Stig Dagerman – Deutscher Herbst

Das Radio flüstert von Dingen, die eigentlich geschrieen werden müssten. Alles ist irgendwie dunkel und undurchschaubar und überaus beängstigend. Stig Dagermans Deutscher Herbst habe ich zu Ende gelesen, schwer beeindruckt, wie ein so junger Mensch, Dagerman war zum Zeitpunkt seiner zweimonatigen Recherchereise gerade einmal 23 Jahre alt, so differenziert und gleichzeitig pointiert schreiben kann. Er erzählt z.B. sehr anschaulich von der großen Not der Menschen in den zerbombten Städten, von anämischen Kindern, die in Kellern leben, in denen ihnen das Wasser bis zum Schaft der zerlumpten Schuhe steht. Aber auch von Entnazifizierungsprozessen, er besucht Spruchkammerverfahren, in denen plötzlich alle Angeklagten ausländische Sender gehört, sich anständig Juden gegenüber verhalten und überhaupt nur aus Zwang und ohne eigene Überzeugung der NSDAP beigetreten sind. Die Flüchtlinge aus den Ostgebieten werden von einem Bundesland ins andere abgeschoben, niemand will sie haben, es reicht schon für die Menschen, die ohnehin da sind vorne und hinten nicht. Der Bäcker hat seit zwei Tagen kein Brot. Und neben dieser Not existieren die „weniger Armen“ wie Dagerman sie nennt, Schriftsteller, die in einer Villa leben und sich lieber mit der Epoche des Barock als mit der eigenen Vergangenheit beschäftigen, und viel zu viele Menschen, die behaupten nichts gesehen und gewusst zu haben, und die Zeit in der Hitlerjugend gehört zu den besten Zeiten ihres Lebens. Ich bewundere wie Dagerman eindringlich beschreibt, ohne jemals zu urteilen, aber auch ohne jemals seine klare und entschiedene Haltung aufzugeben. 1946 war Deutschland ein Trümmerhaufen voller hungernder verzweifelter Menschen, nicht wenige sahen sich als Opfer, die Entnazifizierungsprozesse waren eher eine Farce als ein brauchbares Instrument um auf eine Demokratisierung hin zu arbeiten. In diesem Herbst, in dem ein junger Schwede das angeblich „unbeschreibliche“ sehr anschaulich in Worte fasste, war nicht abzusehen, ob das Land jemals wieder auf die Beine kommen würde, und ebenso unklar war, ob die Menschen sich zur Demokratie bekehren lassen würden.

#Entnazifizierung #Hunger #Nachkriegsdeutschland #Spruchkammern #StigDagerman

Wie viele Parteimitglieder gab es in einer Firmen während der NS-Zeit?

👉 Wer dieser Frage nachgehen möchte, für den lohnt sich ein Blick in die fragmentarisch überlieferten Bestände zur Deutschen Arbeitsfront. Dort sind Fragebögen überliefert, in denen die Firmen unter anderem mitteilten, wie viele Betriebsangehörige in der NSDAP waren. Hier ein Beispiel aus der #Akte über die Wäschefabrik Becker in Geislingen. 1937 war dort kein Betriebsangehöriger Mitglied der NSDAP oder der SA, die meisten aber in der Deutschen Arbeitsfront.

💡 Bei der Deutschen Arbeitsfront (DAF) handelte es sich um die nationalsozialistische Einheitsorganisation der Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen. 1933 im Zuge der Zerschlagung der freien Gewerkschaften gegründet, bestand ihre Hauptaufgabe in der sozialen Gleichschaltung zur Herstellung der "Volksgemeinschaft". Im März 1935 erhielt die Deutsche Arbeitsfront den Status eines der NSDAP angeschlossenen Verbandes. Zuständig war die Massenorganisation vor allem für die umfassende Betreuung der Arbeitnehmer*innen, ihre fachliche Berufsausbildung und -Förderung einschließlich jährlicher "Reichsberufswettkämpfe" und "Leistungskämpfe der deutschen Betriebe". Über die kulturellen, sportlichen und touristischen Programme ihrer Unterorganisation, der "NS Gemeinschaft Kraft durch Freude", wirkte die DAF maßgeblich auf die Freizeitgestaltung der Arbeiter*innen ein.

👉 Die vom US-Militär erbeuteten Unterlagen der DAF-Kreiswaltung Göppingen gelangten über das Befreiungsministerium/Staatsministerium ins Staatsarchiv Ludwigsburg. Dort wurden sie unter der Signatur PL 515/13 zu einem eigenen Bestand formiert: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=19598&klassi=001.007.00024.%&anzeigeKlassi=001&zeigeD0=1

📷 Foto: Akte über die Wäschefabrik Becker in Geislingen. Signatur: LABW, StAL PL 515/13 Bü 60.

#nationalsozialismus #archive #archiv #entnazifizierung #firmengeschichte

Stimmt mit "NEIN" damit 4 Straßen in Münster endlich umbenannt werden und somit nicht mehr für Naziideologien herhalten müssen! ✊ Die Bezirksvertretung Münster-Mitte hatte bereits die Umbenennungen beschlossen, doch kommt es jetzt zu einem Bürger*innen-Entscheid, da sich leider eine Bürger*innen-Initative für den Erhalt der nach Nazi-Idolen benannten Straßen einsetzt!

An Geschichte kann auch anders erinnert werden, als stumpf die Heroisierung der Nazi-Idole zu übernehmen, welche Krieg und das Sterben als heldenhaftes Opfer umdeuteten. NEIN zu unkommentierten Straßennamen der NS-Zeit!

