Zum Thema Alterskontrollen hat @republik_magazin einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht. Thematisiert wird die Überwachungs-Infrastruktur, die damit aufgebaut werden wird und wie Peter #Thiel bei all dem beteiligt ist.
#Alterskontrolle #Socialmedia #Socialmediaverbot #EUDI #uberwachung #Altersverifikation
STOP THIS #Altersverifikationsmadness #SocialMediaVerbot
Australien hat es bereits umgesetzt.
Österreich und Frankreich haben es beschlossen.
Grossbritannien überlegt es sich, in Deutschland fordern es CDU und SPD – nur der Schweizer Bundesrat ist noch zurückhaltend (möchte aber mit der Restriktion für Streaming-Plattformen de facto etwas Ähnliches):
Die Rede ist vom Social-Media-Verbot für Jugendliche im Namen des Kinder- und Jugendschutzes.
Landauf und landab diskutieren Medien die pädagogischen Vor- und Nachteile dieser Massnahme. Kaum hinterfragt wird aber eine Voraussetzung des Verbots: wie das Alter der Jugendlichen erfasst und überprüft wird.
Staaten mit Social-Media-Verboten lagern die Verantwortung diesbezüglich an die Plattformen aus.
Und forcieren damit den Aufbau einer potenziell globalen Überwachungsstruktur.
Hinter vielem dahinter steht der Konzern Meta.
Warum?
Weil FB, Insta und Whatsapp in der Kritik stehen.
Weil sich Pädokriminelle ohne Probleme Minderjährigen annähern können. Weil Metas Produkte die Leute süchtig, kaputt, dumm und depressiv machen.
Und Meta-Chef Zuckerberg? Er sourct sein Problem der Altersverifikation einfach an Google, Apple, Microsoft und Linux aus.
In Kalifornien, wo die Tech-Konzerne heimisch sind, verlangt ein neues Gesetz, das am 1. Januar 2027 in Kraft tritt, dass Anbieter eines Betriebssystems das Alter ihrer Nutzerinnen erfassen müssen.
Die Altersinformation soll permanent an alle Apps ausgespielt werden.
Dabei gäbe es eine bessere Lösung: In Europa soll der Altersnachweis nämlich für die kommende staatliche digitale Identität (E-ID-Wallet «Swiyu» in der Schweiz, EUDI-Wallet in der EU) mit einem kryptografisch gesicherten Hinweis gelöst werden. Dieser gibt nur bekannt, ob ein User über 18 Jahre alt ist oder nicht, ohne Preisgabe des genauen Geburtsdatums, Namens und weiterer Informationen. Die Datenhoheit soll bei den Nutzern verbleiben, mit einer dezentralen Struktur.
Doch: Die Lösungen sind noch nicht da (und haben auch noch ihre eigenen kleineren Datenschutztücken). Und: Die Apps und Plattformen werden sich pragmatisch für den einfacheren Weg entscheiden und die Altersangabe ihrer Nutzerinnen bei den Betriebssystemen von Google und Apple abholen.
Ein klassischer Fall von "mission creep": Die Massnahme weitet sich aus, und einmal errichtet, kriegt man diese Identitätsinfrastruktur nicht weg, das Ende der Anonymität im Internet steht damit bevor.
Es ist genau das Horrorszenario, wovor die Befürworter der staatlichen E-ID gewarnt haben: Big Tech erhält mit wenigen Klicks alle staatlich verifizierten Daten einer Person – statt gezielt nur die Attribute, die rechtlich nötig sind.
EU-Politikerinnen wären gut beraten, diesen Altersverifikationswahnsinn zu stoppen (und zwingend die europäische Lösung bei Meta und Co. als Option zu verlangen).
Verschiedene Länder bringen gerade ein #Socialmediaverbot für Kinder und Jugendliche mit aller Macht vorwärts. Es dürfte eine Abstimmung/Koordinierung im Hintergrund gegeben haben..
Hier z.B. von griechischer (konservativen) Regierung: https://www.theguardian.com/world/2026/apr/08/greece-proposes-social-media-ban-under-15s-anxiety-sleep-problems oder in Frankreich:
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/socialmedia-verbot-frankreich-jugendliche-100.html
In Deutschland wurde eine Komission einberufen:
https://netzpolitik.org/2026/alterskontrollen-social-media-verbot-laesst-bundesregierung-ahnungslos-zurueck/
„Dabei ist völlig unklar, welchen Nutzen ein solches Verbot hätte.
