischen kaum mehr ohne die Cloud nutzbar. Das wirft unangenehme Fragen zum Datenschutz auf.

Der lange Arm der US-Behörden

Wie sicher sind die Daten in den Rechenzentren noch? Diese Frage stellt sich, selbst wenn sich die Rechenzentren in Europa oder in der Schweiz befinden. (Microsoft investierte hierzulande dieses Jahr 400 Millionen Dollar in die Infrastruktur). Die gesetzliche Lage ist heikel: Der US Cloud Act erlaubt den amerikanischen Behörden den Zugriff auf die bei den US-Tech-Konzernen gespeicherten Daten, selbst wenn diese ausserhalb der Vereinigten Staaten gelagert werden.

Der Cloud Act wurde am 23. März 2018, d. h. während der ersten Amtszeit Donald Trumps, unterzeichnet. Meiner bescheidenen Meinung nach wäre das damals schon ein K.-o.-Kriterium gewesen. Aber nein,  diverse Kantone trieben ihre Microsoft-365-Strategie voran. Meiner Journalistenkollegin Adrienne Fichter gebührt das Verdienst, diese Causa detailliert und hartnäckig aufzuarbeiten.

Immerhin: 2025 gab es 35 Jahre Solitär zu feiern.

In Trumps zweiter Amtszeit lassen sich die Gefahren dieser Abhängigkeit nicht mehr ignorieren. Der Ruf einer Abnabelung von den US-Tech-Giganten war schon anfangs des Jahres deutlich vernehmbar. Aber während private Anwenderinnen und Anwender auf Microsoft Office verzichten können, ist diese Risikominimierung für Behörden und grosse Unternehmen kurzfristig annähernd unmöglich. Trotzdem: Wer den Kopf weiterhin in den Sand steckt, handelt verantwortungslos – und der Noch-Armeechef Thomas Süssli trifft mit seiner Forderung nach Open Source ins Schwarze.

Ein Weckruf für die digitale Souveränität

Denn Microsoft sperrte im Mai den Account von Karim Khan. Er ist Chefankläger beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Mit seinen Haftbefehlen für Benjamin Netanyahu und dessen ehemaligem Verteidigungsminister Joaw Galant zog er den Zorn Donald Trumps auf sich. «Heise» schrieb von einem Weckruf für digitale Souveränität.

Was noch? Nicht nur Satya Nadella, sondern auch Bill Gates machten im September Trump ihre Aufwartung im Weissen Haus. Ersterer ist CEO, sodass das politische Lobbying zu seinem Pflichtenheft gehört. Die Frage sei dennoch erlaubt, ob es nicht auch möglich wäre, diese Aufgabe weniger opportunistisch zu betreiben. Früher als Google betrachtete Nadella bereits im Juli 2024 das Team für Diversität und Inklusion als «nicht mehr geschäftsrelevant» und schaffte es ab.

Aber Gates? Er sitzt seit 2020 nicht mehr in Microsofts Verwaltungsrat und könnte sich auf seine Rolle als Mäzen konzentrieren. Stattdessen vollführt er eine Kehrtwende bei seiner Haltung zum Klimawandel und schreibt ein Essay, in dem er wie üblich seinen Techno-Optimismus propagiert. Diese neue Position kann man als flexibel werten. Mir erscheint sie als Annäherung an die Trumpsche Weltsicht und als Eingeständnis, dass Bill Gates – obwohl er sich eine eigene Meinung leisten könnte – seine Überzeugungen nach der politischen Grosswetterlage ausrichtet. In seinen Auskünften gegenüber der Zeitung «Welt» war Stolz herauszuhören, dass sich Trump Zeit für ihn nehme. Warum ihm das so wichtig ist, weiss ich leider nicht, weil ich an der Paywall hängen geblieben bin.

