@LordCaramac Katastrophenschutz. Ohne verpflichtende Steuern stellt sich die Frage. Wer zahlt freiwillig genug, damit das System funktioniert. Für mich wäre eine Anarchistisches System eigentlich auch gar nicht links sondern eher extrem neo liberal.
Je kleiner und homogener eine Gruppe ist, desto eher kann vielleicht Selbstorganisation funktionieren. Je größer, vielfältiger und komplexer eine Gesellschaft wird, desto schwieriger wird meiner Meinung nach eine völlige Herrschaftslosigkeit.
@LordCaramac @LordCaramac Demokratie ist eher Machtkontrolle statt Machtkonzentration wenn sie funktioniert. Demokratie basiert auf dem Prinzip: Die Regierung erhält ihre Legitimität vom Volk.
Das bedeutet, Gesetze sind nicht einfach „von oben“ verordnet. Der Bürger haben ein Mitspracherecht. Regierungen müssen sich rechtfertigen usw. Moderne Demokratien verbinden Mehrheitsentscheidungen mit Grundrechten (z.B. Grundgesetz), unabhängigen Gerichten und
@LordCaramac Gewaltenteilung.
Sicher ist nicht alles perfekt, ich rege mich auch ständig auf, aber ich wüsste nicht, warum ich Anarchie vorziehen sollte. In der Fantasie mag das verlockend klingen, doch die Realität stelle ich mir nicht besonders schön vor.
@leobm Wir haben diesen Planeten bereits so übel beschädigt, daß es in 200 Jahren vermutlich gar nicht mehr genug Menschen geben wird, um genug Soldaten für einen ernsthaften Krieg zusammenzubekommen, und das Klima und die Biosphäre werden vermutlich so instabil sein, daß die meisten dann noch lebenden Menschen als Nomaden durch die Gegend ziehen. Der ganze Scheiß, den wir hier in den letzten paar Jahrtausenden aufgebaut haben, kollabiert, weil wir in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten durch unsere Industrien die ökologischen Grundlagen jeglicher Zivilisation übelst unterminiert haben, so daß diese nun rapide wegbröseln. Was bleibt, sind erst einmal für die nächsten zigtausend Jahre nur simple Post-Kollaps-Stämme, die irgendwie überleben, bis irgendwann die Biosphäre wieder halbwegs stabil ist und das Klima eine neue metastabile Konfiguration gefunden hat.
Und im Kollaps, welcher die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte bestimmen wird, ist es sinnvoller, Dinge zu tun, die gerade anstehen, als irgendwen um Erlaubnis zu fragen. Legal, illegal, scheißegal, es geht zunehmend ums nackte Überleben. Viele werden es nicht schaffen, aber je mehr Menschen einfach auf die Regeln scheißen und das Richtige tun, auch wenn es verboten ist, desto mehr werden überleben. Was das Richtige ist, kann man natürlich in vielen Fällen erst hinterher sagen, aber man kann doch eindeutig sehen, daß etliche Verhaltensweisen, die in dieser Zivilisation normal sind und von der bürgerlichen Bevölkerung erwartet werden, absolut unnachhaltig sind und weiter in die falsche Richtung führen. Beispielsweise müßte das Wirtschaftswachstum eigentlich schnellstmöglich beendet werden und in eine Gesundschrumpfung überführt bei gleichzeitigem radikalem Umbau aller Prozesse und Methoden im Hinblick auf Nachhaltigkeit, denn wir haben die globalen ökologischen Wachstumsgrenzen schon lange überschritten, die Weltwirtschaft kann nicht einmal ansatzweise ihre bestehende Größe halten, Nachhaltigkeit wäre nur mit weniger als der Hälfte möglich, gemessen in den einzig sinnvollen Maßstäben wie Leistung in Watt und Materialumsatz in Tonnen pro Sekunde. Wir müssen weniger Rohstoffe extrahieren und raffinieren, weniger Güter produzieren und transportieren, weniger arbeiten, weniger konsumieren, weniger entsorgen. All das geht überhaupt gar nicht innerhalb des bestehenden Systems, also muß das System untergehen.
wenn man keine ahnung hat einfach mal fresse halten
@ElGrossKotzo Du gehörst anscheinend auch nicht zu den „höher entwickelten Menschen”, von denen du gesprochen hast. 🤔
@kielkontrovers teilweise in unserer Biologie/Sozialverhalten angelegt? Es dient wahrscheinlich auch dazu, eine Gruppe zusammenzuhalten und sie gegen äußere Feinde zu schützen usw.
