Die Riesinnen von Hannah Häffner ist ein atmosphärisch dichter Generationenroman, der drei Frauen aus einem Schwarzwalddorf begleitet: Liese, Cora und Eva. Der Roman spannt einen Bogen von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart und verbindet Themen wie Herkunft, weibliche Selbstbehauptung, Naturverbundenheit und gesellschaftliche Enge.
Besonders hervorzuheben ist Häffners Sprache: Poetisch, präzise und zugleich rau. Die Natur des Schwarzwalds wird nicht bloß als Kulisse beschrieben, sondern fast als eigenständige Kraft, die das Leben der Figuren prägt.
Inhaltlich überzeugt der Roman vor allem durch seine Frauenfiguren. Die drei „Riesinnen“ sind Außenseiterinnen – körperlich auffällig, eigenwillig und schwer in die dörflichen Normen einzupassen.
Erzählt wird in diesem Roman nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch eine Geschichte weiblicher Emanzipation über Generationen hinweg.

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Ein stiller, präziser Roman über Nähe, Erinnerung, Einsamkeit und die Verbindungen zwischen Menschen.
Wie oft bei Strout passiert äußerlich wenig und emotional viel.
Im Zentrum stehen Figuren aus  Maine: Lucy Barton, Olive Kitteridge und Bob Burgess.
Strout verknüpft ihre Leben in Gesprächen, Beobachtungen und alltäglichen Begegnungen.
Dabei entsteht weniger eine klassische Handlung als ein Mosaik menschlicher Erfahrungen.
Die Dialoge sind stets echt und ungezwungen und wie auch im wahren Leben reden Menschen des Öfteren aneinander vorbei, tasten sich vor, verschweigen Wichtiges.
Strout schreibt unspektakulär und zugleich tief berührend. Ein Satz kann plötzlich eine ganze Biografie öffnen. Immer wieder zeigt der Roman, wie sehr Menschen einander brauchen.
Figuren und Gespräche wirken wie Reflexionen über das Leben.
"Erzähl mir alles“  ist ein typischer Strout-Roman: gut beobachtet, melancholisch, warm und mit Freude an leisen Zwischentönen. Literarisch fein komponiert entfaltet sich hier wieder einmal
echte Könnerschaft.
Elizabeth Strout zu lesen, ist Glück, verpackt in Buchstaben.

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Ich wollte mal dreist Werbung für ein ganz, ganz schönes Buch machen, das ich gerade ausgelesen hab (und jetzt gar nicht weglegen mag): "Bunte Tage, Graue Nächte" von Lucie Kolb. Helmer-Verlag, ISBN 978-3-89741-506-5 WG 1112.

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Der neue Roman „Die Straße“ von Robert Seethaler
ist ein leises, vielstimmiges Porträt des Alltags.
Im Zentrum steht keine einzelne Hauptfigur,
sondern eine Straße und ihre Bewohner über den
Verlauf eines Jahres.
Unterschiedliche Menschen – vom Antiquar über eine
unglücklich verliebte Blumenhändlerin bis hin zu
einem jungen Mann mit Aggressionsproblemen – kreuzen
sich lose in ihrem Alltag. Diese episodische, fast
chorische Erzählweise ist bewusst gewählt: Die Straße
wird zum Mikrokosmos menschlicher Existenz.
Jeder trägt seine Sehnsüchte, Verletzungen und
kleinen Hoffnungen mit sich herum. Seethaler bleibt
seinem charakteristischen Stil treu: knapp, präzise,
unaufgeregt, mit einem Blick für das Unspektakuläre
und einer großen Empathie für „die kleinen Leute“
Der Roman „kratzt an den Fassaden des Alltags“, indem
er hinter scheinbar gewöhnliche Lebensläufe blickt.
Dabei entsteht eine ruhige, fast melancholische
Stimmung. Es passiert wenig im klassischen Sinn – und
doch passiert alles, „was Menschen passieren kann“.
Seethaler interessiert sich weniger für große Dramen
als für das stille Scheitern, Lieben und Hoffen.
Die Straße ist ein stiller, poetischer Roman über das
Nebeneinander menschlicher Leben. Er überzeugt durch
Atmosphäre, Beobachtungsgabe und sprachliche Reduktion.
Wer Seethalers frühere Bücher mochte,
wird sich sofort wiederfinden.

