Paper Mills: Publikationen per Prompt

Zu wenige Publikationen für die nächste Bewerbung? h-Index zu niedrig? Kein Problem. Wissenschaftliche Artikel kann man zwar nicht bei Amazon oder Temu, aber bei sogenannten Paper Mills bestellen. Diese Unternehmen erstellen gegen Bezahlung gefälschte wissenschaftliche Artikel, um sie in Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Wissenschaftler:innen müssen also nicht erst mühsam Experimente durchführen oder Daten analysieren, um eine Veröffentlichung auf ihre Publikationsliste setzen zu können. Ganz billig ist das nicht, die Kosten reichen von einigen hundert US-Dollar für Zeitschriften mit niedrigem Impact Factor bis zu 20.000 US-Dollar für renommierte Zeitschriften. Damit der Artikel auch tatsächlich veröffentlicht wird, wird häufig auch der Peer-Review-Prozess manipuliert, zum Beispiel durch Gutachter:innen, die mit im Boot sind.

Studien zu Artikeln aus Paper Mills

Eine im August 2025 veröffentlichte und viel beachtete Studie hat versucht, das Ausmaß dieser fragwürdigen Praktiken abzuschätzen. Die Autor:innen untersuchten rund 277.000 Artikel im Megajournal PLOS One, identifizierten offensichtlich gefälschte Artikel und fanden heraus, dass eine kleine Anzahl von Editors für einen signifikanten Anteil an später zurückgezogenen Artikeln zuständig war. Diese bildeten offenbar ein regelrechtes Netzwerk, um mutmaßliche Erzeugnisse von Paper Mills einzuschleusen.

Geschätzt 50.000 gefälschte wissenschaftliche Artikel stammen jährlich aus Paper Mills. Foto: Nothing Ahead via Pexels, Pexels License

Das Phänomen wurde auch bei anderen Zeitschriften gefunden und die Autor:innen schätzen, dass mindestens 50.000 Artikel pro Jahr aus Paper Mills stammen. Dass gerade PLOS One für die Studie ausgewählt wurde, hat einen einfachen Grund: Die seit 2006 erscheinende Open-Access-Zeitschrift veröffentlicht umfangreiche, maschinenlesbare Metadaten und auch die Namen der verantwortlichen Editors. Das zeigt, dass Transparenz und Offenheit im Forschungs- und Publikationsprozess (zum Beispiel auch das Veröffentlichen der zugrundeliegenden Daten) betrügerische Praktiken zwar nicht verhindern können, aber für die Aufdeckung essenziell sind.

Das Problem der Paper Mills ist freilich nicht neu. Derartige Praktiken sind seit mehr als zwanzig Jahren bekannt, dank generativer KI erleben sie in letzter Zeit aber einen regelrechten Boom. Kein Wunder, sind Sprachmodelle doch hervorragend dafür geeignet, auf den ersten Blick plausibel erscheinende Texte samt Abbildungen zu einem beliebigen Thema zu fabrizieren. Eine weitere Studie zeigt einen 17-fachen Anstieg von redundanten Publikationen in den Lebenswissenschaften zwischen November 2022 – als die erste Version von ChatGPT veröffentlicht wurde – und 2024. Was früher einiges an Aufwand bedeutet hat, lässt sich heute per Prompt in wenigen Minuten erledigen. Mit dem Draft Outline Research Assistant oder Prism gibt es sogar die passenden Tools dafür. Ein Test zeigt, wie einfach das geht.

Wie gefälschte Artikel der Wissenschaft schaden

Der Schaden durch Paper Mills ist enorm. Im besten Fall enthalten die gefälschten Artikel „nur“ redundante Informationen, im schlimmsten Fall aber Fehlinformationen, die die wissenschaftliche Literatur kontaminieren und – da häufig klinische Studien betroffen sind – sogar Leben gefährden können. Doch auch wenn der Betrug rechtzeitig entdeckt wird, beim Peer Review oder schon bei der Eingangskontrolle durch den Editor, entsteht ein Schaden. Die Einreichungen binden einerseits Kapazitäten von Herausgeber:innen und Gutachter:innen, andererseits bringen abgelehnte Manuskripte dem Verlag keine Einnahmen. Eine Schätzung kommt auf Kosten von vielen Millionen US-Dollar durch Manuskripte aus Paper Mills – Kosten, die viele Verlage wohl über APCs (Article Processing Charges) oder Subskriptionen wieder hereinholen wollen.

