Hier eine psychologische Erklärung für die emotionale Besessenheit vieler Menschen (vor allem vieler Männer) vom Verbrennungsmotor: Sie wurde uns von kleinauf antrainiert. Die Liebe zum Verbrennungsmotor ist ein Ergebnis von kognitiver Dissonanzreduktion.
(“Männer, die die Welt verbrennen”, Kap. 3)
@chrisstoecker Ich bin mir sicher niemand liebt Autolärm. Was die Leute lieben ist das Privileg andere mit diesem Lärm zu terrorisieren.

@343max @chrisstoecker Es ist dieses, „Achtung, jetzt komm‘ ich!“ Der gleiche Effekt wird mit monströsen SUVs und, schlimmer noch, Pick-ups, erzielt. (Wie ich diese Dinger hasse.)

Was ich allerdings nicht verstehe: die anderen hören den Lärm ja nur kurz, der Fahrer aber die ganze Zeit (relevant v.a. für Motorradfahrer). Wie kann man sich das antun, wenn man es nicht mag?

@343max Nein, das stimmt nicht. Definitiv nicht. Einfach mal Männern zuhören, die sich begeistert über den “Sound” eines Supersportwagens unterhalten. Oder eine beliebige Autozeitschrift lesen.
@chrisstoecker Ja, das kenne ich auch alles. Aber die allermeisten davon fahren am Ende diese Supersportwagen ja nicht, u.a. weil sie auch für die Fahrer eine Zumutung sind.
@343max einfach mal lesen, was @gigold hier weiter unten schrieb :)
@chrisstoecker @gigold Aber den Leuten die gerade vehement gegen ein Verbrennerverbot sind geht es ja nicht um irgendeinen V8 Sound sondern darum mit ihrem Diesel weiter alles zukämen und stinken zu können. Es geht um das Recht rücksichtslos sein zu dürfen, das man sich für viel Geld gekauft hat. Das geht mit einem E-Auto halt nicht ganz so gut und darum lehnt man die ab

@343max @chrisstoecker

Das weiß ich – und ich schrieb ja; wie sehr quatschig ich das finde. Es gibt keinen Grund (mal vom Sound abgesehen) für das beseelte Festhalten an Verbrennern in Alltagsautos.

@chrisstoecker @343max
A propos Autoliteratur: "Die wichtigsten Werkzeuge der Menschen werden nicht immer besungen: Pflug, Ackergaul, Karren, Fabrik, Maschine, Dampfschiff - nichts ist vergleichbar emporgehoben worden. Um Segelschiffe rankt sich eine gewisse Poesie, jedoch hat sie nie die Wartezimmer aller Frisöre mit Zeitschriften wie 'Segel, Welle, Sport' erreicht. Warum gerade das #Auto?"
🔓PDF https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5943-6/deutschland-als-autobahn/

Vllt als ergänzende Lektüre über die braunen Ursprünge der dt. "Autoliebe".

Deutschland als Autobahn

Die Kulturgeschichte Deutschlands, seiner Republiken und Modernisierungen – erzählt durch 100 Jahre Autobahn.

transcript Verlag
@chrisstoecker @343max oder Berichte über Sounddesign der Autohersteller anschauen. 🙉
@chrisstoecker In eine ähnliche Kerbe schlägt auch ein Teil der (primär männlichen) Faszination für Schusswaffen und Böller: Lärm und Gefahr werden in Spaß und Machtfantasien umgedeutet.
@chrisstoecker
Es erinnert an das von Jane Goodall beschriebene Imponiergehabe von Schimpansen. Männliche Schimpansen machen Lärm, um andere zu beeindrucken. Sie kreischen, trommeln auf den Boden und schlagen mit Stöcken gegen Bäume. Einer entdeckte, dass sich der Krach steigern lässt, wenn man Benzunkanister zur Randale benutzt.
Und vielleicht sollten wir das männliche Imponiergehabe qua Motorenlärm bei Homo Sapiens genauso bezeichnen: als affig.

Affige Trotzreaktionen.

Verstehe überdies nicht, warum die gleichzeitig so neumodischen Kram wie z.B. Mobiltelefone nutzen. FrÜhEr GaBs FüR sOwAs ScHlIeSsLiCh BrIeFtAuBeN!1!1!!1!!!!

@Nike_Leonhard @chrisstoecker

@HolyCrap @Nike_Leonhard Affig? Könnt ihr bitte die Tiere in Ruhe lassen, sobald es um etwas negatives geht? Affen ruinieren keinen Planeten. Sie sind Opfer, nicht Täter.
Und Imponierverhalten gibt's bei Menschen ebenso wie bei Tieren. https://www.focus.de/earth/analyse/weltweite-hitzewellen-tote-affen-fallen-von-den-baeumen-der-globale-hitze-wahnsinn-hat-begonnen_id_259974434.html
@chrisstoecker

@Blickwinkel
"Und Imponierverhalten gibt's bei Menschen ebenso wie bei Tieren."
Das macht es nicht weniger affig und atavistisch.