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„Ein Ort, der bleibt“ ist ein atmosphärisch dichter
Roman über Heimat, Verlust und Neuanfang.
Münster, 1933:
Magda muss mit Kindern und Mann, dem jüdischen
Botanikprofessor Albert Heilbronn, Hals über Kopf
Deutschland verlassen.
Immer stärker werden die Repressalien des NS-Regimes.
Durch eine Hilfsorganisation für Wissenschaftler gelangt
die Familie nach Istanbul, wo Albert die Leitung des
botanischen Gartens übernimmt.
Dort trifft die Familie auf die junge Mephare, ebenfalls
studierte Botanikerin.
Im Hier und Jetzt macht sich die junge Imke auf, um als
Stadtplanerin ihr erstes großes Projekt in Istanbul, zu
betreuen.
Die Geschichte verknüpft mehrere Zeitebenen und erzählt
von 3 Frauen, deren Lebenswege sich über Generationen
hinweg kreuzen – verbunden durch einen besonderen Ort,
den botanischen Garten, in Istanbul.
Im Mittelpunkt steht unter anderem das Schicksal deutscher
Emigranten während der Zeit des Nationalsozialismus, die
in der Türkei eine neue Existenz aufbauen.
Diese historische Ebene wirkt besonders authentisch und
verleiht dem Roman Tiefe. Gleichzeitig wird in der
Gegenwart erzählt, wie Vergangenheit nachwirkt und
Identität prägt.
Lüpkes schreibt ruhig, fast poetisch, und lässt den
Figuren viel Raum. Statt großer Dramatik entsteht eine
leise, nachhaltige Wirkung.
Die sehr gut recherchierten botanischen Fakten und Details,
machen neben den ebenfalls akribisch recherchierten
geschichtlichen Hintergründen, die Faszination dieser
Lektüre aus.
Ein stiller, kluger Roman, der zeigt, dass Heimat kein
fester Ort sein muss, sondern etwas, das Menschen in sich
tragen oder neu erschaffen können.

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Ein Sommerfest auf einem Gehöft an der Ostsee.
Irgendwann hat Max genug vom Partygeschehen und setzt sich unter einen Baum, um aufs Meer zu schauen. Er ist dort nicht alleine und trifft auf Anna. Hettche erzählt eine Liebesgeschichte, zweier nicht mehr junger Menschen. Wie fühlt sich das an, mit über 60 noch einmal bedingungslos zu lieben?
Max ist Ocularist, alleinstehend, Vater zweier erwachsener Kinder, denen er versucht, ein guter Vater zu sein. Anna ist verheiratet und möchte ihre Ehe nicht aufgeben, hat sich in ihrem Leben eingerichtet. Man schreibt sich zunächst, eine digitale Kommunikation nimmt Fahrt auf, die das Begehren verstärkt, dann treffen sich Anna und Max erneut. Max lebt in Berlin,  Anna in Stralsund, man verabredet sich auf der Insel Hiddensee. Findet sich hier, was zusammengehört?
Die Liebe im Alter ist anders als die Liebe in jungen Jahren, und doch bleibt sie im Kern dieselbe.
Thomas Hettche, der schon mit seinem Roman „Die Pfaueninsel“  ein großes Publikum begeisterte, bringt hier eine Liebesgeschichte zu Papier, die nie banal oder kitschig daherkommt. Hettche findet seinen ganz eigenen Ton für die
Schönheit, aber auch Unheimlichkeit eines unbedingten Gefühls.
"Die Liebe ist schmerzhaft, wenn man nicht mehr jung ist. Doch es gibt keine Alternative zu ihr. Sie ist das Wunder."

