@peer
1/ Jede Demo, die in Berlin auf Straßen langläuft, stört. Fridays For Future läuft immer irgendwo in der Reinhardtstraße, Luisenstraße, Invalidenpark, Leipziger rum. Da sind überall Busse und Straßenbahnen. Die fallen dann aus. Menschen laufen frustriert mit ihren Rollis zum Hauptbahnhof. Das ist bei Demos für die Frauen im Iran und Demos gegen Abtreibung genauso. Der Unterschied ist, dass die Demos von LG angekündigt aber nicht angemeldet sind.
Ein weiterer Unterschied ist die Frequenz. Die nerven einfach fürchterlich.
Ja, die LG lebt von den Medien. Das ist klar. Es gab ganz zum Anfang mal einen Fernsehbeitrag über die Medienstrategie der LG.
https://www.youtube.com/watch?v=ZtTiY_97EPI
Mich persönlich interessiert die Frage: Wer macht das? Warum macht das eine bestimmte Person und kann ich das abbilden. Dass wir mehr Klimaschutz brauchen, ist für mich ganz klar. Für mich ist es dann interessant zu zeigen, wer das ist. Andere Menschen wollen das sehen, Medien wollen das verbreiten. Positiv oder negativ. Mein Interesse gilt nicht der LG allein sondern der gesamten Klimabewegung. LG sind nur die, die am meisten machen.
Du schreibst: „Und zum "wollen" noch: die LG will nicht nur Busse und Bahnen blockieren, sie wollen auch Bilder haben, in denen sie als Opfer dargestellt werden.“
Sorry, Peer! Ich habe jetzt wirklich viel fotografiert und viel gesehen. Ja, ich habe Menschen gesehen, die kein Päckchen gemacht haben und da hat die Polizei entsprechend rabiater reagiert. Das ist aber trotzdem nicht ok. Und der Sonnabend war komplett anders.
1) Es gab die Ansage: „Bis an die Schmerzgrenze!“ Das ist nach Aussage der Experten in LTO unzulässig. Schmerzgriffe müssen einzelfallbezogen eingesetzt werden.
Das sagt die Polizei selber: „Auf die Frage von LTO, ob der von den Beamten angedrohte schmerzhafte Hand-Beuge-Hebel allgemein zum ersten Mittel der Wahl zu Entfernung von Klimablockierern gehöre, oder ob es andere Methoden, wie etwa unter die Armbeugen fassen, vorzugswürdig sind, gibt die Berliner Polizei eine Stellungnahme ab: Einen Anspruch darauf, weggetragen zu werden, gebe es nicht. "Es findet immer eine Einzelfallbetrachtung statt, bei der die Polizei Berlin grundsätzlich in einer abgestuften Verfahrensweise agiert. Dabei werden die blockierenden Personen zunächst angesprochen und aufgefordert, sich von der Straße bzw. Kreuzung zu entfernen. Anschließend werden Zwangsmaßnahmen angedroht, die nach Prüfung des jeweiligen Einzelfalls angemessen, erforderlich und geeignet sind, um das polizeiliche Ziel, die Beendigung der Verkehrsbehinderung, durchzusetzen." “
Das lief definitiv nicht so ab. Und die Frage, was „Bis an die Schmerzgrenze!“ bedeutet: Das ergibt sich pragmatisch in der Kombination mit der Ansage „Nicht wegtragen!“ Die abgebildeten Personen waren eindeutig über der Schmerzgrenze.
2) Dem einen Aktivisten wurde wahrscheinlich die Hand gebrochen. Da habe ich niemanden als Opfer dargestellt. Die Aktivist*innen sind zu Opfern von #Polzeigewalt geworden.
Natürlich begeben sie sich freiwillig in solche Situationen. Das ist irgendwie so ein Märtyrertum. Aber sowohl Präventivhaft als auch Einordnung als kriminelle Vereinigung als auch unangemessene Gewalt sind Dinge, die es in unserer Gesellschaft nicht geben dürfte/sollte. Das weißt Du als juristisch bewanderter Mensch ja auch.
Mich als Fotograf interessiert an der Sache: Was machen Menschen, um auf eine drohende Gefahr hinzuweisen? (Die ich persönlich für höchst real halte.) Die Schmerzen und der Hass sind nicht leicht zu ertragen. Ich könnte das nicht. Ich gucke nur zu. Und selbst das ist mitunter schwer zu verkraften.
Ich habe neulich eine Autobahnblockade fotografiert. Das war mit dem 400mm-Teleobjektiv. Ich war sehr weit weg. Ich konnte nur sehen, aber nicht hören, was unten passierte. Das ist ganz anders. Ohne Tonspur gewissermaßen. Der Hass, das Gehupe, die Sirenen, der Stress vor Ort ist ganz anders. Was bei mir manchmal zehn Bilder sind, spielt sich in Bruchteilen von Sekunden ab. Geh mal hin und guck Dir das an. Zum Beispiel die große Blockade am 28.10.
Das machen Menschen nicht aus Spaß. Genauso die Schäden. Manche der Aktivist*innen haben Schäden in Höhe von Zehntausenden Euro verursacht. Sie haben sich mit einem Leben an der Pfändungsgrenze abgefunden. Sie werden nie (mehr) so leben wie wir es tun oder gern tun würden. Bei ihnen ist das jetzt schon klar. Sie haben ihr normale bürgerliches Leben aufgegeben, um auf eine enorme drohende Gefahr hinzuweisen und vielleicht Änderungen zu bewirken.
#ExtinctionRebellion hat übrigens eine sehr entscheidende Veränderung in den Niederlanden bewirkt. Die fossilen Subventionen werden dort abgeschafft.
https://de.marketscreener.com/kurs/aktie/TOTALENERGIES-SE-4717/news/Niederlande-sollen-Subventionen-fur-fossile-Brennstoffe-abbauen-45030985/
Das ist das nächste Ziel der LG und auch anderer Klimabewegungen. Die Niederländer*innen haben jetzt viel Zeit und kommen uns in Berlin besuchen. Geh hin, schau es Dir an. Am 28.10. Straße 17 Juni. 12:00.