„Facharbeitsthemen entwickeln mit KI“ ist mein KI-Tipps beim Deutschen Schulportal.
Er basiert auf dem Leitfaden „KI und Facharbeiten“ und gibt einen kleinen Einblick in meine praktische Arbeit im #Seminarfach in #NdsEDU.
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Facharbeitsthemen entwickeln mit KI

Ein Lehrer berichtet, wie Schülerinnen und Schüler mit KI eigenständig passende Facharbeitsthemen entwickeln können.

Deutsches Schulportal
„Facharbeitsthemen entwickeln mit KI“ ist mein KI-Tipps beim Deutschen Schulportal. Er basiert auf dem Leitfaden „KI und Facharbeiten“ und gibt ein wenig Einblick in meine praktische Arbeit im #Seminarfach in #NdsEDU. #blueLZ #LernenmitKI deutsches-schulportal.de/unterricht/f...

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Facharbeitsthemen entwickeln mit KI

Ein Lehrer berichtet, wie Schülerinnen und Schüler mit KI eigenständig passende Facharbeitsthemen entwickeln können.

Deutsches Schulportal

KI und Facharbeiten – ein Leitfaden für den Unterricht

von Manuel Flick, Philipp Sölken & Niels Winkelmann

Generative KI-Tools wie ChatGPT verändern gegenwärtig das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben grundlegend. In schulischen Facharbeiten führt dies zu neuen Fragen und Herausforderungen hinsichtlich der Eigenleistung, der Bewertungskriterien und der Transparenz beim Einsatz von KI. Im vorliegenden Beitrag wird ein Leitfaden vorgestellt, der für die Praxis in Schule und Unterricht konzipiert ist und den gesamten Erstellungsprozess einer Facharbeit berücksichtigt. Mithilfe exemplarischer Empfehlungen, die von der Themenfindung über Literaturrecherche und Textproduktion bis hin zur schriftlichen Reflexion reichen, soll der verantwortungsvolle und reflektierte Einsatz von KI im Rahmen von Facharbeiten ermöglicht werden. Der zentrale Ansatz besteht darin, statt einer akribischen Dokumentation des KI-Einsatzes eine ausführliche Reflexion in den Mittelpunkt zu stellen, um kritisches Denken zu fördern und wissenschaftliches Arbeiten mit KI zu stärken.

Einleitung

Facharbeiten gelten in vielen Schulformen als zentrales Instrument, um Schüler:innen an wissenschaftliches Arbeiten heranzuführen. Doch seit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 befindet sich dieses Format in einer erheblichen Umbruchphase. 

Generative KI-Tools sind in der Lage, Forschungsfragen zu entwickeln, Gliederungen zu erstellen als auch vollständige Texte zu verfassen, was eine eindeutige Zuordnung zur Eigenleistung von Schüler:innen erschwert. Zeitgleich eröffnen sich durch den KI-Einsatz neue Möglichkeiten und Potenziale für Facharbeiten, insbesondere wenn KI gezielt und reflektiert eingesetzt wird.

Im schulischen Kontext stehen Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen damit vor grundlegenden Fragen zur Rolle der KI hinsichtlich der wissenschaftlichen Recherche, des wissenschaftlichen Schreibens und letztlich hinsichtlich der Bewertung von Facharbeiten, bei denen KI zum Einsatz kommt. 

Daher haben wir uns als Arbeitsgruppe ausgehend vom ThinkTank „Lehren und Lernen im Kontext von künstlicher Intelligenz“ der VK:KIWA mit der Erstellung dieses Leitfadens befasst. Mit dem Leitfaden wollen wir Lehrkräften eine Orientierung bieten, um KI bei Facharbeiten sinnvoll, zielgerichtet und reflektiert mit den Schüler:innen einzusetzen – von der Themensuche über Recherche und Textproduktion bis zur Überarbeitung und Reflexion. 