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Mit einem vielstimmigen Gesellschaftspanorama,
das eine ostdeutsche Kleinstadt von der Wende
bis in die Gegenwart begleitet, beschenkt uns
der junge Literat Lukas Rietzschel.
Und, soviel sei verraten, es ist ein besonders,
kostbares Buchgeschenk.
„Sanditz“ überzeugt vor allem durch seine
multiperspektivische Erzählweise: Zahlreiche
Figuren – allen voran die Familie Wenzel –
bilden ein dichtes Geflecht aus Lebensgeschichten,
das die Umbrüche nach der DDR eindrucksvoll
sichtbar macht. Der Roman spannt einen großen
zeitlichen Bogen und verknüpft persönliche
Schicksale mit historischen Entwicklungen wie
Nachwendezeit, Arbeitsmigration und Pandemie.
Rietzschel gelingt dabei ein warmherziges, aber
zugleich realistisches Bild ostdeutscher Lebens-
welten. Besonders stark ist, wie er zeigt, dass
Vergangenheit in der Gegenwart fortwirkt – ohne
je einfache Erklärungen zu liefern.
In der Vielzahl an Figuren und Perspektiven liegt
die Stärke des Romans:
Er wirkt wie ein literarisches „Welttheater“ im
Kleinen, das gesellschaftliche Komplexität
spürbar macht.
Ein kluger und atmosphärisch dichter Roman über
deutsche Gegenwart und Herkunft.
Genial!


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Eine virtuose Novelle über die Begegnung
zweier Frauen lesen wir hier von der
österreichischen Schriftstellerin Monika Helfer.
Ein Mädchen steht vor der Tür der Erzählerin.
In der Hand hält es einen 1000-Schilling-Schein
und kommt mit einer unglaublichen Geschichte daher.
Als das Mädchen kurze Zeit später verschwindet,
sucht die Erzählerin jahrelang vergeblich nach ihr.
Etliche Zeit später steht eine junge Frau vor ihrer
Tür und behauptet, eben dieses Mädchen von damals
zu sein.
Was hier ganz harmlos beginnt, wird zu einem
doppelbödigen Spiel, spannend und abgründig
bis zum Schluss.
Die geniale Erzählerin Monika Helfer hat sich für
diesen Band aus dem Galliani Verlag einmal mehr
prominente Unterstützung geholt.
Kat Menschik steigt mit ihren Illustrationen ins
Spiel ein und fängt das Unerklärliche und
Irisierende dieser Geschichte grandios in ihrer
Bildersprache ein. Eine wunderbare Zusammenarbeit
beider Künstlerinnen.
Ein kurzes, aber intensives Buch, ein literarisches
Rätsel und ein Kleinod für Leser:innen, die
psychologisch dichte Geschichten mögen.

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Zurück in die Vergangenheit der eigenen Familie
begibt sich in diesem Roman,
die Schriftstellerin Judith Herrmann.
Der Großvater, den sie gar nicht mehr kennengelernt
hatte, war während des Zweiten Weltkriegs bei der
SS in Radom stationiert. In dieser Stadt mit
ca. 100 000 Einwohnern, von denen ein Drittel
jüdischen Glaubens war, wurde ein großes Ghetto
errichtet. Die äußerste Brutalität der deutschen
Besatzungsmacht ließ nur wenige der Insassen das
Kriegsende überleben. Über den Großvater wird nichts
in der Familie verlautbar. Diese Abwesenheit und das
Schweigen über ihn beschäftigen jedoch die Anwesenden.
Judith Herrmann mietet kein Hotelzimmer in Radom,
sondern eine Wohnung, bleibt somit länger und geht
auf Spurensuche. Es dauert, ehe der Kontakt zu den
Einheimischen hergestellt werden wird, argwöhnisch
beobachtet man die Deutsche zunächst …
Was als Reise in die Vergangenheit beginnt, entpuppt
sich aber zusehends als eine weitere Reise in die
Gegenwart. Judith Hermann besucht ihre Schwester und
deren Familie in Süditalien. Die Schwester ist
Archäologin und an Ausgrabungsarbeiten in Pompeji
beteiligt. Aber Schwester und Schwager möchten sich
eher nur sehr nebensächlich mit der Geschichte des
Großvaters beschäftigen. Der eigene Wunsch, dieses
Thema näher mit der Verwandtschaft zu besprechen,
findet kein Gehör. So streut die Autorin in die
Gespräche mit Teenager-Nichte und Neffe Andeutungen,
Zuschreibungen und Verweise. Sie sieht es blitzen in
den Augen der nachfolgenden Generation. Verstanden
also haben sie sehr gut?
Nun abwarten und auf die Zeit hoffen, in der das
Fragen beginnen wird.
Ein kluges, ein leises Buch über die Auseinander-
setzung mit Schuld und Erinnerung der vorangegangenen
Generationen und den Wunsch, die Erinnerung für die
Nachfolgenden wachzuhalten.

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