Habt ihr schon jemals erlebt, dass "mangelnde Motivation", die man einer Gruppe, Abteilung oder sonstigen Organisationseinheit nachgeredet hat, irgendwas anderes war als ein Führungsproblem?

Wenn ja, dann beschreibt mir die Situation bitte.

Gerne auch weitertröten.

@xahteiwi bin nicht motiviert genug ...
@xahteiwi gibt es auch als "zu wenig Leute" o.ä., aber letztlich ist auch das ein Führungsproblem (wenn man Führung richtig versteht als: die Aufgabe ist, die Rahmenbedingungen für den Erfolg zu schaffen)
@xahteiwi Ich bin ja ganz unten in akademischen Umfeld. Prof, Post Doc, Master in irgendwas, Bachelor der irgendwann was werden will. Und der ganze Schrott kommt von oben, aber das Fußvolk denkt selbständig, denn wir können uns es erlauben, denn Theorie ist nicht alles.
@xahteiwi
Ja, viele motivierte Führungskräfte scheitern an Organisationen. Luhmann lässt grüßen.
@xahteiwi Das Führungsproblem (Du hast Recht) kann strukturell verankert sein. Ich habe das mal als "Strukturelle Dummheit" beschrieben.

@xahteiwi

Ein ehemaliger Chef hat nach Lesen von irgend einem Buch über Management gesagt, man müsste nicht die Mitarbeiter motivieren, man müsste vor allem damit aufhören sie zu demotivieren.

Und das spiegelt zumindest meine Wahrnehmung gut wieder: ich bin grundsätzlich motiviert, von oben kommt aber in der Regel demotivierendes.

@madalex Immerhin hat dein ehemaliger Chef nicht das ganz falsche Buch gelesen. 🙂

Und ja, das ist genau der Punkt: Menschen sind mit wenigen Ausnahmen von vornherein motiviert, aber es gibt ganz viele Führungskräfte die erschreckend gut darin sind, das kaputt zu machen.

@xahteiwi @madalex
Fangen wir ja schon früh bei Kindern in der Schule an 🤬
@xahteiwi Ich habe zusätzlich den Eindruck, dass Führungskräfte, die sich mit Führung auseinander setzen inzwischen Seltenheitswert haben. Der damalige Chef hat das in seiner Freizeit gelesen! Das kann ich mir beim heutigen Chefmaterial, das mir heutzutage unterkommen, nicht vorstellen.
@madalex Ich bin Milizoffizier (heißt in Deutschland "Reservist") und stelle immer wieder fest, dass in der Privatwirtschaft vergleichsweise praktisch gar kein Führungsverhalten mehr ausgebildet wird.
@xahteiwi Ich arbeite in einer Bildungseinrichtung und am 1. Januar wurden unsere Gruppe in 2 Teile aufgespalten. Im anderen Teil ist einer der Mitarbeiter Teamleiter geworden. Keine Führungserfahrung bisher und jetzt auch keinerlei Ausbildung, noch nicht einmal geplant. Führung findet einfach nicht statt.
@xahteiwi Wenn Du Führungsproblem auf die ganze Firma ausdehnst, stimme ich zu. Wenn Du es auf untersten administrativen Ebene lassen willst, stimme ich nicht zu.
@xahteiwi Leider können auch gute Führungspersonen nur bedingt gegen ein demotivierdes Umfeld ankämpfen. Selbst wenn das ideal gemacht wird, ist das beste zu erreichende Ergebnis, dass die Mitarbeiter es "hier" (in der Abteilung, Gruppe, etc.) toll finden und für einander einstehen, das weitere Umfeld aber als hostile empfunden wird. Die führt mittel- und langfristig zu abnehmender Motivation und kann nur bedingt von der Führungsperson gesteuert und beeinflusst werden.

@doMCon @xahteiwi
Ich (als Institutsleiter) habe gekündigt als die HS-Leitung mich zwingen wollte mein Institut völlig anders zu organisieren.