Im Folgenden werden zunächst der Hintergrund und die Ziele dieses Leitfadens erläutert, gefolgt von einer kurzen Beschreibung des Inhalts, den entsprechenden Veröffentlichungshinweisen sowie der Möglichkeit, den Leitfaden herunterzuladen.

Unser KI-Leitfaden für Facharbeiten im Fokus 

Hintergrund und Ausrichtung

Seit der Einführung von ChatGPT Ende 2022 sind verschiedene Handreichungen zum KIbasierten Schreiben veröffentlicht worden, die Herausforderungen und Potenziale des KIEinsatzes aufzeigen und Empfehlungen zur Dokumentation und Zitation KI-generierter Inhalte geben.  

Unser KI-Leitfaden für Facharbeiten knüpft an diese Ansätze an, nimmt jedoch noch stärker den konkreten, schulpraktischen KI-Einsatz in den Fokus. Dabei wird der gesamte Prozess der Facharbeitserstellung betrachtet. 

Analog zu den Forderungen für Universitäten, die Prof. Doris Wessels (2025) jüngst in der ZEIT aufstellte, plädieren wir ebenfalls für eine reflektierte Nutzung von KI, bei der die Schüler:innen offenlegen, mit welchen Tools sie in welcher Weise gearbeitet haben. Gleichzeitig bleiben Schüler:innen dabei in der Pflicht, KI-generierte Inhalte zu prüfen und Verantwortung für ihre Texte übernehmen.

Fokus auf Reflexion statt detaillierter Dokumentation

Unser Leitfaden unterscheidet sich gegenüber bestehenden Ansätzen insbesondere hinsichtlich der Dokumentationspflicht des KI-Einsatzes. Während andere Handreichungen meist auf eine möglichst detaillierte Dokumentation aller KI-Interaktionen setzen, zeigt sich dies in der schulischen Praxis aus mehreren Gründen als schwierig:  

  • Unterschiedliche Ergebnisse trotz identischer Prompts: Bei erneuter Eingabe der in Facharbeiten dokumentierten Prompts liefern KI-Tools in der Regel abweichende Ergebnisse. Somit lässt sich der KI-Einsatz nicht eindeutig nachvollziehen oder nachweisen. Eine akribische Dokumentation liefert daher keinen verlässlichen Einblick in den realen Entstehungsprozess.
  • Zunehmende Komplexität des KI-Einsatzes: Der Schreibprozess umfasst häufig zahlreiche Iterationen, bei denen verschiedene KI-Tools gleichzeitig eingesetzt werden. Die KI-Ergebnisse sind zudem nicht einem einzigen Prompt zuzuordnen. Es wäre folglich eine aufwendige Dokumentation gesamter Gesprächsverläufe notwendig, was den Schreibfluss erheblich behindern würde. Einige KI-Tools werden zudem nicht rein promptbasiert gesteuert, was die Komplexität einer entsprechenden Dokumentation weiter erhöht.
  • Praktische Umsetzbarkeit: Eine akribische Dokumentation lenkt den Fokus schnell vom inhaltlichen Arbeiten ab. Statt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema zu fördern, entsteht eine umfangreiche, aber nur bedingt aussagekräftige Sammlung von KI-Interaktionen.

Aus diesen Gründen empfehlen wir in unserem Leitfaden, den KI-Einsatz kritisch zu reflektieren und den Erkenntnisgewinn, der sich aus dem Zusammenspiel von menschlicher Eigenleistung und KI-Unterstützung ergibt, in den Vordergrund zu stellen. Dies beinhaltet:

  • Exemplarische Dokumentation des KI-Einsatzes: Anstelle einer akribischen Protokollierung aller KI-Schritte wird eine exemplarische Darstellung des KI-Einsatzes in einem Reflexionskapitel empfohlen, die den gezielten und reflektierten Einsatz verdeutlicht, ohne dabei den fachlichen Arbeitsprozess unnötig zu belasten.
  • Reflexion in einem gesonderten Abschnitt: Ein eigenes Kapitel oder Unterkapitel innerhalb der Facharbeit, in dem Einsatzbereiche, Grenzen und Erkenntnisse zum KIEinsatz erläutert werden (ergänzt durch eine Liste aller verwendeten KI-Tools im Anhang).

