KI kann bloggen, optimieren, Tennis spielen. Aber sie kann uns auch erschöpfen. Zwischen Effizienz und „Brain Fry“ liegt ein schmaler Grat.
#KIAlltag #NewWork #AIBurnout #Produktivität #KI #Kuratiert
Der KI-Vampir auf der Arbeit – der KI-Roboter auf dem Tennisplatz https://stefanpfeiffer.blog/2026/03/22/ki-kw12-2026/

KI in verschiedenen Rollen: Redaktionassistent, Meinungsmacher, bester Freund und Fußball-Trainer

Für Euch kuratiert: Artikel, Debatten und Beobachtungen rund um das Thema Künstliche Intelligenz, die mir ins Auge gesprungen sind – aus Medien, Forschung und Technologie. Ein wichtiges Thema: Was macht man, wenn man keinen Bock mehr auf ChatGPT hat und zu einem anderen Tool wechseln möchte? Makaber, dass KI-Companions zur neuesten besten Freundin werden können. Überlebenswichtig? Müssen sich Medienhäuser den KI Scrapern öffnen oder müssen sie diese aussperren? Kontroverse um den heiligen Gral: Darf KI Journalisten beim Schreiben helfen. Und schließlich lilienhaft: Wie der SV Darmstadt 98 eine eigene Data Science-Abteilung nutzt, damit die Mannschaft performt. Selbst im Fußball laufen inzwischen Algorithmen mit.

  • KI wechseln ohne Datenverlust: Wie sich ChatGPT-Wissen exportieren und in andere KI-Systeme übertragen lässt
  • KI im Journalismus: Warum eine angelernte KI zum persönlichen Redakteur werden kann
  • KI-Companions und die Attachment Economy: Wenn emotionale Bindung zum Geschäftsmodell wird
  • Generative Engine Optimization (GEO): Warum Medienhäuser sich zwischen KI-Sichtbarkeit und Scraper-Blockade entscheiden müssen
  • KI-Schwärme in sozialen Netzwerken: Wie automatisierte Agenten Mehrheiten simulieren könnten
  • Datenanalyse im Profifußball: Wie KI und Data Science bei den Lilien Training, Verletzungsprävention und Transfers verändern
  • KI wechseln ohne Datenverlust: Wie sich ChatGPT-Wissen exportieren und in andere KI-Systeme übertragen lässt

    In den USA wechseln derzeit viele Anwenderinnen und Anwender von OpenAI’s ChaGPT zu Claude von Anthropic. Das Zerwürfnis zwischen Anthropic und dem Pentagon über die Nutzung deren LLMs in militärischen Einsätzen und das – sagen wir mal – moralisch sehr pragmatische Vorgehen von OpenAI, mit dem Ministerium einen Vertrag zu schließen.

    Auch aus weniger moralischen Gründen, kann man sein Large Language Model wechseln wollen. Heute ChatGPT, morgen Claude, übermorgen vielleicht Gemini oder Mistral. Dabei sollte man nicht übersehen, wo der eigentliche Wert liegt: oft nicht in neuen Features des Modell selbst, sondern in den eigenen Prompts, Ideen und Chatverläufen, die sich über Monate angesammelt haben. Vielleicht möchte dieses Wissen nicht verlieren, sondern auf das neue Modell übertragen.

    Marcus Schwarze zeigt in der FAZ (leider hinter der Paywall) sehr pragmatisch, wie man genau dieses Wissen sichern kann. Chatverläufe exportieren, eigene GPT-Anweisungen dokumentieren und Arbeitsprozesse so strukturieren, dass sie auch mit anderen Systemen funktionieren. Keine ideologische Debatte über die „beste“ KI, sondern ein praktischer Leitfaden für den Plattformwechsel. Starker Beitrag!

    Meine Beobachtung aus meiner Arbeitspraxis: Wir sollten aufhören, KI nur als Werkzeug zu betrachten. Wer länger damit arbeitet, baut eine Art persönliches Betriebssystem aus Prompts, Routinen, Schreib- und Denkweisen. Und das möchte man sehr ungern verlieren. Gut, wenn es Wege gibt, dieses Knowhow wenn auch mit Mühen und viel Handarbeit tatsächlich mitzunehmen.

    KI im Journalismus: Warum eine angelernte KI zum persönlichen Redakteur werden kann

    Wie wertvoll eine angelernte, eine persönlich trainierte KI sein kann, beschreibt Ulrike Langer in ihrem Newsletter News Maschinen offen – und bricht damit gleich ein kleines Branchen-Tabu, begeht quasi ein Sakrileg. Ihr Geständnis: Sie schreibt mit KI, nutzt sie also nicht nur für Recherche oder Zusammenfassungen, sondern auch für Entwürfe, Argumentationsstrukturen und Überarbeitungen. Neun Monate lang hat sie mit Claude gearbeitet – in einer kontinuierlichen Schleife aus Entwurf, Kritik und Überarbeitung. Ihr Fazit: Diese Zusammenarbeit habe sie produktiver gemacht und vielleicht sogar zu einer besseren Journalistin.

    Langers Argument ist dabei überraschend pragmatisch. Journalismus war nie nur die perfekte Prosa, sondern immer vor allem Recherche, Verifikation und Urteilsvermögen. Selbst legendäre Geschichten wie die Watergate-Recherchen wurden durch intensive Redigierschleifen geformt. Für sie übernimmt die KI heute eine ähnliche Rolle wie ein ständig verfügbarer Redakteur: jemand, der Argumente hinterfragt, Strukturen überprüft und dazu zwingt, genauer zu denken. Entscheidend bleibt dabei das menschliche Urteil, die Verantwortung für den veröffentlichten Text – und die Prüfung der Fakten.

    Je länger man mit einer KI arbeitet, desto stärker passt sie sich dem eigenen Stil, den eigenen Denkwegen und Arbeitsprozessen an. Eine solche Zusammenarbeit entsteht nicht über Nacht. Vielleicht ist genau das der eigentliche Wert moderner KI: nicht das Modell selbst – sondern die Beziehung, die man über Zeit zu einem digitalen Co-Editor aufbaut.