Stockholm Declaration: Qualität statt Quantität

Wie bei Predatory Journals und anderen Fehlentwicklungen läuft es immer wieder auf das selbe grundlegende Problem hinaus: Eine Wissenschaftsbewertung, die zu großen Teilen auf Quantität statt Qualität setzt, insbesondere auf problematische quantitative Metriken wie Publikations- und Zitationszahlen, den h-Index oder den Journal Impact Factor. Diese sagen einerseits wenig über die Qualität der Forschung aus, sind aber andererseits, wie man sieht, manipulierbar. Auch das ist seit langem bekannt, und seit langem wird versucht, gegenzusteuern, formuliert etwa in der San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA) oder durch die Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA). Der neueste Aufruf ist die im November 2025 veröffentlichte Stockholm Declaration, entstanden aus einem Workshop an der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften (genau, die, die die Nobelpreise verleiht). Darin wird (wieder einmal) appelliert, akademische Anreizsysteme so zu gestalten, dass Qualität und nicht Quantität belohnt wird. Ob es diesmal etwas bewirkt? Wir werden sehen.

#PaperMills #LizenzCCBY30DE #KI #WissenschaftlichesPublizieren #Wissenschaftsbetrug

Open Access in der Quantenphysik

In den 100 Jahren ihres Bestehens hat die Quantenphysik kleinere, größere und bahnbrechende Ergebnisse hervorgebracht, dokumentiert in unzähligen Publikationen. Auch wenn viele davon vermutlich nur einem eher kleinen Kreis verständlich sind, ist es gut und wichtig, wenn diese – sei es für die Öffentlichkeit, sei es für Forschende an finanzschwachen Einrichtungen – frei zugänglich und nachnutzbar sind.

Open Access

Wie hoch ist nun der Open-Access-Anteil der Publikationen aus der Quantenphysik? Eine Suche nach den Topics „Quantum Mechanics and Applications“, „Quantum many-body systems“, „Quantum optics and atomic interactions“, „Quantum Computing Algorithms and Architecture“, „Quantum Information and Cryptography“ und „Quantum chaos and dynamical systems“ in der bibliografischen Datenbank OpenAlex ergibt 406.500 Publikationen, davon sind 41,9 % Open Access. Wenn man den Zeitraum auf die Jahre 2015 bis 2025 einschränkt, beträgt der Open-Access-Anteil 56,5 %. Das ist deutlich höher als der Durchschnitt (23 % bzw. 37,5 %). Was die Verteilung nach Open-Access-„Farben“ betrifft, sind laut OpenAlex 66 % der Open-Access-Publikationen im grünen Weg (als Zweitveröffentlichung oder Preprint) erschienen, 15 % im Gold Open Access, also also frei zugängliche Erstveröffentlichung, der Rest wird einem der anderen Wege (Bronze, Hybrid, Diamond) zugeordnet.

Grün …

Der hohe Anteil des grünen Open Access ist kein Zufall, wie in anderen Gebieten der Physik spielt der Preprint-Server arXiv eine zentrale Rolle. Der Bereich Quantum Physics (quant-ph) auf arXiv existiert seit Dezember 1994. Waren es im gesamten Jahr 1995 gerade einmal 332 Dokumente, werden inzwischen  monatlich über 1.000 Preprints hochgeladen, im September 2025 wurde der bisherige Höchststand mit 1432 Dokumenten erreicht.

Die Entwicklung der Uploads in quant-ph von 2022 bis 2025 (Quelle: arXiv)

… und Gold

Auch der goldene Weg wird in der Quantenphysik zunehmend beschritten, der Anteil an Gold Open Access am gesamten Publikationsaufkommen ist von 8 % im Jahr 2015 auf 20 % im Jahr 2024 gestiegen. Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) findet mit dem Schlagwort „quantum“ genau 50 Zeitschriften. Ein positiv hervorzuhebendes Beispiel ist die seit 2017 erscheinende Zeitschrift Quantum. Diese wurde aus der Community heraus gegründet aufgrund der Unzufriedenheit mit traditionellen, gewinnorientierten und auf den Impact Factor fokussierten Publikationsmodellen. Quantum ist ein arXiv-Overlay-Journal, das die Infrastruktur von arXiv für die Einreichung nutzt und damit einfach und kostengünstig ist. Quantum verlangt Gebühren (APCs), diese sind aber deutlich niedriger als bei anderen Zeitschriften und die Zeitschrift ist sehr transparent bezüglich ihrer Finanzen. Quantum hat im übrigen mittlerweile einen relativ hohen Impact factor, die Zeitschrift wirbt damit aber nicht auf ihrer Website.