Außerdem: Tiere sind keinesfalls nur harmlose Opfer. Nicht nur, weil Schimpansen Kriege gegeneinander führen, sondern vor allem, weil es keine Dichotomie von Tieren und Menschen oder Natur und Kultur gibt. Wir sind alle Teil eines großen Ganzen, dessen Gleichgewicht sich immer wieder auspendeln muss. Jede Art in diesem System verändert es.
@HolyCrap @chrisstoecker

@HolyCrap
Jetzt fühle ich mich sehr an meinen Vater, seine Anhänglichkeit ans Fax und seine absolute Ablehnung gegen Mobiltelefone erinnert. ^^
@chrisstoecker
@chrisstoecker bisher ist dein Buch nicht über die #Onleihe verfügbar. Zumindest nicht beim #vöbb. Ist das geplant?
@wrdlbrmpft huh, das weiß ich nicht. Aber es gibt definitiv Bibliotheken, die es haben.
@chrisstoecker ich finde diese fixiertheit allein deswegen so lächerlich, weil 99% der leute ja nie übrr nen vierzylinder oder nen V6 rauskommen. Wie kann man emotionale Verbundenheit zu nem Astra oder Corolla haben? Haben diese Leute auch Fotos ihrer Gefriertruhe in der Geldbörse?
@Nfoonf @chrisstoecker Die Gefriertruhe macht ja aber keinen Spaß. Ich liebe meine Fahrräder, weil ich mit ihnen Aufregendes erlebe. Ähnlich ist das wohl auch beim Auto.
@clarissawam @chrisstoecker ich liebe autos, sehr sogar, ich liebe aber auch Kunst der Renaissance und Antike. brauch aber weder ne Karre noch nen Tintoreretto in meinem Haus.

@Nfoonf Das ist aber etwas ganz anderes!! "Ich liebe Autos" ≠ "Ich liebe mein Auto".

Und auch das "weil 99% der leute ja nie über nen vierzylinder oder nen V6 rauskommen" aus Ihrem ersten Tröt ist schon absurd.

Ich liebe meinen Kater, weil er MEINER ist und bei mir lebt, nicht, weil er ein reinrassiger Sonstwas ist und €5000 gekostet hat (hat er nicht).

@clarissawam idk fahr lieber kein auto als nen ratenfinanzierten Mistkübel. sitz lieber mitm Rotwein in der Hand in der ersten Klasse vonnem Eurocity als innem Golf im Stau vor den Kasseler Bergen. die 400 Tacken die ich monatlich mindestens fürs eigene Auto inklusive aller Nebenkosten aufwenden müsste, leg ich lieber für die Rente zurück.
@clarissawam aber menschen sind verschieden glaub ich.
@Nfoonf ja klar. Aber ich versuchte ja nur zu erklären, wieso man eine emotionale Verbindung zu einem Auto haben kann und nicht zu einer Tiefkühltruhe.
Das ist m.E. etwas grundsätzlich anderes als eine ALLGEMEINE Wertschätzung für eine Kategorie.
@clarissawam dir ist klar, dass diese Emotionalisierung ein Marketingtrick ist der an Konferenztischen von Beraterfirmen künstlich erzeugt wird? Das ist seit Jahrzehnten ein Teil der Verkaufsstrategie

@Nfoonf mag sein. Ich hab aber 15 Jahre lang ohne Auto gelebt, ist also nicht so, dass ich mich davon zum Kauf verleiten lasse.

Und wie gesagt, ich HASSE Autofahren, auf den "Auto ist Freiheit"-Quatsch fall ich also nicht rein (siehe mein Stauvideo von vorgestern *g* https://www.youtube.com/watch?v=1aaih6j7_Eo)

Wenn man aber sowieso ein Auto braucht, weil man schlechte Öffi-Anbindung hat usw, wieso dann nicht dran hängen? Mein Auto ist klein und elektrisch und überhaupt kein Statussymbol. Es ist ein reines Fortbewegungsmittel. Es kann mir ja trotzdem Freude bereiten. 🤷‍♀️

Natürlich weit weniger als meine Fahrräder, und mit einem davon fahr ich jetzt in den Wald, wheeeeee!!! ❤️❤️❤️

TCHAIKOVSKY TRAFFIC JAM

I rode my bike through a messy traffic jam near Luxembourg airport. Then I added Tchaikovsky's Russian Dance from the Nutcracker, et voilà - immediate mood b...

