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BĂŒndnis Sahra Wagenknecht
Neue Heimat BSW: FrĂŒhere AfD-Mitglieder bringen sich als UnterstĂŒtzer ein
Das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht wird von mehr als zwei Dutzend frĂŒherer Mitglieder und FunktionĂ€re der AfD unterstĂŒtzt. Nach Recherchen von CORRECTIV ist darunter auch ihr damaliger Social-Media-Experte. Das Wagenknecht-BĂŒndnis wiegelt ab.
von Marcus Bensmann
, Alexej Hock
, Leon Ueberall
18. September 2024
Auch frĂŒhere AfD-Mitglieder wollen sich fĂŒr das BSW engagieren. Quellen: Ulrich Baumgarten, Lando Hass / picture alliance Collage: Ivo Mayr, Mohamed Anwar / CORRECTIV
Als das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht (BSW) in einem Newsletter aufrief, die Partei zu unterstĂŒtzen, fĂŒhlte sich Ralph H. angesprochen. âIch wollte mich regional einbringenâ, erzĂ€hlt er am Telefon: âRegionalverbĂ€nde grĂŒnden, plakatieren, solche Aufgabenâ. Er habe ein Formular auf der Website ausgefĂŒllt und den Hinweis ergĂ€nzt, dass er sich auch als Mitglied engagieren könne, falls gewĂŒnscht.
Fast schon bescheiden klingen H.s AnsprĂŒche, wenn man bedenkt, welche Rolle er in der politischen Landschaft der Bundesrepublik bereits eingenommen hatte. Der 63-JĂ€hrige war bis 2017 Social-Media-Experte der AfD und entwarf ihre Online-Strategie. Er sei einer der VĂ€ter der Partei, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016 ĂŒber ihn: âDer Erfolg, den die Partei heute hat, ist auch sein Verdienstâ.
Auch im AfD-Parteispendenskandal spielt H. eine Rolle. Wie CORRECTIV berichtete, schlug er im FrĂŒhjahr 2016 in einer Mail dem damaligen Parteichef Jörg Meuthen ein Konzept fĂŒr die Social-Media-Kampagne der AfD vor. Dieser antwortete, er leite dies âan unseren potentiellen UnterstĂŒtzerâ weiter. Monate zuvor bot der deutschstĂ€mmige MilliardĂ€r Henning Conle Meuthen bei einem Treffen in der Schweiz seine UnterstĂŒtzung an. In dem Skandal um AfD-Spenden und der millionenschweren externen Wahlkampfhilfe aus der Schweiz ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Berlin. Dort wird H. als Zeuge gefĂŒhrt, im Oktober 2022 veranlasste sie eine Hausdurchsuchung bei ihm.
Nun bot H. seine Dienste also dem BSW an. âDie Positionen decken sich mit denen, die die AfD damals hatte, bevor sie in den rechtsradikalen Bereich abgerutscht sindâ, sagt er. Bis heute habe er aber keine Antwort auf das Formular erhalten. Intern ist er beim BSW allerdings als UnterstĂŒtzer gelistet. Die Partei wollte sich auf Anfrage nicht zu H.s Status Ă€uĂern.
AfD und BSW: Parallelen bei Plakatkampagnen
Es gibt bemerkenswerte Ăhnlichkeiten, was die Wahlwerbung beider Parteien angeht. Wie bei der AfD spielt beim BSW ein Verein eine Rolle â beim BSW sammelte ein Verein als VorlĂ€ufer der Partei Spenden, bei der AfD fuhr ein Verein UnterstĂŒtzer-Kampagnen fĂŒr die Partei. In beiden FĂ€llen gab es bei dem Kölner Werbeaufsteller Ströer widersprĂŒchliche Buchungen der Werbekampagnen. So wurde bei den UnterstĂŒtzerplakaten des AfD-nahen Vereins die Partei als Direktkunde gefĂŒhrt. Beim BSW wiederum wurde der Verein als Kunde gefĂŒhrt, wĂ€hrend die Partei angab, die Kampagne bezahlt zu haben. Und dann taucht im UnterstĂŒtzerumfeld des BSW plötzlich der Social-Media-Experte auf, der schon im Spendenskandal der AfD um den Schweizer MilliardĂ€r Henning Conle zumindest als Zeuge eine Rolle spielte.