Diese Vorgehensweise soll dazu beitragen, dass Schüler:innen KI-Tools sinnvoll und reflektiert einsetzen, zugleich ein Bewusstsein für mögliche Fehlerquellen („Halluzinationen“) entwickeln und weiterhin ihre eigene wissenschaftliche Kompetenz stärken. Die schriftliche Reflexion des KI-Einsatzes muss sich folglich auch in der Bewertung von Facharbeiten wiederfinden.

Aufbau und Struktur der Leitfadens

Der Leitfaden gliedert sich davon ausgehend in die nachfolgenden Kapitel, entlang des gesamten Facharbeitsprozess:

  • Themenfindung und Gliederung: Wie KI-Tools beim Brainstorming und der Entwicklung einer Leitfrage unterstützen können.
  • Literaturrecherche und -organisation: Tools und Hinweise, um wissenschaftliche Texte KI-gestützt zu recherchieren und zu verwalten.
  • Textproduktion: Hinweise zur Nutzung von KI für Ideenfindung, Formulierung und Strukturierung von Texten.
  • Textkorrektur: Optimierung der sprachlichen Richtigkeit und sprachlichen Ausdrucks mithilfe von KI.
  • Reflexion und Dokumentation: Schriftliche Reflexion des KI-Einsatzes als Alternative zu akribischer Dokumentation der KI-Nutzung.
  • Vorschlag zur Umstrukturierung der Facharbeit: Einführung prozessbegleitender Elemente wie Konsultationen und Verteidigungen, um die Eigenleistung sichtbar zu machen und die wissenschaftliche Denkweise zu stärken.
  • Die Ausführungen lassen sich zudem auf weitere schriftliche Arbeiten wie Seminar-, Haus- oder Projektarbeiten übertragen, auch wenn nachfolgend vornehmlich von Facharbeiten gesprochen wird.

    Mit dem Leitfaden arbeiten

    Der Leitfaden steht nachfolgend unter Creative-Commons-Lizenz (CC-BY) zum Download bereit:

    >>Download<<

    Veröffentlichungshinweise

    Der Leitfaden wird unter Creative-Commons-Lizenz (CC-BY) veröffentlicht und darf entsprechend verwendet, bearbeitet und weitergegeben werden, wir bitten in diesem Fall jedoch um Namensnennung.

    Der Leitfaden samt zugehöriger Einordnung ist zeitgleich auf dem Blog von Manuel Flick und Niels Winkelmann erschienen.

    Feedback zum KI-Leitfaden

    Noch ein Hinweis in eigener Sache: Wir erheben bei diesem Leitfaden keinen Anspruch auf

    Vollständigkeit und sehen diese Erstveröffentlichung als Teil eines iterativen Prozesses. Der Leitfaden soll perspektivisch vertieft und weiterentwickelt werden. Aus diesem Grund freuen wir uns besonders auf euer / Ihr  Feedback, Anmerkungen, Hinweise und Kommentare. Die Rückmeldung kann über unser Online-Feedback-Formular anonymisiert erfolgen.

    Autoren:   

    Der KI-Leitfaden für Facharbeiten wurde gemeinsam von Manuel Flick, Philipp Sölken und Niels Winkelmann entwickelt.