Deshalb halte ich vollkommen gerechte Systeme nur für eine schöne Utopie.
@moritzboth @leobm @kielkontrovers Gibt es denn erfolgreiche Versuche, das auch mal auszuprobieren, oder bleibt es bei gut gemeinter Theorie? Ich will gar nicht auf meine Aussage beharren. Ich kenne halt keine Belege, dass es anders gehen könnte.
Ich erinnere mich an die "antiautoritäre Erziehung" und freie Sexualität im Kindergarten, was in den 1970ern ausprobiert wurde, später aber nicht als Erfolg gedeutet wurde.
@kielkontrovers
Aus der Sicht erfolgreicher Kapitalisten läuft es gerade superprima mit dem #Kapitalismus, insbesondere wenn für's Verzocken auch noch die Staaten mit Steuergeldern aufkommen.
Rechtsstaatliche #Demokratien sind in der Krise durch den Kapitalismus bzw. genauer gesagt durch die erfolgreich agierenden Kapitalisten.
Bei Interesse gibt es hierzu ein aufschlußreiches Buch, warum Kapitalismus die Demokratie nicht braucht und sie nur so lange duldet, bis sie nicht mehr bequem für sie ist:
https://www.suhrkamp.de/ebook/quinn-slobodian-kapitalismus-ohne-demokratie-t-9783518777534
Kürzer zusammengefasst vom Autor Quinn #Slobodian hier:
https://www.blaetter.de/ausgabe/2024/januar/staat-ohne-macht
@AC2N @moritzboth @leobm @kielkontrovers Zumindest kann ich jetzt eine Verbindung zwischen Anarchie und Demokratie erkennen.
Ich nutze halt ungern den Begriff "Anarchie", weil ich das mit vollständiger Abwesenheit von einer wie auch immer gearteten Volksvertretung verstehe. Ich bin aber auch nicht tief drin in der Theorie.
Zurück zum Ausgangs-Tröt: Demokratie ist viel mehr, als gelegentlich ein (paar) Kreuze auf einen Wahlzettel zu machen. Aber ohne unabhängige Wahlen geht's auch nicht.
@realSiegfried @moritzboth @leobm @kielkontrovers
Keine Gesetze, das liefe dann politikwissenschaftlichen vermutlich unter Anomie.
Ich war am Montag beim Demokratie Forum Kommunalpolitik in Berlin. Die Abschlussveranstaltung, also die Einladung der ehrenamtlichen Bürgermeister von Steinmeier am Dienstagkann man sich auf YT anschauen, kann ich absolut empfehlen, wenn man die Situation der Kommunen und ihrer Vertreter besser verstehen möchte 🙂
Am Montag jedenfalls wurde mehr und kontroverser ..

@kielkontrovers @LordCaramac Nehmen wir zum Beispiel die #prüfDemos (oder irgendwelche Klimademos).
Es ist zwar beeindruckend, wie viele Menschen dort jedes Mal teilnehmen, aber eigentlich sind es traurigerweise immer noch viel zu wenige. Wo sind all die Menschen, die sonst ständig sagen, dass ihnen unsere Demokratie so wichtig ist? Wenn man immer nur sagt, dass es nichts bringt, dann wird sich tatsächlich auch nichts ändern.
Welche Möglichkeiten gibt es dann noch, um Demokratie gegen Verwaltung durchzusetzen? Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Klage zu #Radentscheid #Osnabrück abgewiesen: Wenn der Bürger keinen Druck machen darf, wer dann? https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/verwaltungsgericht-osnabrueck-weist-klage-zum-radentscheid-ab-50083065
@leobm Ich glaube eh nicht daran, daß wir eine Zivilisation mit diesem Maße an Komplexität noch lange aufrechterhalten können. Konzepte wie Eigentum, Geld, Markt versagen zusehends, werden dysfunktional. Es gibt genug Beispiele für Kulturen, die komplett ohne sowas wie Eigentum oder Handel klargekommen sind. Ich denke überhaupt nicht drüber nach, wie _diese_ Gesellschaft besser funktionieren könnte, weil diese Gesellschaft so komplett unnachhaltig ist, daß ihr kompletter Kollaps nur eine Frage der Zeit ist, und es gibt überhaupt keinen Grund, warum eine zukünftige Gesellschaft, die irgendwann von den Überlebenden des Kollaps auf den Ruinen der alten aufgebaut wird, irgendwas mit dieser hier zu tun haben sollte.