OA und der Nobelpreis für Physik 2025

Aus aktuellem Anlass, der Bekanntgabe der Preisträger des Nobelpreises für Physik 2025, der an John Clarke, Michel H. Devoret und John M. Martinis „for the discovery of macroscopic quantum mechanical tunnelling and energy quantisation in an electric circuit“ geht, hier noch eine Auswertung der OA-Affinität dieser drei Quantenphysiker: OpenAlex liefert für die Paper der Autoren einen Open-Access-Anteil von (leider nur) 30% plus minus über alle Jahre, für die neueren Publikationen (seit 2021) steigt er aber auf über 60%. Interessant ist die Analyse der am häufigsten zitierten Artikel: Sowohl bei Michel H. Devoret (mit mehr als 3.000 Zitierungen) als auch bei John M. Martinis (über 2800 Zitierungen) sind diese auch im Open Access verfügbar. Nur bei John Clarke (mehr als 1.900 Zitierungen) ist dieser Artikel Closed. Ob hier der Open-Access-Status eine Einfluss auf die Zahlen hat, ist wahrscheinlich Auslegungssache, dennoch ist es eine interessante Beobachtung.

Beitragsbild: Gerd Altmann CC0, via publicdomainpictures.net

#LizenzCCBY30DE #OpenAccess #arXiv #Quantenphysik #Quantenjahr2025 #OpenAccessJournals #OpenAccessWeek2025

Open Access Week 2025 an der TIB

Vom 20. bis 26. Oktober findet unter dem Motto „Wem gehört unser Wissen?“ die diesjährige internationale Open Access Week statt, in der weltweit über den freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen informiert wird. Die TIB beteiligt sich in und nach der Woche mit mehreren Aktionen und Veranstaltungen daran.

 

Open Access Week im TIB-Blog

Im TIB-Blog werden anlässlich der Open Access Week verschiedene Aspekte von Open Access näher beleuchtet. Jeden Tag von Montag bis Freitag wird hier im Blog ein neuer Beitrag veröffentlicht. Das Spektrum reicht dabei von einer Reflexion des Mottos „Wem gehört unser Wissen?“ über Hürden beim Open-Access-Publizieren für Forschende bis zum Thema Open Access in der Lehre.

Neuer Open-Access-Flyer

Informationen über unsere Open-Access-Angebote für Angehörige der Leibniz Universität Hannover (LUH) auf einen Blick bietet unser neuer Flyer, der inhaltlich aktualisiert und grafisch neu gestaltet wurde. Er steht in einer deutschen und einer englischen Version zur Verfügung und wird pünktlich zur Open Access Week an der TIB und auf dem Campus zu finden sein.

Wenn Sie Interesse haben, den Flyer an Ihrem Institut auszulegen, melden Sie sich gerne bei uns.

 

Open Access Week extended

In diesem Jahr bieten wir keine Veranstaltungen direkt in der Open Access Week an. Wir laden aber herzlich zu unterschiedlchsten Angeboten in den nächsten Wochen ein.

 

Das Geschäft mit wissenschaftlichen Informationen

Im Rahmen der AStA-Veranstaltungsreihe für Erstsemester führt der Vortrag in Probleme des akademischen Publikationswesens ein. Wissenschaftliche Texte wie Bücher oder Artikel sind für das Studium unerlässlich und meist über Bibliotheken online zugänglich. Dennoch stoßen Studierende gelegentlich auf „Paywalls“, hinter denen Artikel nur gegen Bezahlung verfügbar sind. Dieses Problem verweist auf eine größere Schieflage: Der Publikationsmarkt wird von wenigen Großverlagen dominiert, die mit öffentlich finanzierter Forschung hohe Gewinne erzielen. Der Vortrag beleuchtet diese Strukturen und erklärt, warum freier Zugang zu Wissen – Open Access – wichtig ist.

