@FrankREK1 @DieFurie Ich bin Anarchist, Demokratie ist mir nicht radikal genug. Ich will nicht wählen dürfen, wer mich regiert, ich will überhaupt nicht regiert werden. Daher wähle ich im Normalfalle keine Partei, die hinterher in der Regierung sitzt, sondern einfach eine möglichst linksradikale, um das bürgerliche System zu ärgern.
@LordCaramac Anarchie verstehe ich nicht bzw. was daran so toll sein soll. Vielleicht kannst du das kurz erklären?
Ohne Staat gibt es, keine zentrale Polizei, keine Gericht, kein verbindliches Recht. Wenn jemand Gewalt anwendet oder stiehlt, wer setzt Regeln durch? Ohne allgemein anerkannte Instanz könnte sich am Ende der Stärkere durchsetzen. In komplexen Gesellschaften braucht man doch, Infrastruktur (Straßen, Strom, Internet), Gesundheitswesen,

@LordCaramac Katastrophenschutz. Ohne verpflichtende Steuern stellt sich die Frage. Wer zahlt freiwillig genug, damit das System funktioniert. Für mich wäre eine Anarchistisches System eigentlich auch gar nicht links sondern eher extrem neo liberal.

Je kleiner und homogener eine Gruppe ist, desto eher kann vielleicht Selbstorganisation funktionieren. Je größer, vielfältiger und komplexer eine Gesellschaft wird, desto schwieriger wird meiner Meinung nach eine völlige Herrschaftslosigkeit.

@LordCaramac @LordCaramac Demokratie ist eher Machtkontrolle statt Machtkonzentration wenn sie funktioniert. Demokratie basiert auf dem Prinzip: Die Regierung erhält ihre Legitimität vom Volk.

Das bedeutet, Gesetze sind nicht einfach „von oben“ verordnet. Der Bürger haben ein Mitspracherecht. Regierungen müssen sich rechtfertigen usw. Moderne Demokratien verbinden Mehrheitsentscheidungen mit Grundrechten (z.B. Grundgesetz), unabhängigen Gerichten und

@LordCaramac Gewaltenteilung.

Sicher ist nicht alles perfekt, ich rege mich auch ständig auf, aber ich wüsste nicht, warum ich Anarchie vorziehen sollte. In der Fantasie mag das verlockend klingen, doch die Realität stelle ich mir nicht besonders schön vor.

@LordCaramac Wie bereits gesagt, im kleinen Rahmen mag so ein System vielleicht funktionieren. Aber man lebt ja nicht isoliert, sondern immer im globalen Kontext. Es gibt äußeren Druck und Einflüsse, zum Beispiel militärische Bedrohungen oder wirtschaftliche Abhängigkeiten. Wenn eine Gesellschaft selbst keine stabilen Macht- oder Verteidigungsstrukturen besitzt, stellt sich die Frage, ob sie unter solchen Bedingungen nicht zwangsläufig früher oder später scheitern muss?

@leobm Wir haben diesen Planeten bereits so übel beschädigt, daß es in 200 Jahren vermutlich gar nicht mehr genug Menschen geben wird, um genug Soldaten für einen ernsthaften Krieg zusammenzubekommen, und das Klima und die Biosphäre werden vermutlich so instabil sein, daß die meisten dann noch lebenden Menschen als Nomaden durch die Gegend ziehen. Der ganze Scheiß, den wir hier in den letzten paar Jahrtausenden aufgebaut haben, kollabiert, weil wir in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten durch unsere Industrien die ökologischen Grundlagen jeglicher Zivilisation übelst unterminiert haben, so daß diese nun rapide wegbröseln. Was bleibt, sind erst einmal für die nächsten zigtausend Jahre nur simple Post-Kollaps-Stämme, die irgendwie überleben, bis irgendwann die Biosphäre wieder halbwegs stabil ist und das Klima eine neue metastabile Konfiguration gefunden hat.