Es gibt seit etwa 14 000 Jahren komplexe Gesellschaften, die man als Zivilisation bezeichnen kann. Viele von den allerersten Zivilisationen funktionierten vermutlich ganz ohne sowas wie Staat, Autorität, Hierarchie, Herrschaft. Technologisch waren sie natürlich noch sehr simpel, und es gab kaum nennenswerte berufliche Spezialisierung, aber alle waren gleich, keiner war arm oder reich, alle hatten gleich große, gleich gut ausgestattete Wohnungen und aßen Nahrung in gleicher Menge und Qualität. Niemand war unterernährt. Krankheiten betrafen alle gleichermaßen. Es gibt keinen Grund, warum das in Zukunft nicht wieder gelingen sollte, nach dem eh längst unvermeidlichen Untergang des Industriezeitalters.
@LordCaramac Gab es denn belegte anarchistische Systeme, die funktioniert haben? Ich bin da nicht so bewandert.
Ich würde mich interessieren, wenn du eine Leseempfehlung hast.
@RequiemPhoenix
„Also erstmal, wie kannst du mehr als 500 Zeichen pro tröt benutzen?“
Das hat mit der Server-Konfiguration zu tun. Jeder Serverbetreiber kann selbst bestimmen wieviel Zeichen er zulässt.
@RequiemPhoenix @leobm Die Welt brennt so oder so. Das Industriezeitalter endet, weil wir (damit meine ich die gesamte Menschheit) es nicht geschafft haben, eine antikapitalistische ökosozialistische Weltrevolution und globale radikale Nachhaltigkeitswende einzuleiten, als noch Zeit dafür war; heute sind wir so tief im ökologischen Overshoot, daß es keine Frage mehr ist, ob unsere Zivilisation kollabiert, sondern nur wie der Kollaps verläuft, aufhalten wird den niemand mehr. All das war spätestens seit 1972, als Grenzen des Wachstums veröffentlicht wurde, absehbar; ebenso absehbar war, daß niemand es aufhalten würde, weil die einzige Lösung eine globale radikale Verhaltensänderung gewesen wäre, welche weder mit dem Kapitalismus noch mit dem Sozialismus sowjetischer oder chinesischer Prägung kompatibel gewesen wäre. Es gibt keine technische Lösung, gab nie eine, weil es kein technisches Problem ist, sondern ein Problem des Verhaltens der Menschheit als globales Kollektiv, und weil die Verhaltensmuster, die in allen modernen Gesellschaften als "normal" und wünschenswert gelten, absolut unnachhaltig sind und nicht fortgesetzt werden können. Die Lösung, hätte man sie umgesetzt, als noch Zeit dafür war, hätte letztlich in der Demontage der existierenden Kulturen und Gesellschaften und der Schaffung von neuen, radikal anderen, radikal nachhaltigen bestanden. Das Zeitfenster, in welchem so etwas theoretisch möglich gewesen wäre, ist schon lange geschlossen.
Wir müssen begreifen, daß wir nur Tiere sind wie alle anderen, große aufrechtgehende Nacktaffen, und daß wir ebenso Teil der Ökosysteme und von diesen auf Gedeih und Verderb abhängig sind wie alle anderen Tiere. Falls wir (Homo sapiens als Ganzes) es schaffen, nicht auszusterben, werden diejenigen, die den Kollaps überleben, dieses Bewußtsein wiedererlangt haben. Diverse Naturvölker haben es nie verloren, und diese warnen uns seit Jahrhunderten davor, daß unsere Zivilisation ein kolektiver Marsch in den Untergang ist, seit wir angefangen haben, ihre Lebensräume zu erobern und zu kolonisieren und ihre Kulturen zu zerstören. Naturvölker leben nicht nachhaltig, weil sie irgendwie bessere Menschen wären, sondern ganz einfach, weil diejenigen, die es nicht taten, gestorben sind. Und diejenigen von uns, die es nicht rechtzeitig begreifen, werden auch allesamt sterben.
musst du auch nicht verstehen, anarchie ist für höher entwickelte menschen.
laut definition im duden ist anarchie eine gesellschaftsform in der die menschen so weit entwickelt sind das sie polizei gerichte recht chefs staat etc nicht mehr brauchen weil keiner mehr gewalt anwendet und die regeln eines friedlichen miteinanders eingehalten werden weil sich jeder freiwillig daran hält.
nein, hierarchische instanzen ermöglichen erst das sich der stärkere durchsetzt.