Da es mein Blog-Debüt ist und die Technik mal wieder nicht macht was sie soll (automatisiert posten) bin ich mal so frei selbst etwas Werbung für meinen ersten Blogbeitrag überhaupt, bei @kritischerfehlschlag.de, zu machen!

Es geht um ein frühneuzeitliches Flugblatt aus Nürnberg und was man so alles für Abenteuer darum kreieren könnte.
Erschienen als Teil des RPG-a-day August, der bei „uns“ dieses Jahr unter dem Motto „A-Piece-of-History-every-day“ stand.

https://kritischerfehlschlag.de/2025/08/30/a-piece-of-history-every-day-2025-teil-26-das-nurnberger-flugblatt-von-1561/

Schaut gerne mal rein und gebt gerne Feedback. :D

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A-Piece-of-History-every-day 2025 – Teil 26 (Das Nürnberger Flugblatt von 1561)

„Himmelserscheinung über Nürnberg“, Hanns Glaser (Druck)

Das Nürnberger Flug-blatt von 1561 schließt sich einer Reihe von Flugblättern der frühen Neuzeit an, in denen spektakuläre Himmelsereignisse beschrieben und bebildert werden.

Neben Nürnberg gab es solche Flugblätter beispielsweise 1554 in Plech oder 1566 in Basel.

Heutzutage lassen sich die Darstellungen als Vermischung verschiedener, zeitlich unabhängiger, astronomischer Ereignisse erklären, die, typisch für die Zeit, religiös interpretiert wurden. Sie sollten durch solche „Warnzeichen“ die Menschen belehren und zu Gott ermahnen, wobei die Interpretation wichtiger als die tatsächlichen Ereignisse war. Ihre fanatische und übertriebene Form ließ sie wahrscheinlich damals bereits inhaltlich wenig glaubwürdig und den Vergleich zu heutigen Boulevard-Zeitungen treffend erscheinen.

Details zum Flugblatt, wie Inhalt und Interpretation, finden sich auf Wikipedia oder in diesem Artikel von Ulrich Magin.

Neben dieser Erklärung gab es über die Zeit jedoch auch einige andere – sodass sich zusammen mit den Möglichkeiten der Phantastik eine ganze Reihe verschiedener Szenarien für uns ergeben.

Natürlich bietet es sich besonders an, so ein Ereignis in größere Plots einzubauen, wenn diese religiöse Themen haben. Um es jedoch allgemein zu halten, haben die folgenden, beispielhaften Szenarien das Flugblatt als zentrales Thema, sodass sich jede:r nehmen kann, wie und was ihr oder ihm beliebt:

  • Historisch-astronomisch korrekt
  • Astronomie ohne Historizität
  • UFOs!!!
  • Himmlische Schlacht
  • Cosmic Horror
  • würfle erneut und nutze beide Ergebnisse 😉
  • … und mehr!

    Grundsätzlich haben die SCs zwei Möglichkeiten, mit dem Thema in Kontakt zu kommen – entweder sind/waren sie Teil des Ereignisses (wobei es in der Geschichte ja nie ein einzelnesEreignis war) und erfahren darauf vom Flugblatt, wodurch sie direkt eine Meinung zum Blatt haben könnten, oder sie erfahren erst durch das Flugblatt von dem Ereignis, was den SCs größere Distanz böte.

    Und wer noch mehr Mysterium und Investigation einbauen möchte, kann auch weitere Flugblätter einbinden – bauen die Ereignisse bzw. Flugblätter dabei auf sich auf? Oder gibt es einen Zyklus? Welche Gemeinsamkeiten haben sie?

    Alles genannte funktioniert mal mehr und mal weniger mit allen Szenarien und muss nur entsprechend angepasst werden.

    Szenario 1 & 2: Historisch-astronomisch korrekt / Astronomie ohne Historizität

    Warum ist die Angelegenheit wichtiger als nur eine weitere, fanatische Mahnschrift? Was beabsichtigt die Verfasserin? Will sie damit gegen eine Menschengruppe hetzen, eine Person diskreditieren oder gar einen religiösen Feldzug legitimieren? Wem dient es? Nur ihr, einer Sekte oder politischen Gruppe? Sind die SCs davon selbst betroffen oder was ist ihre Rolle darin? Versucht die Verfasserin anfangs noch die SC zu überzeugen? – Und am wichtigsten: wie können sie dagegen vorgehen? Möglich wäre hier (wenig historisch) das Flugblatt in sich zu widerlegen, die Menschen von der Falschheit der Interpretation zu überzeugen oder die wahren Absichten zu enthüllen.