An diesem Unsympathen prallt alles ab

Fazit: Microsoft war nie sonderlich auf die sympathische Aussenwirkung bedacht. Das kommt dem Konzern in Zeiten wie diesen entgegen. Denn während viele von uns Apple und Google als rückgratlos empfinden, zucken wir bei Microsoft mit den Schultern: dieser Konzern war schon immer so.

2025 war das Jahr, in dem Skype von uns ging und Windows 10 seine Dernière hatte. Abschliessend bemerkenswert ist, wie wenig Fortschritt in den Kernbereichen zu beobachten war. Die beiden klassischen Sparten Windows und Office rückten in den Hintergrund. Sie sind endgültig zum Fundament geworden, auf dem immer waghalsigere KI-Konstrukte in die Höhe wachsen. Künstliche Intelligenz in Office, im Browser und neuerdings mit Sprachsteuerung: Das wirkt oft aufdringlich, doch bei Licht betrachtet steht die Ausrufung der «Ära des KI-PCs» in der Tradition des Konzerns, den technischen Fortschritt zu nutzen, um die Abhängigkeit der Kundschaft weiter zu verstärken.

Beitragsbild: Halbleer oder ganz leer? Die Frage stellt sich sowohl beim Surface-Tablet mit dem schwarzen Bildschirm als auch beim Microsoft-Becher nebendran (Christina @ wocintechchat.com, Unsplash-Lizenz).

#BillGates #Jahresmusterung #Microsoft #Politik
#Google hat 2025 bei der #KI eine beachtliche Aufholjagd hingelegt. Trotzdem ist das Fazit negativ: #Vielfalt, #Gleichberechtigung und #Inklusion waren anscheinend keine Kernwerte, sondern nur Lippenbekenntnisse.
Start der #Jahresmusterung, meines traditionellen Rückblicks aufs ablaufende Tech-Jahr.
https://blog.clickomania.ch/2025/12/17/jahresrueckblick-2025-google/ #clickomaniach
Wie schnell Google 2025 bereit war, seine Kernwerte zu opfern

Google im Jahr 2025: Ein paar Fort­schrit­te bei der KI stehen diversen frag­wür­digen und gesell­schaft­lich ver­ant­wor­tungs­lo­sen Ent­schei­den gegen­über.

Clickomania

Wie schnell Google 2025 bereit war, seine Kernwerte zu opfern

Was bleibt von Google für 2025 in Erinnerung?

Wenn wir am positiven Ende anfangen wollen, dann ist das die Einschätzung, dass der Konzern aus Mountain View bei der künstlichen Intelligenz Boden gutmachen konnte. Meines Erachtens ist Gemini Konkurrenten wie ChatGPT, Claude, Perplexity und Mistral noch immer unterlegen. Der Qualitätsrückstand ist immerhin geschrumpft. Und vor allem gelang es Google, für diverse Aha-Momente zu sorgen:

Fortschritt um wirklich jeden Preis

Die Fehlinformationen sind nicht das grösste Problem der «AI Overviews».

Dieser Fortschritt ist technisch eindrücklich, gibt indes gleichzeitig Raum für Kritik und Kontroversen. Dass die KI an Sitzungen als Aktuar auftritt, hat in meinem Social-Media-Umfeld für mehr Ablehnung denn Begeisterung gesorgt. Mir waren die Auswüchse von Veo 3 im Juli einen eigenen Blogpost wert: Denn so spektakulär die neuen Möglichkeiten sein mögen, so fragwürdig ist die Weise, wie sie genutzt werden. Das Stichwort dazu – das in der Jahresmusterung von 2025 noch häufiger fallen wird – ist AI Slop: per künstlicher Intelligenz produzierte Inhalte, die in den sozialen Medien allgegenwärtig sind und den menschlichen Output verdrängen.