„Nach Kenntnis der Bundesregierung liegen entsprechende belastbare Studien noch nicht vor“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage von Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek.“
¯\_(ツ)_/¯
#SocialMediaVerbot für Jugendliche: Regierung hat keine belastbaren Studien über Nutzen
Den Teufel mit Beelzebub austreiben
Kolumne Trugbild
Ein Verbot sozialer Medien löst nicht die fundamentalen Probleme von Jugendlichen. Die Debatte ist vielmehr Ausdruck einer sozio-ökonomischen Krise – und könnte den Befürwortern an der Wahlurne sogar schaden.
Auf dem Marktplatz eines beschaulichen Dorfes in Bayern traf sich die Dorfjugend früher zum Trinken. Die Zusammenkünfte sorgten für großes Aufsehen. Es kam zu Vandalismus und Ruhestörung. Irgendwann wurde der Marktplatz in der Wahrnehmung der Bewohner selbst zum bösen Ort. Das „Treffen in Gruppen“ wurde verboten, die Jugendlichen wichen auf einen Asphaltstreifen unweit der Grundschule aus. Dort musste eine alte Garage als Graffiti-Wand herhalten.
Selbstverständlich war es nicht der Marktplatz selbst, der die Jugendlichen zu Alkoholkonsum und Aggression getrieben hat. Er war vielmehr eine Plattform, auf der die Symptome tiefsitzender Krisen sichtbar wurden: Spannungen in der Familie, fehlende Perspektiven und Freiräume. Ganz ähnlich verhält es sich bei den sozialen Medien. Wer glaubt, dass ein Verbot die Lebensumstände von Jugendlichen grundlegend verbessert, lenkt dabei von ihren eigentlichen Problemen ab.
Zwischen Besorgnis und moralischer Panik
Ende März fuhr die AfD bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz ihr bisher bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland ein. Besonders hohe Zustimmung bekommt die Partei bei 18- bis 24-jährigen Männern. Selbstverständlich suchen Politiker aller anderen Parteien und die Medien nach Gründen. Und auch wenn es bei der Debatte um ein Social-Media-Verbot vorrangig darum geht, die psychische Gesundheit von Jugendlichen zu schützen, haben CDU und SPD mutmaßlich wenig dagegen, zusätzlich die Reichweite ihrer rechten Konkurrenz einzuschränken.
Dahinter steht die Annahme, dass sich junge Wähler wegen sozialer Medien nach rechts orientieren. Das mag in Teilen stimmen – es schreibt den rechten Medienmachern und ihren Formaten aber mehr Bedeutung zu, als sie tatsächlich haben.
Gewiss, rechte US-amerikanische Stimmen und ihre Shows in den sozialen Medien dienen faden Nachahmern in Deutschland als Vorbilder. Ihr Einfluss wird spätestens dann sichtbar, wenn sich kleine Brüder und Cousins Gedanken über die Form ihrer Kieferknochen machen oder sich fragen, ob sie ein Alpha-, Beta- oder Sigma-Male in der „sozio-sexuellen Hierarchie“ sind. Gruselgeschichten über die „Manosphere“ und „Looksmaxxer“ im deutschen Feuilleton sowie der Bestseller „Generation Angst“ von Jonathan Haidt befeuern die moralische Panik um den Nachwuchs.
Zwar stellen soziale Medien ein Einfallstor für politische Begriffe und Bilder dar, was aber nicht heißt, dass Jugendliche durch ein Verbot gänzlich davon abgeschottet werden könnten. Und wer politischem Content ausgesetzt ist, muss diesen nicht zwangsläufig verinnerlichen. Extreme, radikale und verstörende Inhalte teilen Jugendliche auf Schulhöfen, seit es Mobiltelefone gibt.
Viele der frauenfeindlichen Sprüche, rechten Parolen, Witze, Nazi-Verharmlosungen und -Verherrlichungen, die mir heute auf meinem Recherche-Account bei Instagram in den Feed gespült werden, kenne ich noch aus der Zeit vor den sozialen Medien. Wer in einfachen Verhältnissen auf dem Land aufgewachsen ist, dürfte ähnliche Erfahrungen gemacht haben. In gehobenen Kreisen wird es, man denke nur an die Männer der Generation Epstein, wohl kaum anders gewesen sein.
Für mehr Medienkompetenz
Fest steht allerdings auch, dass die sozialen Medien verharmlosende, diskriminierende, menschenverachtende Inhalte verstärken. Das ist kein Einzelfall, sondern die digitale Form eines Systems, das zügelloses Wachstum und vermeintliche Innovation über Qualität und Menschenwohlstellt. Mit technischem Fortschritt wachsen dementsprechend auch der Einfluss und das Schadenspotenzial der Plattformen. Die Tech-Unternehmen haben nicht vorrangig das Wohlergehen ihrer Nutzer im Sinn. Im Gegenteil, um deren Aufmerksamkeit und Zeit zu binden, schaden sie ihnen regelrecht.
