Hat man einen Termin in der Augenklinik, ist der Vormittag für die Katz. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit habe, und sogar bezahlt von der Krankenkasse, aber die Wartezeiten sind äußerst nervtötend. Der überwiegende Teil der dortigen Verwaltungsdamen könnte übrigens einmal die Vokabeln „bitte“ und „danke“ nachschlagen. Die Ärzt*innen waren jedoch freundlich, auch wenn sie auf mich wirkten wie Viertsemester (was aber auch an meinem vorgerückten Alter liegen mag). Der Zustand meiner Augen hat sich nicht verschlechtert, weiterhin muss ich nicht einmal Augentropfen nehmen.
Auf dem Weg zur Klinik begegne ich dem rumänischen Bettler, der wohl auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz vor dem Lebensmittelladen ist. Er nennt mich „prinţesă“ (Prinzessin) und erzählt mir, dass er Diabetes hat. Ich hoffe, wenn er über Weihnachten nach Hause fährt, kann er einen Arzt aufsuchen. Hier in Deutschland ist er unsichtbar, wenn er nicht im Kontakt mit einer der karitativen Organisationen steht, die sich hier für die Menschen auf der Straße einsetzen. Es gibt Kapuziner und Franziskaner, die das tun. Ich mache mir Sorgen und werde mich erkundigen. Ob aber unser rumänisch-italienisches Kauderwelsch ausreicht, um das zu klären?
In der Augenklinik beeindruckt mich ein junger Mann. Er bewegt sich etwas unsicher, jedoch ohne Blindenstock. Eine ältere Dame ist ihm behilflich und er erzählt, dass er sehr wohl einen Blindenstock habe, diesen jedoch nicht benutzten wollte, weil er zwei andere ältere Damen mit Rollatoren gehört hatte und befürchtete, ihnen im Weg zu sein. Er sieht afghanisch aus, aber seinen Akzent kann ich nicht einordnen.
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