Und im Kollaps, welcher die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte bestimmen wird, ist es sinnvoller, Dinge zu tun, die gerade anstehen, als irgendwen um Erlaubnis zu fragen. Legal, illegal, scheißegal, es geht zunehmend ums nackte Überleben. Viele werden es nicht schaffen, aber je mehr Menschen einfach auf die Regeln scheißen und das Richtige tun, auch wenn es verboten ist, desto mehr werden überleben. Was das Richtige ist, kann man natürlich in vielen Fällen erst hinterher sagen, aber man kann doch eindeutig sehen, daß etliche Verhaltensweisen, die in dieser Zivilisation normal sind und von der bürgerlichen Bevölkerung erwartet werden, absolut unnachhaltig sind und weiter in die falsche Richtung führen. Beispielsweise müßte das Wirtschaftswachstum eigentlich schnellstmöglich beendet werden und in eine Gesundschrumpfung überführt bei gleichzeitigem radikalem Umbau aller Prozesse und Methoden im Hinblick auf Nachhaltigkeit, denn wir haben die globalen ökologischen Wachstumsgrenzen schon lange überschritten, die Weltwirtschaft kann nicht einmal ansatzweise ihre bestehende Größe halten, Nachhaltigkeit wäre nur mit weniger als der Hälfte möglich, gemessen in den einzig sinnvollen Maßstäben wie Leistung in Watt und Materialumsatz in Tonnen pro Sekunde. Wir müssen weniger Rohstoffe extrahieren und raffinieren, weniger Güter produzieren und transportieren, weniger arbeiten, weniger konsumieren, weniger entsorgen. All das geht überhaupt gar nicht innerhalb des bestehenden Systems, also muß das System untergehen.

@LordCaramac @leobm Und wie hilft da Anarchie?

@leobm @LordCaramac

wenn man keine ahnung hat einfach mal fresse halten

@ElGrossKotzo Du gehörst anscheinend auch nicht zu den „höher entwickelten Menschen”, von denen du gesprochen hast. 🤔

🤣
#blockempfehlung

@leobm @LordCaramac
Bin da vollkommen bei dir. Vor allem braucht Demokratie auch Demokraten, die sich engagieren und die Demokratie mit Leben füllen und dadurch wehrhaft machen.
@leobm @LordCaramac Hast du das Gefühl unsere Demokratie funktioniert? Ich denke hier auch eher in der Theorie ja, in der Praxis bestimmt die Öllobby und Autolobby unsere Politik und nicht die Mehrheit der Bevölkerung.
@kielkontrovers @LordCaramac Aktuell sehe ich auch viele Schwächen in unserer Demokratie. Trotzdem gibt es zahlreiche positive Beispiele, bei denen immer wieder Fortschritte und Erfolge erzielt werden, zum Beispiel durch unabhängige Gerichte, engagierte Politiker, NGOs oder kritischen Journalismus. Natürlich kann es momentan deprimierend sein, wenn man die Nachrichten verfolgt. Aber einfach aufzugeben ist keine wirkliche Option.
@kielkontrovers @LordCaramac Ohne Demokratie und ohne einen funktionierenden Rechtsstaat würde man erst recht nichts erreichen. Demokratie bedeutet eben auch, dass alle Menschen wählen dürfen, auch diejenigen, deren Entscheidungen man selbst vielleicht für falsch hält. Aber welche Alternative gäbe es sonst?
@kielkontrovers @LordCaramac Die Vorstellung einer vollkommen gerechten Gesellschaft, wie sie manchmal in politischen Utopien gezeichnet wird, wird es vermutlich nie geben. Es wird immer Menschen geben, die mehr Macht oder mehr Vermögen anstreben und bereit sind, dafür auch unfaire Mittel einzusetzen. Gerade deshalb braucht es Institutionen, die Macht begrenzen und kontrollieren.
@kielkontrovers @LordCaramac In der Geschichte hat sich gezeigt, dass demokratische Systeme trotz aller Fehler dafür immer noch am besten funktionieren.
@kielkontrovers In einem anarchistischen System gibt es nach der Theorie keine zentrale Macht wie einen Staat, eine Regierung oder eine herrschende Elite, wenn ich das richtig verstehe. Ich frage mich aber, ob das langfristig funktionieren kann. Es scheint doch immer Menschen zu geben, die mehr Einfluss oder Macht anstreben als andere. Ist dieses Streben nach Status und Macht nicht zumindest

