Kampf um Liebe und Macht: Verdis „Nabucco“ in Bonn
Ursula Hartlapp-Lindemeyer
Wenn man das Libretto liest, denkt man, dass „Nabucco“ ein Oratorium ist. Das ist auch nicht abwegig, weil es sich um eine große Choroper und um ein Sujet des Alten Testaments handelt. Dass man „Nabucco“ auch actionreich als Thriller inszenieren kann, beweist Regisseur Roland Schwab. Er betont mit seiner Inszenierung die politische Dimension: Der Fanatismus ist das tödliche Metronom, ohne das die Wiegenlieder des Terrors nie erklängen ist zur Ouvertüre bühnenbreit eingeblendet. Schwab und sein Bühnenbildner Piero Vinciguerra finden für das Dramma lirico in der Premiere am 3. Oktober 2025 starke Bilder. Hit der Oper ist der Gefangenenchor Va pensiero sull´ali dorate, der die Sehnsucht des unterdrückten Volkes nach Heimat ausdrückt. Das Aufblitzen von immer mehr Lichtern in den Händen des Chors visualisiert, wie eine Botschaft die Masse erreichen kann und erinnert unmittelbar an die Bürgerbewegung der DDR, die am 3. Oktober 1989 zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Will Humburg führt das Beethoven Orchester zu differenziertem Verdi-Klang, Chor und Extra-Chor unter der Leitung von André Kellinghaus und zahlreiche Statisten verkörpern das hebräische Volk und die babylonischen Krieger. Nicht nur die Hauptrollen sind erstklassig besetzt. (Rezension der Premiere v. 3. Oktober 2025) […]
https://opernmagazin.de/kampf-um-liebe-und-macht-verdis-nabucco-in-bonn/