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Hierzu muss man wohl was sagen. Irgendwie kommt es in der Presse immer so rüber, als würden Professor*innen eigentlich immer totale Monster sein, deren Tun und Trachten darauf ausgerichtet ist, wehrlose Doktorand*innen auszubeuten und dann nach kurzer Zeit rauszufeuern.
Politiker*innen denken sich dann immer schöne Dinge aus.
Das erste solche Ding ist das Zeitarbeitsbefristungsgesetz. Das ist jetzt so, dass man eine Qualifikationsphase von sechs Jahren hat. In dieser Zeit muss man promovieren. Danach kann es eine zweite Qualifikationsphase geben, in der man sich habilitieren soll.
Danach muss man eine feste Stelle bekommen, oder man fliegt raus. Der nette Effekt ist: Man fliegt raus. Das liegt daran, dass es nur beschränkt viele feste Stellen gibt. Wenn eine Person mit 30 auf eine feste Stelle kommt, ist diese Stelle für 37 Jahre besetzt. #IchBinHannah hat sich damals darüber aufgeregt, dass das Bildungsministerium von System verstopfen geredet hat. Das war vom Bildungsministerium etwas unsensibel, aber der Punkt bleibt, dass die Stelle weg ist. Pro Professur gibt es eine oder zwei solche Mitarbeiterstellen. Man kann sich also ausrechnen, was das insgesamt bedeutet.
Lustiger Nebeneffekt ist auch: Wenn Prof in Rente geht, sind seine Mitarbeiter*innen unter Umständen noch 30 Jahre da. Eine Neubesetzung würde unter Umständen gern an anderen Dingen forschen. Entweder wird die Uni dadurch unattraktiv, weil sie nur besetzte Stellen hat oder es wird für die Uni teurer, weil sie Parallelstrukturen finanzieren muss.
Ein Spezialproblem stellen die Geisteswissenschaften dar, denn es gibt außerhalb der Universitäten praktisch keine Forschung, in die man wechseln könnte. D.h. wenn die Stellen alle besetzt sind, bleiben nur Drittmittelprojekte. Die Antragsberechtigten haben aber auch nur begrenzt Zeit.
Ideen, PostDoc-Phasen auf vier Jahre zu begrenzen sind also nicht mit den Geisteswissenschaften kompatibel. Ideen, zwangsweise nur feste Stellen zu vergeben, sind nicht mit den jetzt schon zu geringen Budgets kompatibel, die ja nun auch noch gekürzt werden sollen.
Übrigens: Meine Mitarbeiter haben inzwischen feste Stellen. Alle bei uns würden ihre Mitarbeiter*innen gern auf feste Stellen setzten. Das ist aus diversen Gründen nicht ohne weiteres möglich.
Gute Ergebnisse werden nur erzielt, wenn es Mitarbeiter*innen gut geht. Letztendlich braucht man dafür Geld.
#Bildung