Wenn junge Generationen eher von Purpose getrieben sind, was bedeutet das für agiles Arbeiten? Ein paar wilde Gedanken von mir. Zuerst können wir ja mal festhalten, dass jemand, der 20 ist und sich für agiles Arbeiten interessiert, vieles gar nicht erlebt hat. Kein Wasserfall, kein Kampf gegen starre Prozesse, etc. Ganz anders als vor 20 Jahren. Pflichtenhefte sind ein Artefakt auf Wikipedia, mehr nicht.

Ein Thread 🧵 👇

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#GenZ #Agil

Vom Purpose inspiriert, lautet die Frage dieser jungen Generation vielleicht eher: "Welchen messbaren Impact hatten wir diese Woche für unsere Kunden?" statt "Was ist unser Sprint Goal".

Ein tägliches Stand-up um 9 Uhr morgens ist für ein global verteiltes, asynchron arbeitendes Team oft sinnlos.

Stattdessen geht es darum, den Zweck der Zeremonie zu verstehen und die beste Form dafür zu finden.

2/x

#Daily

Stand-up? Vielleicht ein kurzer schriftlicher Update-Post in Slack/Teams.

Retro? Vielleicht eine kontinuierliche Feedback-Wall in Miro und ein gezieltes Meeting nur bei echten Blockern.

3/x

#Retro

Aus Purpose heraus entsteht der Zwang, dass nicht mehr ein PO die Vision eines Produkts trägt sondern das Team mit jedem seiner Individuen selbst. Der PO wird überflüssig.

4/x

#PO #Produktvision

@nobsagile Aus meiner Perspektive, ohne Kontakt zur Gen-Z-ITlern zu haben, kann ich bei allem mit gehen außer diesem.
Analog zu einem Softwarearchitekten sollte es auch einen zentralen "Vision-Keeper" (habe von Videospielentwicklern) geben.
Beide Rollen müssen das nicht allein machen, dürfen/sollten sich mit vielen beraten und Leute in die Entscheidungen einbinden. Aber sie sind diejenigen die das organisieren und zusammen halten.
Das ist sicher ein Spektrum. Ganz ohne geht es imo nicht.

@nobsagile Über welche Aufgaben des PO reden wir genau?
Die Vision für das Produkt zu haben? Siehe oben.
Mit dem Kunden über seine Bedürfnisse zu sprechen und Feedback einzuholen? hm … mag sich verteilen lassen, der PO sollte aber beteiligt sein.
Was gibt es noch an Aufgaben?

"PO ersetzen" ist mir etwas zu pauschal. Ich wüsste gerne genauer welche Aufgaben des PO du meinst.

@SebastianSolidwork warum nicht auf mehrere Schultern verteilen? Vision oder Produktziele meine ich. Ist es in der Praxis nicht eh oft so? Ich mag das highlander Prinzip hier nicht. Wieder eine Hero Stelle

@nobsagile Ich sage ja, dass das nicht einer allein machen muss. Es sollen alle teil haben.
Aber einer sollte das letzte Wort haben bzw. dafür sorgen, dass alle das gleich Verständnis haben. Gerne kann man für Unterbereich das auch delegieren.

Wenn es keinen gibt: was macht man, wenn sich im Team nicht einigen kann?

Und z.B. fehlt mir als Tester der Kontakt zum Kunden um zu wissen was er benötigt
Wenn alle völlig gleichberechtigt an der Vision arbeiten, muss jeder mit dem Kunden reden (können)

@nobsagile Außerdem fällt für mich da auch das Priorisieren von Aufgaben und Ressourcen-Planung rein. Wann was gemacht wird. Das sind Aufgaben mit kommerzieller Verantwortung.
Was ich nicht bei mir als Teammitglied sehe. Mindestens so lange ich nicht den gleichen Informationsstand wie ein PO habe und über Budgets entscheiden kann.

Ich arbeite gerne an einer Vision mit, aber die letztlich Entscheidung sehe ich ein einer zentralen Person.

Welche Rolle spielt da noch eine Diskussion zu Wasserfall vs. agiles Arbeiten? Eigentlich gar keine:

Genau so könnte man einem Formel 1 Fahrer erklären wollen, wie eine Dampfmaschine funktioniert.

