Grausame Delfinjagd auf den FÀröer-Inseln Internationale Tier- und Meeresschutzorganisationen widerlegen Behauptungen der WaljÀger
DMZ â GESELLSCHAFT/TIERWELT Š D. Aebischer Š Die jĂŒngsten Treibjagden auf den FĂ€röer-Inseln stehen erneut im Zentrum internationaler Kritik. In einem neuen Bericht mit dem Titel "Unravelling the truth: Whale killing in the Faroe Islands" (Die Wahrheit ans Licht bringen: Walfang auf den FĂ€röer-Inseln) widersprechen sieben fĂŒhrende Tier- und Meeresschutzorganisationen energisch den von WaljĂ€gern vertretenen Standpunkt, dass diese jĂ€hrlichen Jagden human, nachhaltig und integraler Bestandteil der lokalen Kultur seien. Die sogenannte GrindadrĂĄp, die Jagd auf Grindwale und Delfine, wird international stark kritisiert. WĂ€hrend sie in der Vergangenheit mit Ruderbooten durchgefĂŒhrt wurde, setzen die JĂ€ger heute Motorboote, Jetskis und moderne Kommunikationstechnologien ein, was den Tieren kaum eine Ăberlebenschance lĂ€sst. Allein bei der jĂŒngsten Jagd am 22. September wurden 42 Grindwale getötet, wodurch die Gesamtzahl der auf den Inseln getöteten MeeressĂ€uger auf ĂŒber 900 anstieg, weit ĂŒber dem ĂŒblichen Durchschnitt von etwa 685 Tieren. Die Art und Weise, wie die Tiere getötet werden, schockiert die Welt. Die JĂ€ger treiben die Tiere in flaches Wasser, wo sie dann mit Rundhaken in den Blaslöchern, ihren Atemwegen, festgehalten werden. AnschlieĂend werden sie an Land gezogen und mit Messern oder WirbelsĂ€ulenlanzen getötet. Dies fĂŒhrt oft zu LĂ€hmungen, ohne jedoch den sofortigen Tod oder die Bewusstlosigkeit der Tiere zu gewĂ€hrleisten. Der Bericht zeigt auf, dass trotz der Behauptungen ĂŒber die kulturelle Bedeutung dieser Jagden die Mehrheit der FĂ€ringer weder am Walfang teilnimmt noch das Fleisch der getöteten Tiere verzehrt. Umfragen haben ergeben, dass 69 Prozent der Bevölkerung die Delfinjagd ablehnen, wĂ€hrend nur 7 Prozent sie unterstĂŒtzen. AuĂerdem widerlegt der Bericht die Annahme, dass die Jagd nachhaltig sei und die Vermehrungsraten der Grindwale berĂŒcksichtigt. Trotz des internationalen Schutzes fĂŒr Kleinwale in der EuropĂ€ischen Union setzt sich diese grausame Praxis auf den FĂ€röer-Inseln fort. Die Tier- und Meeresschutzorganisationen hoffen, dass ihr Bericht dazu beitrĂ€gt, die MissverstĂ€ndnisse ĂŒber diese Jagden zu klĂ€ren und diese grausame Praxis endlich zu beenden. Nun, da wir einen tieferen Einblick in den neuen Bericht ĂŒber die umstrittenen Treibjagden auf den FĂ€röer-Inseln erhalten haben, ist es an der Zeit, einige der zentralen Fragen zu diesem Thema zu erörtern. Sieben der weltweit fĂŒhrenden Tier- und Meeresschutzorganisationen haben die Behauptungen der WaljĂ€ger auf den FĂ€röer-Inseln in Frage gestellt und klare Beweise vorgelegt, die die Grausamkeit und die Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit dieser Praktiken aufzeigen. Um mehr ĂŒber diese Angelegenheit zu erfahren, haben wir uns dazu entschlossen, die Organisationen selbst zu Wort kommen zu lassen. Wir haben eine Reihe von Fragen vorbereitet, um zusĂ€tzliche Einblicke und Informationen ĂŒber die BeweggrĂŒnde und die Rechtfertigungen hinter den Treibjagden zu erhalten, sowie ĂŒber die Auswirkungen auf die Tierwelt und die öffentliche Meinung. DMZ: Welche Beweise oder Erkenntnisse haben Sie gesammelt, um die Behauptungen der