    Szenario 3: UFOs!!!

    Es war tatsächlich eine extraterrestrische Spezies, die sich dort bekriegte! Die SCs sollten motiviert werden, die Angelegenheit genauer zu untersuchen, wobei sie auf alle möglichen außerirdischen Spuren oder die Außerirdischen selbst stoßen können. Beispiele wären: die Spuren von Lasergeschossen, Überreste oder Blindgänger materieller Geschosse oder ein abgestürztes Raumschiff.

    Dabei könnte auch der Verfasser ein Problem haben, wenn er von den Bemühungen der SCs erfährt – immerhin könnte er ja widerlegt werden! Und sollte die Existenz von Außerirdischen tatsächlich bekannt werden?

    Szenario 4: Himmlische Schlacht

    Die Verfasserin behält recht: Es waren wirklich himmlische Heerscharen, die sich eine Schlacht lieferten. Gibt es auch hier sichtbare Rückstände? Was steht im Flugblatt – was weiß die Verfasserin, was ist ihre Absicht? Was ist die Rolle der SC, in welchem Verhältnis zur Verfasserin stehen sie? Konnten alle das wahre Spektakel erkennen oder ist die Verfasserin auserwählt und die einzige oder hat die auserwählte Person gekannt? Wer sind diese Heerscharen, welchen Mächten gehören sie an und warum bekriegten sie sich zu dieser Zeit an diesem Ort? Wie stehen sie zu Verfasserin und SCs? Welche Konsequenz hat diese Schlacht, weltlich und in der Religion? Und wieder: was können die SCs unternehmen – was wollen sie überhaupt erreichen? Die Schlachten zu einem Ende bringen? Die Absichten der Verfasserin durchkreuzen? Einfach nur Gewissheit erlangen?

    Szenario 5: Cosmic Horror

    Ähnlich zu Szenario 3 können hier kosmische Kräfte gewirkt habe. Allerdings kann hier noch mehr mit dem (Un-)Wissen der SC gearbeitet werden. Waren sie dabei? Selbst wenn – haben sie auch die „Wahrheit“ gesehen? Gibt es Spuren? Sind die urhebenden Kräfte eine weiterhin akute Gefahr? Ist der Verfasser wahnsinnig, Teil eines Kultes oder will die Welt davor warnen (oder mehreres davon)? Oder hat er es tatsächlich nur religiös interpretiert? Gibt es Hinweise im Flugblatt, die vielleicht erst später Sinn ergeben? Besonders hier bietet sich eine Reihe von Flugblätter an, die bzw. deren Ereignisse zusammenhängen. Und auch hier können die weltlichen Beteiligten zu den kosmischen Kräften völlig unabhängige Ziele haben und in den Konflikt mit den SC geraten.

    Ich hoffe ihr konntet ein paar Anregungen und interessante Eindrücke aus meinem Blog-Debüt gewinnen!

    Kommentiert oder schreibt mir (auf Discord) gerne konstruktive Kritik oder auch wenn ihr das hier tatsächlich als Anregung genommen und was ihr daraus gemacht habt!

    ~ Drachenschuppe

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    A-Piece-of-History-every-day 2025 – Teil 23 (Der Konzil von Konstanz)

    Fast vier Jahre, vom 5. November 1414 bis zum 22. April 1418 dauerte der Konzil von Konstanz. Und er war ein massives Ereignis und eine großartige Bühne für eine Rollenspielkampagne. Und ich denke, ich werde dem nicht so ganz gerecht werden mit diesem Beitrag.

    Anlass war das abendländische Schisma, die katholische Kirche war gespalten, es gab zwei Päpste und die ersten Versuche dies zu kitten führten dazu, dass man gleich einen dritten Papst wählte.

    Um dieses Problem zu lösen, aber dazu auch noch die Kirche zu reformieren, Glaubensfragen zu klären und sich mit der Ketzerei zu befassen, trat das Konzil, einberufen von Gegenpapst Johannes XXIII und unter der Schirmherrschaft Königs Sigismunds, an.

