OpenDesk von ZenDiS im Überblick
OpenDesk zielt darauf ab, Behörden mit einem modernen, digital souveränen Arbeitsplatz auf Grundlage freier Software zu versorgen. Kürzlich erschien OpenDesk in Version 1.0, bringt ein SaaS-Angebot und erhielt eine neue Führungsetage. Wir haben der Lösung auf den Zahn gefühlt, das Deployment in Kubernetes getestet und bewerten, wie weit es mit der echten digitalen Souveränität her ist. Es sind hektische politische Zeiten, in denen die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland sich gerade wiederfinden. Der 5. November 2024, so viel steht schon fest, war zweifelsohne ein Tag für die Geschichtsbücher: Während die Amerikaner Donald Trump zu einer zweiten Amtszeit verhalfen, schaltete die Bundesampel auf Dauerstörung und das politische Berlin begann stehenden Fußes, sich auf Neuwahlen vorzubereiten. Seither herrschen noch mehr Zank und Streit im Bundestag als zuvor. Ein permanenter Streitpunkt beispielsweise war die Frage, wie Deutschland seinen Beitrag zum Thema digitale Souveränität auf europäischer Ebene sinnvoll leisten und bezahlen kann. Unter dem Label digitale Souveränität kreuchen und fleuchen seit vielen Jahren etliche auf nationaler und EU-Ebene ins Leben gerufene Projekte. Sie alle wollen digitale Lösungen entwickeln, die Europa eigenständig sein lassen und die Abhängigkeit etwa von Hyperscalern und einschlägigen Herstellern reduzieren. Medienwirksam tauchte für eine ganze Weile Gaia-X [1] im öffentlichen Diskurs auf, und allen Spöttern zum Trotz hat das Projekt gerade im medizinischen Fachsektor tatsächlich brauchbare Resultate geliefert. In Summe aber muss sich Europas Politik den Vorwurf gefallen lassen, in Sachen digitaler Souveränität vor allem viel Papier und wenig konkreten Output produziert zu haben. Während man auf hoher politischer Ebene von Konzepten und Lösungen sowie offenen Standards spricht, sieht die Realität zum Beispiel in deutschen Amtsstuben deutlich anders aus: Wahlweise werkelt uralte Infrastruktur von Microsoft & Co. vor sich dahin, oder man hat sich mit Haut und Haaren einem Hyperscaler verschrieben. So tat es zum Beispiel die Bundesagentur für Arbeit (BA) vor einigen Monaten, als sie zu Microsoft Teams migrierte. Schlimm genug, dass damit ein zentrales Werkzeug der deutschen Arbeitsmarktpolitik praktisch arbeitsunfähig wird, sollte der künftige US-Präsident Trump dem Teams-Zugang der BA den Stecker ziehen. Noch schlimmer, dass die BA das der Öffentlichkeit ernsthaft als bahnbrechenden Erfolg verkaufen wollte. Wohltuend andere Töne schlägt das Zentrum für digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung (ZenDiS [2]) des BMI an. Das im Jahr 2022 von Innenministerin Faeser ins Leben gerufene ZenDiS hatte von Anfang an den klaren Auftrag, freie Standards und Open-Source-Software zusammenzustellen, mit der sich sämtliche Arbeiten des Behördenalltags gut und zuverlässig abwickeln lassen, vor allem aber digital unabhängig. Das dabei entstandene Produkt wirkt gut strukturiert, klar und übersichtlich, firmiert heute unter der Bezeichnung OpenDesk [3] und feiert international Erfolge. OpenDesk Ende 2024 erschien die Version 1.0, also die erste offiziell als stabil markierte, für den produktiven Einsatz freigegebene Version. Gleichzeitig mit ihr stellte das ZenDiS eine Roadmap für die Zukunft des Produkts vor: Um dessen Weiterentwicklung sollen sich künftig vorrangig die Ingolstädter Linux-Experten von B1 Systems kümmern. Ende August 2024 hatte B1 eine Ausschreibung gewonnen und wird nun für einen Zeitraum von zunächst zwei Jahren die Weiterentwicklung koordinieren sowie Service und Wartung übernehmen. Bald gibt es OpenDesk außerdem als in Europa gehostete SaaS-Lösung, betrieben von B1