    KI-Companions und die Attachment Economy: Wenn emotionale Bindung zum Geschäftsmodell wird

    Apropos Beziehung: Man hört doch sehr gerne, wie klug und interessant man ist. Wenn einem Partnerin, Partner oder Freunde das schon nicht sagen, gibt es jetzt Alternativen. Nein, es sind keine menschlichen Alternativen gemeint. Es geht natürlich wieder um KI.

    Sogenannte Companion-Apps setzen gezielt auf emotionale Bindung, wie Dr. Michael Strautmann bei Golem beschreibt. Sie stellen Fragen, machen Komplimente und versuchen, Nutzer möglichst lange im Gespräch zu halten. In der Branche spricht man inzwischen von der Attachment Economy. Die Grenzen zwischen virtuellem Begleiter zwischen Assistent, Freund und Coach verschwimmen – während im Hintergrund Daten gesammelt, Premium-Abos verkauft und vielleicht auch Meinungen beeinflusst werden könnten.

    Der perfekte Gesprächspartner war lange ein Motiv aus Science-Fiction: jemand, der immer zuhört, sich alles merkt und einen regelmäßig Komplimente macht. Technisch ist das inzwischen erstaunlich, ja erschreckend nah. Immer daran denken: Die KI liebt dich vielleicht nicht wirklich – aber dein Engagement, deine Daten und dein Abo ganz bestimmt.

    Generative Engine Optimization (GEO): Warum Medienhäuser sich zwischen KI-Sichtbarkeit und Scraper-Blockade entscheiden müssen

    Und noch einmal – aus aktuellem Anlass – Ulrike Lange. In einer Folge von #9vor9 beschäftigen wir uns mit GEO, mit Generative Engine Optimization, der Optimierung von Inhalten für die KI-Scraper und Bots von OpenAI, Perplexity, Anthropic oder Google, die Webseiten abgrasen, um ihre System zu trainieren, aber auch immer mehr, um auf Suchanfragen zu beantworten.

    Und das stellt Medienhäuser natürlich vor eine Herausforderung. Viele Redaktionen mit einer Mischung aus Bots blockieren, abwarten und hoffen. Langers Kommentar dazu ist trocken: Diese Strategie sei ungefähr so belastbar wie ein Paywall-Konzept ohne Leser.

    Was also tun? Medien stehen dabei vor einem Zielkonflikt. Wer Inhalte für KI optimiert, macht sie bewusst maschinenlesbar und erhöht die Chance, in Antworten von Chatbots aufzutauchen. Wer KI-Scraper blockiert, schützt Inhalte – verschwindet aber möglicherweise aus der neuen Informationslogik. Langers Punkt ist so simpel wie unbequem: Nicht entscheiden ist auch eine Entscheidung. Nur meistens die schlechteste.

    Vielleicht müssen Medienhäuser akzeptieren, dass sich ihre Rolle gerade verschiebt. Früher ging es darum, in Suchmaschinen gefunden zu werden. Heute geht es zunehmend darum, in KI-Antworten zitiert zu werden. Wer dort nicht vorkommt, existiert für einen wachsenden Teil der Nutzer schlicht nicht mehr. Statt zu boykottierten, gilt es wohl eher, finanzielle Vereinbarungen mit den KI-Konzernen und -Antwortmaschinenherstellern zu treffen.

    Oder wie fasste es NotebookLM in unserer Vorbereitung zum Podcast auf Basis der von uns hinterlegten Quellen zusammen:

    GEO statt SEO: In der Welt der synthetischen Logik müssen wir aufhören, wie reine Publisher zu denken. Wir müssen wie Bibliothekare agieren, die das am besten strukturierte, verlässlichste und zitierfähigste Wissen der Welt kuratieren. Nur wer die Spielregeln der Synthese beherrscht, wird in der Antwort-Ökonomie von morgen Bestand haben.

    KI-Schwärme in sozialen Netzwerken: Wie automatisierte Agenten Mehrheiten simulieren könnten

    Bots kennen wir längst. Vergleichsweise neu ist die Idee koordinierter KI-Schwärme. Stefan Krempl beschreibt bei heise online, wie ganze Netzwerke aus KI-Agenten künftig auftreten könnten wie normale Nutzer: diskutieren, argumentieren und sich gegenseitig bestätigen.

    Der Effekt ist psychologisch ziemlich simpel – und deshalb so wirksam. Wenn viele scheinbar unabhängige Stimmen dieselbe Position vertreten, wirkt sie automatisch plausibler. Moderne KI-Agenten können dabei deutlich glaubwürdiger auftreten als frühere Bots: Sie schreiben unterschiedlich, reagieren auf Argumente und führen längere Gespräche. Psychologisch neigen Menschen dazu, Mehrheiten zu vertrauen. Wenn eine Position überall auftaucht, erscheint sie glaubwürdiger, legitimer – selbst dann, wenn sie künstlich erzeugt wurde.

    Damit verschiebt sich die Herausforderung für Plattformen und Gesellschaft. Es geht nicht mehr nur um einzelne automatisierte Accounts, sondern um koordinierte Systeme, die Öffentlichkeit simulieren können. Wenn Mehrheiten künstlich erzeugt werden können, gerät die Idee des digitalen Diskurses noch mehr ins Wanken.

    Datenanalyse im Profifußball: Wie KI und Data Science bei den Lilien Training, Verletzungsprävention und Transfers verändern

    Bei den Lilien herrscht gerade angesichts des Tabellenplatzes richtig gute Laune. Zweikämpfe, Flanken, Emotionen auf den Rängen. Fußball eben. Und doch hat sich hinter den Kulissen beim SV Darmstadt 98 einiges verändert. In der Technologiestadt Darmstadt hat der Zweitligist eine eigene Data-Science-Abteilung aufgebaut. Spieler laufen im Training mit GPS-Westen über den Platz, ein Athleten-Management-System sammelt Daten zu Belastung, Fitness und Verletzungsrisiken. Fußball wird hier nicht nur gespielt – er wird auch vermessen.

