Wenn Antifaschismus scheitert
mit Update Sonntagvormittag
Nur ein klitzekleiner szenischer Ausschnitt, der aber anschaulich und nachvollziehbar macht, warum der antifaschistische Widerstand in Deutschland schon einmal gescheitert ist: Christian Stappenbeck/Junge Welt: âLinke Publizistik: SpĂ€te ErfĂŒllung â FĂŒr die »alte« WeltbĂŒhne der Weimarer Zeit standen die wohlbekannten Namen Tucholsky und Ossietzky. Wem aber verdankte die Leserschaft das Weiterbestehen ab 1933? Es waren Wilhelm S. Schlamm und Hermann Budzislawski. Geschichte einer lebenslangen Feindschaftâ
Autor Stappenbeck, Vater der bekannteren Schauspielerin dieses Namens, benennt â und das zieht sich nicht unbedingt durch das ganze publizierende Medium â sowohl die Fehler der Sozialdemokrat*inn*en als auch der Kommunist*inn*en. Von denen die Betreffenden kaum geahnt haben dĂŒrften, dass sie ĂŒber 60 Mio. Tote zur Folge haben sollten â durch den Sieg und die Verbrechen des deutschen Faschismus.
Diese LektĂŒre, die ich dringend empfehle, ist nur wenige Tage verfĂŒgbar, weil die Junge Welt sie dann in einem Paywallarchiv versenken wird.
Sind âwirâ wieder auf Ă€hnlichem Weg? Ich weiss es nicht. Was zu sehen ist â das ist sowohl kapitalismus- als auch faschismuskompatibel â ist eine Restrukturierung deutscher Oligarchie. Die aktuelle Politik der Bundesregierung ist allein daran ausgerichtet, und folgt â statt auch nur den Versuch zu unternehmen, das zu steuern â entsprechenden ökonomischen Impulsen.
Die angebliche Kompetenz der gewĂ€hlten Politiker*nnen leuchtet der ziemlich verzweifelte Falk Steiner/heise aus: âKommentar: Chatkontrolle â Ganz hartes Aufwachen fĂŒr AnfĂ€nger â Die Bundesregierung schafft es nicht, die Stimmung im Land zu lesen. Wie sehr das Digitale politisch ist, lernt sie gerade per Crashkursâ.
Und den ökonomischen Strom erkennen Sie bei Sophia Zimmermann/heise: âUmbruch bei Aleph Alpha: GrĂŒnder geht, Schwarz-Gruppe rĂŒckt vor â Europas KI-HoffnungstrĂ€ger unter neuer FĂŒhrung: Nach dem RĂŒckzug von GrĂŒnder Jonas Andrulis ĂŒbernehmen Manager mit enger Bindung zur Schwarz-Gruppe.â
Was hier unter der Regentschaft des âreichsten Deutschenâ passiert, der heute schon PrivateigentĂŒmer der Stadt Heilbronn ist, das hatte Thomas KnĂŒwer schon vor einem Jahr kommen sehen.
Wird das CDU, CSU und AfD freuen? Wahrscheinlich muss es das. Besser als kalifornisch oder chinesisch ist es hingegen nicht im geringsten. Wenn es schlecht lÀuft, ist es weit schlimmer und gefÀhrlicher. In Geschichte hatte ich eine 1.
Update Sonntagvormittag
Hören Sie ergĂ€nzend auch Roberto Simanowski/DLF (verĂ€rgernderweise wieder ohne nachlesbares Manuskript): âKI und Werte: Die Verbesserung der Welt durch die HintertĂŒr der Technik â KĂŒnstliche Intelligenz lernt nicht nur Sprache, sondern auch Weltbilder. Zwischen âwokenâ Maschinen, westlichem Werteexport und rechter Gegenwehr entbrennt ein Kulturkampf um die Frage: Wer bestimmt, was eine gerechte, neutrale KI ist?â Audio 30 min.
Weil das Manuskript online fehlt, hier das Zitat der ausfĂŒhrlichen ProgrammankĂŒndigung: âKĂŒnstliche Intelligenz lernt nicht nur Sprache, sondern auch Weltbilder. Zwischen âwokenâ Maschinen, westlichem Werteexport und rechter Gegenwehr entbrennt ein Kulturkampf um die Frage: Wer bestimmt, was eine gerechte, neutrale KI ist?
Die Maschine ist höflich, hilfsbereit â und nicht neutral. Was wie ein technisches Detail anmutet, entpuppt sich als ideologischer Brennpunkt: Die Frage, welchen Werten KI-Sprachmodelle verpflichtet sein sollen oder verdeckterweise schon sind, fĂŒhrt mitten hinein in einen globalen Konflikt um Macht, Moral und kulturelle Deutungshoheit.
In einer Zeit, in der Konzerne wie OpenAI oder Meta sich bemĂŒhen, ihre Systeme âweniger links-liberalâ erscheinen zu lassen, wird deutlich: KĂŒnstliche Intelligenz ist nicht nur Werkzeug, sondern auch Weltbild â trainiert auf Sprachkorpora, gefiltert nach WertmaĂstĂ€ben, kuratiert von Entwicklerinnen und Entwicklern mit impliziten Haltungen.
Doch wessen Werte sollen zĂ€hlen? Die Sorge vor einem westlich geprĂ€gten digitalen Kulturimperialismus trifft auf eine laute Reaktion aus den USA selbst: Rechte Stimmen werfen ChatGPT âWokenessâ vor, sprechen von Zensur und Meinungslenkung, wĂ€hrend Kritiker im globalen SĂŒden die subtile Reproduktion westlicher Normen in KI-Systemen anprangern.
Zwischen algorithmischer Feinjustierung und gesellschaftlicher Fundamentaldebatte zeigt sich: Der Streit um KI ist lĂ€ngst ein Stellvertreterdiskurs ĂŒber unsere Vorstellung von Gerechtigkeit, Freiheit und Zukunft. Technik wird zur BĂŒhne â und zur HintertĂŒr, durch die sich Weltverbesserung ebenso wie Weltanschauung schleichen kann.â
Simanowskis Schlussbemerkungen (im Audio) werden bildhaft unterstrichen durch diesen âMonitorâ/WDR-Beitrag: âDie Macht der Tech-Giganten: Trumps Waffe gegen Europa â Deutsche Behörden und Unternehmen sind fast vollstĂ€ndig abhĂ€ngig von US-Tech-Giganten wie Microsoft, Google oder Amazon. FĂŒr US-PrĂ€sident Donald Trump ist das eine mĂ€chtige Waffe in möglichen Handelskriegen. Im schlimmsten Fall droht Deutschland und Europa ein âdigitaler Blackoutâ. Experten warnen davor, dass Deutschland gegen solche Angriffe nicht gewappnet ist.â Video 10 min.
Wie oben schon bemerkt: âvollstĂ€ndig abhĂ€ngigâ von âdeutschenâ Oligarchen zu werden, ist nicht die Lösung, sondern verschlimmert die Lage eher noch. Ist auch nicht die Intention der Autor*inn*en.
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