Der Antrag fĂŒr's #Kindergeld soll wegfallen. Sie haben endlich festgestellt, dass wenn sie schon jedem Kind gleich bei der Geburt eine Steuernummer zuweisen, man diesen Schritt ja eigentlich gleich mitmachen kann. Die #SteuerID wurde 2007 eingefĂŒhrt... Naja, besser spĂ€t als nie.

Gegen die Grundrechte

Sozialstaatsreform: Kommission empfiehlt Abbau von Grundrechten

Eine Fachkommission der Bundesregierung hat Empfehlungen vorgelegt, die den Sozialstaat bĂŒrgernĂ€her und digitaler machen sollen. DafĂŒr will sie den Datenschutz aufweichen und Verfahren mit Hilfe sogenannter KĂŒnstlicher Intelligenz automatisieren. WohlfahrtsverbĂ€nde warnen vor zusĂ€tzlicher Diskriminierung.

Der Sozialstaat stehe vor einem „digitalen Neustart“. Das verkĂŒndete Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD), als sie am Dienstag den Abschlussbericht der „Kommission zur Sozialstaatsreform“ entgegennahm.

Die Kommission empfiehlt insgesamt 26 Maßnahmen, um den Sozialstaat zu „modernisieren“. Sie sollen das Sozialleistungssystem vereinheitlichen, mehr „Erwerbsanreize“ fĂŒr Leistungsbeziehende schaffen und rechtliche Vorgaben vereinfachen.

Das Schutzniveau des Sozialstaats werde dadurch nicht gesenkt, betonte Bas. Stattdessen zielten die Empfehlungen darauf ab, den Leistungsvollzug effizienter zu machen. Vor allem die Empfehlungen zur Verwaltungsdigitalisierung wertet die Ministerin dahingehend als „Quantensprung“.

TatsĂ€chlich droht aber gerade hier ein Abbau elementarer Schutzvorkehrungen. Denn die Kommission will unter anderem den Datenschutz aufweichen und Verfahren weitgehend automatisiert „auch unter Nutzung von KĂŒnstlicher Intelligenz“ beschleunigen. WohlfahrtsverbĂ€nde befĂŒrchten, dass ohnehin benachteiligte Menschengruppen zusĂ€tzlich diskriminiert werden.

Plattformbasierte Modernisierung mit Sozialportal

Der Kommission gehörten Vertreter:innen des Bundes, der LĂ€nder und der Kommunen an. Vertreter:innen aus der Wissenschaft oder der Zivilgesellschaft waren in dem Gremium nicht vertreten. Es fĂŒhrte aber GesprĂ€che mit insgesamt 90 Expert:innen und Interessenvertreter:innen unterschiedlicher VerbĂ€nde und Sozialpartner.

FĂŒr eine „konsequente Ende-zu-Ende-Digitalisierung“ strebt die Kommission quasi im Backend eine „technisch sichere und souverĂ€ne Technologieplattform fĂŒr Bund, LĂ€nder und Kommunen“ mit einheitlichen Standards und Schnittstellen an. Die Basiskomponenten dafĂŒr soll der Deutschland-Stack liefern, das Prestigeprojekt des Bundesdigitalministeriums.

Im Frontend sollen BĂŒrger:innen alle Leistungen gebĂŒndelt ĂŒber ein zentrales „Sozialportal“ einsehen sowie AntrĂ€ge stellen und Bescheide abrufen können. Der Sozialstaat soll fĂŒr sie so „transparenter und leichter zugĂ€nglich“ werden.

BehördenĂŒbergreifender Datenaustausch

Damit Verwaltungen leichter untereinander Daten austauschen können, sollen sie behördenĂŒbergreifend die steuerliche Identifikationsnummer nutzen. Diese lebenslang gĂŒltige Personenkennziffer erhalten alle BĂŒrger:innen vom Bundeszentralamt fĂŒr Steuern bei Geburt.

Schon die Ampel-Regierung hatte geplant, die Steuer-ID dazu zu nutzen, um Verwaltungsdaten zusammenzufĂŒhren. Jurist:innen und DatenschĂŒtzer:innen kritisieren die EinfĂŒhrung einer solchen Personenkennzahl unter anderem mit Bezug auf das VolkszĂ€hlungsurteils des Bundesverfassungsgerichts als verfassungswidrig.

DarĂŒber hinaus spricht sich die Kommission dafĂŒr aus, das sogenannte Once-Only-Prinzip konsequent umzusetzen. Es sieht vor, dass BĂŒrger:innen ihre Antragsdaten nur noch einer Behörde mitteilen, die diese dann an andere Behörden weitergeben kann.