@kielkontrovers teilweise in unserer Biologie/Sozialverhalten angelegt? Es dient wahrscheinlich auch dazu, eine Gruppe zusammenzuhalten und sie gegen äußere Feinde zu schützen usw.

Deshalb halte ich vollkommen gerechte Systeme nur für eine schöne Utopie.

@leobm @kielkontrovers Die Annahme, dass der Mensch von Natur aus gut sei, ist meines Erachtens falsch. (Hier irrte Rousseau und alle Theoretiker, die auf seinem Postulat aufbauen.) Sind wir mal ehrlich – Wir Menschen sind alle mehr oder weniger Egoisten! Demokratie hilft, diesen allgemeinen Egoismus zu regeln.
@realSiegfried @leobm @kielkontrovers Dazu habe ich gerade das mir die Augen öffnende Buch "Im Grunde Gut" von Rudger Bergmann gelesen. Menschen *sind* von Natur aus gut, nur Macht korrumpiert sie. Das Buch enthält endlos viele Beispiele dafür und auch Widerlegungen gängiger Annahmen über die egoistische Natur des Menschen
@moritzboth @leobm @kielkontrovers Echt, da gibt es endlos viele Beispiele? Nun denn. Nennt das Buch auch Wege, wie wir dahin kommen, ohne Macht groß zu werden?
@realSiegfried
Ja, Ansätze und Beispiele.
@leobm @kielkontrovers

@moritzboth @leobm @kielkontrovers Gibt es denn erfolgreiche Versuche, das auch mal auszuprobieren, oder bleibt es bei gut gemeinter Theorie? Ich will gar nicht auf meine Aussage beharren. Ich kenne halt keine Belege, dass es anders gehen könnte.

Ich erinnere mich an die "antiautoritäre Erziehung" und freie Sexualität im Kindergarten, was in den 1970ern ausprobiert wurde, später aber nicht als Erfolg gedeutet wurde.

@realSiegfried @moritzboth @leobm Die Frage ist ja: Was FUNKIONIERT? Mein Eindruck ist, der Kapitalismus läuft ja auch nicht gut. Also sprich der Kapitalismus IST die Krise. Wir steuern ja gerade auf den Zusammenbruch der nächsten Bubble zu. Und dann darf wieder der Staat eingreifen. Das ist ja eher die Notbremse als Normalzustand.

@kielkontrovers
Aus der Sicht erfolgreicher Kapitalisten läuft es gerade superprima mit dem #Kapitalismus, insbesondere wenn für's Verzocken auch noch die Staaten mit Steuergeldern aufkommen.

Rechtsstaatliche #Demokratien sind in der Krise durch den Kapitalismus bzw. genauer gesagt durch die erfolgreich agierenden Kapitalisten.

Bei Interesse gibt es hierzu ein aufschlußreiches Buch, warum Kapitalismus die Demokratie nicht braucht und sie nur so lange duldet, bis sie nicht mehr bequem für sie ist:
https://www.suhrkamp.de/ebook/quinn-slobodian-kapitalismus-ohne-demokratie-t-9783518777534

Kürzer zusammengefasst vom Autor Quinn #Slobodian hier:
https://www.blaetter.de/ausgabe/2024/januar/staat-ohne-macht

@realSiegfried @moritzboth @leobm

Kapitalismus ohne Demokratie. eBook von Quinn Slobodian (Suhrkamp Verlag)

