@FrankREK1 @DieFurie Ich bin Anarchist, Demokratie ist mir nicht radikal genug. Ich will nicht wählen dürfen, wer mich regiert, ich will überhaupt nicht regiert werden. Daher wähle ich im Normalfalle keine Partei, die hinterher in der Regierung sitzt, sondern einfach eine möglichst linksradikale, um das bürgerliche System zu ärgern.
@LordCaramac Anarchie verstehe ich nicht bzw. was daran so toll sein soll. Vielleicht kannst du das kurz erklären?
Ohne Staat gibt es, keine zentrale Polizei, keine Gericht, kein verbindliches Recht. Wenn jemand Gewalt anwendet oder stiehlt, wer setzt Regeln durch? Ohne allgemein anerkannte Instanz könnte sich am Ende der Stärkere durchsetzen. In komplexen Gesellschaften braucht man doch, Infrastruktur (Straßen, Strom, Internet), Gesundheitswesen,

@LordCaramac Katastrophenschutz. Ohne verpflichtende Steuern stellt sich die Frage. Wer zahlt freiwillig genug, damit das System funktioniert. Für mich wäre eine Anarchistisches System eigentlich auch gar nicht links sondern eher extrem neo liberal.

Je kleiner und homogener eine Gruppe ist, desto eher kann vielleicht Selbstorganisation funktionieren. Je größer, vielfältiger und komplexer eine Gesellschaft wird, desto schwieriger wird meiner Meinung nach eine völlige Herrschaftslosigkeit.

@leobm Ich glaube eh nicht daran, daß wir eine Zivilisation mit diesem Maße an Komplexität noch lange aufrechterhalten können. Konzepte wie Eigentum, Geld, Markt versagen zusehends, werden dysfunktional. Es gibt genug Beispiele für Kulturen, die komplett ohne sowas wie Eigentum oder Handel klargekommen sind. Ich denke überhaupt nicht drüber nach, wie _diese_ Gesellschaft besser funktionieren könnte, weil diese Gesellschaft so komplett unnachhaltig ist, daß ihr kompletter Kollaps nur eine Frage der Zeit ist, und es gibt überhaupt keinen Grund, warum eine zukünftige Gesellschaft, die irgendwann von den Überlebenden des Kollaps auf den Ruinen der alten aufgebaut wird, irgendwas mit dieser hier zu tun haben sollte.

Es gibt seit etwa 14 000 Jahren komplexe Gesellschaften, die man als Zivilisation bezeichnen kann. Viele von den allerersten Zivilisationen funktionierten vermutlich ganz ohne sowas wie Staat, Autorität, Hierarchie, Herrschaft. Technologisch waren sie natürlich noch sehr simpel, und es gab kaum nennenswerte berufliche Spezialisierung, aber alle waren gleich, keiner war arm oder reich, alle hatten gleich große, gleich gut ausgestattete Wohnungen und aßen Nahrung in gleicher Menge und Qualität. Niemand war unterernährt. Krankheiten betrafen alle gleichermaßen. Es gibt keinen Grund, warum das in Zukunft nicht wieder gelingen sollte, nach dem eh längst unvermeidlichen Untergang des Industriezeitalters.

@LordCaramac Gab es denn belegte anarchistische Systeme, die funktioniert haben? Ich bin da nicht so bewandert.

Ich würde mich interessieren, wenn du eine Leseempfehlung hast.