Ich bin selber nicht ganz sicher, was mir das alles sagt - was meint ihr?

5/5

@nobsagile interessant!
Ich höre übrigens Dinge wie "wir arbeiten doch eigentlich nicht richtig agil", "agil passt nicht zu unserer Situation" vor allem von Berufseinsteigern und den baldigen Berufsaussteigern.

Alle dazwischen und außerhalb machen.einfach.mit :-)

@nobsagile aber zurück zum Thema: ich habe letztens den Satz "mein PO verhält sich wie ein Teamleiter" von jemandem gehört, der qua Alter nie einen Teamleiter hatte und es ist mir erst durch deinen Post aufgefallen.

Purpose oder Zweck ist ja insgesamt gut und das Wozu sollte auch schon vor 20 Jahren der Haupttreiber gewesen sein, bevor wir Wörter wie agil für gute Zusammenarbeit gefunden haben ;-)

@st3fan Find ich spannend! Wo hörst du das?

@nobsagile
Bsplw. bei zwei meiner Kunden (Software, Automotive, Insurance..).

Bei den Dienstälteren verstehe ich die Aussage aufgrund ihres direkten Vorher-Nachher Vergleichs und romantischer Verklärung der Vergangenheit.
Bei den Jünglingen könnte es ein Mix aus reiner Lehre und übernommenen Glaubenssätzen sein.

@nobsagile vielleicht kommen wir dann in die Richtung:
Develop - Deploy - Feedback.

Mein Handeln hat Impact.

Kleine Endorphin-Stöße.

@nobsagile
Auch früher hatten junge Leute mein Bock auf sinnloses Arbeiten ohne Mehrwert.

Musste aber wohl so sein. Lernen und Aufstieg. Junge "Azubis" waren Bittsteller.

Heute: Unternehmen sind Bittsteller, dass überhaupt noch jemand bei denen arbeitet.
Da darf man schon mehr einfordern. Langweilige Arbeit? Dann geht man woanders hin.

Zurecht

@scrumschau Ich bin unsicher, ob Purpose nicht mehr meint als "Arbeit mit Wert"
@scrumschau @nobsagile Bin bei dir. Bei dem Punkt „Unternehmen sind Bittsteller“ frage ich mich jedoch, ob das aktuell wirklich so ist? Ich weiß, einerseits Demographischer Wandel etc andererseits aus vielen Richtungen Entlassungswelle, Abfindungsangebote, Outsourcing, etc. Das macht bestimmt nicht nur mit mir als Arbeitnehmerin was sondern sicher auch mit der GenZ (Thema Unsicherheit am Arbeitsmarkt). Was meinst du dazu?
@frauleute @scrumschau Mein Gefühl wäre auch, dass der Arbeitsmarkt sich gerade stark vom Arbeitnehmermarkt hin zum Arbeitgebermarkt wandelt (Nearshore, Offshore, KI). Ich glaube auch, dass die Zeit der hohen Gehälter und der hohen Steigerung der Gehälter vorbei ist. (bisschen OffTopic, aber trotzdem spannend!)

@nobsagile @frauleute

Ja, die aktuelle Situation dreht sich wieder.

Deshalb kommt der starke Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit gerade wieder in die Diskussion.

Wer aber die Abgänge aus den Babyboomer-Generationen abfedern möchte trifft weiterhin auf die oben genannten Vorstellungen von GenZ/Alpha.
Siehe die aktuelle Diskussion um/von Julian Kamps

@nobsagile
Ich bin mir nicht sicher, ob ich bei der Aussage voll mitgehen würde.
Hat die 20 jährige Person es nicht erlebt, weil sie kaum Berufserfahrung hat, oder weil die Zeit anders ist?
Und ich bin mir sicher, dass es auch heute noch Unternehmen mit Pflichtenhefte und "überaltete" Prozesse gibt. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit auf so eines zu treffen vermutlich rapide gesunken ist.
@hauke Hi! Wenn wir die Zeit 15 Jahre nach vorne drehen und die heute 20 jährigen dann 35 und in verantwortlichen Positionen sind - welche Erfahrungen haben sie mit Wasserfall? Vielleicht hätte ich das so formulieren sollen.