@astefanowitsch Das setzt alles voraus, dass „die KI“ eine eigenständige zusätzliche Anwendung ist, die man explizit starten und benutzen muss. Oder dann eben nicht benutzen darf
Je mehr integriert wird, und nicht als Feature, sondern ständig im Hintergrund laufend, desto schwieriger. Mini-Beispiel: was machen mit der Literaturrechrche, wenn das Suchsystem der Hochschulbibliothek ein angepasstes LLM in die Keyword-Suche integriert? Wenn das Repositorium generierte Zusammenfassungen anbietet?
@astefanowitsch rein interessehalber: welches Problem löst man denn durch das Verbot dieses Werkzeuges?
Ich mein, gerade im geisteswissenschaftlichen Umfeld ist in allen beruflichen Bereichen doch die Benutzung von KI gang und gäbe. Das sollte in der Ausbildung doch auch zumindest thematisiert werden.
@michaelgiesler @astefanowitsch
Eine große Stärke der Geisteswissenschaften ist, dass im Studium Soft Skills wie Recherche, Diskussionsfähigkeit, Textverständnis, Strukturverständnis, ... vermittelt werden.
Diese Soft Skills entwickelt man aber vor allem durch mühsame Recherche, Auseinandersetzung mit Quellen, Formulierung von Argumenten und Texten und der Strukturierung von Ergebnissen.
Das Schreiben von Hausarbeiten ist nicht der Zweck, sondern nur Mittel zum Zweck im Studium.
Wenn eine KI das alles per Knopfdruck übernimmt, geht jeglicher Lerneffekt verloren.
Damit Kinder ein Verständnis für Zahlen entwickeln, gibt man ihnen auch nicht ab Klasse 1 ein Taschenrechner in die Hand, sondern lässt sie zuerst für mehrere Jahre auf dem Papier/ im Kopf rechnen.
@goblin
Nichtsdestotrotz wird in der Schule IMMER auch das Werkzeug "Taschenrechner" verwendet und den Schüler*innen der Umgang damit beigebracht.
Der Thread hier sprach aber von einem vollständigen Verbot.
Etwas sarkastisch drängt es mich zu fragen, ob auch ein Verbot von Computern erwogen wurde, damit man manuelle Recherche in den Büchereien und Registerkästen lernt.
@michaelgiesler @astefanowitsch
Das Durchwühlen eines Archivregisters ist kein Soft Skill, der heute noch relevant ist (bis auf wenige Ausnahmen).
All das, was mit dem Recherchieren, Auseinandersetzen und Schreiben von Texten einhergeht, allerdings schon.
Dass ein LLM nur als Werkzeug eingesetzt wird, ist im best case möglich, aber in der Praxis unwahrscheinlich, weil die Anreize für Missbrauch sehr hoch sind.
Bei einem LLM kann man einfach die Aufgabenstellung des Dozenten in das Promptfenster einfügen. Mit dem daraus entstehenden Text muss sich dann der Dozent herumschlagen. Da die Korrektur aber gar nicht die Leistung des Studierenden betrifft, verpufft der Aufwand des Dozenten wirkungslos.
Das nutzt dem Studi nichts und verschwendet die Zeit des Dozenten.
@goblin
Wenn man ein Werkzeug verwendet, lernt man etwas (gilt auch für den Taschenrechner). Bei der Texterzeugung durch Sprachmodelle lernt man aktiv nichts - man umgeht sein Gehirn, wie der Beitrag oben erläutert.
(Und kommt mir jetzt bitte nicht mit dem Bullshitbingo Kästchen "Prompting-Kompetenz". Danke.)
@frank
Also, ich benutze einen Taschenrechner (oder die KI) nicht dazu, etwas zu lernen, sondern Aufgaben zu bewältigen, und meinen Job zu erledigen. Lernen tue ich dabei andere Dinge.
@michaelgiesler
Ich verstehe den Thread hier so, dass es um die Benutzung dieser Werkzeuge an einer Universität, insbesondere bei studentischen Studienleistungen geht, so lese ich auch das im Ausgangsposting verlinkte Dokument. Solange man ein Studium nicht als Bewältigung von Aufgaben versteht trifft deine Aussage meines Erachtens nicht zu.
Ich habe als Lehrer dasselbe Problem, und meine Beobachtung ist: Schülerinnen, die diese Werkzeuge zur Lösung von Aufgaben verwenden, sehen diese Aufgaben wie du schreibst als "einen Job", den sie mit Hilfe von LLMs unter Umgehung ihres Gehirns mit möglichst geringem Aufwand "erledigen". Sie berauben sich damit jeder Möglichkeit, das eigentliche Ziel der Aufgaben, nämlich etwas zu lernen, zu erreichen.
Und was den Job angeht, eine persönliche Bemerkung - ich betrachte es als großes Privileg, einen zu haben, bei dem ich jeden Tag etwas lerne. Das wünsche ich auch all meinen Mitmenschen: Dass sie nicht nur viele Stunden am Tag Aufgaben bewältigen müssen, bei denen sie nichts lernen (müssen).
Wenn man in dieser Richtung weiterdenkt, kommt man schnell zu Fragen wie "Was macht uns zu Menschen", "Wie sollte eine menschenwürdige Welt aussehen" und ähnlichem mehr. Und welchen Einfluss haben Technologien wie die Sprachmodelle, die derzeit als "Intelligenz" verkauft werden auf die Antworten solcher Fragen.
Ich bin kein Geisteswissenschaftler, und wünsche mir, dass die Geisteswissenschaftler, die sich mit solchen Fragen befassen, die Antworten auf solche Fragen nicht durch ein Sprachmodell generieren lassen.
Aber das war jetzt schon Off Topic, ich gebs zu...
@astefanowitsch @goblin in meinem GW-Studium vor 20 Jahren war es in der Tat auch ein Thema, inwiefern man das Internet und Computer nutzen darf. Deswegen reizt mich das Thema und dein Thread etwas. Damals hatte ich den Eindruck, dass man Angst vor neuen Entwicklungen hatte (Zitat: "Internet? Ach, das vergeht wieder.")
Jetzt bin ich als GW-Akademiker in einem Job, wo ich fürs Denken bezahlt werde, wäre ohne Internet vollkommen aufgeschmissen und erfreue mich an den neuen Möglichkeiten durch KI.
Dass es nicht Teil einer Prüfungsleistung ist, heißt ja nicht, da etwas nicht gelehrt werden darf oder wird.
Ich habe im Studium vieles gelernt, und vieles war wertvoll, aber nicht unbedingt Teil des berüchtigten "prüfungsrelevante Wissen"
@astefanowitsch