Wann fliegen wir zum Mars? Wie groĂ ist das Universum? Nach welcher Tageszeit werden Menschen auf dem Mars leben? DrĂ€ngende Fragen. Die den Alltag eigentlich nicht tangieren. Und trotzdem stehen sie auf der Tagesordnung â zumindest bei der jĂ€hrlichen Fragestunde der Britischen TV Sendung The Sky at Night.
Die Aula der University of East London, Stratford Campus, fĂŒllt sich langsam aus der langen Warteschlange an Zusehern draussen, die ĂŒber eine StraĂenecke reicht.
Die Sendung vermittelt das ganze Jahr ĂŒber allgemeinverstĂ€ndliches Wissen ĂŒber Raumfahrt und Astronomie. Die Entstehung von Sternen, Radioastronomie, Satelliten, Schwarze Löcher, Neutronensterne, tagesaktuelle Themen wie die MeteorschwĂ€rme Leoniden und Perseiden sowie der Vorbeiflug des Kometen Halley zĂ€hlen zu den Themen der seit 60 Jahren bei der BBC ausgestrahlten Sendung.
Im Rahmen des Britischen Science Festivals wird die (Nur-)Fragesendung aufgezeichnet, bei der Zuseher vorab Fragen stellen können, die dann von den Wissenschaftlern beantwortet werden.
Das Podium besteht aus einigen Stammwissenschaftlern wie Professor Chris Lintott, Dr. Maggie Aderin-Pocock und Astronomer Pete Lawrence (der diesmal nicht dabei war) und geladenen speziellen GÀsten. Zu letzteren zÀhlt(e) schon mal Carl Sagan oder Sir Brian May, Gitarrist der Band Queen und promovierter Astrophysiker.
Links Chris Lintott, Dr. Heloise Stevance von der Oxford University. Mitte: Dallas Campbell, Dr. George Dransfield. Rechts: Prof. Raman Prinja, Maggie Aderin-Pocock.
Dame Maggie Aderin-Pocock
Die nigerianisch-britische Weltraumwissenschaftlerin und WissenschaftspĂ€dagogin wird von allen liebevoll nur Maggie genannt. Obwohl ihre wissenschaftlichen Leistungen allein in der Wikipedia mit 13 herausragenden Auszeichnungen vermerkt sind. Die Letzte kam 2024 vom König dazu: Maggie Aderin-Pocock erhielt die Nobilitierung als Dame Commander des Order of the British Empire, das bei mĂ€nnlichen Menschen dem Ritterschlag zum âSirâ entspricht.
Dallas Campbell beim âEinheizenâ der Zuschauer vor der Sendung. Sein lockerer Stil und seine Unkompliziertheit bringen auch wĂ€hrend der Sendung seinen Charme ins Publikum.
Moderator Dallas Campbell erwĂ€hnt dies zu Beginn. Nicht ohne ein wenig britischen Sarkasmus fĂŒgt er hinzu, dass ja letztes Jahr bereits eine Barbie-Puppe zu ihren Ehren gestylt wurde. Abgesehen von ihren wissenschaftlichen und in diesem Zusammenhang auch kommunikativen Leistungen ist sie ein Mensch, der einen Raum aufhellt, wenn sie ihn betritt. Ihre umwerfende kontinuierliche Fröhlichkeit wirkt authentisch und ist ansteckend (im Gegensatz zu manchen Politikerinnen, bei denen zum LĂ€cheln die angstvollen Augen bezeugen, dass es nicht echt ist.)
Maggie bleibt auch noch charmant und lÀchelnd, als ihr der junge Techniker mehrfach das Mikrofon neu anstecken muss. Er fummelt verlegen an der Oberkleidung, aber das Mikro will bei den lebhaften Bewegungen der Wissenschaftlerin nicht halten. Sie jedoch kommt nicht im entferntesten aus der Ruhe.
Maggie Aderin-Pocock im GesprÀch mit dem Leiter des Dept of Physics & Astronomy des University College London.
Abgesehen von neuem Wissen, das man immer wieder dazu lernt, ist die Teilnahme an der Aufzeichnung auch stets eine schöne Gelegenheit, hinter die Kulissen von TV-Sendungen zu schauen. In meinem Fall als Print- und Online-Journalistin ĂŒber meinen Tellerrand zu gucken und zu lernen, wie die Kollegen beim Fernsehen arbeiten. Oft sind wir ja alle beim gleichen Event und jeder hat da so seine eigenen Anforderungen fĂŒr die Recherche. Mit ein wenig VerstĂ€ndnis fĂŒr den anderen geht auch das leichter. đ
Zur diesjÀhrigen Sendung
Sie wird am 7. Oktober 2024 auf BBC Four ausgestrahlt. Im Internet ĂŒber einen VPN-Anbieter ansehbar.
Zu den regelmĂ€Ăigen Moderatoren Maggie Aderin-Pocock, Chris Lintott und George Dransfield gesellen sich Prof. Raman Prinja vom University College London und Dr. Heloise Stevance von der UniversitĂ€t Oxford. Astronom Pete Lawrence hat ebenfalls einen Auftritt, gibt einen SternenfĂŒhrer fĂŒr die kommenden Monate.
Die diesjĂ€hrige Diskussion befasst sich mit Themen wie der Natur der Ă€ltesten Galaxien â was wir sehen und woher wir wissen, dass sie so alt sind. Die Suche nach bewohnbaren erdĂ€hnlichen Planeten und den Auswirkungen der Sterne, die sie umkreisen. AuĂerdem erforscht die Sendung, was mit der Erde und unseren planetarischen Nachbarn geschehen könnte, wenn unsere Sonne in Milliarden von Jahren das Ende ihres Lebens einlĂ€utet.
Harte Fragen fĂŒhren zu faszinierenden Debatten ĂŒber aktuelle Themen wie die Rolle kommerzieller Unternehmen in der Weltraumforschung und die Frage, ob die internationale Zusammenarbeit im Weltraum ein Beispiel fĂŒr die Politik auf der Erde sein könnte.
©alle Bilder FuZ, Eingangsbild: Das Ă€lteste Teleskop in GroĂbritannien, live und in echt am Podium.
Zur Ăbersicht aller BeitrĂ€ge zum British Science Festival 2024
https://flugundzeit.blog/bsf24-the-sky-at-night/
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