Von der AfD zum BSW
Ralph H. ist das prominenteste Beispiel einiger frĂŒherer AfD-Mitglieder, die nun die NĂ€he zum BSW suchen. Nach Recherchen von CORRECTIV haben sich mindestens 25 Personen als UnterstĂŒtzer registriert, die in der AfD als Mitglieder gelistet waren. Darunter befinden sich AnhĂ€nger des aufgelösten rechtsextremen FlĂŒgels sowie frĂŒhere FunktionĂ€re und MandatstrĂ€ger.
Das BSW unterscheidet zwischen Mitgliedern und UnterstĂŒtzern. Zuletzt zĂ€hlte die Partei rund 840 Mitglieder, was im Vergleich zu anderen Parteien wenig ist. Man wolle nicht die âKinderkrankheitenâ anderer wiederholen, teilte GeneralsekretĂ€r Christian Leye im Januar mit.
Umso gröĂer ist die UnterstĂŒtzer-Basis, die nach Informationen von CORRECTIV mehr als 10.000 Personen im Juni zĂ€hlte. Diese ĂŒbernehmen Aufgaben, die bei anderen Parteien teilweise die Mitglieder ĂŒbernehmen. âUnterstĂŒtzer engagieren sich aktiv fĂŒr die Partei, gehen zu Treffen, planen Aktionen und helfen vor allem in WahlkĂ€mpfen mitâ, teilte ein BSW-Pressesprecher mit. Ein Stimmrecht haben UnterstĂŒtzer allerdings nicht.
Aufgrund der einflussreichen Rolle der UnterstĂŒtzer ist es wichtig zu wissen, wie sich der Kreis zusammensetzt. Vor allem in der Anfangszeit können wenige Personen groĂen Einfluss auf die Entwicklung einer Partei ausĂŒben. CORRECTIV konnte interne Listen der beiden Parteien AfD und BSW miteinander abgleichen und fand Ăbereinstimmungen â darunter Personen mit radikalen Einstellungen. Weil sie keine herausgehobene Position innehaben, werden sie in diesem Text nicht namentlich genannt.
RechtsauĂen der AfD als UnterstĂŒtzer
Einer hat 2013 den Aufbau der AfD unterstĂŒtzt, saĂ spĂ€ter im Vorstand des Landesverbands Sachsen-Anhalt und freute sich ĂŒber die GrĂŒndung des rechtsextremen FlĂŒgels der AfD, da dieser ihm âHoffnungâ in die Partei gegeben habe. 2016 trat er wohl das letzte Mal fĂŒr die AfD an, verpasste aber den Einzug in den Landtag. Auf Anfrage möchte er sich nicht öffentlich Ă€uĂern und streitet ab, die Partei zu unterstĂŒtzen. Intern ist er als UnterstĂŒtzer vermerkt.
Unter den UnterstĂŒtzern befinden sich auch Ex-AfD-Politiker, die zum Teil noch in den letzten Jahren fĂŒr die Partei den Ortsverband leiteten, in Bezirksvertretungen oder in Kreistagen vertreten waren. Einer saĂ im sĂ€chsischen Landesvorstand der inzwischen aufgelösten rechtsextremen Patriotischen Plattform, deren Mitglieder gezielt vom Verfassungsschutz beobachtet wurden. Er sagte auf Anfrage, die AfD-Vergangenheit habe mit dem BSW-Engagement ânichts zu tunâ.
