OpenAlex 2026: Was die neuen Entwicklungen für uns als Bibliothek bedeuten
2021 wurde bekannt gegeben, dass der Microsoft Academic Graph nicht mehr weiterentwickelt wird.
OpenAlex trat an, die Lücke zu füllen, und entwickelte sich im Laufe der letzten Jahre zu einer ernstzunehmenden Alternative zu Zitationsdatenbanken wie Dimensions, Scopus oder Web of Science (siehe auch diesen früheren Blogbeitrag).
Auch in den letzten Monaten hat sich OpenAlex deutlich weiterentwickelt: neue technische Grundlagen, ein erweiterter Datenbestand, verbesserte Suchfunktionen und ein neues Nutzungsmodell. Für uns als Deutsche Zentralbibliothek für Technik und Naturwissenschaften sowie als Universitätsbibliothek sind das keine abstrakten Neuigkeiten – wir sind seit Sommer 2025 Mitglied bei OpenAlex (siehe Supporting Members hier) und gestalten aktiv mit, wie diese Infrastruktur für Forschung und Lehre genutzt werden kann.
Was OpenAlex heute kann – und warum das für uns relevant ist
OpenAlex verbindet Publikationen, Autor:innen, Institutionen, Fördermittel und Konzepte in einem offenen Forschungsgraphen. Der Datenbestand ist in letzter Zeit stark gewachsen auf eine Größe von aktuell etwa 450 Millionen Werken und deckt neben klassischen Verlagspublikationen zunehmend auch Preprints, Repositorieninhalte und graue Literatur ab. Für uns bedeutet das: Wir können die Publikationslandschaft unserer Universität – einschließlich des Open-Access-Outputs – besser im globalen Kontext verfolgen und sichtbar machen.
Verbesserte Suche: neue Möglichkeiten für Forschende und Studierende
Die Suchfunktion von OpenAlex wurde deutlich ausgebaut. Präzisere Schlagwortsuche, bessere Verarbeitung langer Suchstrings und erste semantische Ansätze machen die Plattform zu einem ernstzunehmenden Werkzeug – insbesondere für systematische Literaturrecherchen und thematische Explorationen. Wir begleiten diese Entwicklung aktiv: In unseren Beratungsangeboten (TIBgefragt) zeigen wir, wie OpenAlex sinnvoll neben den oben erwähnten klassischen Datenbanken eingesetzt werden kann. Interessiert? Buche gleich einen Termin bei unserer Fachreferentin hier.
Die bibliografische Datenbank OpenAlex
Fördermittel-Metadaten: Chancen für Reporting und Analyse
OpenAlex baut einen eigenen Datenzweig für Grants und Förderorganisationen auf. Für uns als Bibliothek eröffnet das konkrete Perspektiven: Publikationen lassen sich verlässlicher den zugehörigen Projekten zuordnen, Förderlandschaften werden transparenter. Wir prüfen derzeit, wie sich diese Daten ergänzend zu unseren CRIS- und Berichtssystemen nutzen lassen.
Affiliation Curation: Wir können aktiv mitgestalten
Besonders relevant für uns ist die geplante Affiliation Curation. OpenAlex entwickelt Werkzeuge, mit denen Institutionen ihre eigenen Zuordnungsdaten direkt pflegen können – also prüfen und korrigieren, ob Autor:innen und Publikationen korrekt mit unserer Institution verknüpft sind. Als Bibliothek, die bereits Repositorium, Publikationslisten und CRIS-Systeme betreut, sind wir gut aufgestellt, diesen Prozess zu koordinieren. Korrekte Affiliationsdaten in OpenAlex verbessern direkt die Qualität externer Analysen und Rankings, die auf diesen Daten aufbauen. Wir erwarten hier gezielte Onboarding-Angebote und freuen uns darauf, langfristig an der Datenqualität mitzuwirken
Unsere Mitgliedschaft – und was wir daraus machen
Mit der Unterzeichnung der Barcelona Declaration On Open Research Information hat die TIB erklärt, offene und nicht-kommerzielle wissenschaftliche Infrastrukturen zu fördern. Dies tun wir mit unserer Mitgliedschaft bei OpenAlex. Das neue Nutzungsmodell sieht API-Keys und nutzungsbasierte Kontingente vor; als Mitglied haben wir erweiterten Zugang und gestalten die Plattform mit. Neben der Affiliation Curation nutzen wir die Mitgliedschaft für weitere Projekte:
- Bei GROBI (Graphische Observatorien für bibliometrische Analysen), das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird, arbeiten wir gemeinsam mit Forschenden der Leibniz Universität Hannover an einfach nachnutzbaren Infrastrukturen für das bibliometrische Monitoring in verschiedenen Szenarien.
- Im durch das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen von Hochschule digital Niedersachsen geförderten Projekt FIS Niedersachsen (Aufbau eines Netzwerkes und Services zu Forschungsinformationen (FIS)) entwickeln wir gemeinsam mit den niedersächsischen Hochschulen Strategien und Lösungen zur Kuratierung von Publikationsmetadaten – unter anderem durch die oben erwähnte Affiliations-Kuratierung.
Unsere nächsten Schritte
Wir möchten gemeinsam mit Forschenden, Lehrenden und Data Stewards ausloten, wie OpenAlex am sinnvollsten in bestehende Workflows eingebunden werden kann – von Publikationsmonitoring und Open-Access-Berichten über Datenanreicherungen im Repositorium bis hin zu automatisierten Analysen.
Haben Sie konkrete Ideen oder Bedarfe? Sprechen Sie uns an.
Weiterführende Ressourcen zu OpenAlex
Wer die Entwicklung von OpenAlex selbst verfolgen möchte, findet hier die wichtigsten Anlaufstellen:
- Blog – Neuigkeiten, Feature-Ankündigungen und Hintergründe direkt vom OpenAlex-Team: blog.openalex.org
- Webinare – regelmäßige Online-Veranstaltungen zu aktuellen Themen, mit Aufzeichnungen auf dem YouTube-Kanal: help.openalex.org – Webinars
- Hilfe-Center – allgemeine Dokumentation zu Daten, Funktionen und Nutzung: help.openalex.org
- Technische Dokumentation/API – für alle, die OpenAlex programmatisch nutzen oder in eigene Systeme einbinden möchten: developers.openalex.org
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