WaljĂ€ger auf den FĂ€röer-Inseln zu widerlegen, dass die Treibjagden human, nachhaltig und kulturell bedeutsam sind? Humanes Töten Wir baten Dr. Andrew Butterworth um eine Analyse der Tierschutzaspekte der Jagden, die er anhand von frei im Internet verfĂŒgbarem Filmmaterial durchfĂŒhrte. Dr. Andy Butterworth ist ein vielpublizierter unabhĂ€ngiger Tierarzt und Tierschutzkonsulent und fĂŒhrt Forschung, Beratung und Analysen in den Bereichen Tierkrankheiten, Tierhaltung, Tierschutz und -gesetzgebung sowie Verhaltensbiologie sowohl in der Landwirtschaft als auch bei Wildtieren durch. Dr. Butterworth hat Tierschutzprojekte in vielen Teilen der Welt durchgefĂŒhrt und ist Direktor von AWT, Animal Welfare Training. Zuvor war er Mitglied von ACOS (Advisory Committee on Organic Standards), EFSA AHAW (European Food Safety Authority, Animal Health and Welfare Panel) und UK Gov AWC (Animal Welfare Committee). Zu seinen Veröffentlichungen gehört das 2017 erschienene Buch «Marine Mammal Welfare â Human Induced Change in the Marine Environment and its Impacts on Marine Mammal Welfare». Dr. Butterworth hat auch Beurteilungen der Wal- und Delfinjagd in Japan veröffentlicht. Dr. Butterworth zieht folgende SchlĂŒsse aus seiner Untersuchung der Jagd â des so genannten «Grind» â auf den FĂ€röern: Die Tötungsmethode ist veraltet. In der Schlachtung landwirtschaftlich genutzter Tiere wurde die Methode der Durchtrennung des RĂŒckgrats schon vor langer Zeit verboten. Die JĂ€ger ĂŒberprĂŒften nicht, ob die Wale und Delfine nach der RĂŒckgratdurchtrennung noch bei Bewusstsein waren, wie es ihre Anweisung vorschreibt. Aus Tierschutzsicht ist es höchst problematisch, dass der Haken ins Blasloch eingefĂŒhrt und das Tier damit gezogen wird. Offenbar wird bei allen vier Arten, die im Grind gejagt werden, dieselbe Tötungsmethode angewendet, obwohl es unwahrscheinlich ist, dass bei so unterschiedlich groĂen Tieren dieselbe anatomische Anweisung in Bezug auf die Positionierung der Lanze angemessen ist. Es scheint, dass die im Grind angewendeten und akzeptierten Tötungsmethoden auf einem weit tieferen Tierwohlstandard liegen als die auf den FĂ€röern und in DĂ€nemark vorgeschriebenen Schlachtungsmethoden bei landwirtschaftlich genutzten Tieren. -> Zum Bericht -> Siehe auch Bericht "Unravelling the Truth: Whale killing in the Faroe Islandsâ, Seiten 1-3. Tradition Die FĂ€ringer betrachten den GrindadrĂĄp als Teil ihres kulturellen Erbes, doch aus Sicht der VeterinĂ€rwissenschaften und der Biologie ist die Methode des Tötens von Grindwalen eine Art rituelles Schlachten, das an Tieren mit vollem Bewusstsein durchgefĂŒhrt wird, die sich ihrer UmstĂ€nde bewusst sind. Grindwale sind soziale, intelligente und kommunikative Tiere, die komplexe soziale Verhaltensweisen zeigen. Daher sollte diese traditionelle Walfangmethode als ein Verfahren betrachtet werden, bei dem die Tiere einem hohen MaĂ an Stress ausgesetzt sind. Im Kontext der heutigen zivilisatorischen Entwicklung und des materiellen Wohlstands erscheint die Praxis des Walfangs als ein unangemessenes und grausames Relikt der Vergangenheit. Hier möchten wir zudem auf einen wissenschaftlichen Artikel im Frontiers verweisen. Darin gibt es Ăberlegungen fĂŒr die Festlegung einer Grenze zwischen akzeptablen und inakzeptablen Traditionen, zum Beispiel eine Grenze, die