    Manuel Flick ist Lehrkraft im berufsbildenden Bereich aus Berlin. Als Fortbildner, Referent und Blogger widmet er sich schwerpunktmäßig dem Einsatz und der Integration von Künstlicher Intelligenz im Schul- und Unterrichtskontext. Weitere Infos und Kontakt: manuelflick.de  

    Philipp Sölken ist Lehrkraft an der Ernst-Reuter-Schule Pattensen. Als stellvertretender Leiter des Digital-Pädagogischen Teams an der ERS Pattensen sowie als Fortbildner und Referent befasst er sich mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz wirksam in Lernsettings unterschiedlicher Jahrgangsstufen eingesetzt werden kann.  Kontakt: [email protected] 

    Niels Winkelmann ist Lehrer am Gymnasium in Wilhelmhaven. Als Fortbildner, Referent und Blogger hat er neben dem Lernen unter den Bedingungen der Digitalität die Persönlichkeitsbildung und das Zusammenspiel von Lernenden und KI im Fokus. Mehr unter DigiLog.Blog

    Zitiervorschlag:

    Flick, M., Sölken, P., & Winkelmann, N. (2025). KI und Facharbeiten: Ein Leitfaden. VK:KIWA Blog. URL: 

    Literaturverzeichnis

    Wessels, D. (2025, 16. Januar). Die Position: Schluss mit absurden KI-Regeln! DIE ZEIT (13), S. 31.

    Impressum

    Der vorliegende Beitrag wurde unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0)“ veröffentlicht. 

    Den Vertragstext finden Sie unter: https://creativecommons.org/licenses/bysa/4.0/deed.de  

    Bitte beachten Sie, dass einzelne, entsprechend gekennzeichnete Teile des Werks von der genannten Lizenz ausgenommen sein bzw. anderen urheberrechtlichen Bedingungen unterliegen können.

    Herausgeber: Virtuelles Kompetenzzentrum – Schreiben lehren und lernen mit Künstlicher Intelligenz (VK:KIWA)

    Redaktion: Manuel Flick, Philipp Sölken & Niels Winkelmann 

    Dieser Beitrag erscheint parallel

    #Facharbeit #KI #Seminarfach

    KI und Facharbeiten. Ein Leitfaden

    Dieser Leitfaden untersucht den Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in schulischen Facharbeiten und adressiert damit die wachsenden Herausforderungen und Potenziale, die durch die Integration solcher Technologien in wissenschaftspropädeutische Lernprozesse entstehen. Ziel ist es, Schüler:innen methodisch fundierte Ansätze an die Hand zu geben, um KI-Tools effektiv für Themenfindung, Recherche, Textproduktion, Korrektur und Reflexion einzusetzen. Dabei wird ein praxisnaher Ansatz verfolgt, der die Förderung von Zukunftskompetenzen (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität, kritisches Denken) unterstützt und gleichzeitig die Eigenleistung und den reflektierten Umgang mit KI gewährleistet. Die Methodik umfasst die Analyse des KI-gestützten Schreibprozesses, die Sensibilisierung für ethische und datenschutzrechtliche Aspekte sowie die Entwicklung innovativer Prüfungsformate. Der Leitfaden schlägt eine prozessbegleitende Neustrukturierung der Facharbeit vor, die Konsultationen und Verteidigungen als Bewertungselemente integriert, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung zu vertiefen und die Eigenleistung besser nachzuvollziehen. Der Text ist unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY) verfügbar und bietet eine Grundlage für die Weiterentwicklung schulischer Lehr- und Prüfungsformate im Zeitalter von KI.

    Zenodo

    WPK und Seminarfach als Labor für selbstgesteuertes Lernen

    Wie und warum sich meine Schüler:innen eigene Ziele setzen und in eigenen Projekten realisieren – und warum die Reflexion dabei von zentraler Bedeutung für Selbstregulation ist. Eine Praxisbericht mit erklärenden Exkursen:

    Meine Lernenden dürfen (und müssen) sich bei mir im WPK „Medien“ und im Seminarfach „Medien“ (Nds., 3. Halbjahr) eigene Ziele setzen. Mein Rahmen sieht lediglich vor, dass sie Medien, beispielsweise (fiktionale) Kurzfilme oder (sachorientierte) Nähvideos gestalten. Die Themen können im Schulkontext (z.B. Schülerzeitung, 360°-Rundgang durch unsere Schule oder Image-Video), aber auch in Themenfeldern verortet werde, zu denen meine Lernenden privat Bezüge haben. Daher habe ich einiges über K-Pop und Handball, Kochen und Nähen gelernt. Zudem habe ich Kurzfilme, voll-animierte Videos und selbstgestaltete Computerspielsequenzen zu sehen bekommen.

