Aus dem Archiv geholt
Vor etwas über zehn jahren habe ich einen kleinen text darüber geschrieben, wie man als jornalist (vermutlich nicht nur) meiner verachtung entkommen könnte. Damals gab es noch keine für alle menschen verfügbaren gnobbelmatschgeneratoren, die auf einen prompt hin ganze texte erstellen, halbwegs strukturiert und sogar in der gewünschten länge. Heute gibt es so etwas, und die jornalistischen webseits sind inzwischen voll mit dem gnobbelmatsch, der gedruckte zeitdung sicherlich auch.
Hier ein appetithäppchen:
Denk daran, dass du entbehrlich wirst! Es ist nicht mehr sehr lange hin, bis der Großteil der journalistischen Texte von Computerprogrammen verfasst wird¹, und es würde mich nicht verwundern, wenn Computerprogramme das Schreiben aus Lesersicht besser und aus Verlegersicht billiger hinbekommen als du, und dann gibt es auch für dich genau das Hartz IV, das du mit so großer Freude begrüßt, im Vorfeld herbeigeschrieben und deinen Lesern als leckeren Bonbon verkauft hast. Auch, wenn Elend und Aussichtslosigkeit noch nie der Ort waren, an dem Menschen ihren Stolz verlernt haben: Sei dir deiner Situation bewusst!
Oh, da ist eine fußnote mit einer „¹“ markiert? Was da wohl steht? Da steht „Ich schätze, dass es weniger als fünf Jahre dauern wird“. Ein kleines bisschen lag ich daneben. Vorhersagen sind eben schwierig, weil die zukunft ungewiss ist. Ich muss wohl mal mein tarotdeck neu kalibrieren. Aber es ist nicht so, dass diese entwicklung aus dem nichts kam. Sie zeichnet sich schon lange ab, wenn man nur hinschaut. Genau so, wie andere entwicklungen.
Warum mir diese olle kamelle gerade wieder einfällt? Nun, ich lese gerade einen text von Bernd Müller in der telepolis, und hätte das dort gern im forum gesagt, aber ich habe einen bösen-hexer-bann nur für die telepolis. Beim rest von heise onlein kann ich nämlich noch kommentieren. Die telepolis — und nur die telepolis — sieht für mich aus, als wäre ich gar nicht angemeldet, und wenn ich mich da nochmal anmelde, bin ich weiterhin nicht angemeldet. Müsst ihr verstehen, ich bin pöser hetzer, hexer und nazi. Lasst ihn nicht hinein, haltet die fernstadt sauber!
Das Aneinanderreihen von Wörtern und Sätzen, wie es bei Medieninsider heißt, wird hier zum unantastbaren Wesenskern eines ganzen Berufsstands erklärt.
Das ist ein bemerkenswert selektiver Purismus. Denn dieselben Redaktionen nutzen seit Jahren KI-gestützte Spamfilter, automatische Bildverschlagwortung und algorithmische Ausspiellogiken, ohne dass jemand nach der Seele des Journalismus ruft
Herr Müller, nur zu ihrer informazjon, weil sie es noch nicht zu wissen scheinen: es gibt einen unterschied zwischen einem werkzeug, das die geistige arbeit eines menschen erleichtert (etwa: rechenschieber, rechtschreibkorrektur und verschlagwortete archive) und einer maschine, die den gesamten prozess der geistigen arbeit übernimmt, damit es aus verlegersicht weiterhin zur gleichen wertschöpfung kommt, aber menschen nichts mehr von seinem reibach abbekommen, wenn sie nicht gerade akzjen des verlages haben.
Die verwendung von werkzeugen ist ein zeichen für intelligenz, aber wenn diese intelligenz nicht mehr benötigt wird und durch einen stochastischen papageienschwarm — engl.: a stochastic pandemonium of parrots — ersetzt werden kann, ist das ein deutliches zeichen für dummheit. Und die jornalisten, diese miesen lehrer der nazjon mit ihrer gefährlichen massenverdummenden erwaxenenbildung, die möchten nicht gern, dass ihre eigene dummheit so grell offenbar wird, dass sie diese selbst nicht mehr übersehen können. Das beschädigt nämlich das glänzende selbstbild und den schlecht sitzenden heiligenschein, ist also eine narzisstische kränkung. Bei leuten, die bis zum realitätsverlust von ihrem narzissmus zerfressen sind, ist das ein problem. 😁️
Dass die jornalistische „reschersche“ — neben oft nervigen telefonaten — seit rd. einem vierteljahrhundert im wesentlichen aus einigen websuchen und der übernahme von agenturmeldungen besteht, macht die vollständige übernahme des prozesses noch einfacher. Dass jornalisten in ihrer mehrzahl gewohnheitsmäßig keine kwellen angeben oder gar mal für leser auf den jornalistischen webseits verlinken [weiteres beispiel], ebenfalls. Warum? Weil man sich dann die kwellen genau so gut einfach selbst ausdenken kann, und darin sind angelernte neuronale netzwerke recht gut.