    Im Gespräch mit der FAZ (mal wieder Paywall) erklären Präsidiumsmitglied Arnd Zinnhardt und Sportdirektor Paul Fernie den Ansatz erstaunlich nüchtern: Daten sollen die Wahrscheinlichkeit für sportlichen Erfolg erhöhen. Die Sensoren messen Sprintgeschwindigkeiten, Beschleunigungen und Belastungswerte. KI analysiert die Daten und schlägt Alarm, wenn sich Muster verändern – etwa wenn ein Muskel bald Probleme machen könnte. Auch beim Scouting und sogar bei der Kommunikation hilft Technik: Ein KI-Übersetzungstool sorgt dafür, dass Traineranweisungen auch bei internationalen Spielern nicht im Sprachnebel verschwinden.

    Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen immer wieder: Daten sollen Emotionen nicht ersetzen. Fußball bleibt ein Bauchgeschäft – nur eines, in dem der Bauch inzwischen gelegentlich Rücksprache mit dem Server hält. Oder anders gesagt:
    Der Ball bleibt rund. Aber im Hintergrund laufen inzwischen ziemlich viele Algorithmen hinterher.

    #BotNetzwerke #Bots #DataScience #Fussball #GEO #KI #KIScraper #Kuratiert #Manipulation #Migration #Partner #Schreibassistent #SV98

    Zwischen erhobenen Zeigefinger, Rechenzentren und Super-App #Kuratiert. | StefanPfeiffer.Blog https://stefanpfeiffer.blog/2026/03/08/zwischen-erhobenen-zeigefinger-rechenzentren-und-super-app-kuratiert/

    #Blog

    Zwischen erhobenen Zeigefinger, Rechenzentren und Super-App #Kuratiert.

    Von Nerd-Dogmen über BigTech-Lobbyismus bis zu Rechenzentren, Energieverbrauch und KI-Tools: Die digitale Welt ist politischer, als viele denken. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie man sich Plattfo…

    StefanPfeiffer.Blog

    Zwischen erhobenen Zeigefinger, Rechenzentren und Super-App #Kuratiert.

    Und wieder einige Themen und Artikel aus der Welt der IT und Digitalisierung kuratiert,

  • Wenn Technik zur Weltanschauung wird
  • Kann man sich BigTech komplett entziehen?
  • Viele kleine Schritte statt erhobener Zeigefinger
  • US-Diplomaten im Auftrag von Big Tech unterwegs
  • Zur Erinnerung: Mehr BigTech-Lobbyisten in Brüssel als Abgeordnete
  • Rechenzentren (nicht nur) in Hessen
  • Big Tech soll Kraftwerke bauen
  • Fakten zum Energieverbrauch
  • DIE Produktivität-App von Microsoft
  • DIE Datenpanne mit der Produktivität-App von Microsoft
  • Wenn Technik zur Weltanschauung wird

    Voll ins Schwarze trifft IT-Security Experte in seinem Blog. In der Tech-Szene reicht manchmal schon ein falscher Browser oder das „falsche“ Betriebssystem – und man gilt als hoffnungslos verloren. Der Beitrag im Kuketz-Blog beschreibt ein Muster, das viele aus Nerd-Communities kennen: Technische Präferenzen werden schnell zur Weltanschauung. Wer nicht exakt die „richtigen“ Tools nutzt, wird belehrt statt abgeholt. 

    Wenn aus guten Prinzipien ein sozialer Druck wird, verliert man die Menschen, die man eigentlich erreichen will. Es braucht Augenmaß, Kontext und vor allem: den Willen, andere mitzunehmen statt sie zu belehren. Fortschritt entsteht selten durch Maximalforderungen, sondern durch realistische Schritte, die im Alltag funktionieren – und durch eine Kommunikation, die erklärt, statt zu urteilen.

    Kann man sich BigTech komplett entziehen?

    Steffen Voß greift das Thema bei sich auf: „Wenn du Microsoft boykottierst, warum nutzt du dann ein Android-Handy?“ Ein Satz, der gern als Totschlagargument eingesetzt wird – und genau deshalb interessant ist. Wer in einer von Plattformen dominierten Infrastruktur lebt, kann sich ihr kaum komplett entziehen. 

    Die spannendere Frage lautet jedoch nicht: Nutzen oder boykottieren? Sondern: Wie bewusst gehen wir damit um? Zwischen moralischem Perfektionismus und resigniertem „Man kann ja eh nichts machen“ liegt ein ziemlich breites Feld. Genau dort spielt sich die eigentliche Debatte ab – irgendwo zwischen pragmatischen Kompromissen und kleinen Ausstiegsschritten.

    Viele kleine Schritte statt erhobener Zeigefinger

    Beide Beiträge laufen deshalb auf einen pragmatischen Gedanken hinaus. Digitale Unabhängigkeit entsteht selten durch einen radikalen Bruch, sondern durch viele kleine Entscheidungen: ein alternativer Dienst hier, eine andere Plattform dort, mehr Bewusstsein für Abhängigkeiten im Alltag. Das ist genau auch der Weg, den ich gehe: Wero statt PayPal, mailbox.org statt Gmail und so weiter.

    Das Fazit liegt auf der Hand: Weniger Dogma, mehr Pragmatismus. Wer die Abhängigkeit von Big Tech reduzieren möchte, muss und kann nicht gleich alles auf einmal umstellen. Lieber kleine Schritte gehen – und andere auf diesem Weg mitnehmen, statt sie mit erhobenem Zeigefinger zu belehren.

