„Man steht sich nicht länger selbst im Weg.“
Ich stieg aus dem Bett, im Spiegel im Bad sah ich erneut dieses Gesicht, mit dem ich mich nicht anfreunden konnte. Seit ungefähr 20 Jahren nicht anfreunden konnte. Es tat sein Bestes und veränderte sich unmerklich langsam immer weiter, aber keine der Veränderung führte zu einer Annahme meinerseits. Ich nahm die Bemühungen durchaus wahr, aber sie blieben folgenlos. Du stehst dir selbst im Weg, hatten vermeintliche Freunde und Familienmitglieder immer wieder zu mir gesagt. Und ich hatte nicht gefragt, was um Himmels willen sie damit meinten. Das war zu einer Zeit, als ich und mein Gesicht uns noch verstanden, als ich mich noch erkannte und annehmen konnte, wenn ich morgens in den Spiegel sah. Das ist vorbei. Und keiner sagt mir mehr, dass ich mir selbst im Weg stehe, weil kaum mehr jemand mit mir spricht. Ich bin so etwas wie ein gebrochenes Versprechen. Und vielleicht wäre jetzt der Zeitpunkt, vielleicht wären jetzt die Bedingungen gegeben, um mir tatsächlich nicht länger selbst im Weg zu stehen. Aber was dann? Ich würde den Weg sehen, der vor mir liegt, eine gerade sehr übersichtliche Linie. Und es wäre gut möglich, dass ich erkenne worauf dieser Weg hinausläuft. Davor fürchte ich mich so sehr, dass ich nicht einmal auf die Idee komme, dass ich ja auch abbiegen könnte.
[Zitate, die keine Autor:innenangabe enthalten, stammen aus eigenen Texten]
#Gesicht #Weg #Ziel