darauf beruht, ob die fraglichen Praktiken eine physische SchĂ€digung eines menschlichen oder eines tierischen Körpers gegen dessen Willen beinhalten. Nach dieser Definition kann der GrindadrĂĄp als eine inakzeptable kulturelle Praxis angesehen werden, da es die physische IntegritĂ€t des Körpers eines Tieres offensichtlich verletzt, was auch eine Verletzung des Lebenswillens eines Tieres bedeutet. -> Siehe auch Bericht "Unravelling the Truth: Whale killing in the Faroe Islandsâ, Umfrageresultate dazu, Seite 7. Nachhaltigkeit Die Behauptung, die GrindadrĂĄps seien nachhaltig, ist eine grobe Vereinfachung eines komplexen Sachverhalts und basieren gröĂtenteils auf dem Vergleich von Entnahmemengen mit PopulationsschĂ€tzungen fĂŒr die Art insgesamt, anstatt die lokale Populationsdynamik zu berĂŒcksichtigen. Solche PopulationsschĂ€tzungen beruhen in der Regel auf Erhebungen in groĂen Meeresgebieten. Sie berĂŒcksichtigen nicht, dass diese Gebiete mehr als eine geografisch und/oder genetisch getrennte Populationseinheit umfassen können. Die Walpopulationen werden damit wie pelagische FischbestĂ€nde behandelt, mit einer einzigen undifferenzierten Population im gesamten Nordostatlantik, aus der eine bestimmte Anzahl ohne nennenswerte Auswirkungen entfernt werden kann. In Anbetracht unseres Wissens ĂŒber die Kultur und die Gesellschaft der Wale, ist dies weder richtig noch angemessen und ignoriert andere Faktoren, die sich im 21. Jahrhundert negativ auf diese Populationen auswirken. Die kumulativen Auswirkungen von Umweltverschmutzung, Klimawandel, SchiffsunfĂ€lle und Beifang in der Fischerei sind erheblich. Siehe auch Bericht "Unravelling the Truth: Whale killing in the Faroe Islandsâ, Seiten 3-4. DMZ: Können Sie nĂ€her erlĂ€utern, wie die Tiere bei diesen Treibjagden getötet werden und warum dies als Ă€uĂerst grausam angesehen wird? Wann immer eine Grindwal- oder Delfinschule in den GewĂ€ssern der FĂ€röer Inseln auftaucht wird die Bevölkerung mittels Radio dazu aufgerufen, bei der GrindadrĂĄp mitzumachen. Die JĂ€ger fahren mit Motorbooten hinaus und treiben die Tiere in eine der fĂŒr den GrindadrĂĄp bestimmten Buchten. Dort werden die Tiere mit einem Rundhaken, der in die Blaslöcher getrieben wird, gesichert und an Land gezogen. Jedem einzelnen Wal wird dann ein Messer oder eine scharfe WirbelsĂ€ulenlanze in den Hals gestoĂen. Nach der Durchtrennung des RĂŒckenmarks sind die motorischen Funktionen des Tieres beeintrĂ€chtigt, so dass es weder fliehen noch sich verteidigen kann, aber das Tier hat immer noch ein Bewusstsein fĂŒr das, was geschieht, und fĂŒr die weiteren Handlungen und es kann auch sein, dass es immer noch Schmerzen empfindet. Man kann sich das Leiden (Schmerzen und Atemnot) der Grindwale gut vorstellen, wenn man bedenkt, dass die bis zu drei Tonnen schweren Tiere am Nasenloch an Land gezogen werden. Bei der angewandten Technik handelt es sich um eine Bindungstechnik, bei der das Tier bei Bewusstsein bleibt und ohne BetĂ€ubung durch Ausbluten stirbt. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen verursacht eine solche Tötungsmethode bei den Tieren erheblichen Stress und Schmerzen. Hinzu kommt, dass es sich bei den Grindwalen um Ă€uĂerst soziale Wesen handelt â fĂŒhlende Wesen die verstehen in welcher Lage sie und ihre Familien Mitglieder sind, die ihr eigenes und das Sterben ihrer Familienmitglieder bewusst miterleben bis zum letzten Atemzug. Diese Methode der Tötung von Tieren ist nach unserem Wissen ĂŒber Tiere als fĂŒhlende Wesen ethisch und moralisch inakzeptabel. Leider ist das allgemeine Wissen ĂŒber den eigentlichen Akt des Tötens nur oberflĂ€chlich. AuĂenstehende Beobachter mögen denken, dass die LĂ€hmung eines Tieres nach einer RĂŒckenmarksdurchtrennung gleichbedeutend mit dem sofortigen Tod des Tieres ist. Das ist aber nicht der Fall. Das Sterben kann sogar lĂ€nger als 4 Minuten dauern. Was also sehr umstritten zu sein scheint, ist die Tatsache, dass die Jagd unmenschlich lange dauert und groĂen Stress verursacht- es dauert mehrere Stunden, bis die Tiere geeigneten Platz fĂŒr ihre Schlachtung gejagt werden. S. auch Widerlegungen zu «humanes» Töten oben sowie Passagen aus unserem gemeinsamen Bericht "Unravelling the Truth: Whale killing in the Faroe Islandsâ. DMZ: Welche Rolle spielen moderne Technologien wie Motorboote, Jetskis und Kommunikationstechnologien bei der VerschĂ€rfung der Jagdpraktiken auf den FĂ€röer-Inseln? Es ist eine Tatsache, dass die Tradition selbst einem Wandel und einer VerĂ€nderung unterworfen ist (z. B. wurde noch 1927 das Treiben der Tiere in die Buchten mit Ruderbooten durchgefĂŒhrt, wĂ€hrend heute Motorboote verwendet werden). FrĂŒher mussten die GrindadrĂĄp-Teilnehmer ihre Alltagskleidung benutzen, um sich gegen die niedrigen Wassertemperaturen zu isolieren. Heute werden zur besseren Isolierung NeoprenanzĂŒge verwendet. Im Jahr 2014 wurden Vorschriften fĂŒr die zulĂ€ssige Methode des Grindwalschlachtens eingefĂŒhrt, die andere Methoden ausdrĂŒcklich und rechtlich ausschlieĂen. Das Handbuch der Nordatlantischen Kommission fĂŒr MeeressĂ€ugetiere zum Grindwalfang weist darauf hin, dass es möglich ist, Ănderungen einzufĂŒhren, und dass es an den Menschen liegt, sich darĂŒber zu einigen, wie weit sie gehen sollen. Das Fehlen einer wirtschaftlichen Rechtfertigung fĂŒr die Notwendigkeit des Grindwal Schlachtens stellt diese Praxis in den Bereich traditioneller symbolischer AktivitĂ€ten, die mittels Gesellschaftsvertrag neu definiert werden könnten. Einem solchen Ănderungsprozess wĂŒrde in Bezug auf den GrindadrĂĄp nichts im Wege stehen. DMZ: Gibt es Beweise dafĂŒr, dass die Mehrheit der FĂ€ringer tatsĂ€chlich gegen die Treibjagden ist und das Fleisch der getöteten Tiere nicht konsumiert? GemÀà der Gallup-Umfrage vom April 2022 sind 60 Prozent der FĂ€ringer bereit, den Verzicht auf die Jagd auf Wal- oder Delfingruppen zu erwĂ€gen, zu denen auch MĂŒtter mit ihren Jungen gehören. Nur 7 Prozent der Befragten waren gegen diese Idee. Laut der KVF-Umfrage beteiligen sich 61 Prozent der FĂ€ringer nie oder selten am Walfang, wĂ€hrend die Gallup-Umfrage ergab, dass 71 Prozent der FĂ€ringer nie oder selten an der Jagd teilnehmen oder dies seit mehr als 10 Jahren nicht mehr getan haben. Wo frĂŒher die ganzen Tiere verwertet wurden, wird heute nur noch das Muskelfleisch und Fett verwertet. Es entsteht sehr viel «Waste» («Abfall»), welcher oft im Meer entsorgt wird. Auch ist es fĂŒr eine so kleine Inselbevölkerung von 52'889 Personen (2021) gar nicht möglich, das gesamte Fleisch von ĂŒber 900 mehrere Tonnen schweren Tieren zu verzehren, zumal Dr. PĂ l Weihe, oberster Mediziner aufgrund der Schadstoff- und