    US-Diplomaten im Auftrag von Big Tech unterwegs

    Die Diskussion über digitale Souveränität wirkt in Europa oft wie ein Dauerprojekt: viel Strategiepapier, viele Gipfel, viele Absichtserklärungen. Doch während hierzulande noch über Datenräume und Cloud-Alternativen gesprochen wird, zieht Washington offenbar bereits die diplomatischen Fäden. US-Außenminister Marco Rubio hat Diplomaten laut Golem-Bericht angewiesen, Datensouveränität zu bekämpfen und gegen Datenlokalisierung zu argumentieren. Solche Regeln würden Innovation bremsen und KI behindern, heißt es.

    Das klingt zunächst nach Technologiepolitik – ist aber vor allem Wirtschaftspolitik. Denn wer Daten lokal speichern will, greift indirekt die Dominanz amerikanischer Cloudanbieter an. Die Botschaft ist ziemlich klar: Der freie Datenfluss ist gut – solange er über US-Plattformen läuft. Bleibt die Frage: Will Europa wirklich digitale Souveränität, oder gefällt uns die Rolle als Cloud-Kunde am Ende doch ganz gut? Herr Söder, in dessen Bundesland ja die deutsche Microsoft-Zentrale liegt, scheint damit fein zu sein. Doch nicht nur er.

    Zur Erinnerung: Mehr BigTech-Lobbyisten in Brüssel als Abgeordnete

    Nur nochmals zur Erinnerung: Es geht nicht nur um Diplomatie à la Trump. Laut einer Analyse von LobbyControl und Corporate Europe Observatory pumpt die Branche inzwischen rund 151 Millionen Euro pro Jahr in Lobbyarbeit in Brüssel, mehr als jede andere Industrie. Allein die zehn größten Konzerne – von Meta bis Microsoft – geben zusammen etwa 48 Millionen Euro aus, um bei Kommission und Parlament Gehör zu finden. Und die Zahl der Lobbyist:innen ist inzwischen größer als die der EU-Abgeordneten.

    Rechenzentren (nicht nur) in Hessen

    Die Tagesschau berichtet darüber, wie Rechenzentren den Alltag am Laufen halten und liefert Zahlen: Allein im Frankfurter Stadtgebiet stehen derzeit 55 Rechenzentren, bis 2030 sollen es 68 sein. Das macht Hessen deutschlandweit zu einem Hotspot: Mit mehr als 1.100 Megawatt steht hier mehr als doppelt so viel Leistung wie in den beiden nachfolgenden Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen.

    Big Tech soll Kraftwerke bauen

    Zum Thema Rechenzentren hat sich auch Herr Trumpf geäußert. Er fordert, dass Big Tech eigene Kraftwerke für KI-Rechenzentren baut – angeblich, um Verbraucher vor steigenden Stromkosten zu schützen. Die Mehrheit dieser Anlagen soll mit Erdgas laufen. Einige Big Techs denken über eigenen AKWs nach.

    Fakten zum Energieverbrauch

    Im sehr hörenswerten Podcast Schreiben & Schreddern trifft Marc-Uwe Kling den Fachhochschul-Professor und Spiegel-Rationalisten Christian Stöcker. Sie reden über Journalismus, Social Media, Klimawandel, die USA, das Känguru und den Energieverbrauch von Rechenzentren. Stöcker liest dabei aus einem Beitrag vom Oktober 2025 vor, in dem er Fakten zur Energiewende auflistet. Und auch hier kommen KI und Rechenzentren vor:

  • Der weltweite Stromverbrauch wächst weiter schnell, was unter anderem an künstlicher Intelligenz und Rechenzentren, aber auch am rasanten Wachstum der Elektrifizierung generell liegt.
  • Das rasante Wachstum des Verbrauchs wird glücklicherweise vom noch schnelleren Wachstum der erneuerbaren Energien vollständig ausgeglichen, ja übertroffen: Weltweit wurden im ersten Halbjahr 2025 rund 369 Terawattstunden mehr verbraucht als im Vorjahreszeitraum, aber auch 403 Terawattstunden  zusätzlich aus Sonne und Wind erzeugt. Im ersten Halbjahr 2025 haben erneuerbare Energien Kohle als wichtigsten Energieträger für Strom weltweit abgelöst .
  • Sollte man sich merken.

    DIE Produktivität-App von Microsoft

    Microsoft hat schließlich für uns entschieden, was Produktivität im Jahr 2026 bedeutet – und nein, es ist offenbar nicht mehr der gute alte Explorer. In einer neuen Marketingoffensive kürt der Konzern seinen KI-Assistenten Copilot zur laut Golem wichtigsten Produktivitäts-App in Windows 11. Man könnte sagen: Microsoft erklärt die KI kurzerhand zur zentralen Arbeitseinheit des PCs – der Rest des Betriebssystems wird zur Kulisse. Macht uns der Computer produktiver – oder vor allem Microsofts Marketingabteilung? 

    DIE Datenpanne mit der Produktivität-App von Microsoft

    Nur dumm, wenn dieser neue, so produktive Kollege etwas zu viel mitliest. Denn ausgerechnet Copilot fasste laut Berichten im Handelsblatt und anderer Medien zeitweise auch E-Mails zusammen, die ausdrücklich als vertraulich markiert waren – etwa aus den Outlook-Ordnern „Gesendet“ oder „Entwürfe“. Ein Programmierfehler, sagt Microsoft, inzwischen natürlich „behoben“. Zugriff habe nur der jeweilige Nutzer gehabt. Klingt beruhigend – zumindest bis man sich fragt, wie viele vertrauliche Inhalte die KI zuvor schon fleißig zusammengefasst hat. Transparenz sieht anders aus. Aber hey: Hauptsache, die produktivste App im System weiß jetzt wirklich alles. 