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Suhrkamp Verlag
@realSiegfried @moritzboth @leobm Aksi Russeau war ja kein Anarchichst und zudem würde ich sagen "von Narur aus gut" ist eher die Sichtweise des klassischen Anarchismus Richtung Kropotkin. WIr leben ja aber 2026 und ich denke da passt Postanarchismus und Poststruklturalismus besser ala Todd May oder Foucault.
@moritzboth @realSiegfried @leobm @kielkontrovers
Wo ist denn der Widerspruch zwischen Anarchie und Demokratie?
Keine Sorge, Staat habe ich verstanden, im Grunde gut habe ich gelesen, Lobbyismus und unproduktive Grabenkämpfe auf Bundes-/Landesebene sind ein echtes Übel.
Zur Demokratie möchte ich anmerken, dass seit Platon|Aristoteles ein Missverständnis besteht, was Wahlen & Losen anbelangt.
@moritzboth @realSiegfried @leobm @kielkontrovers
Bin eher der Ansicht, dass Demokratie im Kern eine Institutionalisierung von Anarchismus darstellt.
Würde mich freuen, wenn ihr mich vom Gegenteil überzeugt 🙂

@AC2N @moritzboth @leobm @kielkontrovers Zumindest kann ich jetzt eine Verbindung zwischen Anarchie und Demokratie erkennen.
Ich nutze halt ungern den Begriff "Anarchie", weil ich das mit vollständiger Abwesenheit von einer wie auch immer gearteten Volksvertretung verstehe. Ich bin aber auch nicht tief drin in der Theorie.

Zurück zum Ausgangs-Tröt: Demokratie ist viel mehr, als gelegentlich ein (paar) Kreuze auf einen Wahlzettel zu machen. Aber ohne unabhängige Wahlen geht's auch nicht.

@realSiegfried @moritzboth @leobm @kielkontrovers
Keine Gesetze, das liefe dann politikwissenschaftlichen vermutlich unter Anomie.

Ich war am Montag beim Demokratie Forum Kommunalpolitik in Berlin. Die Abschlussveranstaltung, also die Einladung der ehrenamtlichen Bürgermeister von Steinmeier am Dienstagkann man sich auf YT anschauen, kann ich absolut empfehlen, wenn man die Situation der Kommunen und ihrer Vertreter besser verstehen möchte 🙂
Am Montag jedenfalls wurde mehr und kontroverser ..

@realSiegfried @moritzboth @leobm @kielkontrovers
.. diskutiert.
Themen waren neben der Nichtbeachtung des Konnexitätsprinzips, politischen Nachwuchssorgen, Polarisierung, Parteienverdruss auch sehr deutlich der Wunsch nach Stärkung von Begegnungsräumen, einer "Agora", mehr Partizipation und auch danach, die vorhandenen Instrumente hierfür zu überdenken.
@realSiegfried @moritzboth @leobm @kielkontrovers
Passt es, wenn ich das als den Wunsch nach mehr Präsenz zusammenfasse?
Ach ja, und Bürokratie-Abbau.
Ist das nicht der Punkt, an dem die anarchistische Wurzel wieder erkennbar wird?
Alles aus Notwendigkeiten heraus und sehr pragmatisch gedacht.
Und die Bürgermeister in Deutschland sind bestimmt die letzten, die etwas gegen unseren Staat sagen würden.
@realSiegfried @moritzboth @leobm @kielkontrovers
Also ja, bin bei Dir, nur Kreuze machen wird auf Dauer nicht ausreichen.
Ich kann aber durchaus verstehen, wenn man mit Blick auf die Bundespolitik Zweifel hat.
Anders als Jörg Baberowski bin ich der Ansicht, dass man auch auf Bundesebene problemlos Präsenzdemokratie erfolgreich organisieren kann.
Trotzdem möchte ich an dieser Stelle ein Interview mit ihm empfehlen
https://m.youtube.com/watch?v=zQkzpb4yEoA
Historiker Baberowski: Populismus und Rebellion beleben unser System

