Mehr über Farast Sturmfreund findest du auf Figuren. Seine Abenteuer beginnen hier.
Erinnere dich, dass wir den Hof von Saronils Andala zu guten Teilen zerstört vorfanden, das Werk eines Drachen, wie uns Andala versichern konnte. Wir brachen zeitig auf, um die Kinder in Klarwein in Obhut zu geben und vor allem, um der Königin meines Stammes eine Warnung zu überbringen. Als wir am späten Abend eintrafen, waren die Kinder eingeschlafen. Wie ich wünschte, ich könnte noch einmal so schlafen wie ein Kind es kann.
Die Wachen ließen uns sofort durch, als sie vom Drachen hören.
Bald standen wir im großen Saal des Palastes. Leika Schwarzspeer saß auf dem Elfenbeinthron der Colymar und als wir eintraten, beriet sie sich grade mit drei ihrer engsten Vertrauten.
Es waren Asborn Dreigeboren, Hohepriester von Orlanth dem Donner, der bereits zweimal von den Toten zurückgekommen ist. Dann Hastur der Gesetzessprecher Oberpriester des Lhankor Mhy und Dunorl Brandgorsson, ein alter Mann – die Sturmstimme des Orlanth im Lichtbringertempel Klarweins, ein Untergebener Asborns.
Meine Königin winkte Diener herbei, die die schlafenden Kinder wegtrugen und gabs uns zu verstehen, dass man eine Unterkunft geben würde.
Anschließend lud man uns an den Tisch an, gab uns zu trinken und wir erzählen die Geschichte mit dem Drachen.
Dunorl erzählte seinerseits viele Geschichten, viele handelte davon wie Orlanth Drachen erschlug. Darin liegt Weisheit: Man muss die Geheimnisse der Drachen kennen, um sie zu besiegen. Orlanth nutzte seinen Wind, um Arokas giftigem Atem zu begegnen, und manchmal sogar seine Sandalen der Dunkelheit. Arans Schild schützte sie gegen die Drachen.
Hastur erwähnte, dass es drei Helden gab, die die Drachen besiegten und deren Ausrüstung: Einen Silberhelm und einen Wurfspeer genannt Andrinor sowie einen Kurzspeer namens Brustbrecher.
Wir hatten die Idee, die Dryade Tarndisi zu befragen, aber sie schien einen Groll wegen eines Holzschwertes zu hegen und würde nicht mit Mitgliedern des Hofes sprechen. Leika schaute uns an und mir wurde klar, dass wir eine Aufgabe hatten, die wir nicht ablehnen könnten. Nun, ich hätte nicht abgelehnt und nahm an, das galt auch für meine Freunde.Als Nicht-Colymar hätte ich ihre Zustimmung damals wohl nicht voraussetzen sollen, aber ich war mir dessen sicher.
Wir erinnerten uns dass wir damals mit Fontir und anderen Elfen gesprochen zu haben und dass wir als Freunde der Aldryami galten. Sie zu befragen, würde unsere erste Aufgabe sein. Leika und ihr engster Kreis würden zum Sternenfeuerrücken reisen, um dort nach dem Drachen zu suchen. Hastur erwähnte noch das Alte Grab, Ruhestätte des Königs Berevenenos. Dort sollten wir nach dessen legendären Waffen suchen.
Dunorl holte einen Beutel mit Verzierungen und Stickereien mit der Luftrune und der Bewegungsrune hervor und legt ihn auf den Tisch. Ein gefangener Wind befand sich in diesem Beutel. Er würde eine Aufgabe lösen, wenn wir die Winde nicht für uns rufen könnt, sagte der Alte und wir bedankten uns für sein großzügiges Geschenk.
Damit war die Zeit für Beratungen beendet, wir würden am folgenden Morgen aufbrechen.
Für diese waren Gäste im Palast und konnten die Annehmlichkeiten des Hofes in Anspruch nehmen. Ich war reichlich erschöpft von den Vorkommnissen der letzten Tage, ich nahm lediglich ein Bad und begab mich dann zur Ruhe.
Hastur und Asborn begleiteten Leika. Die hochgewachsene Humakti Namenlos, Champion der Colymar, kam dazu.
Wir brachen auf, auf unserem eigenen Weg zu Tarndisis Hain, dorthin, wo wir damals Fontir vor den Skorpionmenschen gerettet hatten. Der Hain ist überaus dicht und grün und wir kamen nur langsam voran. Wir erinnern uns daran, dass wir weder Axt noch Feuer einsetzen sollten, was uns weiter ausbremste. Wir waren gezwungen, die Reittiere zurücklassen, das Gehölz stand zu dicht. Keine Spur von Bewohnern dieses Waldes.
Plötzlich stießen wir auf Fußspuren im frischen Schnee. Fast zeitgleich bemerkten wir, dass sich einige der kleineren Bäume zu bewegen schienen. Sie wirkten… anders.
„Heda, Kinder! Aldryas, wir sind Freunde von Fontir!“, rief ich denen zu, die ich dort vermutete.
Vier der „Bäume“ traten hervor. Einige der Elfen können annähernd wie Menschen aussehen, viele wirken aber eher wie Bäume, die gehen können.