    Vor allem durfte ich Lernende auf selbstgesteuerten Lernwegen begleiten. Sie haben Medien produziert, dabei viel über Medien gelernt – und die Arbeit reflektiert. Zugleich haben sie Projektmanagement geübt – und vor allem selbstorganisiertes Lernen praktiziert.

    Die erste(n) Stunde(n)

    Inhaltlich starte ich mit einer Mindmap zum Thema Medien (früher Flinga oder heute kits.blog). Leitfrage ist, welche Medien selbst erstellt werden könnten.

    Dabei kommt schnell eine ansehnliche Sammlung zusammen, oft mit überraschenden und kreativen Ideen. Wichtig ist mir vor allem die Unterscheidung zwischen den verschiedenen traditionellen Medienformaten (z.B. Audio, Video, Print – die sich auf den in unserer Schule genutzten iPads verschiedenen Apps zuordnen lassen) und den Mischformen wie Ebooks und Social Media, die medial komplexer zu gestalten sind. Zudem betone ich die Unterscheidung zwischen sachorientierten oder fiktionalen Medien. Dazu bringe ich konkrete Vorschläge mit ein (z.B. Schülerzeitung oder 360°-Rundgang).

    Die Schüler:innen haben dann die Aufgabe, sich ein Medium und ein Thema zu suchen. Dabei dürfen sie die Gruppen selbst bilden. Ich gebe als Orientierung eine ideale Gruppengröße von 3-5 Personen an, lasse aber auch größere Gruppen (je nach Thema und Medium) und Einzelarbeiten zu (je nach Persönlichkeiten, Themenwünschen und Medium). Meist dauert diese Phase bis in die zweite Doppelstunde, auch weil in der ersten Stunde immer wieder Schüler:innen fehlen.

    Einführung in Projektmanagement und Kanban

    Im Grunde ist diese Arbeitsform immer eine Einführung und Übung im Bereich Projektmanagement, was mir zugleich auch Monitoring und Steuerung der Lern- und Produktionsprozesse ermöglicht:

    Anfangs informiere ich die Teams nur über den Ansatz, die Arbeit als Projektmanagement zu betrachten, und führe sie kurz in die Idee des Kanbanboards (zur Vorlage) ein, das ich dann für alle Teams als Kopie anlege. Im Seminarfach folgen in den nächsten Stunden kleine inhaltlich Inputs, da sich die Kurse das in den Abschlussreflexionen häufig gewünscht haben. Im WPK starte ich die Folgestunden mit inhaltlichen Impulsen (z.B. in den ersten Stunden mit Fokus auf die Zielformulierung, danach zu den Kanbanregeln, später zur Reflexion).

    Entscheidend ist dabei, dass sie grundsätzliche Regeln von Zielsetzung, Kanban und Dokumentation respektieren. Alle Regeln sind auch in der digitalen Pinnwand erklärt:

  • Das Ziel der Gruppe muss s.m.a.r.t. formuliert sein.
  • Kanban: In der ersten inhaltlichen Spalte (Ideensammlung) werden alle Ideen und Aufgaben gesammelt. In die Spalte „To Do“ werden diese verschoben, wenn sie auf einer einzelnen Karte stehen und klar ist, wann sie erledigt sind (dann sind sie erste Aufgaben). In „Doing“ muss die Karte zusätzlich eine:n Verantwortliche:n haben, in „Done“ auch ein:e Prüfer:in. Zusätzlich gibt es ein Work-in-Progress-Limit: Jede:r darf nur 2-3 Aufgaben gleichzeitig haben.
  • Dokumentation: Jede Doppelstunde wird der Stand der Kanban mit Screnshots gesichert.
  • Dadurch, dass alles auf dem Kanban-Board in Taskcard stattfindet, auf dem die Regeln abgebildet sind, ist die Einführung schnell gemacht und die Gruppen können die Regeln jederzeit nachlesen. Die Zugänge zu den Taskcards lassen sich schnell per Mail versenden.

