(5)
Mir fehlt einfach die Geduld. Es ist nicht die Zeit die fehlt, sondern die Geduld. Es ist vielleicht auch mein Bedürfnis gesehen, bewundert und gelobt zu werden. Ein Bedürfnis für das ich mich schäme, dass ich aber nicht los werde. Das an mir haftet und klebt wie eine zweite Haut. Wenn ich sage: ich wünschte es wäre anders, meine ich in den meisten Fällen: ich wünschte ich wäre anders.
Die Zitatgeschichten sind deshalb eine gute Alternative, eine gute Möglichkeit. Anders als die Befindlichkeiten mit ihrer Begrenzung auf genau 100 Worte, geben sie mir die Freiheit so viel oder wenig zu schreiben wie ich will. Andererseits geben sie mir das Gefühl, etwas geschaffen zu haben. Eine Aufgabe erfüllt zu haben. Leistung erbracht zu haben. All das sind Ansprüche, die ich vielleicht nicht verachte, aber kritisch sehe. Die aber gleichzeitig so mir mir verwachsen sind, dass sie eben da sind, ob ich es will und sie begrüße oder nicht.
Sofasophia schrieb in einem Kommentar: Was wenn Vergänglichkeit der Sinn unseres Lebens ist? Ich habe darüber nachgedacht. Vergänglichkeit ist auch nur ein Name für Veränderung. Erst heißt die Veränderung Wachstum, dann irgendwann wird sie zu Vergänglichkeit. Wir werden uns bewusst, dass Dinge vergehen, Schönheit vergeht, Gesundheit und Kraft vergehen, Menschen gehen und Fähigkeiten nehmen ab. Alles ist vergänglich, d.h. nicht auf die Ewigkeit ausgerichtet. Und wenn wir Glück haben, begreifen wir irgendwann, dass auch wir nicht für die Ewigkeit gedacht sind, dass wir ein kleiner Faden in einer unvorstellbar und unbegreiflichen Textur sind, ein Faden, der irgendwann sein Ende erreicht hat, der nicht weiter gewebt wird, weil er seine Funktion erfüllt hat, der aber trotzdem, auch wenn er längst nicht mehr leuchtet und strahlt, seine Notwendigkeit hat, das Gewebe hält und stützt, unerlässlich ist und gleichzeitig unerheblich. Und eigentlich ist das ein sehr schöner Gedanke. Tröstend und entlastend.
#Ansprüche #Geduld #Leistung #Scham #Vergänglichkeit