    #BigTech #Copilot #DigitaleSouveränität #Diplomaten #Energieverbrauch #Kraftwerke #Kuratiert #Lobbyismus #Microsoft #Rechenzentren #USA

    Von Nerd-Dogmen über BigTech-Lobbyismus bis zu Rechenzentren, Energieverbrauch und KI-Tools: Die digitale Welt ist politischer, als viele denken. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie man sich Plattformabhängigkeiten pragmatisch nähert. Für Euch #kuratiert. #BigTech #Nerds #Rechenzentren #CoPilot

    http://stefanpfeiffer.blog/2026/03/08/zwischen-erhobenen-zeigefinger-rechenzentren-und-super-app-kuratiert/

    Zwischen erhobenen Zeigefinger, Rechenzentren und Super-App #Kuratiert.

    Von Nerd-Dogmen über BigTech-Lobbyismus bis zu Rechenzentren, Energieverbrauch und KI-Tools: Die digitale Welt ist politischer, als viele denken. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie man sich Plattfo…

    StefanPfeiffer.Blog
    Gesichtserkennung, KI-Feeds und die Macht der Plattformen.ZDF frontal berichtet über den Einsatz von Gesichtserkennung und Überwachung im Iran. Mark Zuckerberg träumt von smarten Brillen, die uns permanent mit KI-Inhalten versorgen. Dazu passt eine spannende ZDF-Doku darüber, wie die großen Tech- und Social-Media-Konzerne so mächtig geworden sind. Mein neuer kuratierter Beitrag mit allen Links. #60Sekunden #Digitalisierung #Kuratiert https://youtube.com/shorts/NsVOmhRyMqM?feature=share

    Politik von gestern oder Aufbruch nach vorn? #Kuratiert | StefanPfeiffer.Blog https://stefanpfeiffer.blog/2026/03/03/kw9-politik-kuratiert/

    #Blog

    Politik von gestern oder Aufbruch nach vorn? #Kuratiert

    Bürgerbeteiligung abbauen, Trump-Tonalität übernehmen, digitale Souveränität beschließen. Wohin steuert die Union? Außerdem: Die Mitte steht unter Druck. Der Südwesten wird 2026 zum Stresstest. Das…

    StefanPfeiffer.Blog

    Politik von gestern oder Aufbruch nach vorn? #Kuratiert

    Es liegt wahrscheinlich (nicht nur) am CDU-Parteitag, dass sich einige von mir geschätzte Autorinnen und Autoren an der Union abarbeiten. Hier einige der Artikel von mir kuratiert. Vorab: In der CDU gab es durchaus Politikerinnen und Politiker, die ich sehr geschätzt habe und schätze. Stellvertretend nenne ich hier die gerade verstorbene Rita Süssmuth, sicher eine der prägenden Politikerinnen der Bundesrepublik. Als Babyboomer, in den siebziger Jahren aufgewachsen, konnte ich mit der CSU, Franz-Josef und seinen Amigos dagegen nichts anfangen. Strauss oder Schmidt, das war für mich keine Frage.

  • Die Union & Bürgerbeteiligung
  • Nationalistisches Gepoltere bringt nichts
  • Spahn & der private Heizungskeller
  • Die Union zur Digitalen Souveränität
  • Die Landtagswahlen im Südwesten …
  • Der Lack ist ab, aber
  • Mit moralischem Kompass kommentieren
  • Nur kurz notiert
  • Die Union & Bürgerbeteiligung

    Auch in der heutigen Union gibt es für mich einige Reizfiguren. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner gehört dazu. Florian Harms befasst sich im T-Online Tagesanbruch mit ihr und der vermeintlichen Angst der CDU vor Bürgerbeteiligung:

    Offensichtlich fürchten vor allem CDU-Politiker die praktische Einbindung real existierender Mitbürger wie der Teufel das Weihwasser. Das Wahlvolk soll alle vier Jahre seine Kreuzchen an der Urne machen, aber ansonsten bitte den Mund halten und die Profis machen lassen.

    So löste Klöckner die Stabsstelle Bürgerräte im Bundestag still und leise auf. Das steht symbolisch für ein Politikverständnis von gestern. Gerade in Zeiten, in denen viele Bürgerinnen und Bürger das Vertrauen in unsere Demokratie verloren haben und verlieren, wäre Bürgerbeteiligung so wichtig.

    Nationalistisches Gepoltere bringt nichts

    Statt die demokratische Mitte zu stärken, driften Teile der Union in populistisch-platte Aussagen ab, wie Jan Skudlarek in seinem Newsletter prägnant formuliert:

    Die CDU kopiert schlicht den Trumpismus aus Übersee, wohl in der fehlgeleiteten Hoffnung, durch nationalistisches Gepolter und rechtskonservative Identitätspolitik die rechtsextreme Konkurrenz klein­zuhalten. Das Gegenteil ist der Fall: Studien belegen, dass die AfD gerade deswegen zulegen kann, weil die CDU sie in Tonlage und Themensetzung kopiert, einschließlich des Klima-Bashings. Mitzündeln ist nun mal keine geeignete Brandschutzmaßnahme.

    Man macht es sich zu einfach und haut Dinge einfach mal raus, weil sie gut klingen – siehe das Beispiel Social-Media-Verbot und Klarnamenpflicht.

    Spahn & der private Heizungskeller

    Ins gleiche Horn stößt auch Nils Minkmar in seinem Newsletter, der Jens Spahn und dessen Aussage “Der Heizungskeller wird wieder zur Privatsache!” aufs Korn nimmt. Auch er unterstellt, dass Spahn bewusst einen Satz aus der Gedankenwelt von Trump kopiert, um rechts zu punkten:

    Eine Partei, deren Fraktionschef so kommuniziert, dass Grundschulkinder ihn widerlegen können und der die Folgen des Klimawandels als eine Laune Habecks abtut, hat die Zukunft aufgegeben und ist erkennbar ohne intellektuelle Reserve unterwegs. Seit wann sind Sonnenenergie, Wind und Wasser links? Diese Kommunikation ist eine intellektuelle Beleidigung der deutschen Öffentlichkeit.