    Exkurs: Teamwork als Resonanz-Erfahrung

    Dabei geht es aus Sicht der Schüler:innen anfangs vor allem um die Frage, wer mit wem was zu welchem Thema erstellen mag. Daher versuche ich in der Einführung alle drei Perspektiven zu betonen:

  • Welches Format bzw. welches Thema magst du?
  • Mit wem möchtest Du zusammenarbeiten?
  • Was genau wollt ihr produzieren/ soll am Ende herauskommen?
  • Letztlich ist die zentrale Frage häufig die dritte, eigentlich nach einem konkreten, s.m.a.r.t. formulierten Ziel. Oft genug finden sich Schüler:innen zusammen, die z.B. einen PodCast erstellen wollen, aber nahezu unvereinbare Vorstellungen von Form und Inhalt haben. Ebenso oft finden sich Cliquen zusammen, die Zeit miteinander verbringen wollen, sich aber weder auf Medium oder Format noch Inhalt einigen können. Daher ist die Phase, bis die Ziele ausformuliert sind, eine besonders heikle, in der auch Teams noch umbesetzt werden. Vor allem das Spannungsfeld im Akronym s.m.a.r.t. aus Akzeptanz und Realismus des Ziels muss in der Gruppe gut ausgelotet werden, damit die Motivationslagen nicht zu unterschiedlich sind und für das Team funktionieren. Wenn nur ein Teammitglied Lust auf das Thema hat, wird aus dem Team schnell ein T.e.a.m: Toll, ein anderer macht’s!

    Aus Sicht von Hartmut Rosa gesprochen geht es um drei Resonanzachsen. Auf der vertikalen Resonanzachse liegt die Beziehung zur Welt, hier zum Thema oder Medium. Auf der horizontalen liegt die Beziehung zu den Mitmenschen, hier zum Team. Auf der diagonalen liegt die Beziehung zu Tätigkeiten, hier dem Produzieren. Barbara Hott nennt das sehr treffend „Werkstück“ (nachzuhören in Folge 127 von „Mein Scrum ist kaputt“). Wenn alle im Team Lust auf das Werkstück, das Produkt in seiner angedachten Form haben, kann das die Arbeit über ein halbes Jahr tragen.

    Resonanz nach Hartmut Rosa, eigene Darstellung.

    Begleitung der Teams

    Die Begleitung der Teams gestalte ich im wöchentlichen Lehrer-Team-Gespräch. Ich sehe mir mit jedem Team das Kanban an. So werden Fortschritte und Schwierigkeiten im Gespräch schnell deutlich und ich kann helfen, wenn Unklarheiten bestehen, z.B. Aufgaben nicht gut definiert oder verteilt sind. Durch regelmäßige Aktualisierung der Zielformulierung wird schnell klar, was als nächstes zu tun ist. Immer wieder müssen wir die Ziele auch anpassen. Diese Coaching-Rolle ist gut zu übernehmen und hochspannend, weil darin gelebte Förderung des selbstreulierten Lernens liegt:

    Exkurs: Begleitung als Förderung des selbstreguliertes Lernens

    Selbstreguliertes Lernen nach Anne Boekaerts, eigene Darstellung

    Anne Boekaerts hat ein Modell des selbstreguliertes Lernens entwickelt, in dem drei Schichten der Regulation miteinander interagieren. In den Projekten zeigt sich, dass eher selten die Regulation der Informationsverarbeitung im Fokus ist, da nur in wenigen Projekten eine intensive Phase der Verinnerlichung von Inhalt gefragt ist. Dafür steht die Regulation der Prozesse stark im Fokus, was mir als Lehrer besonders durch die Nutzung von Kanban eine Co-Regulation als Unterstützung ermöglicht.