Die weitreichendste technische Neuerung im Jahr 2025 betrifft die Suchmaschine: Die künstliche Intelligenz hielt Einzug auf Google.ch. Seit dem März tauchen die KI-Zusammenfassungen am Anfang der Suchresultate, die sogenannten AI Overviews, auch bei uns auf. Nur Monate später, im Oktober, legte der Konzern mit dem KI-Modus nach: Er eliminiert die klassischen Suchresultate vollständig. Stattdessen erscheint eine ausformulierte Antwort auf unser Anliegen, zu der sich auch Nachfragen stellen lassen. Das hat eine ganze Reihe negativer Implikationen, die Google nicht zu adressieren gewillt ist. Das ist so problematisch, dass ich die Zeit für gekommen erachte, ein Zeichen zu setzen: Verweigern wir uns – auch wenn es schwierig istder Google-Suchmaschine oder zumindest den AI Overviews!

Machtmissbrauch und Opportunismus

So unerfreulich das alles ist, kommt es noch dicker: Obwohl Google Millionenbussen der EU wegen Wettbewerbsverzerrung kassierte, missbraucht der Konzern weiterhin fröhlich seine Marktmacht, um der Konkurrenz Nutzerinnen und Nutzer abspenstig zu machen – und entdeckte zu diesem Zweck die Pop-up-Werbung neu.

Wer in Firefox oder in einem Drittbrowser Websuchen durchführt, wird mit Meldungen wie diesen hier gepiesackt.

Der heftigste Kritikpunkt ist einer, der sich nicht nur gegen Google, sondern genauso gegen Microsoft, Meta, Apple, Amazon und Konsorten richtet (und deswegen in der Jahresmusterung noch häufiger zu lesen sein wird): Wir erinnern uns daran, wie eilfertig und devot die Bosse dieser Firmen im Januar zu Trumps Amtseinführung eilten, um ihre Geschäftsinteressen zu schützen. Das waren nicht nur Lippenbekenntnisse: Es gab weitreichende Zugeständnisse an den neu-alten Herrscher im (inzwischen arg ramponierten) Weissen Haus, die zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und von uns allen gehen. Zwei Beispiele:

Der zweite Aspekt scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich gravierend. Doch ich erinnere mich lebhaft daran, wie stolz gerade Google auf die internationale, vielfältige Belegschaft war. Im «Wired»-Artikel heisst es dazu:

Berichte aus den letzten zehn Jahren zeigten, dass Google und Dutzende anderer Technologieunternehmen stetig mehr Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten einstellten, obwohl diese Gruppen im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung der USA in technischen und Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert waren.

Das scheint passé. Wir könnten hoffen, dass die Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion bloss pro forma aufgegeben wurden, und im Geheimen weitergeführt werden. Leider ist das wohl eine leere Hoffnung, weil das schnell herauskäme und Trump nur umso wütender wäre.

Partizipation für alle – das war mal

Darum bleibt uns nur der Schluss, dass wir es mit einem tiefgreifenden Kulturwandel zu tun haben. Er erfolgt zulasten der Minderheiten, der vulnerablen Gruppen. Und er setzt Utopie ein endgültiges Ende, dass die Vernetzung der Welt eine einigende und ausgleichende Wirkung hat.

Den Tiefpunkt des Jahres erreichte Google für mich im Oktober 2025, als es das Unternehmen Apple gleichtat und Apps entfernte, die Immigranten vor den Agenten der US-Einwanderungsbehörden warnt. Ein AP zitierte zu dieser Causa die Bürgerrechtsanwältin Alejandra Caraballo, die an der Cyberlaw Clinic der Harvard University arbeitet:

«Das ist ein Präzedenzfall, der mich beunruhigt. Mit dem kann die Regierung im Grunde vorschreiben, welche Apps die Menschen auf ihren Handys haben.»

Dem Geschäft tat das alles keinen Abbruch. Mitte September erreichte Google-Mutter Alphabet als viertes Unternehmen eine Marktkapitalisierung von drei Billionen US-Dollar.

Beitragsbild: Ein Bild aus besseren Tagen (Christina Morillo, Pexels-Lizenz).

