Diamond Funding Navigator: Ein neues TIB-Angebot stärkt Diamond Open Access

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Ein neuer Dienst der TIB erleichtert die Finanzierung von Diamond Open Access: Der Diamond Funding Navigator, der als Betaversion bereitsteht, bündelt Informationen zu Konsortialangeboten für Diamond-Open-Access-Publikationen weltweit. Dies verhilft den Konsortialangeboten zu besserer Sichtbarkeit, und wissenschaftliche Einrichtungen gelangen leichter zu einer Entscheidung, welche Angebote sie unterstützen möchten.

Diamond Open Access gemeinsam finanzieren

Für die Finanzierung von Publikationen, die im Diamond Open Access erscheinen, erweist sich der Rückgriff auf das im Bibliotheksbereich langjährig erprobte Konsortialmodell als erfolgreich. Bei diesem Modell schließen sich wissenschaftliche Einrichtungen zusammen, um mit vergleichsweise kleinen, individuellen Beiträgen gemeinsam die Betriebskosten einer Publikation, beispielsweise einer Zeitschrift, über einen bestimmten Zeitraum zu finanzieren. Die Beiträge der Zeitschrift können somit erscheinen, ohne dass finanzielle Hürden wie Artikelbearbeitungsgebühren (APC) oder Subskriptionsgebühren entstehen. Über KOALA-Konsortien der TIB wurden beispielsweise nach diesem Modell seit 2021 bereits 13 Zeitschriften und zwei Buchreihen über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert.

Der Diamond Funding Navigator – eine kurze Vorstellung

Zur Unterstützung dieser Initiativen hat die TIB den Diamond Funding Navigator entwickelt, der ab sofort in der Betaversion der Fachöffentlichkeit zur Verfügung steht. Der Diamond Funding Navigator ist ein Webdienst, der zu jedem Konsortialangebot eine Reihe von Informationen bereitstellt: Basisinformationen (wie Name, Kontaktinformationen), enthaltene Publikationen (Name, ISSN, Website), Angaben zur Finanzierungsteilnahme, dem sogenannten Pledging (Fristen, Vertragslaufzeit, teilnahmeberechtigte Institutionen) und erläuternde Informationen (zum Beispiel zur fachlichen Ausrichtung des Angebots). Daraus entsteht ein umfassendes Verzeichnis von laufenden und zurückliegenden Angeboten, das durchsucht, gefiltert und sortiert werden kann. Die Oberfläche steht in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.

Screenshot des Diamond Funding Navigator. Übersicht der Angebote mit Filter- und Sortieroptionen.

Institutionenbezogene Anpassung: Publikationsoutput via OpenAlex

Institutionen, die sich über Angebote informieren möchten, können den Diamond Funding Navigator individualisieren: Nach Eingabe einer ROR ID werden institutionenspezifische Publikationsmetriken ausgegeben. So wird auf einen Blick ersichtlich, wie viele Publikationen aus einer bestimmten Institution in den letzten fünf Jahren in den Zeitschriften eines Bündels erschienen sind. Diese Zahlen werden grafisch so dargestellt, dass das Verhältnis zur Gesamtzahl der in den Zeitschriften in diesem Zeitraum erschienen Beiträge erkennbar ist. Die Publikationsmetriken werden von OpenAlex abgerufen. Sie sind für alle Zeitschriften verfügbar, für die in OpenAlex aktuelle Publikationsdaten verfügbar sind.

Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.

Woher kommen die Daten zu den Konsortialangeboten?

Die im Diamond Funding Navigator enthaltenen Daten zu Konsortialangeboten müssen erfasst und im Falle von Änderungen aktuell gehalten werden. Dies können die Verantwortlichen der Angebote selbst übernehmen. Dazu erhalten sie von der TIB einen Zugang zum Backend des Diamond Funding Navigator und können dann über eine einfache Eingabemaske alle Informationen zu ihrem Angebot eintragen und speichern. Nach einer formalen Prüfung der übermittelten Daten durch die TIB wird der Eintrag freigeschaltet. Änderungen können, falls nötig, ebenfalls nach Login im Backend vorgenommen werden, beispielsweise, wenn die Pledgingphase verlängert wird.