    Vor allem aber „ist die motivationale Komponente entscheidend für den gesamten Lernprozess. Dies trifft z. B. sowohl für die Formulierung von Zielen zu Beginn des Lernprozesses zu als auch für Handlungen zum Erreichen des Ziels (wie das Management der Ressourcen, die zur Zielerreichung benötigt werden).“ Das ist für mich das Herzstück dieser Kurse: Wenn Lernende die Erfahrung machen, dass sie sich selbst Ziele setzen und ihre Ressourcen selbst mitbestimmen können, sind sie mit Herzblut bei der Sache und investieren Zeit und Energie in einem Maße, was im Regelunterricht kaum zu beobachten ist. Insofern gibt es hier zwei neuralgische Punkte: Die Zielsetzung im Anfang und die Reflexion am Ende.

    Ende der Projektphase/ Präsentation der Projekte

    Das Ende der Projektphase kündige ich frühzeitig an. Außerdem plane ich rechtzeitig vor Notenschluss Zeit für die Präsentation der Projekte ein. Die Gruppen, die bereits fertig sind, bekommen so Feedback im Plenum von den Mitschüler:innen und mir.

    Die anderen Gruppen haben noch Zeit, um nachzuarbeiten, und können bei der Präsentation etwas zum Arbeitsstand sagen. So können alle einen Einblick in die verschiedenen Medienprojekte bekommen.

    Reflexion der Projekte

    Die Reflexion der Projekte ist für mich von zentraler Bedeutung, da ich nicht nur das Endprodukt, sondern auch den Weg dorthin in den Fokus nehmen möchte. Daher sind entsprechende Reflexionen Teil der Bewertung (Die Vorlage gibt es hier als pdf oder doc).

    Die Lernenden können die Reflexionen als Gruppe, aber auch einzeln abgeben, was aber meist nur erfolgt, wenn sich eine Gruppe uneins ist. Vorab habe ich bereits medien- und gruppenspezifische Hinweise für Reflexionen an jede Gruppe gegeben.

    Die Bewertung erfolgte daher in der Zusammenschau von Lernprozess, Lernprodukt und Reflexion.

    Erfahrungswert: Zusatzanforderungen im zweiten Halbjahr des WPK

    Spannend ist die Reformation von Gruppen und Themen im WPK: Da Teamprozesse oft konfliktbehaftet sind (besonders da bin ich als Pädagoge gefragt, denn diese Konfliktaushandlungen bleiben im normalen Unterricht mit seinen kurzfristigen Gruppenarbeiten viel mehr im Untergrund) ist für Gruppen hier oft die Frage, ob sie in derselben oder in veränderter Konstellation weiterarbeiten. Das reflektiert unbewusst die Frage nach der sozialen Ebene der Gruppenarbeit, der Resonanz in der Gruppe, aber auch nach der Bereitschaft, sich auf eine mögliche Resonanz einzulassen.

    Die Erfahrung zeigt, dass einige Gruppen zusammengeblieben sind und im zweiten Halbjahr an Projekten weitergearbeitet und sich aufgrund der eigenen Reflexion sowie meiner Hinweise methodisch einiges vorgenommen haben. So kann die Zusammenarbeit in einer größeren Gruppe, aber auch die Phasierung von Videos und Audios ebenso weiterentwickelt wie die Selbstorganisation mit dem Kanban. Besonders hierin besteht ein großer Reiz, da auf diese Weise die eigenständige Zielsetzung intensiviert wird.

