Staatsregierung streitet lautstark über Microsoft-Vertrag | FLZ.de | Markus Feilner
#SteuerGeldExport
Als Journalist muss man oft tief in Texte gehen. Exegese nennt man das bei Wikipedia: "Das Ziel einer Exegese besteht darin, herauszuarbeiten, was der Verfasser (in seiner besonderen Situation) dem Empfänger (in dessen besonderer Situation) sagen bzw. klarmachen wollte. Die zentralen Aussagen, Inhalte und Strukturmerkmale eines Textes sollen für den Leser verdeutlicht und zugänglich gemacht werden."
Der folgende Satz von Herrn Albert Füracker MdL kann uns als Beispiel dienen:
"Es werde auch kein neuer Vertrag verhandelt, sondern eine Rabattstaffel. Das seien aber eigentlich „internste“ Verhandlungen. „Ich bin hier nicht derjenige, der Dinge in die Öffentlichkeit tragen will, zumal ich befürchten muss, dass auch dadurch ein wirtschaftlicher Schaden entstehen könnte, wenn wir Vertragsverhandlungen in der Öffentlichkeit führen“, sagte der Finanzminister."
1) Irreführung: Verhandlungen über eine Rabattstaffel münden nicht in einen neuen Vertrag? Schwer vorstellbar, dass #microsoft das auch so sieht.
2) Grammatikalisch falsch – aber an Fehlern erkennt man Intentionen:
"internste" -> Superlativ von intern. Inhaltsfrei, soll Bedeutung suggerrieren wo keine ist. Würde jeder Redakteur zu "intern" oder "absolut intern" oder so korrigieren.
3) Einschränkende Füllworte: "eigentlich internste" -> der Verfasser war sich bewusst, dass es "internste" eigentlich (!) nicht gibt.
4) Distanzierung vom eigenen Verhalten: "ich bin nicht der ... der ... in die Öffentlichkeit trägt" sagt der Verfasser in einer Pressemitteilung. (das "hier" kann auch wieder als einschränkendes Füllwort, siehe 3) gesehen werden.
5) Schulddebatte I und Einschränkung: "der...tragen WILL" und "Dinge". Der Verfasser stellt sich selbst als Opfer dar. (Wird oft bei DARVO benutzt, landläufig als Täter-Opfer-Umkehr bekannt) Hier ist die explizite Erwähnung Zeichen dafür, dass der Verfasser an der Schuldfrage zweifelt, befürchtet, ihm werde die Schuld zugewiesen. Die Formulierung zeigt klare Denkstrukturen: Schuld und Postensicherung. "Niemand hat die Absicht ...".
6) Schulddebatte II: "zumal ich befürchten muss, dass auch dadurch ein wirtschaftlicher Schaden entstehen könnte, wenn wir Vertragsverhandlungen in der Öffentlichkeit führen“, sagte der Finanzminister."
a) "befürchten": Absicherung vor Vorwürfen, damit man später sagen kann, das war ja nur befürchtet. Null-Statement.
b) "auch dadurch" - Siehe 3) und 5)
c) "könnte" siehe 6) a)
d) "wenn" siehe 6 a)
e) "wirtschaftlicher Schaden" -> Spin doctoring: gesellschaftlicher und politischer Schaden wird ausgeklammert.
f) "wirtschaftlicher Schaden" bis "in der Öffentlichkeit führen"; Der Schaden entsteht, wenn, dann nur weil böse Menschen das veröffentlichen und dann darüber diskutieren. Das zeigt das Mindset. "Solange das unterm Tisch bleibt, wird keiner sich aufregen können". Der klassische #FJS.
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