YouTube
@AC2N @moritzboth @leobm @kielkontrovers Bei uns stehen Kommunalwahlen an, in BW Landtagswahlen. Da besteht erhöhte Möglichkeit, auf politische Entscheidungen vor Ort Einfluss zu nehmen. Daher halte ich diese Wahlen auch für besonders demokratisch.
Zudem können wir in Hessen einzelne Kandidat*innen auf dem Wahlzettel besonders pushen und andere sogar streichen. Und das parteiübergreifend. Es wird am Ende also nicht einfach eine Liste runtergezählt.
@realSiegfried @moritzboth @leobm @kielkontrovers
Sorry, ja, Anarchismus, nicht Anarchie. Bin zugegebenermaßen auch kein Politikwissenschaftler, sondern interessierer Laie. Mein Fehler.
@leobm @kielkontrovers @LordCaramac Ich sehe genug Schwächen in unserer gelebten Demokratie. Dennoch ist sie die beste Gesellschaftsordnung, die ich kenne, um den Egoismus irgendwie zu regeln.
@kielkontrovers @LordCaramac
Die Mehrheit wählt aktuell jedoch Parteien, deren Politik genau diese sogenannte fossile Gesellschaft weiter unterstützt. Wo siehst du denn bitte eine Mehrheit auf unserer Seite? Was man eher kritisieren könnte, ist, dass die „Waffen“ in diesem politischen und gesellschaftlichen Kampf sehr ungleich verteilt sind. Wenn ich dann noch lese, dass Politiker sogar die ohnehin schon begrenzten Möglichkeiten von
@kielkontrovers @LordCaramac NGOs, zum Beispiel das Klagerechte, weiter einschränken wollen, könnte ich auch wirklich nur noch den Kopf schütteln.
@kielkontrovers @LordCaramac Ich sehe im Grunde nur eine Möglichkeit: Wir müssen alle unseren Hintern hochbekommen und auf die Straße gehen. Demonstrieren ist ein Grundrecht in einer Demokratie, aber meiner Meinung nach wird es immer noch zu wenig genutzt, gerade in Deutschland.

@kielkontrovers @LordCaramac Nehmen wir zum Beispiel die #prüfDemos (oder irgendwelche Klimademos).

Es ist zwar beeindruckend, wie viele Menschen dort jedes Mal teilnehmen, aber eigentlich sind es traurigerweise immer noch viel zu wenige. Wo sind all die Menschen, die sonst ständig sagen, dass ihnen unsere Demokratie so wichtig ist? Wenn man immer nur sagt, dass es nichts bringt, dann wird sich tatsächlich auch nichts ändern.

@leobm dass Bürger:innen ein Mitspracherecht haben oder gar eine "Legitimation" ausstellen, ist eine recht naive Wunschvorstellung.
Erst vorgestern hat ein Gericht sehr deutlich gemacht, dass das definitiv nicht der Fall ist. :-\
https://norden.social/@thijs_lucas/116160933029145205 @LordCaramac
Thijs Lucas (@[email protected])

Welche Möglichkeiten gibt es dann noch, um Demokratie gegen Verwaltung durchzusetzen? Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Klage zu #Radentscheid #Osnabrück abgewiesen: Wenn der Bürger keinen Druck machen darf, wer dann? https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/verwaltungsgericht-osnabrueck-weist-klage-zum-radentscheid-ab-50083065

norden.social
@x_tof Demokratien können zwar schlechte Entscheidungen treffen, diese aber auch korrigieren. In autoritären Systemen ist das nicht unbedingt möglich. Und ich habe ja gesagt, dass unser System nicht perfekt ist, aber immer noch das Beste ist, was wir haben.
@leobm @LordCaramac Frau Reiche wurde von einer kleinen Elite gewählt deren Interessen zu vertreten. Die Demokratie legitimierte jede Art von Politik ohne Einbindung der Bevölkerung. Egal wen du wählst, die Politik ändert sich nicht im Wesentlichen.