    Oder wie schreibt es Christian Stöcker? Jens Spahn habe mit weit aufgerissenen Augen wie ein Exorzismusschauspieler gewirkt. Dass ich den Plänen von Katharina Reiche, private Solaranlagen nicht mehr zu fördern, kritisch gegenüberstehe, ist Leserinnen und Lesern meines Blogs klar. Dass ich durchaus eine Bemessungsgrenze basierend auf dem Einkommen befürworte, möchte ich nicht unerwähnt lassen. Warten wir mal ab, ob sich Reiche mit ihrem Gesetzesentwurf gegen die Widerstände durchsetzt.

    Lesenswert zum Thema Heizungsgesetz auch:

    Die Union zur Digitalen Souveränität

    Markus Beckedahl analysiert den CDU-Parteitag aus digitalpolitischer Perspektive. Natürlich nimmt er besagtes Social-Media-Verbot und Systeme zur Altersverifikation unter die Lupe. Bemerkenswerter finde ich, dass Beckedahl den Beschluss zur digitalen Souveränität – hier unter R04 zu finden – positiv bewertet. Unter anderem steht dort neben dem Prinzip „Public Money, Public Code“, dass das ZenDiS (Zentrum für Digitale Souveränität) zum schlagkräftigen Integrator für Open Source in der öffentlichen Verwaltung gemacht werden soll. Ein Parteitagsbeschluss ist noch kein konkretes politisches Handeln, aber immerhin.

    Die Landtagswahlen im Südwesten …

    „Die Wahlen im Südwesten werden zeigen, wie sehr sich das Bürgertum radikalisiert hat.“ Das ist eine Kernaussage von Albrecht von Lucke in seiner Analyse des Wahljahrs 2026 in den Blättern, Ausgabe März 2026. Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind für ihn kein regionales Vorspiel, sondern ein Seismograf und politischer Stresstest für die bürgerliche Mitte: Am Auftakt entscheidet sich, ob sich die tektonischen Verschiebungen im Parteiensystem weiter verfestigen.

    Im Fokus seines Artikels stehen dabei vor allem FDP, AfD und Grüne. Für die Liberalen geht es um politische Relevanz, für die AfD um ihre weitere Verankerung im bürgerlichen Lager – und für die Grünen um die Frage, ob sie stabilisierende Kraft der Mitte bleiben. Der Südwesten markiert, so Lucke, damit den Ton für das gesamte Wahljahr. Bitter seine wohl korrekte Bemerkung, dass die AfD der SPD den Rang als die bevorzugte Partei der Arbeiterinnen und Arbeiter abgelaufen hat.

    Der Lack ist ab, aber

    Natürlich bezieht Lucke auch zu den Nachrichten über Vetternwirtschaft und zum braunen Filz der AfD Stellung. „Der Lack ist ab von den angeblichen Saubermännern und -frauen.“ Mich wundert es nicht, dass die Rechtsextremen entsprechend rummauscheln. Mich schockiert eher, dass dies wohl die Mehrheit ihrer Wähler überhaupt nicht schert und sie weiterhin ihr Kreuz bei den Rechtsradikalen setzen. Viele Stammwähler scheinen einfach verbohrt und nicht zurückholbar zu sein.

    Mit moralischem Kompass kommentieren

    Diese Folge von Kuratiert möchte ich mit dem Hinweis auf den Blogartikel von Horst Schulte beschließen, in dem er auf die hässlichen Fratzen der Kommentarspalten auch etablierter Medien hinweist. Er kritisiert, wie Migration und Menschlichkeit in Kommentarspalten entwertet werden: Statt differenziert zu debattieren, hetzt eine Welle der Ablehnung gegen Menschen, die einst Schutz suchten. Ein Appell, unseren moralischen Kompass wiederzufinden – diskursiv, nicht destruktiv. Danke für den Beitrag.

    Nur kurz notiert

    #Bürgerbeteiligung #CDU #DigitaleSouveränität #Heizungsgesetz #Kuratiert #NoAfD #Wahlen

    Bürgerbeteiligung abbauen, Trump-Tonalität übernehmen, digitale Souveränität beschließen. Wohin steuert die Union? Außerdem: Die Mitte steht unter Druck. Der Südwesten wird 2026 zum Stresstest. Das politische Geschehen von mir kuratiert. #Kuratiert #CDU #Union #Heizungsgesetz #Rhetorik

    http://stefanpfeiffer.blog/2026/03/03/kw9-politik-kuratiert/

    Politik von gestern oder Aufbruch nach vorn? #Kuratiert

    Bürgerbeteiligung abbauen, Trump-Tonalität übernehmen, digitale Souveränität beschließen. Wohin steuert die Union? Außerdem: Die Mitte steht unter Druck. Der Südwesten wird 2026 zum Stresstest. Das…

    StefanPfeiffer.Blog

    Zwischen WM-Tourismus, Boomer-Bashing und Social-Media-Verbot: Notizen überdrehter Debatten

    Artikel, Blogbeiträge und Kommentare, die ich in den vergangenen Tagen erwähnens- und lesenswert fand, einmal mehr hier im Blog kuratiert.

  • USA-Besucher und warum die WM ein Super-Deal für Trump ist
  • Die heile Welt von gestern kommt nicht zurück
  • Die Baby Boomer, eine Generation von Schmarotzern?
  • Auch der Kanzler fordert Social-Media-Verbot, aber …
  • In Australien funktioniert es doch auch, oder?
  • Das eigentliche Problem sind die Algorithmen, die Tech-Bros und Trump mit seinen Genossen
  • Social-Media-Verbot für Über-40-Jährige!
  • Aus der Blogosphäre
  • Diskussion auf Social Media? Nahezu unmöglich
  • Der KI-Fehler des ZDF & die Diskreditierungskampagne
  • Die Sache mit der Toleranz … nicht nur in der Tech-Szene
  • USA-Besucher und warum die WM ein Super-Deal für Trump ist

    Noch am Mittwoch haben wir mit Freunden zusammen gesessen, und für alle ist die USA momentan kein Land, in das man reisen will. Trumps wirre Politik, die Gewaltorgien des ICE und die Ankündigungen, dass künftig verschiedene Daten wie die Social-Media-Aktivitäten der letzten 5 Jahre, die genutzten E-Mail-Adressen, die Wohnorte der letzten Jahre und eventuell sogar DNA-Daten im ESTA-Antrag bei der Einreise in die USA offengelegt werden müssen, tragen zu dieser Haltung bei.

