2596. Depesche

Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, heute setze ich pünktlich die Reihe der Homepage-Kolumnen fort. Schon gut, dass ich mich nach fünf Jahren als „Kontext“-Schreiberling aufgerafft habe, ohne Druck im Zwei-Wochen-Rhythmus Texte für kleines Publikum in meinen Computer zu tippen. Beim jüngsten Flaneursalon in der ausverkauften Rosenau habe ich nur Kolumnen aus den neuen Beständen vorgelesen, und ohne Angeberei […]

Joe Bauers Flaneursalon

Eckenga verpasst

Aktuelle Probleme meiner Mediendiät – Eckenga und Becker in einem Bundesland, es ist furchtbar, aber es geht … sehr gut!

Ich liebe sie beide. Sie verkörpern den Rheinländer und den Westfalen auf sympathischste Weise. Der Eine, Jürgen, ist zwei Jahre jünger als ich, hat aber schon viel weissere Haare. Der Andere, Fritz, ist zwei Jahre älter als ich, und ihn nerven und erfreuen die gleichen Sachen wie mich. Nur dass er eine andere Borussia hat, und dass er, wie so viele, total genervt ist von Claudia Roth, während ich sie besser kenne. Ich bin also in der Mitte zwischen den beiden, was sich biografisch darin symbolisiert hat, dass ich als Schüler mehrmals täglich die Demarkationslinie zwischen Rheinland und Westfalen mit dem Fahrrad überquert habe – im Städteviereck Essen-Bottrop-Gladbeck-Gelsenkirchen. Ich bin also die personifizierte Multikultur. Danach wurde ich Beueler.

In Gelsenkirchen hat Eckenga jüngst sein Soloprogramm aufgeführt. Unmöglich, von Beuel dahin zu kommen. Fragen Sie mal die Bahn! Aber dafür gibt es ja Radio. WDR5 sendete letzte Woche “Hirnschmelze”. Normalerweise schaue ich jeden Samstag nach, was die bringen. Und wenn es was mit Becker oder Eckenga (oder Schmickler) ist, höre ich es live zum Warten auf den Bundesliga-Schlusspfiff.

Letzten Samstag nicht. Warum bloss? Ich marterte meine Erinnerung, und dann fiels mir wieder ein. Beim Mittagessen im Beueler l’Olivo – samstagsmittags ist immer die ruhigste Zeit im Lokal, abends ist immer ausgebucht, und sonntags ebenfalls voller – überraschte mich ein befreundetes Ehepaar, ich legte mein Tablet weg, und wir unterhielten uns, wie Menschen das früher so gemacht haben. Mein Lesepensum am Tablet habe ich nach dem Essen zuhause nachgeholt, und so Eckenga verpasst. Also Nachholspiel heute nachmittag.

Warum ist das so besonders?

Jürgen Becker hat das mal offen von sich erzählt. Sein erstes Soloprogramm “Biotop für Bekloppte” war ein grosses Abenteuer. Und ein riesiger Erfolg. Als er es seinerzeit im Bonner Pantheon aufführte, hatte ich dank Rita Baus zwei Plätze in der ersten Reihe. Als Becker das “bandkeramische Dorf in Köln-Lindenthal” vorstellte, rief meine Freundin mit türkischer Mutter hinein: “Da bin ich geboren!” Der Saal tobte, und der Komiker war amüsiert. Und wie Sie hier sehen, war alles sauber recherchiert von dem ähnlich genialen Texter Martin Stankowski, und ist von weltweiter wissenschaftlicher Prominenz.

Becker hatte sich selbstständig gemacht, nach seiner Präsidentenregentschaft in der megaerfolgreichen Stunksitzung (Donnerstag und Samstagnacht im WDR-TV, und nächsten Samstagnachmittag im Radio). Der Erfolg war so riesig, dass er es sieben Jahre in der ganzen Republik rauf und runterspielte, ohne dass er nachliess. Konnte er es wagen, ein neues Programm zu erfinden? Die Schwelle war hoch und wurde immer höher. Dann machte er zuerst ein gemeinsames Programm mit dem Beueler Westfalen-Performer Rüdiger Hoffmann, bevor er es 1998 wieder wagte. Und siehe, es ging. Becker hat ein Teamplayer-Talent, das ihm komfortables berufliches Künstler-Überleben sicherte.

Er brachte es bisher auf 7 Soloprogramme, bei dem vier Jahre älteren Eckenga – schon 71, wow! – ist es jetzt das Elfte, wenn ich richtig gezählt habe. Und das ist auch schon wieder drei Jahre alt. Aber Vollprofis wie diese Jungs schaffen die Aktualisierungen mühelos hineinzuimprovisieren.

Bemerkenswert bei Fritz: er gehörte zum Team der epochemachenden Veröffentlichung “Häuptling Eigener Herd”. Der geniale Herausgeber kocht heute noch. Alle, die da mitgemacht haben, der tote Wiglaf Droste war es, Jenni Zylka ist es u.v.a., sind eine verschworene Bande für Humor mit Bisskraft, gutes Essen und Trinken und die Verteidigung der Lebensfreude gegen alle Angriffe und Depressionsattacken von Rechts. Ich freue mich schon auf heute nachmittag.

Eckenga verpasst – Beueler-Extradienst

Jenni verschönt mir den Tag

Jenni Zylka habe ich (leider) nie persönlich kennengelernt, obwohl wir doch beide Verehrer*in von Vincent Klink sind, also gerne Gutes essen und trinken. Offenbar haben wir weitere kulturelle Einstellungen gemeinsam. Z.B. über Rucksäcke: Das sofortige und endgültige Rucksackverbot – Es müsste im Alltag vielmehr vernünftige Verbote geben, den Anfang machen könnte ein Edikt gegen den Buckel in Pottwalgröße auf dem Rücken.” Oder über Silvester-Partys: Kuscheln statt Krachen – Hoffentlich ist das ZDF nicht von einer Silvesterparty abhängig. Und hoffentlich schnappt der Avatar eines Reporters ihm nicht den Job weg, und geht damit nach Pandora. Heute kommentiert Jenni Zylka die Medienberichterstattung.” (MDR-Altpapier)

Danke, und schönes Wochenende!