„Tiefer in den Hain, dichter und dunkler“, sagte eine von ihnen. Das war alles. Wir mussten unsere Waffen ablegen und dann führten sie uns weiter in den Wald. Bald erreichten wir eine Lichtung inmitten eines Dutzends Mammutbäume. Einer von ihnen ragte gut 80 Meter in die Höhe.
Etwas regte sich in der Rinde, sie schien sich zu bewegen wie eine Welle auf einem See. Dann passierte etwas, das ich nie vergessen werde: Tarndisi trat aus dem Holz heraus. Ich bin nur ein einfacher Krieger, mir fehlen die Worte dafür, aber so war es.
Die Dryade erschien menschlich, mit bronzefarbener Haut, wenn es denn Haut war. Sie war schöner als alles, was ich bin dahin gesehen habe und entschieden nicht menschlich und von erschütternder Fremdartigkeit, die sich durch ihre menschenähnliche Art noch verstärkte. Sie war fast wie eine Frau mit Haar wie Laub… aber eben nur fast.
Sie hörte unsere Geschichte an und sagte zu, uns zu helfen. Für einen Preis: „Die Hauer von Rotauge, dem Keiler“, sagte sie „Einst ein Kind der Erdmutter, nun wütet er. Erschlagt ihn und bringt mir die Zähne. Dann will ich sagen, was ich weiß und ihr tut unser beider Völker einen Dienst.“
Ich kannte die Geschichten über ihn — Messerscharfe Hauer aus Silber, groß wie Kurzschwerter. Ich erinnere mich, dass Keilereiter ihn fast wie einen Gott verehrten, als Inkarnation des Götterschweins Spießer. Dem Maran Gor Kult war Rotauge heilig. Er verwüstet gern Felder. Seine Haut war angeblich sehr fest, fast wie Panzer. Man möchte nicht getroffen werden, denn er tötete schon viele. Nahkampf sollte man um jeden Preis vermeiden.
Fontir führte uns zu unseren Reittieren, und wir machten uns auf den Weg zur Schweinesenke, wo Rotauge sein Unwesen trieb. Wir kannten die Gegend, denn die Keilerreiter hatten wir im letzen Jahr getroffen und mit viel Glück und List besiegt. Am Abend kamen wir an und anscheinend waren die Keilerreiter nicht zurückgekommen — von Rotauge fehlte allerdings auch jede Spur.
„Er ist eher nachtaktiv“, sagte Fontir. „Er ist leider besonders gut darin, zu finden, wen er sucht.“
Ein strenger Geruch hing in der Luft. Rotauge war nicht weit.
Wildschweine leben in Kesseln, die sie mit Gräsern auspolstern. Wir mussten eigentlich nur diese Lagerstelle finden.
Wir überlegten uns eine Falle für unseren Feind. Eine Senke oder eine schmale Schlucht wäre perfekt, um Rotauge in die Enge zu treiben und ihm einen Hinterhalt zu legen. Der extrem gute Geruchssinn des Keilers machte die Sache nicht einfacher.
Am folgenden Morgen machten wir uns auf die Suche. Saronil fand einen perfekten Ort, einen Abgrund, der sich ideal für unsere Zwecke eignete. Die Schlucht war etwa drei bis vier Meter breit.
Mit Steinen, Bäumen und Felsbrocken wollten wir ihn für eine Weile einschließen und wenn uns Speere und Pfeile ausgingen, würden wir ihn mit Steinen bewerfen.
Saronil lockte ein mächtiges Tier an, das auf ihn zustürmte. Der meisterhafte Reiter galoppierte davon und sprang über die Falle, in der Hoffnung, dass Rotauges Schwung ihn in die Senke stürzen lassen würde.
Rotauge schien die Gefahr zu wittern. Er hielt inne, doch ein Pfeil traf ihn direkt am Kopf und hinterließ eine Kratzwunde. Ich traf seinen Rüssel, was ihn wütend machte. Genau, was ich wollte: Rotauge sollte blind vor Wut werden.
Er stürmte vor, sprang jedoch zu kurz, seine Hufe rutschten an der Kante ab und er fiel hinunter, weiter unten kam er mit einem gewaltigen Krach auf. Rotauge starrte mich direkt an, wie direkt auf den Boden meiner Seele. Furcht überkam mich.
Aber meine Freunde kamen mir zur Hilfe und behielten die Nerven. Das Schwein war uns am Ende doch noch in die Falle gegangen und wenn es auch ein Halbgott sein mochte, unsere gute Bronze war gut genug für unser blutiges Werk. Wir hatten Rotauge besiegt und jubelten unseren Sieg in die kalte Morgenluft heraus. Diese Tat wurde noch lange an den Feuern erzählt werden, unsere Namen würden nicht vergessen werden. Saronil, Vostor, Farnan und Farast, die Schlächter von Rotauge!
Wir würden die Hauer zu Tarndisi bringen und sehen, welchen Rat sie uns geben konnte. Anschließend würden wir das Alte Grab finden. Mit neuer Zuversicht brachen wir auf, denn welche Herausforderung sollte uns nach diesem Sieg noch aufhalten können?
Eine Antwort darauf fand sich viel schneller als uns lieb war.
→ Teil 15
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