Der „komplexe“ Sozialdatenschutz

DafĂŒr mĂŒsse der Gesetzgeber aber zum einen den „komplexen Sozialdatenschutz“ aufweichen. Konkret empfiehlt die Kommission, entsprechende Regelungen im Ersten und im Zehnten Buch Sozialgesetzbuch zusammenzufĂŒhren. Zum anderen mĂŒsse dafĂŒr der Ersterhebungsgrundsatz reformiert oder gar gestrichen werden – sofern dies „mit dem verfassungsrechtlich verankerten Recht auf informationelle Selbstbestimmung vereinbar wĂ€re“.

Der Ersterhebungsgrundsatz sieht vor, dass personenbezogene Sozialdaten grundsĂ€tzlich direkt bei der betroffenen Person selbst erhoben werden mĂŒssen und nicht etwa beim Arbeitgeber. Betroffene Person können so derzeit selbst darĂŒber entscheiden, ob und wie ihre Daten preis- und weitergegeben werden.

Mehr KI, weniger Kontrolle

DarĂŒber hinaus will die Kommission Verwaltungsverfahren mit dem Einsatz sogenannter KĂŒnstlicher Intelligenz beschleunigen. Auf diese Weise will sie auch den „sich verschĂ€rfenden FachkrĂ€fteengpĂ€ssen“ begegnen.

So sollen „rein regelgebundene Prozesse ohne Ermessens- und Beurteilungsspielraum“ kĂŒnftig „weitgehend automatisiert ablaufen“. Damit sind Verwaltungsprozesse gemeint, bei denen ein Sachverhalt formal auf klare Voraussetzungen geprĂŒft wird – also etwa ob eine Frist eingehalten wurde oder ein:e Antragssteller:in ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Aber auch bei Ermessensentscheidungen soll KI verstĂ€rkt zum Einsatz kommen – allerdings nur „unterstĂŒtzend“, wie der Bericht betont. Die Entscheidungen mĂŒssten „in menschlicher Hand“ verbleiben. Zugleich spricht sich die Kommission dafĂŒr aus, das sogenannte Vier-Augen-Prinzip einzuschrĂ€nken. Es sieht vor, dass mindestens zwei Behördenmitarbeitende gemeinsam einen Sachverhalt prĂŒfen.

WohlfahrtsverbÀnde warnen vor KI-Einsatz

Der ParitĂ€tische Wohlfahrtsverband sieht diese Empfehlungen â€žĂŒberaus kritisch“. „Auch ‚unterstĂŒtzende‘ KI kann systematische Benachteiligung verstĂ€rken“, schreibt der Verband auf Anfrage von netzpolitik.org. „Besonders gravierend ist die fehlende Transparenz vieler KI‑Modelle und die Gefahr, soziale Feinheiten auszublenden.“ Das Vier-Augen-Prinzip sei „ein unverzichtbarer Schutzmechanismus im Sozialstaat“ und insbesondere bei KI-gestĂŒtzten Verfahren wichtig. „Hier brauchen wir mehr Kontrolle, nicht weniger“, so der Verband.

„Nachvollziehbarkeit und Transparenz mĂŒssen zu jeder Zeit gewĂ€hrleistet sein“, mahnt auch der Arbeiterwohlfahrt Bundesverband. Er verweist auf Forschungsergebnisse, wonach Algorithmen dazu neigen, ohnehin benachteiligte Menschengruppen weiter zu diskriminieren. „Sofern der Ermessensspielraum nicht zugunsten der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger genutzt wird, muss deshalb immer durch eine qualifizierte Person entschieden werden“, schreibt die Arbeiterwohlfahrt.

Selbst dann seien die Risiken aber noch immer hoch, sagt die Bundestagsabgeordnete Sonja Lemke (Die Linke). Diverse Studien und Umfragen hĂ€tten gezeigt, dass Menschen KI-Ergebnissen recht blind vertrauten. „Daher besteht die Gefahr, dass Ermessensentscheidungen, die von der KI unterstĂŒtzt werden, am Ende faktisch allein von der KI getroffen werden – mit allem Bias, rassistischen und sexistischen Vorurteilen, die in ihr stecken“, so Lemke gegenĂŒber netzpolitik.org. „Das ist Politik auf Kosten derjenigen, die existenziell von Sozialleistungen abhĂ€ngig sind.“

„Commitment“ oder GrundgesetzĂ€nderung

Die Kommission drĂ€ngt auf eine rasche und einheitliche Umsetzung ihrer Empfehlungen. Bund, LĂ€nder und Kommunen mĂŒssten bundesweit geltende Vorgaben festlegen. Dazu zĂ€hlen einheitliche Datenformate, Schnittstellen und IT-Dienste.

DafĂŒr brauche es insbesondere ein „Commitment“ der Kommunen, betonte die Arbeitsministerin am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. Nicht jede Kommune könne kĂŒnftig ihre eigene Software behalten, so Bas.

