@LordCaramac Katastrophenschutz. Ohne verpflichtende Steuern stellt sich die Frage. Wer zahlt freiwillig genug, damit das System funktioniert. Für mich wäre eine Anarchistisches System eigentlich auch gar nicht links sondern eher extrem neo liberal.
Je kleiner und homogener eine Gruppe ist, desto eher kann vielleicht Selbstorganisation funktionieren. Je größer, vielfältiger und komplexer eine Gesellschaft wird, desto schwieriger wird meiner Meinung nach eine völlige Herrschaftslosigkeit.
@leobm Ich glaube eh nicht daran, daß wir eine Zivilisation mit diesem Maße an Komplexität noch lange aufrechterhalten können. Konzepte wie Eigentum, Geld, Markt versagen zusehends, werden dysfunktional. Es gibt genug Beispiele für Kulturen, die komplett ohne sowas wie Eigentum oder Handel klargekommen sind. Ich denke überhaupt nicht drüber nach, wie _diese_ Gesellschaft besser funktionieren könnte, weil diese Gesellschaft so komplett unnachhaltig ist, daß ihr kompletter Kollaps nur eine Frage der Zeit ist, und es gibt überhaupt keinen Grund, warum eine zukünftige Gesellschaft, die irgendwann von den Überlebenden des Kollaps auf den Ruinen der alten aufgebaut wird, irgendwas mit dieser hier zu tun haben sollte.
Es gibt seit etwa 14 000 Jahren komplexe Gesellschaften, die man als Zivilisation bezeichnen kann. Viele von den allerersten Zivilisationen funktionierten vermutlich ganz ohne sowas wie Staat, Autorität, Hierarchie, Herrschaft. Technologisch waren sie natürlich noch sehr simpel, und es gab kaum nennenswerte berufliche Spezialisierung, aber alle waren gleich, keiner war arm oder reich, alle hatten gleich große, gleich gut ausgestattete Wohnungen und aßen Nahrung in gleicher Menge und Qualität. Niemand war unterernährt. Krankheiten betrafen alle gleichermaßen. Es gibt keinen Grund, warum das in Zukunft nicht wieder gelingen sollte, nach dem eh längst unvermeidlichen Untergang des Industriezeitalters.
@LordCaramac Gab es denn belegte anarchistische Systeme, die funktioniert haben? Ich bin da nicht so bewandert.
Ich würde mich interessieren, wenn du eine Leseempfehlung hast.
@RequiemPhoenix @leobm Die Welt brennt so oder so. Das Industriezeitalter endet, weil wir (damit meine ich die gesamte Menschheit) es nicht geschafft haben, eine antikapitalistische ökosozialistische Weltrevolution und globale radikale Nachhaltigkeitswende einzuleiten, als noch Zeit dafür war; heute sind wir so tief im ökologischen Overshoot, daß es keine Frage mehr ist, ob unsere Zivilisation kollabiert, sondern nur wie der Kollaps verläuft, aufhalten wird den niemand mehr. All das war spätestens seit 1972, als Grenzen des Wachstums veröffentlicht wurde, absehbar; ebenso absehbar war, daß niemand es aufhalten würde, weil die einzige Lösung eine globale radikale Verhaltensänderung gewesen wäre, welche weder mit dem Kapitalismus noch mit dem Sozialismus sowjetischer oder chinesischer Prägung kompatibel gewesen wäre. Es gibt keine technische Lösung, gab nie eine, weil es kein technisches Problem ist, sondern ein Problem des Verhaltens der Menschheit als globales Kollektiv, und weil die Verhaltensmuster, die in allen modernen Gesellschaften als "normal" und wünschenswert gelten, absolut unnachhaltig sind und nicht fortgesetzt werden können. Die Lösung, hätte man sie umgesetzt, als noch Zeit dafür war, hätte letztlich in der Demontage der existierenden Kulturen und Gesellschaften und der Schaffung von neuen, radikal anderen, radikal nachhaltigen bestanden. Das Zeitfenster, in welchem so etwas theoretisch möglich gewesen wäre, ist schon lange geschlossen.
Wir müssen begreifen, daß wir nur Tiere sind wie alle anderen, große aufrechtgehende Nacktaffen, und daß wir ebenso Teil der Ökosysteme und von diesen auf Gedeih und Verderb abhängig sind wie alle anderen Tiere. Falls wir (Homo sapiens als Ganzes) es schaffen, nicht auszusterben, werden diejenigen, die den Kollaps überleben, dieses Bewußtsein wiedererlangt haben. Diverse Naturvölker haben es nie verloren, und diese warnen uns seit Jahrhunderten davor, daß unsere Zivilisation ein kolektiver Marsch in den Untergang ist, seit wir angefangen haben, ihre Lebensräume zu erobern und zu kolonisieren und ihre Kulturen zu zerstören. Naturvölker leben nicht nachhaltig, weil sie irgendwie bessere Menschen wären, sondern ganz einfach, weil diejenigen, die es nicht taten, gestorben sind. Und diejenigen von uns, die es nicht rechtzeitig begreifen, werden auch allesamt sterben.