    Sitzung im Konstanzer Münster von Ulrich von Richental

    Zunächst zogen tausende von Leuten in das Städchen Konstanz, Kardinäle, Bischöfe, Doktoren, Äbte, Priester und die gesamte Entourage dazu. Dann noch der König mit Gefolge und im Laufe der Zeit kam so ziemlich jeder von Rang und Namen einmal vorbei.

    Und „Oh, Junge!“ dann passierten Dinge.

    Die Klärung der Papstfrage umfasste unter anderem die Entmachtung Johannes XXIII, der zurück trat dann floh, mit militärischen Mitteln zurück geholt wurde und schließlich in Haft gelang. Die Abdankung des eigenwilligen Gregors XII, der zwar grundsätzlich bereit dazu war, den Konzil aber nicht anerkannte, worauf dieser pro forma ein weiteres Mal von ihm einberufen wurde. Und letztlich sogar eine Papstwahl im Kaufhaus von Konstanz.

    Kaufhaus von Konstanz von Ulrich von Richental- Dritter Stock, Herrenunterwäsche, Süßwaren und Papstwahlen

    Weitere bedeutende Ereignisse waren, unter anderem, die Ketzerprozesse gegen Jan Hus und Hieronymus von Prag, die nicht gut für sie ausgingen oder auch die Belehnung Friederich von Hohenzollern mit der Mark Brandenburg.

    Dazu viele weitere Lehnsvergaben, Turniere, Bücherjagd in den umliegenden Klöstern, Intrigen, Konflikte , Verbrechen in der überfüllten Stadt etc. pp.

    Wie gesagt, ich kann dem gar nicht gerecht werden. Wer aber ein etwas fundierteren Einstieg in die Materie möchte, dem sei das Video dazu vom Geschichtsfenster wärmstens ans Herz gelegte.

    https://www.youtube.com/watch?v=GIPgEGau1m4

    Wie also im Rollenspiel umsetzten?

    Ich denke hier, dass die SCs entweder als Teil einer Partei oder auf eigene Kosten oder auch beides, in die Stadt kommen. Abenteuerliches gibt es einiges, vom Aufklären von Verbrechen, über das Aufdecken oder durchführen von Intrigen, dem Überbringen wichtiger Botschaften bis hin zu Fangen Flüchtigen oder Befreien von Gefangenen. Seltene Bücher aus den Klosterbibliotheken müssen aufgestöbert und zurückgebracht oder verschachert werden. Mischt man auch noch Übernatürliches und Magisches hinzu, dann gibt es noch mehr Möglichkeiten.

    Wie seht ihr das? Könnte der Konzil für euch den Hintergrund für eine Kampagne darstellen?

    #aPieceOfHistoryEveryDay #APieceOfHistoryEveryDay2025 #pnpde #Rollenspiel #rpgADay

    Kritischer Fehlschlag: A-piece-of-history-every-day 2025 – Teil 21 (Stromkrieg)

    Es gibt eine Menge berühmter Erfinder in der Geschichte. Zwei der berühmtesten, nämlich Thomas Alva Edison und Nikola Tesla, standen in direkter Konkurrenz zueinander. Ihre Auseinandersetzung ist heutzutage als Stromkrieg bekannt. In Kürze: Es ging dar…

    https://kritischerfehlschlag.de/2025/08/25/a-piece-of-history-every-day-2025-teil-21-stromkrieg/

    A-piece-of-history-every-day 2025 – Teil 21 (Stromkrieg)

    Es gibt eine Menge berühmter Erfinder in der Geschichte. Zwei der berühmtesten, nämlich Thomas Alva Edison und Nikola Tesla, standen in direkter Konkurrenz zueinander. Ihre Auseinandersetzung ist h…

    Kritischer Fehlschlag

    A-piece-of-history-every-day 2025 – Teil 21 (Stromkrieg)

    Es gibt eine Menge berühmter Erfinder in der Geschichte. Zwei der berühmtesten, nämlich Thomas Alva Edison und Nikola Tesla, standen in direkter Konkurrenz zueinander. Ihre Auseinandersetzung ist heutzutage als Stromkrieg bekannt.

    In Kürze: Es ging darum, wie die USA und schließlich die Welt elektrifiziert werden würden. Mit Gleichstrom (Edison) oder Wechselstrom (Tesla, bzw. Geldgeber George Westinghouse). Wir wissen heutzutage natürlich, wie das Ganze ausging, aber es war ein ziemlich medienwirksamer Rummel.