@leobm Ich glaube eh nicht daran, daß wir eine Zivilisation mit diesem Maße an Komplexität noch lange aufrechterhalten können. Konzepte wie Eigentum, Geld, Markt versagen zusehends, werden dysfunktional. Es gibt genug Beispiele für Kulturen, die komplett ohne sowas wie Eigentum oder Handel klargekommen sind. Ich denke überhaupt nicht drüber nach, wie _diese_ Gesellschaft besser funktionieren könnte, weil diese Gesellschaft so komplett unnachhaltig ist, daß ihr kompletter Kollaps nur eine Frage der Zeit ist, und es gibt überhaupt keinen Grund, warum eine zukünftige Gesellschaft, die irgendwann von den Überlebenden des Kollaps auf den Ruinen der alten aufgebaut wird, irgendwas mit dieser hier zu tun haben sollte.

Es gibt seit etwa 14 000 Jahren komplexe Gesellschaften, die man als Zivilisation bezeichnen kann. Viele von den allerersten Zivilisationen funktionierten vermutlich ganz ohne sowas wie Staat, Autorität, Hierarchie, Herrschaft. Technologisch waren sie natürlich noch sehr simpel, und es gab kaum nennenswerte berufliche Spezialisierung, aber alle waren gleich, keiner war arm oder reich, alle hatten gleich große, gleich gut ausgestattete Wohnungen und aßen Nahrung in gleicher Menge und Qualität. Niemand war unterernährt. Krankheiten betrafen alle gleichermaßen. Es gibt keinen Grund, warum das in Zukunft nicht wieder gelingen sollte, nach dem eh längst unvermeidlichen Untergang des Industriezeitalters.

@LordCaramac Gab es denn belegte anarchistische Systeme, die funktioniert haben? Ich bin da nicht so bewandert.

Ich würde mich interessieren, wenn du eine Leseempfehlung hast.

@leobm Lies mal Texte von Anthropologen, da siehst du Beispiele für funktionierende anarchistische Gesellschaften, die seit zehntausend Jahren oder länger bestehen, auf abgelegenen Inseln oder mitten im südamerikanischen Regenwald. Komplexe Zivilisation ist nur eine vorübergehende Erscheinung, die ermöglicht wurde durch die ungewöhnlich stabilen und geordneten Zustände im Holozän, aber mit den unerwünschten Nebenwirkungen unserer Technologie haben wir das Holozän destabilisiert und sehen dessen Ende entgegen. Falls die Spezies Homo sapiens überlebt, werden zukünftige Gesellschaften vermutlich wieder ähnlich aussehen wie in der Steinzeit, nur technologisch auf Eisenzeitniveau, solange es noch irgendwo alten Industrieschrott gibt, den man umschmieden kann. Da schickt der Stamm dann gelegentlich Gruppen von abenteuerlustigen jungen Leuten in die alten Betonruinen, um Bewehrungseisen aus dem Stahlbeton zu klopfen, die man dann zu Werkzeugen umschmieden kann.
@leobm Ein guter Startpunkt ist dabei immer David Graeber.
@LordCaramac @leobm
Also erstmal, wie kannst du mehr als 500 Zeichen pro tröt benutzen?
Nun zurück zum Thema, also willst du lieber die Welt brennen sehen weil du es aufgegeben hast zu versuchen sie zu retten?
Primitiv aber wirksam.
Konstruktiver fände ich es allerdings wenn man versuchen würde genau die von dir so treffend formulierten Probleme und soll Zustände für eine bessere Welt anzugehen und einen lösungsweg zu entwickeln. Das ist natürlich deutlich schwerer und frustrierender.

@RequiemPhoenix
„Also erstmal, wie kannst du mehr als 500 Zeichen pro tröt benutzen?“

Das hat mit der Server-Konfiguration zu tun. Jeder Serverbetreiber kann selbst bestimmen wieviel Zeichen er zulässt.