Freitag, 7.11., 18:00
TIB Conti-Campus, Schulungsraum EG

Open Access Escape Room und Open Science Rallye

Bei der „Nacht, die Wissen schafft“ der Leibniz Universität Hannover ist auch die TIB mit einem umfangreichen Programm vertreten. In zwei Veranstaltungen kann man sich spielerisch mit dem Thema Open Access und Open Science auseinandersetzen. Im Open Access Escape Room helfen Sie, das weggesperrte Wissen wieder allgemein zugänglich zu machen, in der Open-Science-Rallye müssen Sie an verschiedenen Stationen Rätsel lösen und Tipps sammeln, um am Ende die „Paywall“ zum Einstürzen zu bringen.

Samstag, 8.11., ab 18:00
TIB Technik/Naturwisenschaften

OAI14 Satellite Event

Der Workshop OAI14 – The Geneva Workshop on Innovations in Scholarly Communication vom 10. bis 14. November 2025 ist ein wichtiger Ort der Diskussion verschiedener Akteur:innen aus Wissenschaft und Infrastruktureinrichtungen über aktuelle Entwicklungen im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens und der Wissenschaftskommunikation. Der Workshop findet online statt, in einem „Satellite Event“ vor Ort zeigt die TIB zwei Sessions im Livestream und bietet Raum für Austausch und Diskussion dazu.

Dienstag, 11.11., 15:00 bis 18:00: „Open Infrastructure“
Donnerstag 13.11., 10:00 bis 13:00: „Commercialization and Open Science“

TIB Conti-Campus, Schulungsraum EG

StudyBoost

Beim StudyBoost für Studierende gibt es einen Nachmittag lang zahlreiche Tipps und Tricks für das eigene Schreib- oder Lernprojekt. In Vorträgen, Workshops oder individuellen Beratungen kann sich mit Expert:innen und anderen Studis darüber ausgetauscht werden. Auch das Thema Open Access ist mit einer Puzzle-Station und einem Vortrag vertreten: „Lost in Literaturrecherche – Tipps und Tricks zur erfolgreichen Suche nach frei zugänglicher (Open Access) Forschungsliteratur“

Mittwoch, 26.11., 14:30.-20:00
Leibniz Language Centre (Im Moore 11B)

Navigating the World of Open Access Publishing

Am 27. November startet der englischsprachige Kurs „Navigating the World of Open Access Publishing: A Hands-on Introduction for Early-Career Researchers“. Er ist im Rahmen der europäischen Hochschulallianz EULiST in Kooperation mit der TU Wien und der Graduiertenakademie der LUH entstanden und führt in die wichtigsten Grundsätze und Praktiken des wissenschaftlichen Publizierens und des Open Access ein. Teilnehmende reflektieren und verbessern ihre Publikationsstrategien für Dissertationen und andere wissenschaftliche Veröffentlichungen. Der Kurs kombiniert umfangreiches Selbststudium mit zwei synchronen Online-Seminaren. Anmeldung hier.

Mittwoch, 26.11., 14:30.-20:00
online

Infostände

Sie sind Postdoc oder neue:r Mitarbeiter:in an der LUH und möchten sich persönlich beraten lassen? Beim Karrieretag PostdocPerspektiven am 30.10. sowie bei der Veranstaltung „Willkommen an der Leibniz Universität Hannover“ am 18.11. sind wir mit einem Infostand vertreten und freuen uns auf Ihren Besuch.

Selbstlernkurse

Nichts dabei oder an keinem der Termine Zeit? Auf unserer Lernplattform TOERN finden Sie zahlreiche Online-Kurse zu Themen rund um Open Access und Open Science für unterschiedliche Zielgruppen von Studierenden bis zu Herausgeber:innen und Mitarbeiter:innen in Bibliotheken. Viele der Kurse wurden im Rahmen des Projekts open-access.network erstellt.

#LeibnizUniversitätHannover #LizenzCCBY30DE #OpenAccessWeek #OpenAccessWeek2025

Open Access and Open Data: Japanese visitors at TIB

On 31 January 2025 we welcomed two guests from Japan to the TIB. Chifumi Nishioka is an associate professor at Kyoto University and a member of the working group organized by the Japanese Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT) in order to discuss the future of scholarly communication. She was accompanied by Mami Hayashi of Chuo University Library. They were on the way to attend the Berlin Open Access Conference and stopped over in Hannover to learn about TIB’s activities concerning open access and research data management.