    Es war nämlich schon ziemlich früh klar, dass der Wechselstrom deutlich vorteilhafter ist. Edison und die Gleichstrom-Fans stellten deshalb die Gefährlichkeit der hohen Spannungen des Wechselstroms in den Fokus. Es ist möglich, dass Edison wirklich das Wohl der Menschen im Sinn hatte, aber heutzutage wird er häufig und gern als als eher unangenehmer Mensch beschrieben, während Tesla in den letzten Jahren sehr in den Himmel gehoben wird.

    Ob Zweiteres berechtigt ist, kann ich nicht beantworten. Ersteres könnte damit zusammenhängen, dass Edison sehr Werbewirksam verschiedenste Tiere mit Wechselstrom zu Tode folterte, um zu beweisen, dass die Technik gefährlich ist. Das gefiel vielen Leuten schon damals nicht. (Es führte aber unmittelbar und sehr schnell zur Einführung der Elektrokution durch den Elektrischen Stuhl).

    Ganz nebenbei lief noch der Patentstreit um die Glühbirne. Ich empfehle, den oben verlinkten Wikipedia-Artikel komplett zu lesen. Manche Dinge kann man sich nicht ausdenken.

    Was kann der Stromkrieg am Rollenspieltisch?

    Aus dramaturgischen Gründen macht es Sinn, wenn die Spielenden für Westinghouse arbeiten. Und dann kann man die ganze Flöte der Cyberpunk-Dinge als Abenteuer auffahren. Der echte Stromkrieg hatte alles davon. Von Gerichtsverfahren über „echte“ Sabotage bis zu mehrfach versuchtem Rufmord.

    Ein großer öffentlicher Teil des Kampfes wurde durch Stellungnahmen in Zeitungen geführt. Edison und Westinghouse waren beide nicht gerade auf den Mund gefallen. Im Hintergrund ist mit Sicherheit sehr viel mehr gelaufen. Und noch mehr kann man dazu erfinden.

    Ein paar Szenarien

  • Abwerbung Teslas: Nikola Tesla – das wissen viele nicht – arbeitete ursprünglich für Thomas Edison. Er war unzufrieden mit Edisons Abneigung gegen Wechselstrom und wurde schließlich von Westinghouse abgeworben. Für ein Rollenspielszenario kann man davon ausgehen, dass Edison seinen Wissenschaftler erstens abschirmt und zweitens vielleicht lieber tot als bei der Konkurrenz sieht.
  • Demonstration: Kurz nach seinem Start bei Westinghouse hielt Tesla eine öffentliche Demonstration zum Wechselstrom ab. Tesla nutzte dafür Geißlerröhren. Für ein Rollenspiel ist davon auszugehen, dass Edison diese Vorführungen sabotieren wollte.
  • Nicht auf Linie: Nikola Tesla war kein einfacher Mitarbeiter für Westinghouse. Er hatte nämlich völlig andere Ideen und wollte gern Strom komplett ohne Drähte und Leitungen übertragen. An diesem „immer-weiter-forschen“ drohten mehrfach die Bemühungen von Westinghouse zu scheitern. Er brauchte JETZT funktionierende Systeme. Für das Rollenspiel kann man verschiedene Wege suchen, Tesla auf Linie zu bringen oder bei Laune zu halten. Er ist definitiv ein schwieriger Charakter.
  • Edisons Demonstrationen: Ich habe es oben schon erwähnt – Edison versuchte den Wechselstrom zu torpedieren, indem er ihn möglichst gefährlich darstellte. Zum Beispiel durch das Töten von Tieren (und viele Leserbriefe). In einem Rollenspielszenario könnte man so eine Demonstration manipulieren oder direkt versuchen, die Ethik Edisons anzugreifen.
  • Dritte Parteien: Eine der wichtigsten Erfindungen Teslas, die den damaligen Stand des Wechselstroms ermöglichte, war der Zweiphasen-Generator. Tesla hatte ein Patent darauf, aber zeitgleich und erwiesenermaßen unabhängig davon ersann der italiener Galileo Ferraris die gleiche Technologie. Hätte er sie an Edison verkauft, wäre der Stromkrieg vielleicht anders ausgegangen. Westinghouse hatte hier einen großen Patentstreit am Hals. In einem Rollenspielszenario müsste Ferraris vielleicht „überzeugt“ werden. Das gleiche Problem kam nur ein Jahr später noch mit dem Dreiphasen-Generator von Dobrowolski auf.
  • Weltausstellung Chicago 1893: Ein Höhepunkt des Stromkriegs war sicher die Weltausstellung in Chicago. Denn natürlich ging es dort hauptsächlich um Elektrifizierung. Dort wurde recht lang überlegt, ob die Messe mit Gleich- oder Wechselstrom elektrifiziert werden sollte. Westinghouse setzte sich schließlich durch. Aber es lässt sich ein gutes Rollenspielszenario daraus machen, wie eine Jury überzeugt werden muss. Sabotage, Gegensabotage: Hier kann man aus dem Vollen schöpfen!
  • Niagara Power Station No.1: Der „endgültige Sieg“ des Wechselstroms war die inbetriebnahme des Wasserkraftwerks an den Niagara-Fällen. Das Kraftwerk war in der Lage, ganz Buffalo mit Strom zu versorgen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn dabei ein Unglück geschehen wäre…
  • Viel Spaß im Stromkrieg,

