Was gibt es denn für ein rationales Pro-Argument (!) zu willkürlich definierten Tanzverboten auf Wunsch von einem fundamentalistischen Teil einer Glaubensrichtung?
Vorweg gesagt, es sind ja nicht alle Christen so und wollen unbedingt Tanzverbote, nicht in Deutschland und in anderen Ländern, auch viel religiöseren, erst recht nicht.
Mir ist nicht bekannt, dass hier wer zum Tanzen gezwungen werden soll. Grundsätzlich darf mensch ja an den stillen Tagen auch weggehen, nur die Musik muss aus sein. Und bestimmte Filme sind verboten. Und Sport ist mancherorts verboten. Aber in der Kneipe sitzen und saufen geht.
Der Zwang ist ja andersrum. Und willkürlicher gesetzlicher Zwang und Verbote sollten schon gut rational begründet sein. Sonst öffnen wir der Willkürherrschaft Tür und Tor.
Freiheit braucht in einer freien und demokratischen Gesellschaft keine Argumente. Sie ist integraler Baustein.
Auch wenn ich nicht tanzen will, nervt mich das Verbot von irgendwelchen religiösen Ultras. Und dieser Dude hier im Artikel hält sich auch noch moralisch überlegen und kommen mit absurden Vergleichen und Scheinargumenten.
Ich finde, er sollte lieber drüber nachdenken, dass seine Religion auch so unbeliebt geworden ist, weil sie den Menschen über Jahrhunderte Vorschriften gemacht hat. Und Vorschriften sind nur das netteste was wir bekommen haben. Die ganzen Toten und Verstümmelten lassen wir mal außen vor.
Aber schauen wir uns mal die "Argumente" von dem Dude an:
- Kein stiller Feiertag ist mehr heilig.
Warum sollte mir SEIN stiller Feiertag heilig sein?
Mich interessiert seine Religion nicht.
Und so geht es vielen. Warum sollte mir sein Tag heilig sein? Sind mir Pessach oder Zuckerfest auch nicht. Ich feiere sie alle gerne mit und freu mich, wenn die Menschen Spaß an ihren religiösen Feierlichkeiten haben. Aber sie sind mir mitnichten heilig. Ehrlich gesagt ist mir nichts heilig.
- 365 Tage hat das Jahr, an Dreien haben Diskotheken früher geschlossen. Wo liegt das Problem?
Das Problem ist, dass hier eine fundamentalistische / traditionalistische / konservative Minderheit unter den Gläubigen allen, auch denen, die nichts mit der Religion am Hut haben, ihre Religionsauslebung aufzwängen wollen.
Wir können gerne drei willkürliche Tag im Jahr auslosen wann Diskotheken geschlossen haben. Oder jede Diskothek bestimmt es selber.
Ach, darum geht es nicht, es sollen die 3 Tage sein, die Dir was bedeuten. Da nimmt sich aber wer sehr wichtig. Wie war das mit der christlichen Demut? Ach ja, die ist im Laufe der Zeit verloren gegangen im Blut der Ungläubigen ertränkt worden. Sorry, ich werde polemisch...
- Toleranz und Rücksichtnahme auch auf religiöse Befindlichkeiten und Traditionen nicht beiseite schieben.
Hier wird ja nichts beiseite geschoben. Aber wenn mensch mit dem Zwang der Fundis nicht einverstanden ist, dann kommen diese plötzlich mit Toleranz und Rücksichtnahmen? Kenn ich von den Rechten auch. Die Fordern dann auch immer Toleranz für sich. Komisch.
Religionsfreiheit heißt, dass alle ihre Religion ausleben können, es heißt aber auch, dass andere durch die Religion nicht eingeschränkt werden sollen.
Wenn der Dude mit religiösen Befindlichkeiten kommt, dann kann ich auch mit atheistischen Befindlichkeiten kommen. Und dann? Was wiegt mehr?
- An normalen Sonn- und Feiertagen ist der Schutz vor Ruhestörungen oftmals nur eine Theorie.
Ich weiß ja nicht wo Du wohnst, aber bei uns im multiethnischen Haus mit Bewohner:innen mehrerer Generationen ist es sonntags sehr ruhig. Zu viele Kartoffeln in deiner Mittelklassegegend, die am WE Rasen mähenn und ihren Webergrill bespaßen müssen?
Aber grundsätzlich, was hat die Sonntagsruhe mit Einschränkungen durch religiöse Wünsche zu tun?
Wenn dir die normalen Sonntage zu laut sind, dann setze dich bitte für eine ordentliche Sonntagsruhe ein, wenn es Dir so wichtig ist.
- Eigene Interessen und Freizeitvorstellungen mal nicht ausleben, sondern zurückstellen.
Dann geh mit gutem Beispiel voran und stell Deine religiösen Freizeitvorstellungen mal zurück. Das zu fordern während man seine religiösen Privatinteressen auf Kosten der anderen durchsetzen will ist doch das Sinnbild von Bigotterie.
Wie war das mit dem Balken und dem Auge? Lies mal lieber wieder die Bibel.
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Ich geh nicht tanzen und finde es trotzdem ein Unding, dass irgendwelche Fundamentalisten hier anderen was vorschreiben wollen.
Leb Dein religiöses Leben wie Du willst, aber zwing es anderen nicht auf.
Deine Religion bedeutet mir nichts. Ist Deine Story. Ich bevorzuge Herr der Ringe.
Das Gelaber mit dem Laubbläser in dem großen Kasten ist ja kompletter Unsinn, das weiß der Dude wohl selber. Aber es stellt ihn moralisch auf eine höhere Ebene und soll die Befürworter der Freiheit diskreditieren.
Es tut mir immer wieder um all die toleranten und weltoffenen Gläubigen leid, dass sie mit solchen Dudes in einen Topf geworfen werden. Ich kenne so viele liebe christliche Menschen, die genau so ein Verhalten einfach nur Scheiße finden und sogar selber gerne Tanzen würden.
Nur mal so als Anmerkung: In Österreich und Italien sind Karfreitag noch nicht einmal Feiertage. Es ist also mitnichten ein wichtiges christliches Dogma. Es ist eher deutsche Tradition. Es ist verknöcherte Lustfeindlichkeit.
https://www.fr.de/meinung/kolumnen/pro-und-contra-tanzverbot-am-karfreitag-abschaffung-laengst-ueberfaellig-94246358.html
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