@leobm Lies mal Texte von Anthropologen, da siehst du Beispiele für funktionierende anarchistische Gesellschaften, die seit zehntausend Jahren oder länger bestehen, auf abgelegenen Inseln oder mitten im südamerikanischen Regenwald. Komplexe Zivilisation ist nur eine vorübergehende Erscheinung, die ermöglicht wurde durch die ungewöhnlich stabilen und geordneten Zustände im Holozän, aber mit den unerwünschten Nebenwirkungen unserer Technologie haben wir das Holozän destabilisiert und sehen dessen Ende entgegen. Falls die Spezies Homo sapiens überlebt, werden zukünftige Gesellschaften vermutlich wieder ähnlich aussehen wie in der Steinzeit, nur technologisch auf Eisenzeitniveau, solange es noch irgendwo alten Industrieschrott gibt, den man umschmieden kann. Da schickt der Stamm dann gelegentlich Gruppen von abenteuerlustigen jungen Leuten in die alten Betonruinen, um Bewehrungseisen aus dem Stahlbeton zu klopfen, die man dann zu Werkzeugen umschmieden kann.
@LordCaramac @leobm
Also erstmal, wie kannst du mehr als 500 Zeichen pro tröt benutzen?
Nun zurück zum Thema, also willst du lieber die Welt brennen sehen weil du es aufgegeben hast zu versuchen sie zu retten?
Primitiv aber wirksam.
Konstruktiver fände ich es allerdings wenn man versuchen würde genau die von dir so treffend formulierten Probleme und soll Zustände für eine bessere Welt anzugehen und einen lösungsweg zu entwickeln. Das ist natürlich deutlich schwerer und frustrierender.

@RequiemPhoenix @leobm Die Welt brennt so oder so. Das Industriezeitalter endet, weil wir (damit meine ich die gesamte Menschheit) es nicht geschafft haben, eine antikapitalistische ökosozialistische Weltrevolution und globale radikale Nachhaltigkeitswende einzuleiten, als noch Zeit dafür war; heute sind wir so tief im ökologischen Overshoot, daß es keine Frage mehr ist, ob unsere Zivilisation kollabiert, sondern nur wie der Kollaps verläuft, aufhalten wird den niemand mehr. All das war spätestens seit 1972, als Grenzen des Wachstums veröffentlicht wurde, absehbar; ebenso absehbar war, daß niemand es aufhalten würde, weil die einzige Lösung eine globale radikale Verhaltensänderung gewesen wäre, welche weder mit dem Kapitalismus noch mit dem Sozialismus sowjetischer oder chinesischer Prägung kompatibel gewesen wäre. Es gibt keine technische Lösung, gab nie eine, weil es kein technisches Problem ist, sondern ein Problem des Verhaltens der Menschheit als globales Kollektiv, und weil die Verhaltensmuster, die in allen modernen Gesellschaften als "normal" und wünschenswert gelten, absolut unnachhaltig sind und nicht fortgesetzt werden können. Die Lösung, hätte man sie umgesetzt, als noch Zeit dafür war, hätte letztlich in der Demontage der existierenden Kulturen und Gesellschaften und der Schaffung von neuen, radikal anderen, radikal nachhaltigen bestanden. Das Zeitfenster, in welchem so etwas theoretisch möglich gewesen wäre, ist schon lange geschlossen.

Wir müssen begreifen, daß wir nur Tiere sind wie alle anderen, große aufrechtgehende Nacktaffen, und daß wir ebenso Teil der Ökosysteme und von diesen auf Gedeih und Verderb abhängig sind wie alle anderen Tiere. Falls wir (Homo sapiens als Ganzes) es schaffen, nicht auszusterben, werden diejenigen, die den Kollaps überleben, dieses Bewußtsein wiedererlangt haben. Diverse Naturvölker haben es nie verloren, und diese warnen uns seit Jahrhunderten davor, daß unsere Zivilisation ein kolektiver Marsch in den Untergang ist, seit wir angefangen haben, ihre Lebensräume zu erobern und zu kolonisieren und ihre Kulturen zu zerstören. Naturvölker leben nicht nachhaltig, weil sie irgendwie bessere Menschen wären, sondern ganz einfach, weil diejenigen, die es nicht taten, gestorben sind. Und diejenigen von uns, die es nicht rechtzeitig begreifen, werden auch allesamt sterben.

@LordCaramac @leobm
Also die Kurzform wenn ich so frech sein darf, ja, Mensch kacke und doof (außer Naturvölker), keine Möglichkeit zur Rettung also alles egal, vlt überlebt ja wer/was. Passt das?
Destruktiv.
Mag was dran sein, gefällt mir persönlich aber nicht diese Sichtweise, fühlt sich falsch und nach der Verantwortung für kommende Generationen entziehen an.