Vielfältige Angebote, eine Anlaufstelle

Die Finanzierungsfrage ist eine der größten Hürden, vor der Diamond-Open-Access-Publikationen stehen (vgl. OA Diamond Journals Study, Part 1). Von einem breitenwirksamen Finanzierungsmechanismus für Diamond-Open-Access-Publikationen sind wir im Moment noch weit entfernt. Es ist aber davon auszugehen, dass konsortiale Modelle sich weiter etablieren. Bereits jetzt gibt es Einrichtungen, die das KOALA-Modell aufgreifen (KOALA-SLUB). Auch Drittmittelprojekte wie edu_consort_oa und OLEconsort beschreiten diesen Weg. Ein internationales Beispiel ist das OACIP-Programm des nordamerikanischen Konsortiums LYRASIS. Allerdings sind diese Angebote dezentral und verstreut; eine einfache Übersicht fehlte bisher – eine Lücke, die der Diamond Funding Navigator nun schließt.

Wir laden Sie ein, den Diamond Funding Navigator zu nutzen: Informieren Sie sich über Konsortialangebote für Diamond-Open-Access-Publikationen. Übermitteln Sie uns Informationen zu von Ihnen koordinierten Konsortialangeboten. Geben Sie uns Feedback oder melden sich mit Fragen unter: [email protected].

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SciPost wird von SCOSS unterstützt

Die Diamond-Open-Access-Plattform SciPost wurde von der Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS) in ihre 6. Finanzierungsrunde aufgenommen. Damit sollen der Betrieb und die Weiterentwicklung von SciPost sichergestellt werden.

Was ist SciPost?

SciPost ist eine Plattform für Open-Access-Zeitschriften aus der Physik und anderen Fächern, die 2016 vom Festkörperphysiker Jean-Sébastien Caux von der Universität Amsterdam gegründet wurde. Die Plattform hat sich seither sehr erfolgreich entwickelt und im November 2024 den 3.000. Artikel veröffentlicht.

SciPost verlangt für die Veröffentlichung keine Gebühren (APCs) von den Autor:innen, ist nicht gewinnorientiert und wird von Wissenschaftler:innen für Wissenschaftler:innen betrieben. Damit steht es für Diamond Open Acccess im besten Sinne. Da SciPost sowohl für Leser:innen als auch für Autor:innen kostenfrei ist, wird es durch freiwillige Beiträge von Bibliotheken und Forschungseinrichtungen finanziert. Die Kosten pro Artikel werden mit rund 500 Euro kalkuliert – ein Bruchteil dessen, was kommerzielle Verlage an APCs verlangen.

Auch die TIB fördert seit mehreren Jahren SciPost, sowohl in ihrer Rolle als Universitätsbibliothek für die Leibniz Universität Hannover (LUH) als auch als zentrale Fachbibliothek für Technik und Naturwissenschaften. Mit seinem nicht-gewinnorientierten Geschäftsmodell und dem Verzicht auf APCs entspricht SciPost einer Variante von Open Access, die in den Open-Access-Policies von TIB und  LUH als besonders unterstützenswert angesehen wird.

Was ist SCOSS?

Die 2017 gegründete Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS) ist ein Netzwerk verschiedener Organisationen, das sich für die Sicherung der Infrastruktur für Open Access und Open Science auch in Zukunft einsetzt. Das Ziel ist, nicht-kommerzielle Dienste zu identifizieren, die für Open Science unverzichtbar sind. Diese werden dann für eine finanzielle Unterstützung im Sinne eines Crowdfunding empfohlen. SCOSS bietet den Rahmen und die Finanzierungsstruktur und prüft potenzielle Kandidaten anhand festgelegter Kriterien. In die laufende Finanzierungsrunde wurden neben SciPost die Infrastrukturen African Journals Online (AJOL), Episciences und Make Data Count aufgenommen.