@RequiemPhoenix @leobm Die Welt brennt so oder so. Das Industriezeitalter endet, weil wir (damit meine ich die gesamte Menschheit) es nicht geschafft haben, eine antikapitalistische ökosozialistische Weltrevolution und globale radikale Nachhaltigkeitswende einzuleiten, als noch Zeit dafür war; heute sind wir so tief im ökologischen Overshoot, daß es keine Frage mehr ist, ob unsere Zivilisation kollabiert, sondern nur wie der Kollaps verläuft, aufhalten wird den niemand mehr. All das war spätestens seit 1972, als Grenzen des Wachstums veröffentlicht wurde, absehbar; ebenso absehbar war, daß niemand es aufhalten würde, weil die einzige Lösung eine globale radikale Verhaltensänderung gewesen wäre, welche weder mit dem Kapitalismus noch mit dem Sozialismus sowjetischer oder chinesischer Prägung kompatibel gewesen wäre. Es gibt keine technische Lösung, gab nie eine, weil es kein technisches Problem ist, sondern ein Problem des Verhaltens der Menschheit als globales Kollektiv, und weil die Verhaltensmuster, die in allen modernen Gesellschaften als "normal" und wünschenswert gelten, absolut unnachhaltig sind und nicht fortgesetzt werden können. Die Lösung, hätte man sie umgesetzt, als noch Zeit dafür war, hätte letztlich in der Demontage der existierenden Kulturen und Gesellschaften und der Schaffung von neuen, radikal anderen, radikal nachhaltigen bestanden. Das Zeitfenster, in welchem so etwas theoretisch möglich gewesen wäre, ist schon lange geschlossen.

Wir müssen begreifen, daß wir nur Tiere sind wie alle anderen, große aufrechtgehende Nacktaffen, und daß wir ebenso Teil der Ökosysteme und von diesen auf Gedeih und Verderb abhängig sind wie alle anderen Tiere. Falls wir (Homo sapiens als Ganzes) es schaffen, nicht auszusterben, werden diejenigen, die den Kollaps überleben, dieses Bewußtsein wiedererlangt haben. Diverse Naturvölker haben es nie verloren, und diese warnen uns seit Jahrhunderten davor, daß unsere Zivilisation ein kolektiver Marsch in den Untergang ist, seit wir angefangen haben, ihre Lebensräume zu erobern und zu kolonisieren und ihre Kulturen zu zerstören. Naturvölker leben nicht nachhaltig, weil sie irgendwie bessere Menschen wären, sondern ganz einfach, weil diejenigen, die es nicht taten, gestorben sind. Und diejenigen von uns, die es nicht rechtzeitig begreifen, werden auch allesamt sterben.

@LordCaramac @leobm
Also die Kurzform wenn ich so frech sein darf, ja, Mensch kacke und doof (außer Naturvölker), keine Möglichkeit zur Rettung also alles egal, vlt überlebt ja wer/was. Passt das?
Destruktiv.
Mag was dran sein, gefällt mir persönlich aber nicht diese Sichtweise, fühlt sich falsch und nach der Verantwortung für kommende Generationen entziehen an.