The Japanese guests together with TIB colleagues at the TIB Science/Technology site. From left to right: Franziska Altemeier, Nina Düvel, Janna Neumann, Chifumi Nishioka, Mami Hayashi, and Stefan Schmeja.

From Open Access strategies and services to consortia and contracts

Six colleagues from different departments of TIB met with the Japanese colleagues to give short overviews of their topics and to discuss them with our guests. Stefan Schmeja and Nicola Bieg presented open access strategies and services in general as well as the coverage of publication costs in agreements with publishers (for example within TIB’s Consortia). The guests had indicated specifically that they wanted to learn about the impact of the DEAL agreements on Leibniz University Hannover (LUH) and the double role of TIB as university library and national library for science and technology in supporting DEAL. While we noticed similar approaches to open access, there are also differences: Whereas Japanese science policy has put the focus on green open access so far, in Europe diamond open access is favoured in policies on the European, national and institutional levels, including the open access policies of TIB and LUH.

Research data management at TIB

Research data management was the second topic of interest. Johannes Hunold introduced the German National Research Data Infrastructure NFDI in general, the role of TIB in NFDI and NFDI4Chem in particular. Janna Neumann talked about the Research Data Management Services for LUH which include training and consultation and the institutional data repository. Finally, Franziska Altemeier and Nina Düvel presented the Joint Lab Future Libraries & Research Data, which is an institution at the intersection of TIB and Hanover University of Applied Sciences and Arts (Hochschule Hannover, HsH) supporting the implementation of research data management at HsH and Universities of Applied Sciences in general.

The visit ended with a tour of the library. We were very happy to meet our Japanese guests in Hannover and to discuss the promotion of open access and research data management and TIB’s services with them.

#DEAL #Japan #JointLabFutureLibrariesAndResearchData #LizenzCCBY30DE #NFDI #NFDI4Chem #OpenAccess #researchDataManagement

KYOTO UNIVERSITY

One of Japan and Asia's premier research institutions, founded in 1897 and responsible for producing numerous Nobel laureates and winners of other prestigious international prizes.

SciPost wird von SCOSS unterstützt

Die Diamond-Open-Access-Plattform SciPost wurde von der Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS) in ihre 6. Finanzierungsrunde aufgenommen. Damit sollen der Betrieb und die Weiterentwicklung von SciPost sichergestellt werden.

Was ist SciPost?

SciPost ist eine Plattform für Open-Access-Zeitschriften aus der Physik und anderen Fächern, die 2016 vom Festkörperphysiker Jean-Sébastien Caux von der Universität Amsterdam gegründet wurde. Die Plattform hat sich seither sehr erfolgreich entwickelt und im November 2024 den 3.000. Artikel veröffentlicht.

SciPost verlangt für die Veröffentlichung keine Gebühren (APCs) von den Autor:innen, ist nicht gewinnorientiert und wird von Wissenschaftler:innen für Wissenschaftler:innen betrieben. Damit steht es für Diamond Open Acccess im besten Sinne. Da SciPost sowohl für Leser:innen als auch für Autor:innen kostenfrei ist, wird es durch freiwillige Beiträge von Bibliotheken und Forschungseinrichtungen finanziert. Die Kosten pro Artikel werden mit rund 500 Euro kalkuliert – ein Bruchteil dessen, was kommerzielle Verlage an APCs verlangen.

Auch die TIB fördert seit mehreren Jahren SciPost, sowohl in ihrer Rolle als Universitätsbibliothek für die Leibniz Universität Hannover (LUH) als auch als zentrale Fachbibliothek für Technik und Naturwissenschaften. Mit seinem nicht-gewinnorientierten Geschäftsmodell und dem Verzicht auf APCs entspricht SciPost einer Variante von Open Access, die in den Open-Access-Policies von TIB und  LUH als besonders unterstützenswert angesehen wird.

Was ist SCOSS?

Die 2017 gegründete Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS) ist ein Netzwerk verschiedener Organisationen, das sich für die Sicherung der Infrastruktur für Open Access und Open Science auch in Zukunft einsetzt. Das Ziel ist, nicht-kommerzielle Dienste zu identifizieren, die für Open Science unverzichtbar sind. Diese werden dann für eine finanzielle Unterstützung im Sinne eines Crowdfunding empfohlen. SCOSS bietet den Rahmen und die Finanzierungsstruktur und prüft potenzielle Kandidaten anhand festgelegter Kriterien. In die laufende Finanzierungsrunde wurden neben SciPost die Infrastrukturen African Journals Online (AJOL), Episciences und Make Data Count aufgenommen.

