Principessa di morte, principessa di dolore… – Fulminante Premiere von „Turandot“ am Musiktheater Linz
Elena Deinhammer
Nicht ohne Grund wird „Turandot“ oft als Puccinis Schmerzenskind bezeichnet. Der Komponist starb, bevor er seine letzte Oper vollenden konnte, sodass das Finale ungeschrieben bleiben musste. Zwar sorgte Franco Alfano für eine Umsetzung der entscheidenden Schlussszene, doch sind in diese nur wenige der vorhandenen Aufzeichnungen Puccinis eingeflossen. Zudem bietet Alfanos pompöses Finale eine beinahe zu einfache Lösung des Geschehens, die womöglich nicht im Sinne Puccinis wäre, schließlich musste er sein Werk auch deshalb unvollendet zurücklassen, weil er lange mit einem inhaltlich wie musikalisch passenden Ende rang. Doch auch die Märchenhaftigkeit der Oper, angesiedelt in einem sagenhaften China und voll mythologisch-legendarischer Symbolik, bedeutet für eine Regie die Herausforderung, „Turandot“ auf der Bühne nicht zu einem Schmerzenskind werden zu lassen. Bei der ersten Premiere im neuen Jahr zeigte das Musiktheater Linz jedoch, dass es mit all diesen potentiellen Schwierigkeiten hervorragend umzugehen weiß: Mit der Entscheidung für das 2002 uraufgeführte Finale von Luciano Berio, einer zurückhaltenden, gerade dadurch umso überzeugenderen und von starker Personenregie geprägten Inszenierung und einer musikalischen Darbietung, die in jeder Hinsicht von höchstem Niveau zeugt, gelang eine fulminante Premiere – im besten Sinne unheimlich und mit starken Emotionen inmitten der grausamen Eiseskälte. (Rezension der Premiere v. 17. Januar 2026) […]
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