Der lauwarme Linksliberalismus
Lediglich rund 70.000 Menschen haben âNRW Appell: AfD-Verbot jetztâ auf der Campact-Plattform bislang unterzeichnet. Das selbstgesteckte (Zwischen)ziel liegt bei 75.000. Bei der Landtagswahl 2022 wĂ€hlten 368.271 Menschen die âAlternative fĂŒr Deutschlandâ, das entsprach 5,2 Prozent der Erststimmen; das Zweitstimmenergebnis lag leicht darĂŒber. Bei der Bundestagswahl wird der Stimmenanteil bereits ein Vielfaches dessen gewesen sein.
HĂ€tten diese siebzigtausend Menschen ihre Landtagsabgeordneten kontaktiert â per E-Mail oder Brief, gar telefonisch oder persönlich â, hĂ€tten sie womöglich mehr erreicht als mit diesem âAppellâ von dem die adressierten Personen aller Voraussicht nach nie etwas mitbekommen werden.
Der lauwarme Linksliberalismus schafft es nicht, sich aus dem Modus der Petitiönchen, der Latschdemos mit pfiffigen Schildchen fĂŒr Instagram und der Dialoge mit Ministerien im Social Network of Choice zu irgendwas aufzuraffen. Involviertheit wird gescheut. Nirgendwo wird vernehmbar die wahrscheinliche Möglichkeit erwogen, dass kein Verfassungsorgan jemals ein AfD-Verbotsverfahren anstrengen wird.
Noch wirkungsÀrmer als ein Petitiönchen
Bemerkenswert ist ĂŒberdies die BegrĂŒndung fĂŒr die Wahl eines âAppellsâ:
Leider sind in NRW öffentliche Petitionen wie beim Petitionsausschuss des Bundestages nicht vorgesehen. Der Petitionsausschuss befasst sich nur mit Eingaben einzelner BĂŒrger:innen, die sich von einer Behörde ungerecht behandelt fĂŒhlen. Deshalb haben wir uns fĂŒr den obigen Appell an die Landespolitiker:innen entschieden.
Die Veröffentlichung einer Petition beim Deutschen Bundestag hat nicht den geringsten Einfluss auf ihre Erfolgschancen. Die Funktion dient eher als Partizipationstheater und Honey Pot. Zudem ist jede Petition eine Eingabe einer Person, die Bitten oder Beschwerden ausdrĂŒckt, so sieht es Art. 17 GG vor:
Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zustÀndigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.
Das Petitionsrecht ist ein vordemokratisches Recht fĂŒr Bittsteller und Untertanen. Die Urheberinnen des âAppellsâ haben es vollbracht, mit diesem ein noch wirkungsĂ€rmeres Instrument als das der Petition zu schaffen.
Bei der Gelegenheit habe ich nach dem Status der Ende letzten Jahres mit groĂem Eifer und wuchtigen Moralkeulen geteilten Petition 183950 Keine FĂŒhrung eigener Register zur Erfassung von trans* und nichtbinĂ€rer Personen vom 14. Juli 2025 geschaut. Sie befindet sich nach wie vor in der PrĂŒfung. Scheint inzwischen aber egal zu sein. Die Karawane zog weiter.