Aber vlt stehen wir (Menschheit) gerade direkt vor dem großen Filter.
Und ich bin kindlich dumm naiv.
@RequiemPhoenix @leobm Als ich das erste Mal vom großen Filter gelesen habe, habe ich direkt gedacht: Das Industriezeitalter ist der große Filter. Sobald irgendeine intelligente Spezies eine industrielle Revolution erlebt, tickt die Uhr, und die allermeisten zerstören sich selbst durch die unerwünschten ökologischen Nebenwirkungen ihrer Technologie; diejenigen, die es nicht tun und eine Nachhaltigkeitswende schaffen, kommen trotzdem nicht mehr von ihrem Planeten runter, weil sie einfach keine Notwendigkeit dafür haben, weil sie es schaffen, innerhalb ihrer planetaren Grenzen zu existieren.
@LordCaramac @leobm
Letzteres halte ich beim Menschen für unwahrscheinlich, dafür ist er viel zu getrieben von Gier (inkludiert auch Neugier). Der Mensch hat seit Anbeginn den drang gehabt neues zu entdecken, räumlich, gedanklich, handlich.
Wahrscheinlicher halte ich, über kurz oder lang wird die Menschheit entweder aussterben oder zu einer Typ 1 bis 1,x Zivilisation werden.
Das naive optimistische kind in mir hofft auf letzteres.
Der Umweltfreund und Schützer der Natur auf ersteres.
@RequiemPhoenix @leobm Wir werden es nicht schaffen. Wir haben den Großteil der fossilen Ressourcen verballert, und alle Zivilisationen, die nach der hier kommen, falls es noch welche gibt, werden mit hart gedeckelten knappen Ressourcen arbeiten müssen, Raumfahrt ist da nicht mehr drin. Wobei aller Wahrscheinlichkeit nach das Raumfahrtzeitalter eh bald vorbei ist, weil die ganzen Kommerzsatellitenbetreiber, allen voran SpaceX, derartige Mengen an Satelliten hochschießen, daß irgendwann in nicht ferner Zukunft das Kessler-Syndrom den Erdorbit in eine unpassierbare Schrottwolke verwandeln wird.
@RequiemPhoenix @leobm Und es haben immer wieder menschliche Gemeinschaften geschafft, innerhalb der Grenzen relativ kleiner Lebensräume über lange Zeit nachhaltig zu leben. Allerdings läuft das typischerweise so ab, daß erst Menschen dort ankommen, dann innerhalb weniger Jahrhunderte die örtliche Ökologie destabilisieren, dann massenweise sterben, und die Überlebenden kriegen es dann hin, auf die harte Tour, und lernen, wie man durch vorsichtige Eingriffe in die Landschaft die Produktivität der Ökosysteme steigert und ihnen gleichzeitig bei der Regeneration hilft. Das alles natürlich oft verpackt in Mythologie und Ritual.
@RequiemPhoenix @leobm Wir sind aufrechtgehende geschichtenerzählende Nacktaffen mit großen Mutantengehirnen. Das Geschichtenerzählen ist unser Alleinstellungsmerkmal im Tierreich, Stärke und Schwäche zugleich. Es ist eine Stärke, weil wir durch das Geschichtenerzählen Informationen über lange Zeit hinweg konservieren und über viele Generationen überliefern können, was uns eine kulturelle Evolution beschert, die weit schneller ist als die biologische. Es ist eine Schwäche, weil wir dazu neigen, oft gehörten Narrativen mehr Glauben schenken als der unmittelbaren Erfahrung, und weil wir so auch sehr realitätsferne und dysfunktionale Glaubenssysteme entwickeln. Der Glaube an das Narrativ vom unbesiegbaren technologischen Fortschritt ist so ein dysfunktionaler Aberglaube, mit dem wir uns selbst daran hindern, die gewaltige ökologische Gefahr, in der wir kollektiv stecken, wirklich zu begreifen.
@RequiemPhoenix @LordCaramac @leobm
Gut, einfache Sprache, versteht jeder, sogar ich.
Die Welt ist und war schon immer schön, ja und wir Menschen sind Kacke, aber einige von uns haben gelernt das sie überleben können wenn wir Menschen zusammenarbeiten. Andere wollen lieber führen, das dürfen sie auch, bis wir Viele beschließen es reicht.

@leobm @LordCaramac

musst du auch nicht verstehen, anarchie ist für höher entwickelte menschen.
laut definition im duden ist anarchie eine gesellschaftsform in der die menschen so weit entwickelt sind das sie polizei gerichte recht chefs staat etc nicht mehr brauchen weil keiner mehr gewalt anwendet und die regeln eines friedlichen miteinanders eingehalten werden weil sich jeder freiwillig daran hält.

nein, hierarchische instanzen ermöglichen erst das sich der stärkere durchsetzt.