SciPost und SCOSS

Auch wenn es aus der Wissenschaft und insbesondere auch der Wissenschaftspolitik zahlreiche Bekenntnisse zu Diamond Open Access gibt, bleibt die Finanzierung für viele Verlage und Plattformen, darunter auch SciPost, herausfordernd. Anders als kommerzielle Mitbewerber können sie sich nicht auf kontinuierliche Einnahmen durch Subskriptionen oder APCs verlassen, sondern sind auf freiwillige Unterstützung angewiesen.

Durch SCOSS ändert sich das zwar nicht, aber mit der Aufnahme in die „SCOSS family“ von unverzichtbaren Open-Science-Infrastrukturen soll die Aufmerksamkeit auf SciPost gelenkt und eine breitere Förderung sichergestellt werden. Als Finanzierungsziel für SciPost hat SCOSS 627.000 Euro angegeben. Es ist zu hoffen, dass möglichst viele Bibliotheken, Förderer und Forschungseinrichtungen den Wert von wissenschaftsgeleiteten Infrastrukturen wie SciPost erkennen und auch finanziell anerkennen.

#LizenzCCBY30DE #diamondOpenAccess #OpenAccessFinanzierung #SciPost #SCOSS

SciPost Homepage

SciPost homepage

Open Access: Nur echt mit CC BY

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Open Access, wie es unter anderem in der grundlegenden Berliner Erklärung definiert wird, bedeutet nicht nur den kostenlosen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen, sondern auch die Möglichkeit, diese frei nachzunutzen. Was dabei genau erlaubt ist, wird durch freie Lizenzen geregelt. Dabei gibt es immer wieder Fragen zur Wahl der besten Lizenz.

Das Urheberrecht erlaubt eine Nachnutzung von Texten oder Bildern ohne Zustimmung der Rechteinhaber:innen nur in sehr engen Grenzen. So dürfen urheberrechtlich geschützte Werke beispielswiese nicht weiterverbreitet oder verändert werden. Um das als Rechteinhaber:in pauschal zu erlauben, können freie Lizenzen vergeben werden. Diese legen genau fest, wie Werke von anderen genutzt werden dürfen, ohne dass eine gesonderte Erlaubnis notwendig ist.

Die vier Bausteine von Creative-Commons-Lizenzen

In der Wissenschaft (und vielen anderen Bereichen) sind die Lizenzen von Creative Commons (CC) etabliert. Diese bestehen aus den vier Bausteinen „BY“ (by, Namensnennung), „SA“ (Share alike; Weitergabe unter gleichen Bedingungen), „ND“ (No derivatives, keine Bearbeitungen) und „NC“ (non commercial, keine kommerzielle Nutzung). Diese Bausteine können in sechs Varianten miteinander kombiniert werden, von der liberalsten Lizenz CC BY (Namensnennung) bis zur restriktivsten Lizenz CC BY-NC-ND (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitungen). Für die Wissenschaft hat sich CC BY als ideale Lizenz erwiesen, da sie die bestmögliche Verbreitung und Nachnutzung der Forschungsergebnisse ermöglicht, aber gleichzeitig sicherstellt, dass diese mit den Namen der Autor:innen verbunden sind. Dennoch gibt es immer wieder Unsicherheit bei der Wahl der Lizenz, in letzter Zeit auch verbunden mit Sorgen wegen der möglichen Nachnutzung durch KI-Unternehmen.

CC BY bei den DEAL-Verträgen

Über die DEAL-Verträge mit den Verlagen Elsevier, Springer Nature und Wiley können Forschende an zahlreichen deutschen Einrichtungen, auch der Leibniz Universität Hannover (LUH), in den meisten Zeitschriften dieser Verlage standardmäßig und ohne persönliche Kosten Open Access publizieren. Bei der Veröffentlichung haben Autor:innen meist die Wahl zwischen unterschiedlichen Creative-Commons-Lizenzen. Das DEAL-Konsortium hat jetzt eine Kampagne unter dem Motto „Open Access means CC BY“  gestartet, um darauf hinzuweisen, dass die Lizenz CC BY die beste Wahl ist, um die Sichtbarkeit und Reichweite der Publikationen zu maximieren. Auf einer neuen Website erläutert das Konsortium die Vorteile von CC BY und warum insbesondere Lizenzen mit dem Zusatz „-NC“  („non-commercial“) vermieden werden sollten.