    -Seba

    #aPieceOfHistoryEveryDay #AbenteuerDesign #DIY #pnpde #Rollenspiel #rpgADay

    Stromkrieg – Wikipedia

    A-Piece-of-History-Every-Day 2025 – Teil 20 (Stonewall Inn)

    Bild via Vienna Pride

    Die Kneipe “Zum Steinwall” an der Grenze zwischen Sonnenhafen und Altem Hafen ist genau genommen gar keine. Doch irgendwer stellt im Erdgeschoss des notdürftig umgebauten Stalls regelmäßig Flaschen und Krüge auf den Tisch und andere nehmen sie und “vergessen” im Gegenzug an selber Stelle ein paar Münzen. Im “Steinwall” werden keine Fragen gestellt, denn wenn du den Ort kennst, weißt du, dass du dort richtig bist. Hier finden diejenigen einen Platz, die in der Kirche als “der Sünde verfallen” bezeichnet werden, all die Bären und Otter und Wölfe, die Mägde in Hosen mit den kurzen Haaren, die Matrosen, die vorsichtig ihre Pferdeschwänze öffnen und sich gegenseitig mit ein wenig Lippenrot aushelfen. Manche von ihnen sind nur zu Besuch auf Durchreise, die meisten sind jedoch Stammgäste. 

    In letzter Zeit machen die Büttel hier immer wieder Stress. Sie verlangen, die Konzession des “Steinwalls” zu sehen, gängeln die Gäste und drohen mit Verhaftungen. Die Reibereien schaukeln sich immer weiter hoch. Wird es bald zur Eskalation kommen oder findet sich ein anderer Weg?

    Diese dem Stonewall Inn nachempfundene Kneipe eignet sich sehr gut für einen wiederkehrenden Schauplatz im Rollenspiel, vielleicht sogar als Basis der eigenen Gruppe. Allen, die diese (oder eine andere) queere Kneipe weiter ausbauen wollen, empfehle ich das preisgekrönte „Viva la QueerBar“ von Sandra Dahlhoff und Andrea Rick.

    -kiki

    #aPieceOfHistoryEveryDay #APieceOfHistoryEveryDay2025 #Drama #Geschichte #Idee #PenPaper #penandpaper #penpaper #PlotbunnyGames #pnp #pnpde #Rollenspiel #rpgADay #ttrpg #WorldBuilding

    A-Piece-of-History-Every-Day 2025 – Teil 9 (Constantinus Africanus)

    Crontz Orkus (eigener Remix unter Verwendung eines uploads von Wikidoc/Swilliams)

    Es gab noch nie viel Kontakt zwischen den Orks, die an der Süd- und Ostküste des Meeres ihre Städte hatten und deren Siedlungen und Karawanen sich bis in die unwirtlichen Wüstengebiete vorwagten, und den Menschen, die für gewöhnlich im Norden siedelten. Crontz, genannt „Orkus“, war einer dieser Kontakte. Er handelte mit einer kleinen Karawane – für orkische Verhältnisse – die Gewürze, Stoffe und das Kunsthandwerk seiner Heimat im Tausch gegen menschliche Waren. Er fand Freude in dem, was er tat und mit den Jahren wurde er auch immer besser darin, die Sprache der Menschen zu verstehen und auch zu sprechen.