#Googologie #Jahresmusterung #KI #Suchmaschine

Den Feiertagen zum Trotz – die #Top5 im Blog:
5) #Jahresmusterung #Microsoft: Cloudstrike? War das was? https://blog.clickomania.ch/2024/12/23/jahresmusterung-microsoft-2024/
4) Als die Schweizerinnen und Schweizer das Wort «Harddisk» lernen mussten: https://blog.clickomania.ch/2024/12/27/computerjargon/
3) #Jahresmusterung #Apple: Viel Kritik, aber die Kasse stimmt: https://blog.clickomania.ch/2024/12/25/jahresmusterung-apple-2024/
1) Der Tod der #sozialenMedien wurde aufgeschoben: https://blog.clickomania.ch/2024/12/26/jahresmusterung-soziale-medien-2024/
1) Lasst uns das Internet einstampfen und von vorn beginnen: https://blog.clickomania.ch/2024/12/24/what-would-a-better-internet-look-like/ #clickomaniach
Cloudstrike? War das was? – Clickomania

Microsoft in­ves­tiert Un­sum­men in die küns­tli­che In­tel­li­genz, for­ciert die Cloud und zeigt wenig Neigung, den Be­dürf­nis­sen von Usern und der Ge­sell­schaft Rech­nung zu tragen – wie etwa die Sicher­heit der glo­ba­len IT-Infra­struk­tur.

Die #Jahresmusterung der #sozialenMedien: Sosehr auch alle von Twitter und Facebook die Schnauze voll haben, werden wir diese destruktiven Plattformen so schnell nicht los. https://blog.clickomania.ch/2024/12/26/jahresmusterung-soziale-medien-2024/ #clickomaniach
Der Tod der sozialen Medien wurde aufgeschoben – Clickomania

Sosehr auch alle von Twitter und Face­book die Schnauze voll haben: So schnell wie vor einem Jahr ge­hofft, werden wir diese destruk­ti­ven Platt­formen nicht los.

Der Tod der sozialen Medien wurde aufgeschoben

Vor zwölf Monaten habe ich behauptet, die sozialen Medien stünden am Wendepunkt: Sie hätten ihre Berechtigung verspielt und das endgültige Ende sei nahe. Nun, am Ende des Jahres 2024, stellen wir fest, dass keine der grossen Plattformen verschwunden ist. Meine Hoffnung, Twitter würde Konkurs gehen, hat sich nicht bewahrheitet. Auch wenn es Stimmen gibt, die vermuten, dass Musks Plattform zu einem rechten Getto verkommt.

Man kann es auch genau andersherum sehen: Twitter hat zu einer neuen Rolle gefunden. Die hat nichts mehr mit der ursprünglichen Idee einer offenen Plattform für die freie, freundliche Meinungsäusserung und für Informationen in Echtzeit zu tun. Vielmehr hat Elon Musk den Kurznachrichtendienst in eine politische Kampfmaschine verwandelt, bei der die Wahrheit kein Gewicht mehr hat.

Die Bedeutung dieser Plattform, die heute X heisst, bemisst sich in ihrer Kraft, Meinungen zu bilden und Entscheidungen zu lenken. Und zwar konkret in Elon Musks eigenem politischem Sinn: als Wahlkampfhelfer für die Republikaner. Ob das Zukunft hat, ist mehr als fraglich. Die Langeweile, die bei Gettr und Truthsocial herrscht, spricht gegen die politische Isolierung.

Zu Bluesky oder Mastodon zu wechseln, ist harte Arbeit

Ich bleibe bei der Einschätzung, dass die Social-Media-Müdigkeit inzwischen gross ist. Das ist ein wichtiger Grund, warum die Konkurrenz bislang nicht abgehoben hat. Es ist zwar hocherfreulich, wie Bluesky nach der Wahl Trumps im November von einem erneuten Twitter-Exodus profitieren konnte. Meine Prognose ist, dass dieser Aufschwung nachhaltig ist: Es entwickelt sich dort eine Community, die vielen Twitter-Vertriebenen eine neue Heimat gibt. Doch ob der öffentliche Einfluss von Bluesky jemals so gross sein wird wie bei Twitter in den besten Zeiten, ist nicht erwiesen – und ich glaube es erst, wenn ich es sehe.