YouTube

@Nfoonf ich fahre übrigens total ungern Auto. Ich liebe mein Auto trotzdem. Ich liebte auch die Mistkübel.

Geht sicher auch nicht jedem so. Ich anthropomorphisiere gern. Hatte auch schon mal eine Waschmaschine mit Kulleraugen. *g*

@Nfoonf @chrisstoecker Die Gefriertruhe wird wohl auch seltener gereinigt als „der Wagen“.

@chrisstoecker

Nachbarfamilienhaus:
Opa: Ford Ranger
Oma: Susuki Jimny
Papa: Jeep Cherokee
Mama: auch ein Cherokee
4jähriger: natürlich ein Cherokee als selbstfahrendes Mini-Auto.

Die ganze Familie ist nicht dafür bekannt, mal zu Fuß zum 1,5 km entfernten Versorgungszentrum zu gehen, geschweige denn hat man sie jemals auf einem Fahrrad gesehen.

@chrisstoecker

Naja, es gibt einen Unterschied zwischen Lärm und Sound. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Sound eines V8 und einem Vierzylinder (der in der Regel in 90% der Autos lärmt) - den gleichen Unterschied, den Fans von klassischer Musik und Heavy Metal hören.

Ich mag E-Autos, mich nervt Stadtlärm, ich halte es für absurd, dass Ottos meinen am Verbrenner festhalten zu müssen. ABER der Sound eines V8 oder V10 gibt mir positive Gänsehaut.

@gigold
Nicht mehr.

Früher habe ich das auch so gesehen.
Wenn ich heute nur "V8" oder was ähnliches auf dem Heck sehe, kommt völlig mechanisch nur ein Kopfschütteln und wenn dann das Rummeln einsetzt, denke ich mir nur "So viel Lärm für so wenig Leistung!"

@chrisstoecker

@gigold @chrisstoecker Das ist aber sicher nicht, weil der Sound objektiv angenehm ist, sondern die damit verbundenen Assoziationen.
@gigold Kann ich komplett nachvollziehen. Rational ist der Verbrenner für mich auch durch, erst recht im Alltagsauto. Aber es gibt Exemplare, die für eine kleine Gänsehaut gut sind. (Vierzylinder-Benziner mit CVT-Getriebe gehören aber definitiv nicht dazu.) @chrisstoecker
@gigold das ist eine wunderbare Illustration dessen, was da oben steht. Sorry.
@chrisstoecker
Ich sehe das wie @gigold. Ich persönlich finde den Sound von manchen Autos schön, wenn ich bspw. auf einer Autoshow oder einem Rennen bin und ihn hören will oder er zum Event dazu gehört. Aber ich würde nie sagen, dass ich Verkehrslärm gut finde. Aus meiner ersten eigenen Wohnung bin ich nach zwei Jahren u.a. wegen der Nähe zu einer Hauptverkehrsader raus und in eine Wohnung mit Fenstern zum Innenhof gezogen. Und ein sehr lautes Auto im normalen Verkehr: ärgert mich.
@gigold
@surfguard @gigold Und genau das ist kognitive Dissonanz.

@chrisstoecker
Ich sehe da keine Dissonanz. Es sind halt unterschiedliche Situationen bzw. Kontexte, in denen ich Gleiches unterschiedlich bewerte. Im Spaßbad finde ich mit einer Wasserpistole bespritzt zu werden witzig. Im Büro würde ich das anders sehen.

Ich bin für viel weniger Verkehr in Städten, finde Autorennen auf einer Rennstrecke aber interessant, inkl. Geräuschkulisse. Null Dissonanz IMHO.
@gigold

@chrisstoecker @surfguard

Dann musst du das Heavy Metal Hörern bitte auch unterstellen ;-)

@gigold Der Unterschied ist aus meiner Sicht vor allem, dass ich den V8 aus dem Rauschen der Autobahn in 1km Entfernung heraus höre, wenn der Fahrer das Pedal durch tritt. Wenn das ein Ottonormal-Vierzylinder macht, hört man das nicht.
Das liegt einzig am messbaren Unterschied der Lautstärke. Die zulässigen Grenzwerte bzw. die Messmethoden sind leider vollkommen unzureichend und werden von den Herstellern ausgeheblt wie beim Abgasskandal. @chrisstoecker

@mithos @chrisstoecker

Das ist doller Quatsch und grenzt stark an Verschwörungsmythen ;)

Wer bestimmt, wie laut ein Auto sein darf? | W wie Wissen

Die zulässigen Dezibel-Grenzwerte für Autos sind alles andere als einheitlich. In einigen Modellen von Porsche und anderen Sportwagen kann dank Sporttaste der Sound zwecks Emotionalisierung sogar verstärkt werden – ganz legal.

