Entschlossenheit und Prinzipien: Gegen Putins Aggression und für die Ukraine
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine lässt sich theoretisch relativ einfach beenden. Allerdings nicht durch die zynischen Vorschläge, die Waffenlieferungen an die Ukraine zu stoppen, wie es putinfreundliche Stimmen um Sahra Wagenknecht oder aus der AfD behaupten. Ein solcher Ansatz ist nicht nur naiv, sondern auch zutiefst unmoralisch. Er würde nur zu einer Verschärfung der humanitären Krise führen: mehr Morde, Vergewaltigungen, Plünderungen, Entführungen und Kindesentführungen durch das russische Militär. Putin würde vermutlich einen Teil der ukrainischen Bevölkerung eliminieren, den anderen in die Weiten Russlands deportieren und die Kinder in weit entfernte russische Familien verschleppen lassen – nicht nur die bisherigen 20.000 Kinder, sondern vermutlich Hunderttausende.
An deren Stelle würde Putin wohl versuchen, loyale Russen aus den Weiten Russlands in der Ukraine anzusiedeln, die sich seiner Diktatur unterordnen. Doch es gibt einen anderen Weg, den Krieg zu beenden – einen Weg, der zwar Risiken birgt, aber auch Hoffnung.
Der Westen könnte eine klare Botschaft senden: do ut des – ich gebe, damit du gibst:
Für jede russische Rakete, die zivile Infrastruktur in der Ukraine trifft, liefert der Westen eine Rakete oder einen Marschflugkörper an die Ukraine, mit der diese ein militärisches Ziel in Russland anvisieren kann und darf.
Die Reichweite des jeweiligen westlichen Marschflugkörpers entspricht dabei der Entfernung, von der aus Russland seine Angriffe gestartet hatte.
Auch wenn zunächst nicht so viele Raketen an die Ukraine geliefert werden, wie es russische Angriffe gibt, wird jede weitere Eskalation gezählt, die von russischer Seite erfolgt. Russland müsste so erkennen, dass die Zahl der westlichen Raketen und Marschflugkörper mit jedem weiteren russischen Angriff steigt.
Ja, das Risiko einer nuklearen Eskalation besteht immer. Doch was passiert, wenn der Westen nicht handelt? Russland wird dann aller Voraussicht nach weiterhin ungestraft das Leben und die zivile Infrastruktur in der Ukraine zerstören und sich immer stärker fühlen. Ein Angriffskrieg, wie ihn Russland gegen die Ukraine führt, wird auf einer derartigen Grundlage von Russland dann sicherlich auch künftig als probates Mittel gesehen werden, um eigene Ziele durchzusetzen.
Denn: Putin hat es in Tschetschenien gemacht, Putin hat es in Syrien gemacht, Putin hat es 2014 in der Ukraine gemacht. Im Februar 2022 ist er dann zu dem Schluss gekommen:
Der Westen reagiert ohnehin nicht, höchstens mit Betroffenheit und warmen Worten einer angeblichen Solidarität. Mit dem Westen kann man das machen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch die russische Hybris ins Unermessliche wächst, nimmt zu. Und dann sind wir wieder bei den nuklearen Drohungen Russlands, die dann jedoch keine bloße Rhetorik mehr seien könnten, sondern womöglich tatsächlich umgesetzt werden. Dies könnte dann aus dem Grund geschehen, weil der Westen sich von Russland hat vorführen lassen: Der Westen sei handlungsunfähig und schwach.
Eine robuste und auch für Russland sicherlich überzeugende Möglichkeit, den Frieden zu sichern und die Demokratie zu verteidigen, ist daher eine entschlossene Reaktion des Westens. Wir sollten uns nicht allzu sehr von Angst leiten lassen, sondern fest zu unseren Werten stehen. Der Preis der Untätigkeit ist zu hoch – für die Ukraine, für Europa und für die gesamte Welt.
[…] Wenn nicht einmal der Angriff auf krebskranke Kinder noch etwas verändert, wovor sollte Putin überhaupt noch zurückschrecken? Im Westen wird immer wieder vor einer Eskalation gewarnt, während Putin immer weiter eskaliert. Unsere Schwäche ist seine Stärke.
[…] Bis heute wird der Ukraine verwehrt, sich mit allem gegen russische Kriegsverbrechen zu verteidigen, was sie braucht. Die vermeintliche Furcht, der Westen würde Putins „rote Linien“ überschreiten oder „eskalieren“, hat zu diesem Krieg geführt – und führt bis jetzt dazu, dass Russland beinahe ungestraft Kriegsverbrechen gegen die ukrainische Bevölkerung verüben darf.
[…] Es gibt nur zwei Möglichkeiten, diesen Krieg zu beenden: Entweder wird Putin mit westlicher Hilfe so weit zurückgedrängt, dass die Ukraine siegt, oder aber es wird Gespräche geben, die am Ende nach den Regeln von Wladimir Putin geführt werden.
Quelle BILD
Um es noch einmal ganz einfach auf den Punkt zu bringen:
Putin macht weiter, wenn es für ihn Vorteile bringt. Bringt es für ihn Nachteile, hört er auf.
Tun wir also alles dafür, dass die Nachteile für Putin so derartig groß werden, dass er kein Interesse mehr an diesem Angriffskrieg haben kann.
Und auf einmal werden wir dann einen ganz anderen Putin erleben.
Politikwissenschaftler und Professor für internationale Politik der Universität der Bundeswehr München, Carlo Masala, dazu auf X:
https://twitter.com/CarloMasala1/status/1810241705297264787?t=9alXkRvk6Xen9dFa5NwsYA&s=19
Lesen Sie auch auf ZEIT: Diese Abstumpfung ist Putins Kalkül
Weitere Stimmen zum Thema auf X:
https://twitter.com/jaegerthomas2/status/1810654815661310290?t=UxBIAKSnHPcKklAjFjP4pw&s=19
https://twitter.com/HS_Akechi/status/1810600381531017402?t=YT971MhjCzYxuEaZ9xY_QQ&s=19
https://god.fish/2024/07/09/wie-man-den-russischen-angriffskrieg-tatsaechlich-beenden-kann/
#DemokratieVerteidigen #Essay #EU #Krieg #Nato #PutinAggression #russischeKriegsverbrechen #RussischerAngriffskrieg #Russland #Ukraine #UkraineUnterstützung #WaffenlieferungenUkraine #westlicheEntschlossenheit
