Es gibt da diesen Weg vom Bahnhof zur Kinderwunschpraxis, ca. 20 Minuten zu Fuß. Ich komme vorbei an einem Park, an verschiedenen Plätzen, an einem Krankenhaus. Straßenbahnen und Busse fahren. Ich gehe vorbei an netten Geschäften, Cafés, Restaurants. Bei manchen denke ich, da würde ich gerne Essen gehen. Wenn ich Zeit habe, gehe ich in das ein oder andere Geschäft, kaufe vielleicht eine Postkarte, trinke einen Tee und esse ein Stück Kuchen in einem der Cafés. Es ist eine schöne Gegend.
Ich hasse diesen Weg. Ich bin ihn so oft gegangen, bei Regen und Wind, bei strahlendem Sonnenschein, morgens früh mit leeren Straßen im Nebel, mittags wenn alles voller Menschen wuselt. Zu jeder Jahreszeit. In jeder Stimmung: optimistisch, freudig aufgeregt, voller Angst und Nervosität, unglücklich, erschöpft, müde. Manchmal hat das Wetter zu meiner Stimmung gepasst, manchmal nicht.
Allein der Gedanke an diesen Weg löst manchmal reinen Widerwillen in mir aus; manchmal mehr als der Gedanke an das Wartezimmer der Kinderwunschpraxis oder sogar daran im Behandlungsstuhl zu sitzen.
Diesen Weg zu gehen, heißt, es hat beim letzten Mal nicht geklappt. Die Hoffnungen, die mich beim letzten Gehen dieses Weges begleitet haben, sind zerplatzt. Diesen Weg zu gehen, heißt, mich wieder der emotionalen Achterbahnfahrt auszusetzen, wieder zu hoffen und mich vor dem Scheitern zu fürchten. Es heißt, mich wieder in die Abhängigkeit von Ärzt*innen zu begeben, mir Bewertungen über meinen Körper anzuhören. Es heißt, mich wieder verletzlich zu machen. Aber diesen Weg nicht mehr zu gehen, heißt zu akzeptieren, dass es vorbei ist.
Es gibt da diesen Weg, den ich schon auf so viele Arten gegangen bin, den ich eigentlich nie wieder gehen will und trotzdem immer wieder gehe, bis ich ihn dann irgendwann wirklich zum letzten Mal gegangen sein werde.
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