    Im ersten Jahr unter Trump sanken die Besucherzahlen in den USA um 4,2 Prozent, was einem Verlust von elf Millionen Touristen und 50 Milliarden Dollar entspricht. Kein Kompliment für den brillanten Deal Maker, aber Rettung naht: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA. Sie wird ihm wahrscheinlich aus der Patsche helfen. Das Interesse an der Fußball-WM ist – so T-Online – groß, mit 500 Millionen Ticketanfragen, hauptsächlich aus den Gastgeberländern und … Deutschland. So viel zum Thema Haltung.

    Zu einem Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft im Trump-Land habe ich mich ja schon geäußert. Dazu werden es die Infantino-Freunde nicht kommen lassen. Watzke und Konsorten lehnen das ja auch ab, weil die armen Sportler ja nichts dafür können (und man nebenbei seine Geschäfte als DFB machen will). Auch das haben wir am Mittwoch sehr kontrovers diskutiert. Ich habe da eine sehr strikte Haltung, auch wenn der Vergleich mit der Olympiade 1936 in Berlin vielleicht etwas überzogen ist.

    Die heile Welt von gestern kommt nicht zurück

    Christian Stöcker bringt es in seiner Spiegel-Kolumne einmal mehr auf den Punkt: Regierende, Politikerinnen und Politiker generell sollten nicht weiter den Eindruck, besser die Illusion vermitteln, als gäbe es ein erstrebenswertes Gestern, zu dem man nur zurückkehren müsse, damit alles wieder gut wird. Zurück in eine vermeintlich heile Welt, die in Wirklichkeit keine war. Wir müssen nur wieder härter arbeiten. Dann wird das alles wieder gut.

    Mumpitz. Der Status quo von gestern ist überholt. Permanente, beschleunigte Veränderung ist unausweichlich, wie in den Jahrzehnten zuvor. Und ja, Menschen mögen keinen Change. Aber Sauerland-Nostalgie hilft nicht weiter. Wir müssen uns ernsthaften Themen stellen, vom Einfluss und den Bedrohungen durch künstliche Intelligenz – dem Schwerpunkt des Beitrags von Stöcker – bis zur Klimakrise, die einige so vehement leugnen.

    Und denken wir auch an die Rattenfänger, die mit plumpen Parolen Stimmung machen. Zurück zur D-Mark. Oder an das, was Herr Trump in den USA als nostalgische heile, weiße Welt verkauft. All das wird nicht funktionieren, auch wenn sie es suggerieren. Wir werden uns der Gegenwart und ihren Herausforderungen stellen müssen, so wie es Generationen vor uns getan haben.

    Die Baby Boomer, eine Generation von Schmarotzern?

    Da fühle ich mich schon auf den Schlips getreten, wenn man mich Baby Boomer als Schmarotzer bezeichnet. Wir haben ja auch gearbeitet. Nicht wahr? Florian Harms hat im T-Online Tagesanbruch vom 17.2.2026 die Baby Boomer aufs Korn genommen. Unsere Generation habe so lange auf der Sonnenseite gestanden und sträube sich nun gegen notwendige Reformen, gegen Anpassung und Verzicht. Reformen, die den Status quo antasten, werden als Angriff empfunden. Um ja nichts zu verlieren oder abgeben zu müssen, wählten wir Boomer Politiker und Parteien, die den Status quo sichern statt Zukunft zu gestalten. Da sind wir wieder bei der gerade diskutierten heilen Welt von gestern.

    Harms zitiert einen ausführlichen Leserbrief, und da steht es: „Wir lästern über die Jungen, dabei sind wir die erste Schmarotzergeneration.“ Das Problem ist nicht nur politisch, sondern generationenübergreifend: Zwischen denen, die „im Gestern verhaftet bleiben wollen“, und jenen, die die Zukunft tragen müssen, klafft eine wachsende Kluft. Ob die Boomer wirklich die Bremser sind oder eher symptomatisch für ein ganzes System – lässt Harms offen.

    Und wie stehe ich zum Vorwurf der Schmarotzergeneration? Wir Baby Boomer hatten und haben noch ein gutes Leben, materiell, vor allem in Frieden. Wir konnten reisen und die Welt kennen lernen. Haben wir schmarotzt? Nein, das sehe ich eher nicht so. Wir haben schon unser Leben lang gearbeitet. Aber wir haben immer gerne mehr genommen und uns an dieses mehr gewöhnt. Und jetzt sind viele von uns Baby Boomern nicht bereit für „etwas weniger“, auf das ein oder andere Privileg oder einen Besitzstand zu verzichten. Stattdessen fallen einige von uns auf die Nepper, Schlepper und Bauernfänger herein, die „alles wird gut“ versprechen und immer andere Schuldige finden, die Migranten, die Ausländern, die Links-Grün-Versifften. Wie man diese Kuh oder besser Kuhherde vom Eis kriegt – ich weiß es nicht. Das Thema bleibt auch für mich offen.

    Auch der Kanzler fordert Social-Media-Verbot, aber …

    Vor geraumer Zeit haben Lars und ich bei #9vor9 über ein Social-Media-Verbot gesprochen. Unterdessen kocht die Diskussion bei uns in Deutschland weiter hoch. Der Kanzler kann es sich vorstellen. Die SPD macht entsprechende Vorschläge, die aber nicht genau gelesen werden. Der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident Günther war schon länger dafür. Und vielleicht bewahrheitet sich noch die Prophezeiung von Nostradamus Lars, der ein entsprechendes Verbot noch in dieser Legislaturperiode vorhergesagt hat.