Für eine strengere Regulierung gibt es längst die rechtlichen Voraussetzungen. Nur werden sie bisher nicht in vollem Umfang und konsequent angewendet. Daher bräuchte es dringend mehr Vermittlung von Medienkompetenz in Schulen. Zu meiner Schulzeit gab es weder eine pädagogische Vorbereitung auf die sozialen Medien noch eine Konfrontation mit den (Un-)Möglichkeiten des Internets. Es waren die Schüler selbst, die erste, wenig beachtete Impulse gaben.
Laut einer Umfrage des DIW Berlin stimmen rund 94 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Kinder und Jugendliche besser in Medienkompetenz geschult werden sollten, um soziale Medien sicher nutzen zu können. Der Zuspruch dafür ist damit deutlich größer als für ein weitreichendes Social-Media-Verbot bis 16 Jahre. Ebenso will eine Mehrheit von Eltern und Jugendlichen soziale Medien nur einschränken, statt sie für bestimmte Altersgruppen zu verbieten.
Wenn Parteien ein Verbot für Jugendliche durchsetzen wollen und zugleich die Verantwortung für ihre Misere tragen, schwächen sie sich am Ende selbst. Die Folgen dürften sich auch an der Wahlurne bemerkbar machen. Statt die Symptome mit den falschen Mitteln zu bekämpfen, sollten sich Politiker und Journalisten daher fragen, wie sie sich dem eigentlichen Problem widmen können.
Die US-amerikanische Entwicklungspsychologin Candice L. Odgers untersucht seit rund 20 Jahren, wie sich psychische Erkrankungen bei Kindern entwickeln. Sie hat nach eigener Aussage wiederholt keine überzeugenden Belege dafür gefunden, dass digitale Technologien ein wesentlicher Treiber von Depressionen oder anderen psychischen Beschwerden im Jugendalter sind.
Viele andere Forschende kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Entgegen der allgemeinen Annahme schlussfolgert eine aktuelle Studie, dass soziale Medien zu den am wenigsten einflussreichen Faktoren für die psychische Gesundheit von Jugendlichen zählen. Eine deutlich wichtigere Rolle spielen dabei frühe Erfahrungen mit Gewalt oder Diskriminierung sowie Krisen in Schule und Familie.
Düstere Vergangenheit, düstere Zukunft
Während meiner steinigen Schullaufbahn – sie liegt noch nicht allzu lange zurück – hieß es seitens der Lehrer: Ihr werdet keine Jobs finden. Die rasante Entwicklung der sogenannten künstlichen Intelligenz dürfte die Unsicherheit heute noch um ein Vielfaches verstärken. Daneben kommen für junge Menschen schlechte Aussichten auf bezahlbaren Wohnraum, Partnerschaft oder gar eine lebenswerte Umwelt dazu.
Wer unter solchen Bedingungen auf die eigene Zukunft blickt, ist vermutlich anfälliger für Erzählungen von alter Stärke, Ordnung und Hierarchie. Und wenn die Parteien der „Mitte“ es nicht schaffen, auf diese Probleme eine Antwort zu geben, gewinnen jene, die in Zeiten der Krise Stärke und Selbstbestimmung versprechen. Auch wenn diese Versprechen auf Augenwischerei und Opportunismus beruhen.
Vincent Först arbeitet als Journalist und Autor. An der Universität der Künste lehrt er Texttheorie- und Textgestaltung. Wenn er nicht gerade an seinem Schreibtisch sitzt, organisiert er Kulturveranstaltungen in Berlin. Kontakt: Instagram, Mastodon, Bluesky. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Viele Eltern ahnen nicht, was ihren Kindern in WhatsApp-Klassenchats begegnet: Mobbing, Pornografie, rechtsradikale Sticker und brutale Videos. Oft gibt es keine Regeln für den Klassenchat. Lehrer und Eltern können die Kinder kaum schützen. Politik und Plattformen befassen sich zu wenig mit dem Thema. Von einem geplanten Social Media Verbot wäre WhatsApp derzeit nicht betroffen. WDR-Reporterinnen Katharina Spreier und Susanna Zdrzalek sprechen mit Menschen, die der Klassenchat zu Täter:innen oder Opfern gemacht hat. Sie treffen einen Schüler, der rechte Sticker seiner Klasse geschickt hat und dann Besuch von der Polizei bekam. Sie sprechen mit Eltern, deren Kinder Schlimmes sehen mussten und zeigen, wie schwierig der richtige Umgang mit dem Medium Klassenchat ist.