Jenni verschönt mir den Tag – Beueler-Extradienst

Schwäbisch – Französische Lesenotizen zu „Mein Schwaben“ von Vincent Klink

„Mein Schwaben – Leben und Speisen im Ländle des Eigensinns“ so heißt das neueste Buch von Vincent Klink. Die erste Spur des Buches entdeckte ich in einem Spiegelbeitrag über die Erfahrungen von Ba…

paysages
Sternekoch Vincent Klink hat ein Buch über schwäbische Küche geschrieben

Der Sternekoch Vincent Klink erkundet seine Wahlheimat und genießt die ebenso bodenständige wie köstliche Küche im Schwabenland. Daraus ist sein neues Buch entstanden: „Mein Schwaben: Leben und Speisen im Ländle des Eigensinns“. Vor zwei Jahren hat der Chef der „Wielandshöhe“ in Stuttgart seine Frau verloren, mit der er fast ein halbes Jahrhundert verheiratet war. Wie es ihm mittlerweile geht, erzählt Vincent Klink im Landesschau-Studio.

SWR
Was kochen wir an Weihnachten - Restaurant Wielandshöhe

An alle leidenschaftlichen Köchinnen und Köche, stellt Eure hohen Ambitionen in die zweite Reihe. Was es zu essen gibt ist nicht das Wichtigste an Weihnachten. Es gilt nämlich die Chance gut zu Nutzen, viele verstreute Familienmitglieder zu vereinen und dafür zu sorgen, dass alle sich gut vertragen, evtl. sogar versöhnen. Zu diesen hehren Ziele dient […]

Restaurant Wielandshöhe
Das Kaninchen mit den roten Augen - Restaurant Wielandshöhe

Jetzt ist Amerika trumpisiert und wir müssen nicht mehr wie die rotäugigen Kaninchen über den Teich starren. Ich bin überzeugt, dass „die da drüben“ ihren Laden am Laufen halten. Beunruhigt bin ich nur in hohem Maße über Elon Musk. Wie konnte es soweit kommen, dass ein einziger Mensch durch sein Geld, Macht über die Welt […]

Restaurant Wielandshöhe

Die Serie zum Meister

Im deutschen Profifussball der Männer sieht alles nach dem ersten und letzten Meistertitel für Bayermonsanto Leverkusen aus. Wenn der Bayer-Konzern zerlegt wird, weil die verlorenen Monsanto-Prozesse in den USA – ein erstaunlich gut funktionierendes Justizsystem – die Profitrate weit über die Schmerzgrenze der Aktionäre schmälern, dann könnte es Bayer Leverkusen in Kürze ergehen, wie es Bayer Uerdingen schon 1995 ergangen ist. Wie kommichdrauf?

Verschwörungstheorien

Die ARD versendete am Wochenende eine Serie mit dem Titel Die Saat – Tödliche Macht – Auf eine dramatische Vermisstensuche begibt sich Heino Ferch als Kripobeamter in privater Auslandsmission: Um seinen Neffen, einen von Jonathan Berlin gespielten Umweltaktivisten, auf der Polarinsel Spitzbergen zu finden, nimmt er keine Rücksicht auf das eigene Leben. An seiner Seite versucht Ingrid Bolsø Berdal als norwegische Polizistin, durch die Rettung des Verschwundenen eigene Traumata zu überwinden. Beide ahnen nicht, welchen skrupellosen Mächten und Akteuren sie in die Quere kommen.” Halbes Jahr mediathekverfügbar.

Diese selbstverständlich mit der Wirklichkeit nichts zu tun habende Fiktion konstruiert die Fantasie eines deutschen Konzerns, der die Monopolherrschaft über die Welternährung an sich reissen will, und bereit ist, dafür im Sinne des Wortes über Leichen zu gehen. Und die EU-Politiker*innen funktionieren eben genau so, wie sich die Menschen an Kneipentresen und Stammtischen sie sich vorstellen: wie Angestellte und Agenten der Konzerne. Wie mag Headautor und Kreator der Serie Christian Jeltsch, fast so alt wie ich, nur darauf gekommen sein? Hier eine ausführliche Besprechung von Heike Hupertz, die auch viel für die FAZ (!) schreibt, bei epd-Medien.

Ich habs gesehen. Und spannender als der Tatort war es zweifellos. Brillant mal wieder Rainer Bock, der schon dem “König von Köln” ein weit menschlicheres Gesicht gab, als der in der Wirklichkeit hatte. Dieses Mal ist er aber wirklich ein so fieser Möpp, dass ich ihn gerne erschossen hätte. Nun, vielleicht erwischt es ihn, wenn eine Fortsetzungsstaffel produziert wird. Denn diese Geschichte ist noch nicht zuende.

Oder doch lieber ein gutes Buch?

Als Alternativprogramm empfehle ich Ihnen ein gutes Buch (zum gleichen Thema, aber nicht Fiktion, sondern Praxis): Vincent Klink: Tagebuch 2018-2024 mit vielen Rezepten. Reservieren Sie und fahren Sie hin – es lohnt sich. Und grüssen Sie ihn herzlich. Einer der feinsten Kerle, die ich kenne. Obwohl der Schwabe ist …

Die Serie zum Meister – Beueler-Extradienst