Schwermetallbelastung des Grindwal Fleisches bereits 2008 empfohlen hat, den Konsum von Grindwal Fleisch auf eine Mahlzeit pro Monat zu beschrĂ€nken. Stillenden Frauen und MĂ€dchen, die einmal Kinder haben wollen, ist empfohlen ganz auf den Konsum von Grindwal Fleisch zu verzichten. Rein rechnerisch liegt auf der Hand, dass sehr viel von dem erbeuteten Fleisch gar nicht konsumiert werden kann. AuĂerdem mĂŒssen sich die FĂ€ringer die Frage gefallen lassen, weshalb sie Tiere töten, von deren Konsum ihr eigenes Gesundheitswesen dringend abrĂ€t. DMZ: Wie schĂ€tzen Sie die Auswirkungen der Treibjagden auf die Populationen von Grindwalen und Delfinen ein, insbesondere angesichts der niedrigen Vermehrungsrate dieser Tiere? Grindwale pflanzen sich nur sehr langsam fort. Bei der Jagd werden teilweise hunderte Wale auf einmal getötet, meistens ganze Gruppen sowie trĂ€chtige Weibchen & Jungtiere. Von den ebenfalls bejagten WeiĂseitendelfinen ist die PopulationsgröĂe nicht genau bekannt. Dabei handelt es sich um PopulationsschĂ€tzungen fĂŒr die Art insgesamt, anstatt die lokale Populationsdynamik. Solche PopulationsschĂ€tzungen beruhen in der Regel auf Erhebungen in groĂen Meeresgebieten. Sie berĂŒcksichtigen nicht, dass diese Gebiete mehr als eine geografisch und/oder genetisch getrennte Populationseinheit umfassen können. Es lĂ€sst sich daher nicht sagen, welche Fangzahlen die Populationen nicht gefĂ€hrden wĂŒrden. DMZ: Haben Sie Erkenntnisse darĂŒber, wie sich die internationale Gemeinschaft zu diesen Treibjagden positioniert und welche MaĂnahmen sie ergriffen hat, um sie zu stoppen? Wo die EU-Staaten frĂŒher keine Wortmeldungen gegen die Treibjagden auf den FĂ€röer-Inseln machten, wurden im Dezember 2021 die EU-Staaten (auĂer DĂ€nemark), die Mitglieder in der IWC sind, aktiv. Ihr offizieller Brief an alle Mitglieder der Internationalen Walfangkommission lĂ€sst an Deutlichkeit nichts zu wĂŒnschen ĂŒbrig und hĂ€lt fest: âWir verurteilen die grausame und nicht notwendige Tötung von mehr als 1400 WeiĂseitendelphinen ... Wir rufen die Regierung der FĂ€röer auf, die antiquierte Praxis der Jagd auf Wale und Delphine unverzĂŒglich einzustellen ... Wir treten dafĂŒr ein, dass die Neubeurteilung der Jagd auch auf die Grindwale ausgedehnt wird ... Wir begrĂŒĂen die AnkĂŒndigung der Regierung der FĂ€röer, die Rechtsgrundlagen fĂŒr die Jagd auf WeiĂseitendelphine zu ĂŒberprĂŒfen, und sind zuversichtlich, dass diese bald strenger reguliert oder vollstĂ€ndig verboten wird.â Auch wurden in der Internationalen Walfangkommission zahlreiche Resolutionen bezĂŒglich Grindwalfang, sowie Gesundheitsrisiko des Walfleischkonsums verabschiedet. Jedes Land, welches mit âGood Faithâ bei so einem Abkommen Mitglied ist, wĂŒrde sich an diese Resolutionen halten. Resolutionen zum Gesundheitsrisiko Walfleischkonsum: 1997: 49/33 Resolution on Environmental Change and Cetaceans 1998: IWC 50/28 Resolution on Environmental Changes and Cetaceans 1998: IWC 50/39 Resolution on IWC Concern about Human Health Effects from the Consumption of Cetaceans 1999: IWC 51/45 Rev 2 Resolution on Health Effects from the Consumption of Cetaceans (enthĂ€lt auch Forderung nach Zusammenarbeit von IWC mit WHO) 2000: IWC 52/28 Resolution on Environmental Change and Cetaceans 2012: IWC Resolution 2012-1 Resolution on the importance