Der neue Roman „Die Straße“ von Robert Seethaler
ist ein leises, vielstimmiges Porträt des Alltags.
Im Zentrum steht keine einzelne Hauptfigur,
sondern eine Straße und ihre Bewohner über den
Verlauf eines Jahres.
Unterschiedliche Menschen – vom Antiquar über eine
unglücklich verliebte Blumenhändlerin bis hin zu
einem jungen Mann mit Aggressionsproblemen – kreuzen
sich lose in ihrem Alltag. Diese episodische, fast
chorische Erzählweise ist bewusst gewählt: Die Straße
wird zum Mikrokosmos menschlicher Existenz.
Jeder trägt seine Sehnsüchte, Verletzungen und
kleinen Hoffnungen mit sich herum. Seethaler bleibt
seinem charakteristischen Stil treu: knapp, präzise,
unaufgeregt, mit einem Blick für das Unspektakuläre
und einer großen Empathie für „die kleinen Leute“
Der Roman „kratzt an den Fassaden des Alltags“, indem
er hinter scheinbar gewöhnliche Lebensläufe blickt.
Dabei entsteht eine ruhige, fast melancholische
Stimmung. Es passiert wenig im klassischen Sinn – und
doch passiert alles, „was Menschen passieren kann“.
Seethaler interessiert sich weniger für große Dramen
als für das stille Scheitern, Lieben und Hoffen.
Die Straße ist ein stiller, poetischer Roman über das
Nebeneinander menschlicher Leben. Er überzeugt durch
Atmosphäre, Beobachtungsgabe und sprachliche Reduktion.
Wer Seethalers frühere Bücher mochte,
wird sich sofort wiederfinden.
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