Gerichtsurteil zum Ende des Ukraine-Kriegs? Keine Belege fĂŒr angebliche ĂuĂerung von Alice Weidel
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Faktencheck
Gerichtsurteil zum Ende des Ukraine-Kriegs? Keine Belege fĂŒr angebliche ĂuĂerung von Alice Weidel
Videos auf Tiktok zufolge hat Alice Weidel gesagt, laut einer Gerichtsentscheidung sei in der Ukraine kein Krieg mehr und 1,5 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer mĂŒssten in ihre Heimat zurĂŒck. Doch weder fĂŒr die angebliche Aussage Weidels noch die Gerichtsentscheidung finden sich irgendwelche Belege.
von Max Bernhard
28. April 2025
Auf Tiktok heiĂt es, Alice Weidel habe gesagt, ein Gericht habe entschieden, der Ukraine-Krieg sei zu Ende. DafĂŒr gibt es keine Belege. (Quelle: Tiktok; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Alice Weidel habe gesagt, ein Gericht habe entschieden, dass in der Ukraine kein Krieg mehr sei, deswegen mĂŒssten 1,5 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer in ihre Heimat zurĂŒck.
Aufgestellt von: Tiktok-Videos Datum:
09.04.2025
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Unbelegt
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Unbelegt. Weder fĂŒr die angebliche Aussage Alice Weidels, noch fĂŒr eine solche Gerichtsentscheidung finden sich Belege.
âGericht hat entschieden: In Ukraine ist kein Krieg mehrâ, heiĂt es im April in Videos auf Tiktok. Eineinhalb Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer mĂŒssten jetzt zurĂŒck in ihr Heimatland, heiĂt es weiter. Laut den BeitrĂ€gen mit teils mehr als 150.000 Ansichten und hunderten Kommentaren soll diese Aussage von AfD-Parteichefin Alice Weidel stammen. In den Kommentaren drĂŒcken UnterstĂŒtzerinnen und UnterstĂŒtzer der RechtsauĂen-Partei ihre Zustimmung aus, andere kritisieren die Russland-freundliche Politik der AfD. Und einige Fragen nach einer Quelle fĂŒr die Behauptung.
Die BeitrĂ€ge lassen offen, wo Weidel davon gesprochen haben soll und von welchem Gericht die Entscheidung stammen soll. Im Internet finden sich keine Belege dafĂŒr.
FĂŒr eine angebliche Aussage Weidels zu einer Gerichtsentscheidung ĂŒber das Ende des Ukraine-Krieges finden sich keine Belege (Quelle: Tiktok; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Keine Belege fĂŒr Aussage Weidels oder entsprechendes Gerichtsurteil zu Ende des Ukraine-Kriegs
Eines der Tiktok-Profile, die das angebliche Zitat Weidels verbreiten, teilte eine Ă€hnliche Behauptung schon im November 2024. Darin ist von einer Sondersitzung der AfD am 15. November die Rede. Google-Suchen liefern jedoch keine Hinweise, dass es an diesem Tag ĂŒberhaupt eine Sondersitzung der Partei gab. Auch auf Weidels Profilen in Sozialen Netzwerken findet sich rund um das Datum keine ErwĂ€hnung einer Sondersitzung, eines Gerichtsurteils oder eines Endes des Ukraine-Krieges.
Insgesamt finden sich keine Medienberichte zu so einer Aussage Weidels oder einem solchen Gerichtsurteil.
Auch auf dem Infoportal des Bundesamtes fĂŒr Migration âGermany4ukraineâ steht nichts von einem Aufnahmestopp fĂŒr FlĂŒchtlinge aus der Ukraine. Deutschland hat seine Bedingungen fĂŒr ukrainische GeflĂŒchtete zwar im November 2024 verschĂ€rft, einen Zwang zur RĂŒckkehr â wie in den Videos behauptet â gibt es jedoch nicht. So erhalten Ukrainerinnen und Ukrainer weiterhin Schutzstatus, allerdings wird dieser Personen, die bereits in einem anderen Land ein Aufenthaltsrecht haben und sich dort aufhielten, nicht mehr gewĂ€hrt.
Die beiden Tiktok-Profile antworteten nicht auf Nachfragen zu der Quelle oder dem Wahrheitsgehalt ihrer BeitrÀge. Anfragen von CORRECTIV.Faktencheck an die Pressestellen der AfD, der AfD-Bundestagsfraktion, Weidels Pressesprecher Markus Frohnmaier und Alice Weidel blieben unbeantwortet.
Russischer Angriffskrieg auf Ukraine lÀuft weiter
Die USA wollen ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine vermitteln und haben dafĂŒr Mitte April einen konkreten Vorschlag gemacht, den die Nachrichtenagentur Reuters am 25. April in GĂ€nze veröffentlichte. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff soll ihn Vertretern der Ukraine und fĂŒhrender europĂ€ischer Staaten am 17. April in Paris unterbreitet haben. Laut dem Vorschlag wĂŒrde die Ukraine weitreichende Gebiete verlieren, die ĂŒber die von Russland seit 2014 völkerrechtswidrig annektierte Krim hinausgehen. Reuters veröffentlichte auĂerdem einen Gegenvorschlag der Ukraine und Europas. Demnach sollten Gebietsverhandlungen erst nach einem vereinbarten Waffenstillstand stattfinden, und zwar auf Basis der aktuellen Kontrolllinie.
Ungeachtet der Verhandlungen mit den USA greift Russland die Ukraine weiter massiv an. Laut dem Mediendienst Integration leben rund 1,2 Millionen ukrainische Schutzsuchende in Deutschland (Stand 1. MĂ€rz 2025).
Redigatur: Paulina Thom, Sarah Thust
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Author: Max Bernhard
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