    Eines Tages machte Crontz Halt in einem Gasthaus, seine Tiere waren müde und auch er freute sich über ein Bad und eine Nacht oder zwei in einem richtigen Bett. Über Nacht wurde einer seiner Reisegefährten krank, der Wirt rief einen ansässigen Heiler zur Hilfe. Crontz konnte seinen Augen kaum trauen, was die Leute hier als „Heiler“ bezeichneten. Noch nicht einmal eine Urinprobe wurde abgenommen! Eigentlich hatte er die Menschen immer für ein halbwegs fortschrittliches Volk gehalten, doch dieses Erlebnis erschrak Crontz. Es erschrak ihn so sehr, dass er den Wirt fragte, wer in diesem Landstrich das Wissen über Heilung hütete. Ein Kloster wurde ihm genannt, die Mönche dort taten angeblich den ganzen Tag nichts anderes, als Bücher zu kopieren.

    Es war kein großer Umweg zu dem Kloster. Die Mönche staunten nicht schlecht, viele von ihnen kannten Orks nur aus Schauergeschichten und Kriegsberichten. Dass nun hier einer von ihnen vor ihrer Tür stand und ihnen eine Schriftrolle unter die Nase hielt, die sie für ihn übersetzen sollten, hätte sich niemand von ihnen auch nur erträumt. Der Abt ließ sich schließlich auf ein Gespräch ein, fragte nach den Inhalten. Crontz begann, aus seiner „Handrolle zu Krankheiten und Wundpflege für den Reisenden“ vorzulesen, fügte immer wieder Berichte und Anekdoten über den Stand der Medizin bei den Orks an. Die Augen des Abtes wurden größer und größer. Es brauchte nicht wenig zu einer Einigung. Crontz‘ Karawane zog ohne ihn weiter nach Norden und auf der nächsten Reise sollten sie ihm die fünf Rollen des „Almanachs der Medizin“ und den „Anatomischen Atlas“ und auch ein Exemplar der „Zahnheilkunde nach Groschnitza“ mitbringen.

    Und dies, liebe Reisenden, ist der Grund, warum in dieser Stadt manchmal ein alter Ork zu Besuch ist. Und ja, das ist auch der Grund, warum auf dem Titelblatt fast jedes Buches zu Heilkunde ein „C. O.“ oder ein „nach C. Orkus“ zu finden ist. Und jetzt steckt eure Dolche weg und gebt dem alten Mann lieber einen aus zum Dank, dass ihr bei Schnupfen heutzutage nicht mehr rückwärts auf einem Bein um den Hühnerstall hüpfen müsst!

    Ich bin als erstes über diesen Blog von den Medizinhistoriker*innen Monica Green und Brian Long auf Constantinus Africanus und sein Wirken aufmerksam geworden. Für alle, die lieber auf Deutsch lesen möchten, hat die Wikipedia natürlich auch etwas passendes.

    -kiki

    #aPieceOfHistoryEveryDay #APieceOfHistoryEveryDay2025 #Geschichte #lowFantasy #npc #pnpde #Rollenspiel #ttrpg #WorldBuilding

    A-piece-of-history-every-day 2025 – Teil 8 (Stapelrecht)

    In meinem letzten Beitrag über Asterix bin ich mal davon ausgegangen, dass ich nicht erklären muss, worüber ich rede. Hier hole ich kurz aus. Das Stapelrecht war ein Konzept im Mittelalter, nach dem alle Waren, die durch eine Stadt transportiert wurden, zunächst dort für einige Tage zum Verkauf angeboten werden mussten, ehe der Weg fortgesetzt werden durfte. Mitunter konnten Händler:innen sich von dieser Pflicht mit sogenanntem Stapelgeld freikaufen. Mehr dazu auf Wikipedia.

    Und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich stand schon mehrfach vor dem Problem, dass ich gerne Schmuggel und Schwarzmarkt in ein mittelalterliches Rollenspiel einführen wollte, aber mir nicht so richtig einfiel, was für Schmuggelgut dafür genutzt werden könnte. ENTRANCE STAPELRECHT! ALLE WAREN SIND JETZT SCHMUGGELGUT!

    Händler:innen wollen in der Regel ihre Waren dort verkaufen, wo sie am dringendsten gebraucht wurden und damit die besten Preise erzielen. Das funktioniert aber nicht, wenn sie auf einer Durchfahrtsstadt zu ortsüblichen Preisen angeboten werden MÜSSEN. Verderbliche Ware konnte quasi überhaupt nicht durch Orte mit Stapelrecht transportiert werden. Den Händler:innen blieb also eigentlich gar nichts anderes übrig, als zu bestechen und zu schmuggeln.