Ein Weiterer leugnet auf seinem Internetblog, dass der Terroranschlag in Hanau, bei dem zehn Menschen ermordet wurden, von einem Rechtsextremen verĂŒbt wurde. Er sah die AfD nach der Auflösung des rechtsextremen FlĂŒgels in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Nun unterstĂŒtzt er das BSW in Brandenburg. Auf Anfrage möchte er sich nicht Ă€uĂern. Er spreche nur mit âechten Journalistenâ wie er einer sei.
Kein generelles Ausschlusskriterium
Keine Partei ist davor gefeit, dass sich Menschen mit unerwĂŒnschten Positionen anschlieĂen. Bei der CDU kam es beispielsweise 2019 zu einem Eklat, als die rechtsextreme Vergangenheit des Kommunalpolitikers Robert Möritz bekannt wurde. Er verlieĂ daraufhin die Partei und kam einem Parteiausschluss zuvor. Anfang des Jahres hat die Potsdamer CDU ein Parteiausschlussverfahren gegen den EigentĂŒmer der Villa auf den Weg gebracht, in der das Treffen radikaler Rechter und Rechtsextremisten stattgefunden hatte, das CORRECTIV enthĂŒllt hatte.
Bei der SPD teilte man auf Anfrage mit, dass der jeweils zustĂ€ndige Ortsverband vor der Aufnahme einer Person jeden Einzelfall nach eigenem Ermessen ĂŒberprĂŒfe. âBekannte Tatsachenâ ĂŒber die Person können dabei zur Ablehnung fĂŒhren. FrĂŒhere Parteimitgliedschaften können freiwillig angegeben werden.
Wer beim BSW als UnterstĂŒtzer aktiv werden möchte, muss sich offiziell registrieren. Dabei werden vergangene und aktuelle Parteimitgliedschaften abgefragt. Eine frĂŒhere AfD-Mitgliedschaft sei dabei kein Ausschlusskriterium, so ein BSW-Sprecher. Die Nachfrage, wie es sich beispielsweise mit AnhĂ€ngern des FlĂŒgels verhĂ€lt, beantwortete die Partei nicht. âWenn die betreffende Person dann zu UnterstĂŒtzertreffen kommt, haben wir die Gelegenheit sie besser kennenzulernenâ, hieĂ es allgemein. Das könne dazu fĂŒhren, dass jemand sich langfristig als UnterstĂŒtzer engagiert oder auch Mitglied der Partei wird.
Was den engen Kreis der Parteimitglieder angeht, so hatte die BSW-Landesvorsitzende in ThĂŒringen, Katja Wolf, in der Vergangenheit ehemalige AfD-Mitglieder abgelehnt. Nun Ă€uĂert sich die Partei anders. Eine frĂŒhere AfD-Mitgliedschaft sei kein generelles Ausschlusskriterium bei der Aufnahme als Mitglied, teilte das BSW mit. Wer in der Anfangszeit der Partei AfD-Mitglied war und schon vor lĂ€ngerer Zeit ausgetreten ist, könnte damit rechnen, als BSW-Mitglied aufgenommen zu werden. âBei Menschen, die noch vor kurzem Mitglied der AfD waren, sĂ€he das anders ausâ, so ein Pressesprecher. âDie AfD hat seit ihrer GrĂŒndung einen erheblichen Wandel durchgemacht.â
Ăber ein BSW-Mitglied mit AfD-Vergangenheit hatten zuletzt MDR, NDR und WDR berichtet. Demnach sollte Thomas Schmid, heute BSW-Landeskoordinator in ThĂŒringen, in der Vergangenheit neben Björn Höcke Pressesprecher der AfD in ThĂŒringen werden. CORRECTIV liegen ebenfalls Informationen vor, wonach Schmid als Mitglied der AfD gefĂŒhrt wurde. Das hatte Schmid in der Vergangenheit dementiert, auf eine schriftliche Anfrage reagierte er nicht.
Redaktion: Justus von Daniels, Annika Joeres
Faktencheck: Annika JoeresDesign: Ivo Mayr
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Author: CORRECTIV
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