SciPost und SCOSS

Auch wenn es aus der Wissenschaft und insbesondere auch der Wissenschaftspolitik zahlreiche Bekenntnisse zu Diamond Open Access gibt, bleibt die Finanzierung für viele Verlage und Plattformen, darunter auch SciPost, herausfordernd. Anders als kommerzielle Mitbewerber können sie sich nicht auf kontinuierliche Einnahmen durch Subskriptionen oder APCs verlassen, sondern sind auf freiwillige Unterstützung angewiesen.

Durch SCOSS ändert sich das zwar nicht, aber mit der Aufnahme in die „SCOSS family“ von unverzichtbaren Open-Science-Infrastrukturen soll die Aufmerksamkeit auf SciPost gelenkt und eine breitere Förderung sichergestellt werden. Als Finanzierungsziel für SciPost hat SCOSS 627.000 Euro angegeben. Es ist zu hoffen, dass möglichst viele Bibliotheken, Förderer und Forschungseinrichtungen den Wert von wissenschaftsgeleiteten Infrastrukturen wie SciPost erkennen und auch finanziell anerkennen.

#LizenzCCBY30DE #diamondOpenAccess #OpenAccessFinanzierung #SciPost #SCOSS

SciPost Homepage

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Ihr braucht Infos zur Erstellung eines Informationsbudgets? Ihr interessiert euch für alternative Finanzierungsmodelle für #DiamondOpenAccess?
Dann werft einen Blick in unsere neue Handreichung "Neue Formen der #OpenAccessFinanzierung" auf Zenodo: https://doi.org/10.5281/zenodo.13271363
Hier findet ihr Informationen, Best Practices und weiterführende Links.
Weitere Infos findet ihr in unserer News:
https://open-access.network/services/news/artikel/neue-formen-der-open-access-finanzierung
Neue Formen der Open-Access-Finanzierung. Best Practices auf dem Weg zum Informationsbudget und zu alternativen Finanzierungsmodellen für Diamond Open Access

Die vorliegende Handreichung entsteht im Arbeitspaket „Neue Ansätze der Open-Access-Finanzierung“ im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts open-access.network 2. Schwerpunkt des Arbeitspaketes ist es, Workshops und Informationsveranstaltungen zu organisieren, die sich mit der Umsetzung eines (integrierten) Informationsbudgets sowie mit neuen Ansätzen der Finanzierung von Diamond Open Access befassen. Die Workshopreihe entstand vor dem Hintergrund, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen angehalten sind, integrierte Informationsbudgets zu erarbeiten. Diese Vorgabe resultierte aus den Empfehlungen des Wissenschaftsrates (2022) sowie dem DFG-Förderprogramm „Open-Access-Publikationskosten“. Wie kann und soll ein einrichtungsbezogenes umfassendes Kosten- und Ressourcenmonitoring praktisch umgesetzt werden? Zu dieser Frage besteht bei den Verantwortlichen in den Einrichtungen ein hoher Fortbildungs- und Austauschbedarf. Dies zeigte sich in den hohen Zahlen der Teilnehmer*innen und der durchgehend sehr guten Resonanz auf unsere Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“. Die hier dokumentierten Veranstaltungen fanden seit Herbst 2023 statt. Mit dieser Handreichung wird der dort gesammelte Wissensschatz gebündelt dokumentiert und allen Interessierten zur Verfügung gestellt.  Diese Publikation wird weiter wachsen: Als „living document“ wird sie kontinuierlich erweitert werden. Dies geschieht zum einen dynamisch auf unserer Internetseite. Außerdem werden wir Zwischenversionen dieser Handreichung als zitierfähiges Dokument auf Zenodo veröffentlichen.

Zenodo