    Reflexion als zentrales Element für selbstgesteuertes Lernen

    Diese Intensivierung lässt sich mit einer zweiten Perspektive auf selbstgesteuertes Lernen beschreiben. Für Barry Zimmermann teilt sich diese in die prä-aktionale Phase (Planung) , die aktionale (Durchführung) und die post-aktionale Phase: „Die letzte Phase beschäftigt sich mit der Reflexion des vorangegangenen Lernprozesses. Der Lernende überprüft in der postaktionalen Phase, ob das angestrebte Lernziel erreicht worden ist. Ist dies nicht der Fall, folgt eine Ergründung des Misserfolgs. Der Lernende schlussfolgert, ob dieser Misserfolg von der gewählten Lernstrategie oder dem zu hoch gesetzten Ziel abhängig ist. Nachdem die Optimierung stattgefunden hat, beginnt eine Rückkopplungsschleife, da die Bewertung in der postaktionalen Phase Einfluss auf die Planung der präaktionalen Phase einer folgenden Lerneinheit einnimmt.“

    Entscheidend ist für mich, dass meine Lernenden in diesem Labor für Selbststeuerung immer wieder feststellen, dass diese Form von Projektmanagement (Ziele setzen, Aufgaben managen, reflektieren) ihnen auch in anderen Kontexten hilft – ob in schulischen oder privaten. Sie lernen zunehmend, Projektstrukturen in ihrem Leben zu erkennen und dafür die Muster aus dem Projektmanagement zu adaptieren und produktiv zu nutzen. Daher: Mehr Projekte, mehr Reflexion, für die mehr selbstgesteuerte (Persönlichkeits)Entwicklung!

    cc by Niels Winkelmann

    https://digilog.blog/2024/08/07/eigene-ziele-setzen-in-projekten/

    #eigenständigesLernen #Persönlichkeitsbildung #Reflexion #Selbstreflexion #Selbststeuerung #Seminarfach #WPK

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    Starten mit Flinga. Oder: Müssen Gruppen digital laufen lernen? Mit dem Whiteboard-Tool von Flinga.fi habe ich dieses Schuljahr in vier Oberstufen-Kursen eröffnet. Zugegeben, methodisch ist ein ers…

    DigiLog.Blog
    Im kommenden Schuljahr wollen ein Kollege und ich ein #Seminarfach zum Thema #KI anbieten. Das erste Modul - ein Lernpfad zu den Grundfunktionen von #LLM - ist als erster Aufschlag fertig. Wir freuen uns über Feedback aus dem #FediLZ : https://www.taskcards.de/#/board/846c4790-d371-4abd-a63d-acae11adbba8?token=df9f302f-2ab2-4b35-a591-ef24d80c7ea0 (mit Texten von @mpblkclp und @isotopp . Der @Linkshaender hat da ja vielleicht auch etwas zu zu sagen :))
    TaskCards

    TaskCards ist eine Onlineplattform mit der Lehrer:innen Infos/Aufgaben für Schüler:innen DSGVO konform bereitstellen können.

    Moin #FediLZ, ich habe mein Boot Camp für die #Facharbeit jetzt um einen Abschnitt zu #kunstlicheintelligenz ergänzt. Schaut gern mal rein …

    https://herrw.de/fa-bootcamp/

    #Seminarfach #seminararbeit #ki #ai #chatgpt #llm

    FA-Bootcamp

    Dafür haben die sich im #Seminarfach selbst organisiert, die Themen recherchiert und sich Gedanken gemacht, wie sie mit uns Lehrer:innen interagieren können.
    Das Innenleben und die Rückseite zu dem Aspekt „psychische Probleme“ (Grün)

    Der zweite Teil über Identitätskonzepte und Diversität (rot&blau).

    Das #maudw ist dann auch, dass sie wenig Rückmeldungen bekommen haben (sie waren auch spät dran).
    Vielleicht könnt ihr sie unterstützen, liebes #FediLZ ?