Es bleibt dabei, dass die Vernetzung bei Bluesky nicht den gleichen Enthusiasmus auslöst wie seinerzeit bei Twitter, wo wir voller Begeisterung Dinge wie den Follow Friday abhielten. Denn der Charme und die unschuldige Freude des ersten Mals kommt nicht mehr zurück. Die meisten von uns haben das alles schon gesehen – und jetzt Energie in den Aufbau eines neuen Beziehunggeflechts zu investieren, nur weil Elon das alte kaputtgemacht hat, ist der Freude über Bluesky zum Trotz nicht sehr attraktiv.

Das habe ich nicht kommen sehen

Nochmals zurück zu Twitter: Unterschätzt habe ich vor einem Jahr das demagogische Missbrauchspotenzial. Ich wusste zwar, dass Musk alles tut, um seinen politischen Ansichten auf seiner Plattform Gehör zu verschaffen. Ich war aber der Ansicht, dass er dieses Ziel als Privatmann verfolgt. An die Möglichkeit, dass er als wirkmächtiger Helfer in Trumps Wahlkampfteam auftreten könnte, habe ich im Traum nicht gedacht. Und es war nicht absehbar, dass Trump und Musk zu einer unheiligen Allianz zusammenfinden würden.

Das war leider nicht das erste Mal, dass ich Musk falsch eingeschätzte. Sollte ich aufhören, seine Motive analysieren zu wollen? Nein. Aber ich muss lernen, dass Musks Aktivitäten oft eine unheimliche Dynamik entwickeln, die sich in eine Richtung entfalten, die Musk – und davon bin ich überzeugt – anfänglich auch nicht auf dem Schirm hatte. Aber er kapiert schnell und hat keine Hemmungen, sich ungeachtet traditioneller Moralvorstellungen in jede Richtung zu bewegen, die seinen Interessen dient. Und wie begeisterungsfähig er für Ideen ist, die die meisten von uns als völlig unrealistisch und fantastisch betrachten würden, ist hinlänglich bekannt.

Zu nützlich und lukrativ

Das Lehrstück, das Elon Musk 2024 abgeliefert hat, macht das nahe Ende der sozialen Medien unwahrscheinlich. So gross die Ernüchterung über die enttäuschten Erwartungen auch ist, können diese Plattformen zur Not immer noch für politische Zwecke gebraucht und ausgenutzt werden – genauso, wie das Zeitungsverleger schon früher gern taten. (Was uns ironischerweise «Washington Post»-Chef Jeff Bezos heuer in Erinnerung rief.)

Es geht aber nicht nur um Twitter, denn auch beim Konkurrenten Meta ist die Untergangsstimmung gewichen: Zwar dümpelte Facebook 2024 auch uninspiriert und müde vor sich hin. Doch die Plattform tat das auf unglaublich lukrative Weise. Mark Zuckerberg konnte heuer einen gigantischen Gewinn einfahren.

Wie wird das weitergehen? Wir werden uns weiterhin mit den sozialen Medien herumschlagen müssen. Dabei sollten wir sie als Gefahr für die Demokratie begreifen. Und wie neulich im Radio besprochen, ist es wichtig, sich eine Strategie zuzulegen, um den destruktiven Elementen etwas Positives entgegenzusetzen.

Und um die Gelegenheit aufrechtzuerhalten, mich Ende 2025 wieder selbst korrigieren zu dürfen, wiederhole ich meine Prognose, wonach Musk nicht zum mächtigsten Mann der Welt geworden ist. Denn wie auch «Watson» urteilt, wird die Bromance von Trump und Musk nicht lange halten.

Beitragsbild: Sie kann leider auch nichts dafür (Polina Zimmerman, Pexels-Lizenz).

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