Kurz nach mir sind ca 50% der wiss. mitarbeitenden des Instituts auch gegangen.

insgesamt wurde mit der neuen HS Führung ein massiver Brain Drain angestossen, bei dem viele gute Leute (Profs) innerhalb von 2Jahren weg gegangen sind. (aus diversen sich kumulierenden Verschlechterungen).

@xahteiwi wenn ich so drüber nachdenke… nein.
Ich bin auch schon länger der Meinung, dass wir keinen Fachkräftemangel, sondern mangelhafte Führungskräfte haben.
Mit weniger erfrischenden Ausnahmen, glücklicherweise.

@5worx

Ich bin auch schon länger der Meinung, dass wir keinen Fachkräftemangel, sondern mangelhafte Führungskräfte haben.

Das ist ein Denkfehler, denn ein Mangel an geeigneten Führungskräften ist ein Fachkräftemangel.

Weil Führung ist keine Kunst und keine Wissenschaft, sondern ein Handwerk. Wenn Menschen in diesem Handwerk nicht ausgebildet werden, dann sind sie eben keine geeigneten Fachkräfte für die Rolle, die sie innehaben.

@xahteiwi
Das stimmt nicht, weil
es Autodidakten gibt
ich aus meiner Führungs- und Schulungserfahrung sagen kann, dass du noch so viel schulen kannst, funktioniert es nicht, wenn du keinerlei Ahnung hast, was Selbstreflexion bedeutet und das ist eher ein sozial-kulturelles Entwicklungs- und Bildungsthema in der Gesellschaft. Wenn Empathie nicht intensiv (vor)gelebt wird, prägen sich eben andere Muster stärker ein.
@5worx

@Mike_G_Hyrm

"Das stimmt nicht, weil es Autodidakten gibt" als Replik auf "Führung ist Handwerk" ist eine unsinnige Aussage.

Wäre sie wahr, dann dürfte es unter Tischlern, Maurern, Bäckern — alles ebenso Handwerker — keine Autodidakten geben.

"Handwerk" bedeutet immer, dass es grundsätzlich jeder Mensch erlernen kann. Ganz wenige haben so viel Talent dafür, dass sie es sich selbst beibringen können und darin gut sind. Manche haben so wenig Talent dafür, dass sie mit der besten Ausbildung unterdurchschnittlich bleiben. Bei den Allermeisten ist soviel natürliches Talent vorhanden, dass sie bei Interesse und mit guter Ausbildung solide Handwerker werden können.

Und die Gefühlsebene gehört zum Wesen des guten Handwerks immer dazu. Die Führungskraft braucht Einfühlungsvermögen, der Bäcker ein Gefühl für guten Geschmack, der Tischler eins für angenehme Holzoberflächen.

@5worx

@xahteiwi

Das wunderbare daran und so ziemlich bis hin zur Existenz ist, Glauben ist nicht Wissen und selbst Wissen ist immer beschränkt und nie allumfassend oder endgültig. Differenz ist zumindest manchmal für eine Sache gut, es kann die Bestätigung für das eigene Bewusstsein sein.

@5worx

@xahteiwi jepp. Solist das.
Manchmal frage ich mich, ob der Wegfall der Wehrpflicht da nicht auch einen Teil zu beiträgt.

Spaß beiseite.
Warum haben gerade Konzerne kein Interesse daran gute Führungskräfte aufzubauen?
Ich verstehe die Beförderungsstrategien nur, weil ich „Dilbert und die Wiesel“ kenne. Aber das kann es kaum sein.

Ideen oder gar eine Antwort?

@5worx Gute Führungskräfte aufbauen kostet Geld. Wenn ein Konzern vermeiden kann, Geld auszugeben, dann vermeidet er es.

Wenn das bedeutet, dass er dem Bund einen Berufsoffizier Anfang 30 abwirbt, der gerade seine Mindestverpflichtung und zuvor eine steuerzahlerfinanzierte Ausbildung von 7-stelligem Wert durch hat, dann macht der Konzern das.

Man sollte mal drüber nachdenken, ob man so was als Steuerzahler eigentlich tolerieren will.

@xahteiwi macht ja Sinn. Ich vermeide ja auch, Geld für meine Existenzsicherung auszugeben. 🤷‍♂️🤡