    Dieser wundervolle Auswuchs von Kleinstaaterei und irrsinniger Bürokratie ermöglicht es, in jeder Stadt einen kriminellen Untergrund zu etablieren, der noch dazu von vielen Leuten komplett befürwortet wird. Ein absoluter Jackpot für Spielrunden, die moralisch grau aber nicht gleich böse agieren wollen.

    Und als Bonus macht das Stapelrecht einer Stadt unheimlich viele andere Leute wütend. Zum Beispiel Ortschaften, die die Waren eigentlich dringend brauchen würden, bei denen sie aber nie ankommen. Wir backen uns mit dem Stapelrecht also direkt auch noch ein paar potenzielle Krisen und Auseinandersetzungen in unser Setting.

    Viel Spaß beim Schmuggeln,

    -Seba

    #aPieceOfHistoryEveryDay #DIY #kritischerfehlschlag #pnpde #Rollenspiel #rpgADay

    Stapelrecht – Wikipedia

    A-Piece-of-History-every-day 2025 – Teil 7 (Gergovia und Alesia)

    Keine Sorge, es soll gar nicht wirklich um eine Geschichtsstunde um die Schlachten von Gergovia und Alesia gehen. (Aber lest gern De Bello Gallico). Sondern um effektives und effizientes Worldbuilding. Die Asterix-Comics von Coscinny und Uderzo sind darin nämlich eine absolute Meisterklasse! Sowohl im Mikro- als auch im Makrokosmos. Und die Welt wird dabei mühelos und nachhaltig erklärt und aufgebaut.

    Der Makrokosmos

    Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein.

    Die Prämisse von Asterix ist genial einfach und direkt für Rollenspiel nutzbar. Die ganze Welt wird unterdrückt und nur eine kleine Gruppe leistet Widerstand. Das könnte auch Star Wars oder ein Cyberpunk-Szenario sein. Für sich allein stehend ist die Weltbeschreibung extrem dystopisch und wirkt nahezu ausweglos. Asterix geht das ganze natürlich sehr humorvoll an. Trotzdem kann/soll/darf die Grundprämisse nicht umgestoßen werden. Die Gallier werden es nie schaffen, die Welt von den Römern zu befreien, obwohl das vermutlich dank Zaubertrank in ihrer Macht läge. Aber das würde das „Setting“ kaputt machen.

    Die Protagonisten ziehen immer wieder aus, um den Leuten, die unter der Unterdrückung leiden, beizustehen. Wir haben eine tolle, episodische Spielwiese vor uns, die immer wieder auf einen bekannten Feind zurückgreifen, aber die Schauplätze beliebig wechseln kann. Das ist brilliant.

    Der Feind ist nicht gesichtslos, sondern hat mit Julius Cäsar ein extrem scharfes Profil (dass auch auf Münzen besonders beeindruckend aussieht). Es gibt ehrgeizige Römer ebenso wie die, die keinen Ärger und einfach nur nach Hause wollen. Das ist immens wichtig und wird sehr oft vergessen.

    Die Schauplätze sind stark überzeichnet. Wenn die Gallier in England sind, wird dort natürlich Tee getrunken, auch wenn es absoluter Anachronismus ist. Man versteht innerhalb von 3 Sätzen, wie die Region „tickt“, in der sich die Protagonisten aufhalten. Das ist zwar reduktiv aber sehr gut für episodisches Spiel.

    Die Welt hat einen einfachen, einprägsamen und starken Hintergrund. Hier kommen Gergovia und Alesia ins Spiel. Wir wissen, die Gallier blicken voller Stolz auf Gergovia, wo die Gallier die Römer vernichtend schlugen und berufen sich auf diese „Tradition“. Sie hassen es, an Alesia erinnert zu werden, als ihr Anführer Vercingetorix seine Waffen niederlegen und ganz Gallien (nicht ganz) an Cäsar übergeben musste. Gergovia = gut, Alesia = schlecht. Das ist unfassbar effektives Worldbuilding. Es gibt den Galliern zwei gemeinsame, kulturelle Erinnerungen, die sehr kraftvoll sind.

    Der Mikrokosmos

    Das kleine gallische Dorf ist ein exzellentes Beispiel für eine Home-Base im Rollenspiel. Jede Episode startet dort und fast jede Episode endet dort auch wieder. Und zwar mit dem rituellen Festbankett.