    In Australien funktioniert es doch auch, oder?

    Wir haben ja ein leuchtendes Vorbild: In Australien funktioniert doch alles. Zumindest gibt es entsprechende Berichte. Doch es gibt auch andere Aussagen – Im FAZ Frühdenker vom 19.2.2026 wird von Gesprächen berichtet, die die FAZ-Journalisten mit rund zehn australischen Familien mit Kindern zwischen 13 und 16 Jahren geführt haben. Fast alle Kids haben weiterhin Konten in den eigentlich gesperrten Plattformen. Den Angaben der Kinder nach sind auch ihre Freunde weiterhin dort präsent.

    Ich habe den Eindruck, dass genau so etwas auch uns passieren könnte. Verbote sind dazu da, umgangen zu werden. Und meist finden sich Wege. Deshalb wird ein Social-Media-Verbot wahrscheinlich nichts bringen, außer dem populistischen Hinweis an das Wahlvolk, dass man doch etwas getan habe.

    Das eigentliche Problem sind die Algorithmen, die Tech-Bros und Trump mit seinen Genossen

    Doch des Pudels Kern ist nicht ein Verbot. Das Problem sind die Plattformen, deren Logik und Algorithmen dafür sorgen, dass den Kids Fake News, Hass, pornographische und andere fragwürdige Inhalte zugespielt werden. Dort muss angesetzt werden. Dort muss endlich konsequent reguliert werden. Steht übrigens auch in dem SPD-Papier, aber so weit wird meist nicht gelesen. Stattdessen wird das Paper medial „Social-Media-Verbot für U14“ verkürzt. Dabei geht’s der SPD wohl eher um algorithmusfreie, altersgestufte Nutzung und Plattformverantwortung statt pauschale Verbote. Ein Mindestalter ist symbolisch, echten Schutz bringen transparente Systeme & Medienkompetenz. Lesenswert dazu die Beiträge von Thomas Gigold und Eva-Maria Weiß.

    Daran traut sich die Politik aber noch nicht wirklich heran, denn dann bekommt man es mit Trump und seinen Gesellen und den mächtigen Tech-Bros wie Zuckerberg oder Musk zu tun, die alle Hebel in Bewegung setzen, dass sie nicht reguliert werden. Doch genau dort liegt nicht die komplette Lösung, aber die Möglichkeit, einer sehr großen Entschärfung des Problems.

    Social-Media-Verbot für Über-40-Jährige!

    Im Übrigen schließe ich mich den Jugendlichen an, die ein Social-Media-Verbot für Über-40-Jährige fordern. Laut Bericht des Postillion begründen sie die Forderung damit, dass ältere Leute „viel zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen und auf jeden KI-Scheiß reinfallen“. So ist es.

    Aus der Blogosphäre

    Diskussion auf Social Media? Nahezu unmöglich

    Zum Abschluss noch lesenswerten Blog-Beiträge geschätzter Kollegen. Christian Buggisch schreibt darüber, wie Social Media unterdessen gehapert wurde, eine Diskussion nicht mehr möglich ist:

    Politische, öffentlich ausgetragene, ausgewogene Diskussionen in sozialen Medien sind heute weitgehend unmöglich. Es besteht jederzeit die Gefahr, dass solche Debatten von gut organisierten Aktivisten gekapert und durch massenhaftes, systematisches Framing thematisch beherrscht werden. Als einzelner dagegen anzudiskutieren ist sinn- und wirkungslos.

    Wie man Social Media kapert und Kommunikation zerstört

    Der KI-Fehler des ZDF & die Diskreditierungskampagne

    Horst Schulte könnte ich fast in jeder Kuratiert.-Folge zitieren und hier tue ich es mit seinem Beitrag über den KI-Fehler des ZDF heute Journals, der von gewissen Kreisen dann gleich der Moderatorin Dunja Hayali persönlich angekreidet wird. Dass NIUS, Springer und andere auf Hayali einprügeln, ist leider nicht neu. Dabei war sie für das Fake-Bild gar nicht verantwortlich. Aber man kann halt sie und die Öffentlich-Rechtlichen so schön diskreditieren.

    Fehler sind passiert. Fehler wurden aufgedeckt. Fehler dürfen sich nicht wiederholen. Gut ist es. Alles andere ist Empörung und Skandalisierung und hat mit Journalismus sowieso nichts zu tun.

    Die Sache mit der Toleranz … nicht nur in der Tech-Szene

    Eigentlich gehört dieser Beitrag des bekannten Security-Experten Mike Kuketz thematisch doch nicht hierher. Mike schreibt darüber, wie gerade in der Tech-Szene das Symptom besteht, dass technische Präferenzen zu einer Weltanschauung werden. Wer das nicht genau so macht, hat keine Ahnung. Manche Fediverse-Enthusiasten verhalten sich manchmal genau so.

    Genau so ist es. Eine Diskussion, ein Kompromiss oder ein pragmatischer Plan ist oft nicht möglich. Alles muss sofort Open Source sein. Alles muss sofort dezentral sein. Da gibt es kein Wenn und Aber.

    Es braucht Augenmaß, Kontext und vor allem: den Willen, andere mitzunehmen statt sie zu belehren. Fortschritt entsteht selten durch Maximalforderungen, sondern durch realistische Schritte, die im Alltag funktionieren – und durch eine Kommunikation, die erklärt, statt zu urteilen.

    Das Toleranzproblem der Tech-Szene: Menschen mitnehmen statt belehren – Mike Kuketz

    Mike trifft den Nagel auf den Kopf. Und das nicht nur für die Tech-Szene. Und genau deshalb habe ich seinen Beitrag hier aufgenommen.

    #Babyboomer #Change #ESTA #KI #Kuratiert #SocialMedia #SocialMediaVerbot #Toleranz #USA #WM #ZDF