Wie der gegenwärtige und widerwärtige gnobbelmatschjornalismus aussieht, durfte ich schon sehr kalt und dumm vom norddeutschen schundfunk erfahren: „Hej, tschättGPT, such mir mal für meine ‚rescherche‘ über obdachlosigkeit in linden-süd ein paar leute aus dem internetz heraus und schreib denen eine mäjhl, ob ich die leute zum content verwursten kann und sortier die antworten für mich, damit ich nicht so viel lesearbeit habe“. Und der rest geschieht dann ohne weiteres zutun. So guter content, fast so wichtig für die p’litische bildung wie ein kleiner fruchtzwerg.
Bei diesem problem geht es keineswegs um das aneinanderreihen von wörtern und symbolen. Und um angelernte neuronale netzwerke nur insofern, dass sie große teile dieser contenterstellung automatisieren können. Oder, um deutlichere wörter zu nehmen: dass sie diese prozesse in mechanischer und unmenschlicher weise fortführen können.
Dass man den lesern, hörern und zuschauern die ergebnisse mechanischer und unmenschlicher produkzjonsweisen so leicht verkaufen kann, das liegt freilich am mechanischen und unmenschlichen scheißjornalismus von scheißjornalisten, den sie gerade am ablösen sind. (Ja, ich weiß, diese verlaufsform ist noch nicht so koscher. Kommt noch.) Das es einen ausgeprägten jornalistischen frasenapparat gibt, macht es noch leichter, die strukturelle jornalistischkeit herzustellen, die auf dem ersten blick als formal richtig aufgefasst wird. Vermutlich wäre das — wie etwa bei horrorskopen — sogar ohne angelernte neuronale netzwerke möglich, so dumm ist der jornalismus geworden…
Dass man den jornalismus so problemlos durch gnobbelmatsch ersetzen kann, liegt daran, dass der jornalismus die menschen seit über vierzig jahren an ein sehr niedriges und offen intelligenzverachtendes niewoh gewöhnt hat, das sich zudem seit ungefähr 1998 im freien fall befindet. Der metodenapparat der bildzeitung ist inzwischen allgegenwärtig, und von der seite flutscht zusätzlich langsam der metodenapparat der influenzas im internetze rein. „Contentmarketing“ — also intelligenzverachtende schleichwerbung als redakzjoneller inhalt getarnt — gibt es inzwischen bis zur anspruchsvoll scheinenwollenden bürgerlichen scheißpresse. Oder anders gesagt: es liegt an den jornalisten, die kein ende im freien fall ihres tuns und ihrer machenschaften zu kennen scheinen.
Aber immerhin: sie lesen mir inzwischen nicht mehr jeden scheißtag ihre auswahl von twitter vor, damit sie ihre eigenen gedanken dem für dumm verkauften lesery als „so denkt das internetz darüber“ verkaufen können. Das haben sie zwischendurch jahrelang gemacht. Und immer mehr davon. Und dazu immer schön an die dumme psyche appelliert. Jetzt haben sie ihr blaues wunder. Und sie werden langsam von unternehmen ersetzt, deren logos passenderweise immer ein bisschen wie ein arschloch aussehen.
Nun gut, zitiere ich nochmal Bernd Müller:
Beide Positionen – die kulturkritische Totalablehnung und der provokante Techno-Optimismus – teilen denselben blinden Fleck: Sie ignorieren, dass der eigentliche Skandal weder im Werkzeug noch in der Kennzeichnung liegt, sondern im Versagen der menschlichen Qualitätskontrolle
‼️
Stirb, scheißjornalist, stirb! Verrecke, verleger, verrecke! Nehmt euer leistungsschutzrecht, das „kleinste textbestandteile“ schützt, mit in die würmergrube, ihr arschlöcher!
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