of continued scientific research with regard to the impact of the degradation of the marine environment on the health of cetaceans and related human health effects. Resolution Schutz von Kleinwalen zu denen auch die Grindwale und Delphine gehören: 1997: IWC 49/40 Resolution on Small Cetaceans 2001: IWC 53/47 Resolution on Small Cetaceans DMZ: Welche Schritte planen die Tier- und Meeresschutzorganisationen als Reaktion auf diesen Bericht, um die AufklĂ€rung und den Schutz dieser Tiere zu fördern? Dieser evidenzbasierte Bericht ist ein wichtiges Instrument: er richtet sich an die Inselbevölkerung, die EntscheidungstrĂ€ger auf den FĂ€röern und in ganz Europa, an Unternehmen und Medien ĂŒber die HintergrĂŒnde und rĂ€umt mit Fehlinformationen auf. WĂ€hrend OceanCare die klare Verurteilung der Jagden seitens EU im Dezember 2021 schĂ€tzt, ist es störend zu sehen, dass DĂ€nemark weiterhin tatenlos bleibt. Wir erwarten, dass die EU bilateral Druck auf ihr nordisches Mitgliedland ausĂŒbt, damit dieses Verantwortung ĂŒbernimmt. Es gibt unterschiedliche Wege, die FĂ€röer-Inseln in die Pflicht zu nehmen. Es könnten zum Beispiel Handelsbeziehungen an klare Artenschutzauflagen geknĂŒpft werden. Auch FischhĂ€ndler spielen eine wichtige Rolle, die Fische von den FĂ€röer-Inseln beziehen und hier ebenfalls in der Verantwortung stehen. AuĂerdem machen wir uns in internationalen Gremien fĂŒr ein Verbot der Jagd auf Kleinwale stark. Kurzum: Wir werden weiterhin alle Hebel in Bewegung setzen und uns auf allen Ebenen und mit allen rechtlichen Mitteln fĂŒr ein Ende des GrindadrĂĄps einsetzen. DMZ: Gibt es Beispiele aus anderen Regionen der Welt, in denen Ă€hnliche Treibjagden aufgehört haben, und wie können solche Erfahrungen auf die FĂ€röer-Inseln angewandt werden? Es ist leider so, dass es bei diesem groĂen Tier- und Artenschutzproblem keinen Quick Fix gibt und es ein langfristiges Engagement braucht. Es ist aber bereits einmal gelungen, eine Ă€hnliche â ebenfalls als Tradition bezeichnete - Treibjagd zu beenden. Und zwar in Futo, Japan. Dort fand 2005 die letzte Delfinjagd statt. Dieser Ort ist jetzt eine beliebte Taucherdestination. Auf den FĂ€röer-Inseln wĂŒrde es genug Alternativen geben. Die Natur ist wunderschön. Es gibt sogar bereits ein kleines Whale-Watching Unternehmen. Leider sieht der Inhaber aber keinen Konflikt, sich auch beim GrindadrĂĄp zu engagieren. Zudem sind die FĂ€röer eine der reichsten Nationen Europas und alles andere als angewiesen auf diese Proteinquelle. DMZ: Welche Rolle spielen rechtliche Bestimmungen und internationale Ăbereinkommen bei der Regulierung oder BekĂ€mpfung dieser Treibjagden? Internationale Abkommen sind von groĂer Bedeutung im Umwelt- und Artenschutz. Nur ein multilateraler Ansatz kann die groĂen Probleme, denn die Umwelt â insbesondere auch die Ozeane â heutzutage ausgesetzt sind lösen. DMZ: Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie in Bezug auf den Schutz von Grindwalen, Delfinen und anderen MeeressĂ€ugern auf den FĂ€röer-Inseln? S. oben. Wir setzen uns weiterhin fĂŒr einen langfristigen und grenzĂŒberschreitenden Schutz von MeeressĂ€ugern und anderen Meerestieren, sowie die Erhaltung und Wiederherstellung ihres natĂŒrlichen Lebensraums. Dieses Ziel werden wir in allen relevanten regionalen und internationalen Gremien verfolgen.