    Generell passieren in dem Dorf immer wieder die gleichen Dinge. Verleihnix streitet sich mit Automatix, Majestix fällt vom Schild und fürchtet sich vor Gutemine, Troubadix darf nicht singen und Methusalix ist alt. Das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Die Home Base soll Sicherheit geben und ein Ankerpunkt sein. Das ist sie, weil sie sich nicht verändert, egal was die Gallier auf ihren Abenteuern außerhalb des Dorfes erleben.

    Es gibt noch ein paar mehr Charaktere mit Namen im Dorf, aber die sind deutlich weniger wichtig. Asterix gelingt es, mit sehr wenigen Charakteren eine glaubhaftere Siedlung darzustellen als vielen Romanen auf hunderten von Seiten. Wir als Leser und Leserinnen sind sehr nah dran am täglichen Geschehen. Das kleine gallische Dorf hat nichtmal einen Namen! Und trotzdem ein irre scharfes Profil.

    Nun ist es für Rollenspiel keine neue Erkenntnis, dass man einigen NPCs ein Profil und Beziehungen geben sollte, um eine Siedlung lebendig zu machen. Aber wie oben erwähnt: Asterix ist hier eine absolute Meisterklasse!

    Wenn euch in der Literatur irgendeine Siedlung mit besserem Profil als das kleine gallische Dorf bekannt ist, sagt mir gern Bescheid. Ich bin gespannt!

    -Seba

    #aPieceOfHistoryEveryDay #DIY #kritischerfehlschlag #pnpde #Rollenspiel #rpgADay

    A-Piece-of-History-every-day 2025 – Teil 5 (Amphitheater von Arles)

    Jean Baptiste Guibert 1750

    Als ich den Stich von Jean Baptiste Guibert 1750 zum ersten Mal gesehen habe, war es um mich geschehen. Die dichte Bebauung, mit seinen engen Gassen, das Ausnutzen, scheinbar, jeder Lücke und Nische des ursprünglichen Amphitheaters, die Türme die sich darüber erheben und die klare, ein wenig abweisende Abgrenzung zur Außenwelt schrien für mich nach Abenteuerschauplatz.

    Das Amphitheater war von Ende des Mittelalters bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts bebaut, kann also vor dem Hintergrund so einiger Epochen genutzt werden. Einen großen Teil dieser Zeit galt es als „Arme-Leute-Viertel“. Mir kommt der Vergleich etwa zu den Hamburger Gängevierteln in den Sinn.

    Wie aber würde oder will ich es nutzen?

    Die beiden naheliegendsten Ideen wären für mich zum einen als Teil eines Stadtsetting, hier fungiert das Amphitheater als das Klassische „schlimme Viertel“ in dem die Ärmsten der Armen wohnen, sich Verbrecherbanden rumtreiben, man eine eingeschworene und zurecht, nach außen, misstrauische Gemeinschaft bildet. Hier hin hauen Verbrecher ab um sich in den Gängen und Katakomben unter dem Amphitheater zu verstecken. Und die Probleme und Bedrohungen, natürliche wie übernatürliche, interessieren die Leute von außerhalb kein Stück.

    Die zweite, ambitioniertere, Idee wäre das ganze als eine Art Megadungeon zu nutzen. Hier gehen wir „noch ein Stück weiter,“ jetzt leben nur noch die verzweifelten der Verzweifelten unter den ehemaligen Einwohnern hier, nach dem das Amphitheater verlassen wurde oder einen Schicksalsschlag erlitt. Während zwar überall die Spuren der vergangenen Epochen zu finden sind, haben nun vor allem unheimliche und bedrohliche Wesen und Schurken sich hier angesiedelt. Und wer weiß was für Geheimnisse aus der Antike noch im Untergrund zu finden sind.

    Natürlich gibt es auch noch den Mittelweg, oben das Viertel und im Untergrund eine nicht ganz so ambitionierte Dungeonanlage.

    Das ist natürlich nur ein Aspekt des Amphitheaters von Arles, das auch vor und nach seinen Jahrhunderten als Siedlung eine bewegte Geschichte hatte. Vielleicht hat ja jemand noch ganz andere, interessantere, Ideen als der olle Village Idiot

    #aPieceOfHistoryEveryDay #APieceOfHistoryEveryDay2025 #pnpde #Rollenspiel #rpgADay