Ein Problem von NC-Lizenzen ist, dass nicht klar definiert ist, was unter „kommerziell“ zu verstehen ist. Im Zweifelsfall wird das von Gerichten entschieden, die den Begriff meist sehr weit auslegen. Sobald Geld fließt, auch ohne Gewinnabsicht, etwa bei privaten Blogs, kann eine Einstufung als kommerzielle Nutzung erfolgen. Mit einer NC-Lizenz verhindert man also auch durchaus erwünschte Nachnutzungen.

Ein weiteres Problem ergibt sich bei Veröffentlichung in einer Zeitschrift. Um den Artikel zu veröffentlichen und zu verbreiten, benötigt der Verlag das Recht der kommerziellen Nutzung. Wenn Autor:innen selbst die Lizenz CC BY vergeben, ist das kein Problem. Wenn sie aber eine NC-Lizenz wünschen, müssen sie dennoch dem Verlag das Recht der kommerziellen Nutzung einräumen. Meist besteht der Verlag dann auf einer Übertragung ausschließlicher Nutzungsrechte und vergibt dann selbst eine NC-Lizenz. Damit kann der Verlag die Arbeit kommerziell verwerten und auch Lizenzen an Dritte, zum Beispiel KI-Unternehmen, vergeben. Andere, darunter auch die Autor:innen selbst, bleiben hingegen außen vor. Deshalb empfehlen die Open-Access-Richtlinien vieler Einrichtungen, keine auschließlichen Nutzungsrechte zu übertragen.

CC BY bedeutet im Übrigen nicht, dass alles erlaubt ist. Änderungen müssen gekennzeichnet sein, und die Lizenz deckt nicht die Nutzung zu illegalen Zwecken oder die Verletzung von Persönlichkeits- oder Markenrechten.

Zahlreiche Einrichtungen, Organisationen und Förderer empfehlen oder fordern CC BY. Bereits 2014 hat die Allianz der der deutschen Wissenschaftsorganisationen einen Appell zur Nutzung offener Lizenzen in der Wissenschaft veröffentlicht und CC BY als Standard bezeichnet. Wenn Publikationskosten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden, soll standardmäßig CC BY gewählt werden. Auch Plan S, die Open-Access-Initiative von internationalen Förderorganisationen, verlangt, dass Publikationen unter einer freien Lizenz, bevorzugt CC BY, erscheinen.

CC BY bei den Open-Access-Angeboten der TIB

Auch die Open-Access-Angebote und -Dienste der TIB orientieren sich an dieser Lizenz:

  • Die Open-Access-Policy der TIB und die Open-Access-Richtlinie der LUH empfehlen CC BY.
  • CC BY ist ein fester Bestandteil der Verhandlungen von Transformationsverträgen.
  • Für eine vollständige Finanzierung von Artikelgebühren (APCs) aus dem Publikationsfonds der LUH müssen die Best-Practice-Kriterien erfüllt sein. Zu diesen zählt, dass der Artikel unter der Lizenz CC BY veröffentlicht wird.
  • Zeitschriften und Schriftenreihen, die an der Finanzierung durch KOALA-Konsortien teilnehmen, müssen gewisse Mindeststandards erfüllen. So müssen die Publikationen mit einer Creative-Commons-Lizenz versehen werden, wobei CC BY als Standard gilt.
  • Unser Verlag TIB Open Publishing hat Offenheit als Grundprinzip. Alle veröffentlichten Inhalte werden unter der Lizenz CC BY verbreitet.
  • Das TIB AV-Portal ermöglicht die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Videos und empfiehlt dafür CC BY.

Die Lizenz CC BY ist etabliert und bildet einen weiten, dabei klaren und leicht verständlichen Rahmen für die Nachnutzung. Damit entspricht sie den Grundprinzipien von Open Access und sorgt für die bestmögliche Verbreitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht nur in der Wissenschaft selbst, sondern auch in die Gesellschaft.

Sie haben Fragen zur Lizenzwahl? Wir beraten Sie gerne unter [email protected].

Beitragsbild: Jonas Hauss, https://doi.org/10.5446/53409, CC BY 3.0 DE

#DEAL #CCLizenzen #CreativeCommons #LizenzCCBY30DE

Berliner Erklärung