Erstes Deutsches Fernsehen (ARD)

@mithos

1. Seit dem Artikel wurden die Vorschriften novelliert; Autos müssen jetzt bereits leiser sein.
2. Dort ist von "böswilligem Falschbetrieb" die Rede um die Messwerte nach oben zu holen. Nirgends steht dort was von "Manipulation" die du unterstellst.
3. Otto Norma Nutzer ist eh egal ob das Auto Lärm macht oder nicht; das ist Stammtischgeprabbel.

Und wie geschrieben: ich bin total dabei - es ist zu viel Lärm im Verkehr; 90% des Lärms da darf gern weg. Betrifft übrigens nicht nur Pkw.

@gigold @chrisstoecker
Sehr schön ausgedrückt! Es geht mir ähnlich, fahre beruflich einen Stromer und liebe die Ruhe. Aber wenn der Nachbar mal seinen 911 raus holt und ich den startenden Motor höre, gibt's ein kleines Lächeln. Ist ein wenig Nostalgie dabei, es ist auch nicht das Gebrüll sondern eher das trockene Knurren was ich mag. Er fährt ihn aber auch sehr zurückhaltend.
@chrisstoecker Als Elektroautofahrer sehe ich nicht wie ich mit diesen Argumenten einen Motorfan überzeugen soll?
Die Autorin schreibt, Motorlärm ist nicht schön, der Motorfan sagt Motorlärm ist schön. Und jetzt? Meinung gegen Meinung? Warum liegt die Autorin richtig und der Motorfan falsch?
Das zu viel Lärm gesundheitsschädlich ist zieht auch nicht, das gilt für nahezu alles in dieser Welt.
Und das Lärm nicht "sinnlich" sein kann oder Stimmung schafft war noch nie in einen Sportstadium.
Auch das Argument bezüglich des nicht vorhandenen Kausalzusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Lärm kann ich nicht nachvollziehen. Der Zusammenhang war in den letzten 100 Jahren definitiv genau so.
Jetzt nicht mehr, das ist korrekt, kann aber nur von den wenigen erfahren werden die sich ein eAuto leisten (können).
@thomas Es handelt sich um einen Autor (mich). Und dass man nur “erfahren” kann, dass Elektroautos schnell fahren und schnell beschleunigen können, wenn man sich eines leisten kann, ist eine originelle Hypothese. Nach dieser Logik weiß auch fast niemand, dass Ferraris schnell sind.
@chrisstoecker Autor, natürlich, sorry habe das Buch verwechselt. Und was den Ferrari betrifft, ok.

@chrisstoecker Ich glaube nicht, dass das nur an der Indoktrination liegt. Für mich sind Verbrenner gestorben.

Ich bin damit aufgewachsen, am Zweitaktmotor der Simson S51 rumzuspielen. Da schmierte das mit Öl vermischte Benzin noch alle Teile selbst.
Und ich finde es nach wie vor ziemlich cool, wenn eine ehrliche 5l Maschine nach Durchlauf von vier Takten ehrliche 5l Gemisch verbrannt hat.
Die versteckten Verbrauche um mit 1,2l auf 130PS zu kommen regen mich auf.

@chrisstoecker Auch wenn ich dem ganzen inhaltlich mehr oder weniger zustimme, würde ich es doch sehr begrüßen, wenn man mal aufhören könnte nur von Männern zu reden. Diese Kategorisierung ist einfach nur schädlich und eine offensichtliche, polarisierende Verallgemeinerung. Können wir bitte von Menschen reden. Und nein, ich möchte keine Diskussion darüber führen, was das "bessere Geschlecht" oder so ist und wer das denkt, hat den Sinn meines Kommentars offensichtlich nicht verstanden.
@bl4x1 Ich würde vorschlagen, Du liest mal das Buch. Spoiler: Nein, es sind nicht einfach “Menschen”. Es gibt beim Thema Klima und Energie reale, messbare Geschlechtsunterschiede. Und “Petromaskulinität” ist ein mittlerweile gut empirisch belegtes Konstrukt. Wirklich.
@chrisstoecker War heute im Fahrradladen. Es gibt da fast nur noch E-Bikes. Die Fachfrau erzählte, sie hätte an ihrem Rad einen 500er Akku, der noch nie schlapp gemacht hätte. Bot mir ü600 u 700 an. Und ich frage mich, warum schwört alle Welt beim Rad auf E-Antrieb und beim Auto wird so ein Gezicke gemacht und man will lieber Benziner. Ich begreife es nicht!