@FrankREK1 @DieFurie Ich bin Anarchist, Demokratie ist mir nicht radikal genug. Ich will nicht wählen dürfen, wer mich regiert, ich will überhaupt nicht regiert werden. Daher wähle ich im Normalfalle keine Partei, die hinterher in der Regierung sitzt, sondern einfach eine möglichst linksradikale, um das bürgerliche System zu ärgern.
@LordCaramac Anarchie verstehe ich nicht bzw. was daran so toll sein soll. Vielleicht kannst du das kurz erklären?
Ohne Staat gibt es, keine zentrale Polizei, keine Gericht, kein verbindliches Recht. Wenn jemand Gewalt anwendet oder stiehlt, wer setzt Regeln durch? Ohne allgemein anerkannte Instanz könnte sich am Ende der Stärkere durchsetzen. In komplexen Gesellschaften braucht man doch, Infrastruktur (Straßen, Strom, Internet), Gesundheitswesen,

@LordCaramac Katastrophenschutz. Ohne verpflichtende Steuern stellt sich die Frage. Wer zahlt freiwillig genug, damit das System funktioniert. Für mich wäre eine Anarchistisches System eigentlich auch gar nicht links sondern eher extrem neo liberal.

Je kleiner und homogener eine Gruppe ist, desto eher kann vielleicht Selbstorganisation funktionieren. Je größer, vielfältiger und komplexer eine Gesellschaft wird, desto schwieriger wird meiner Meinung nach eine völlige Herrschaftslosigkeit.

@LordCaramac @LordCaramac Demokratie ist eher Machtkontrolle statt Machtkonzentration wenn sie funktioniert. Demokratie basiert auf dem Prinzip: Die Regierung erhält ihre Legitimität vom Volk.

Das bedeutet, Gesetze sind nicht einfach „von oben“ verordnet. Der Bürger haben ein Mitspracherecht. Regierungen müssen sich rechtfertigen usw. Moderne Demokratien verbinden Mehrheitsentscheidungen mit Grundrechten (z.B. Grundgesetz), unabhängigen Gerichten und

@LordCaramac Gewaltenteilung.

Sicher ist nicht alles perfekt, ich rege mich auch ständig auf, aber ich wüsste nicht, warum ich Anarchie vorziehen sollte. In der Fantasie mag das verlockend klingen, doch die Realität stelle ich mir nicht besonders schön vor.

@LordCaramac Wie bereits gesagt, im kleinen Rahmen mag so ein System vielleicht funktionieren. Aber man lebt ja nicht isoliert, sondern immer im globalen Kontext. Es gibt äußeren Druck und Einflüsse, zum Beispiel militärische Bedrohungen oder wirtschaftliche Abhängigkeiten. Wenn eine Gesellschaft selbst keine stabilen Macht- oder Verteidigungsstrukturen besitzt, stellt sich die Frage, ob sie unter solchen Bedingungen nicht zwangsläufig früher oder später scheitern muss?

@leobm Wir haben diesen Planeten bereits so übel beschädigt, daß es in 200 Jahren vermutlich gar nicht mehr genug Menschen geben wird, um genug Soldaten für einen ernsthaften Krieg zusammenzubekommen, und das Klima und die Biosphäre werden vermutlich so instabil sein, daß die meisten dann noch lebenden Menschen als Nomaden durch die Gegend ziehen. Der ganze Scheiß, den wir hier in den letzten paar Jahrtausenden aufgebaut haben, kollabiert, weil wir in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten durch unsere Industrien die ökologischen Grundlagen jeglicher Zivilisation übelst unterminiert haben, so daß diese nun rapide wegbröseln. Was bleibt, sind erst einmal für die nächsten zigtausend Jahre nur simple Post-Kollaps-Stämme, die irgendwie überleben, bis irgendwann die Biosphäre wieder halbwegs stabil ist und das Klima eine neue metastabile Konfiguration gefunden hat.

Und im Kollaps, welcher die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte bestimmen wird, ist es sinnvoller, Dinge zu tun, die gerade anstehen, als irgendwen um Erlaubnis zu fragen. Legal, illegal, scheißegal, es geht zunehmend ums nackte Überleben. Viele werden es nicht schaffen, aber je mehr Menschen einfach auf die Regeln scheißen und das Richtige tun, auch wenn es verboten ist, desto mehr werden überleben. Was das Richtige ist, kann man natürlich in vielen Fällen erst hinterher sagen, aber man kann doch eindeutig sehen, daß etliche Verhaltensweisen, die in dieser Zivilisation normal sind und von der bürgerlichen Bevölkerung erwartet werden, absolut unnachhaltig sind und weiter in die falsche Richtung führen. Beispielsweise müßte das Wirtschaftswachstum eigentlich schnellstmöglich beendet werden und in eine Gesundschrumpfung überführt bei gleichzeitigem radikalem Umbau aller Prozesse und Methoden im Hinblick auf Nachhaltigkeit, denn wir haben die globalen ökologischen Wachstumsgrenzen schon lange überschritten, die Weltwirtschaft kann nicht einmal ansatzweise ihre bestehende Größe halten, Nachhaltigkeit wäre nur mit weniger als der Hälfte möglich, gemessen in den einzig sinnvollen Maßstäben wie Leistung in Watt und Materialumsatz in Tonnen pro Sekunde. Wir müssen weniger Rohstoffe extrahieren und raffinieren, weniger Güter produzieren und transportieren, weniger arbeiten, weniger konsumieren, weniger entsorgen. All das geht überhaupt gar nicht innerhalb des bestehenden Systems, also muß das System untergehen.

@LordCaramac @leobm Und wie hilft da Anarchie?