Unsere Bahnhofstraße heißt auch nicht mehr Adolf-Hitler-Straße und unser Schlossplatz auch nicht mehr "Hindenburgplatz"! Zu recht! 🖤❤️

"Straßennamen sind keine Neutralität 🚫

Münster ist eine Friedensstadt. Doch noch immer ehren wir mit Straßennamen NS-Mythen: Admiräle, die Soldaten opferten. Schlachten, die zum „Heldentod“ verklärt wurden.

Das ist kein Erbe – das ist Propaganda.

Das Bündnis ‚Münster sagt NEIN zu Nazipropaganda – Straßenumbenennungen JETZT!‘ kämpft für Namen, die der Friedensstadt Münster würdig sind. 🕊️

Andere Städte haben längst umbenannt. Warum nicht wir? Am 8. Februar beim Bürger*Innenentscheid mit NEIN stimmen! ❌"

#MünsterSagtNein #StraßenOhneNazis #friedensstadtmünster #münsternazifrei #entnazifizierung

#Bildungsfernsehen
#3sat Doku
Die drei Gerechten

Makaber die Beschreibung der Nachkriegszeit am Schluss.
Keine Entnazifizierung❗ Verstecken der KZ-Fotos bis 1963, aus Angst vor Nazigrößen.

Dokumentation

Die drei Gerechten

Den Judenrettern Julius Madritsch, Raimund Titsch und Oswald Bousko, drei vergessenen "Gerechten" aus Wien, und ihrem Schicksal widmet sich dieser Film.

Produktionsland und -jahr:  Datum:19.01.2022

weltweitVerfügbar bis: 27.04.2026

https://nrodlzdf-a.akamaihd.net/none/3sat/26/01/260127_drei_gerechten_dokgesc/1/260127_drei_gerechten_dokgesc_6660k_p37v17.mp4

#Solidarität #Zivilcourage
#DiedreiGerechten
#JuliusMadritsch, #RaimundTitsch #OswaldBousko #Wien #DenJudenrettern #Schicksal #Film #Nazi #Doku #Dokumentation
#Nachkriegszeit #Entnazifizierung

War #Entnazifizierung eigentlich auch mal ”Unwort des Jahres”?

Die heutige Folge des Podcasts «#Zeitzeichen» zur #Entnazifizierung Deutschlands in der Nachkriegszeit ist auch für die #Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes (#DRK) von Interesse. Das 1945/46 aufgelöste DRK (nur namensgleich mit dem heutigen DRK) war eine der NS-Organisationen, deren Mitgliedschaft mit den Fragebögen erfasst wurde.
➡️ https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c659c31834b84198/ (WDR: «Nach Hitler: Die Entnazifizierung Deutschlands nach dem Krieg»)

#RotesKreuz #DrittesReich #Nationalsozialismus #Podcast

Podcast: Nach Hitler: Die Entnazifizierung Deutschlands nach dem Krieg

Am 12.1.1946 ordnen die Alliierten die Entnazifizierung an: Wer war Täter, Mitläufer, entlastet? Ein gigantischer Versuch politischer Umerziehung und Demokratisierung. In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember über die sowjetischen Speziallager in Deutschland, was die US-Amerikaner beim Umgang mit den Faschisten in Italien lernen und warum der Begriff "Persilschein" umstritten ist. "Waren Sie in der NSDAP?", "Haben Sie während der NS-Zeit von Ihrer Tätigkeit profitiert?" Mit mehr als 130 solcher Fragen wollen die US-Amerikaner feststellen, wer sich aktiv am Nazi-Terror beteiligt hat. Der Fragebogen ist für viele Menschen in der US-Zone die erste Auseinandersetzung mit ihrer Rolle während der NS-Zeit. Die meisten weisen eine Mitverantwortung entschieden von sich, legen Entlastungsdokumente vor, die später "Persilscheine" genannt werden. Für Unmut sorgt, dass zunächst die einfachen Fälle abgehandelt werden, damit mehr belastendes Material für die Haupttäter gesammelt werden kann. Vielen ehemaligen NS-Funktionären gelingt es später aber trotz der Entnazifizierungsmaßnahmen, in der jungen Bundesrepublik wieder auf ihre alten Posten zurückzukehren. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Hanne Leßau (Historikerin) Hanne Leßau: Entnazifizierungsgeschichten. Die Auseinandersetzung mit der eigenen NS-Vergangenheit in der frühen Nachkriegszeit, Göttingen 2020 Bettina Greiner: Verdrängter Terror. Geschichte und Wahrnehmung sowjetischer Speziallager in Deutschland, Hamburg 2010 Heiner Wember: Umerziehung im Lager. Internierung und Bestrafung von Nationalsozialisten in der britischen Besatzungszone Deutschlands, Essen 1991 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an [email protected] Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr überall da, wo es Podcasts gibt, auch hier in der ARD Audiothek: https://kurz.wdr.de/podcastpicker-zeitzeichen Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Moritz Raestrup

ARD Audiothek

@net_gremlin @geist ja, die Nicht-Umsetzung der #Entnazifizierung ist ein massives Problem!

Auch hätten IMHO keine #NSDAP-Mitglieder in Ämtern und Behörden eingestellt, wahlberechtigt oder gewählt werden dürfen!

Johanna Haarer war Ärztin, Autorin und NS-Propagandistin. Geboren wurde sie am 3. Oktober 1900 in Tetschen-Bodenbach (Böhmen), gestorben ist sie am 30. April 1988 in München.  #Elternschaft #Entnazifizierung #Erziehungsgeschichte #GeschichteDerErziehung #IdeologieImAlltag #JohannaHaarer #Kindheit #Nachkriegsgesellschaft #NSPädagogik #SchwarzePädagogik

https://wahnsinnwissen.de/johanna-haarer-wie-ein-ns-erziehungsbuch-bis-heute-wirkt/