Gelingt eine solche Einigung nicht, spricht sich die Kommission dafĂŒr aus, Artikel 91c des Grundgesetzes so anzupassen, dass „durch zustimmungspflichtige Bundesgesetze Standards, Sicherheitsanforderungen und Komponenten verbindlich festgelegt werden können“. DafĂŒr braucht die schwarz-rote Koalition allerdings mindestens eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag – und damit die UnterstĂŒtzung der Linkspartei oder der AfD.

Daniel Leisegang ist Politikwissenschaftler und Co-Chefredakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen Schwerpunkten zĂ€hlen die Gesundheitsdigitalisierung, Digital Public Infrastructure und die sogenannte KĂŒnstliche Intelligenz. Daniel war einst Redakteur bei den »BlĂ€ttern fĂŒr deutsche und internationale Politik«. 2014 erschien von ihm das Buch »Amazon – Das Buch als Beute«; 2016 erhielt er den Alternativen Medienpreis in der Rubrik »Medienkritik«. Er gehört dem Board of Trustees von Eurozine und dem Kuratorium der Stiftung Warentest an. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, Threema ENU3SC7K, Telefon: +49-‭30-5771482-28‬ (Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 18 Uhr). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemĂ€ss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Gegen die Grundrechte – Beueler-Extradienst

Die SchĂŒlerID verteidigen. Ein schwieriger Auftrag. Beim #DatenTag versuchen dies Dr Baderschneider v Sekretariat #Kultusministerkonferenz #kmk und Dr BrĂ€ndle v Institut fĂŒr Bildungsmonitoring und QualitĂ€tsentwicklung. Um BildungsverlĂ€ufe zu erfassen, werden viele SchĂŒlerdaten ĂŒber die gesamte Schulzeit erfasst & verknĂŒpft. Die Gesetzeslage heute erlaubt die Nutzung der #SteuerID nicht, sic! Was tun?
#sdsevent #jungeMenschen #
@DS_Stiftung

Könnt Ihr Euch noch daran erinnern, zu was die #SteuerID mal angelegt wurde?

Hier kommt die Antwort:
"Über die Vergabe von Steueridentifikationsnummern an afghanische Staatsangehörige im Zeitraum 2015 bis 2022 informiert die Bundesregierung tabellarisch in ihrer Antwort (21/793) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion "

https://dserver.bundestag.de/btd/21/007/2100793.pdf

@reindeerphoto @energisch_ @Stellwerk @markusreuter EXAKT DAS sehen wir schon darin wie die #SteuerID nach Vorbild der #SSN aus den #USA missbraucht wird!

#NotLegalAdvice

WĂ€hrend đŸ‡©đŸ‡Ș #Deutschland mit dem #Registermodernisierungsgesetz die #SteuerID als Personenkennzeichen in 51 staatliche Datenbanken drĂŒcken will (2021 verabschiedet; Pilotprojekte laufen; absehbar Ziel von Klagen), lĂ€uft es in 🇼🇳 #Indien noch derber:

Man lĂ€sst "#KI" einfach ĂŒber alle DatenbestĂ€nde laufen und IdentitĂ€ten erraten - Sozialleistungen etc. hĂ€ngen davon ab, ob die "KI" richtig lag.

Widerspruch gegen Fehler: hart bis unmöglich.

https://www.amnesty.org/en/latest/research/2024/04/entity-resolution-in-indias-welfare-digitalization/

#privacy #Datenschutz

Use of Entity Resolution in India: Shining a light on how new forms of automation can deny people access to welfare 

Entity Resolution, a technology that underpins the Samagra Vedika system in India, represents a new type of digitalized welfare technology and poses human rights risks.

Amnesty International

Liebes #fediverse kurze Frage: Gibt es eine Möglichkeit einen #Zoom Pro account zu erstellen ohne eine #SteuerID anzugeben?

(I know - Zoom ist alles andere als die ideale Videokonferenz-Option)

Freue mich ĂŒber Hinweise und boosts..

Registermodernisierung: So will das BSI die Steuer-ID technisch absichern

Das BSI hat Technische Richtlinien fĂŒr die sichere DatenĂŒbermittlung in der Registerlandschaft mit der neuen allgemeinen Identifikationsnummer veröffentlicht.

heise online
@Lilith War das nicht explizig gem. #BVerfG-Urteil zur #SteuerID verboten???
@goodthinkhunting
So ist es. Es fĂ€ngt schon so frĂŒh an, wo die SchĂŒtzlinge nicht ansatzweise verstehen, was fĂŒr Wellen das schlĂ€gt. Und diese auch nicht ganz so offensichtlichen #Daten sind auch nur die Spitze des Eisberges. Schnell ist es die #Matrikelnummer der uni und somit der halbe Notenspiegel in Digitalen aushĂ€ngen. Bald haben wir in der #SteuerID eine universelle #personenke #Personenkenziffer fĂŒr sĂ€mtliche Ämter.
#DataFusion
#DatenschutzIstMenschenschutz #DatenschutzIstKinderschutz