Aber vlt stehen wir (Menschheit) gerade direkt vor dem großen Filter.
Und ich bin kindlich dumm naiv.
@RequiemPhoenix @leobm Als ich das erste Mal vom großen Filter gelesen habe, habe ich direkt gedacht: Das Industriezeitalter ist der große Filter. Sobald irgendeine intelligente Spezies eine industrielle Revolution erlebt, tickt die Uhr, und die allermeisten zerstören sich selbst durch die unerwünschten ökologischen Nebenwirkungen ihrer Technologie; diejenigen, die es nicht tun und eine Nachhaltigkeitswende schaffen, kommen trotzdem nicht mehr von ihrem Planeten runter, weil sie einfach keine Notwendigkeit dafür haben, weil sie es schaffen, innerhalb ihrer planetaren Grenzen zu existieren.
@LordCaramac @leobm
Letzteres halte ich beim Menschen für unwahrscheinlich, dafür ist er viel zu getrieben von Gier (inkludiert auch Neugier). Der Mensch hat seit Anbeginn den drang gehabt neues zu entdecken, räumlich, gedanklich, handlich.
Wahrscheinlicher halte ich, über kurz oder lang wird die Menschheit entweder aussterben oder zu einer Typ 1 bis 1,x Zivilisation werden.
Das naive optimistische kind in mir hofft auf letzteres.
Der Umweltfreund und Schützer der Natur auf ersteres.
@RequiemPhoenix @leobm Wir werden es nicht schaffen. Wir haben den Großteil der fossilen Ressourcen verballert, und alle Zivilisationen, die nach der hier kommen, falls es noch welche gibt, werden mit hart gedeckelten knappen Ressourcen arbeiten müssen, Raumfahrt ist da nicht mehr drin. Wobei aller Wahrscheinlichkeit nach das Raumfahrtzeitalter eh bald vorbei ist, weil die ganzen Kommerzsatellitenbetreiber, allen voran SpaceX, derartige Mengen an Satelliten hochschießen, daß irgendwann in nicht ferner Zukunft das Kessler-Syndrom den Erdorbit in eine unpassierbare Schrottwolke verwandeln wird.
@RequiemPhoenix @leobm Und es haben immer wieder menschliche Gemeinschaften geschafft, innerhalb der Grenzen relativ kleiner Lebensräume über lange Zeit nachhaltig zu leben. Allerdings läuft das typischerweise so ab, daß erst Menschen dort ankommen, dann innerhalb weniger Jahrhunderte die örtliche Ökologie destabilisieren, dann massenweise sterben, und die Überlebenden kriegen es dann hin, auf die harte Tour, und lernen, wie man durch vorsichtige Eingriffe in die Landschaft die Produktivität der Ökosysteme steigert und ihnen gleichzeitig bei der Regeneration hilft. Das alles natürlich oft verpackt in Mythologie und Ritual.
@RequiemPhoenix @leobm Wir sind aufrechtgehende geschichtenerzählende Nacktaffen mit großen Mutantengehirnen. Das Geschichtenerzählen ist unser Alleinstellungsmerkmal im Tierreich, Stärke und Schwäche zugleich. Es ist eine Stärke, weil wir durch das Geschichtenerzählen Informationen über lange Zeit hinweg konservieren und über viele Generationen überliefern können, was uns eine kulturelle Evolution beschert, die weit schneller ist als die biologische. Es ist eine Schwäche, weil wir dazu neigen, oft gehörten Narrativen mehr Glauben schenken als der unmittelbaren Erfahrung, und weil wir so auch sehr realitätsferne und dysfunktionale Glaubenssysteme entwickeln. Der Glaube an das Narrativ vom unbesiegbaren technologischen Fortschritt ist so ein dysfunktionaler Aberglaube, mit dem wir uns selbst daran hindern, die gewaltige ökologische Gefahr, in der wir kollektiv stecken, wirklich zu begreifen.
@RequiemPhoenix @LordCaramac @leobm
Gut, einfache Sprache, versteht jeder, sogar ich.
Die Welt ist und war schon immer schön, ja und wir Menschen sind Kacke, aber einige von uns haben gelernt das sie überleben können wenn wir Menschen zusammenarbeiten. Andere wollen lieber führen, das dürfen sie auch, bis wir Viele beschließen es reicht.