Wenn wir unsere gegenwärtige Politik anschauen, zeichnet sich ein Bild ab, das von Einzelinteressen geprägt ist. Statt konstruktiv Alternativen zur vermeintlichen Alternative aufzuzeigen, laufen die Etablierten in die Falle der rechtsextremen AfD. Viel Zeit bleibt nicht mehr. #Politik #Kuratiert

http://stefanpfeiffer.blog/2026/06/07/kuratiert-politik_06_2026/?utm_source=mastodon&utm_medium=jetpack_social

Kuratiert: Benzin statt Bildung, das fehlende „sowohl als auch“ und unsere narzisstische Gesellschaft

Wenn wir unsere gegenwärtige Politik anschauen, zeichnet sich ein Bild ab, das von Nabelschau und Einzelinteressen geprägt ist. Statt konstruktiv Alternativen zur vermeintlichen Alternative aufzuze…

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@geist
#KI gibt es seit Ende der 1940er jahre (#Systran: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach -> Der Whisky ist gut, aber das Fleich ist verdorben). Seit den 1980ern neuronale Netze. Dann Machine Learning. Big Data, LLMs, ab 2001 gab es #Wikipedia, das sich bis etwa 2010 zum grössten kuratierten #Textkorpus in der Geschichte der Menschheit entwickelte, damit hatten die LLMs endlich genügend futter. Vor 10 jahren wurde die #GPT methode vorgestellt, mit der seither LLMs trainiert werden. Dann kam der Mann, der von Google gefeuert wurde, weil er behauptete, dass das LLM an dem er arbeitete #Bewusstsein entwickelt habe. Dann vor etwa vier jahren hat #OpenAI #ChatGPT veröffentlicht, kurz darauf hat #Facebook #Llama als open source veröffentlicht.

Also vier jahre sind schon langĵährige Erfahrung, aber es ist möglich viel längere Zeiten zu definieren.

#llm #neuronaleNetze #ml #machineLearning #bigData #kuratiert #openSource #erfahrung #IT #KIwinter

Honestly? Kann ein Large Language Model LLM „ehrlich" sein? Anthropic behauptet es für Claude Opus 4.8 — und meint damit: weniger unbelegte Aussagen. Ehrlichkeit als Tugend ist das noch keine. Dazu weitere KI -Nachrichten #Kuratiert. #KI #DigitaleSouveränität #KIAgenten https://stefanpfeiffer.blog/2026/06/02/kuratiert-ehrlich-jetzt-und-neue-europaische-ki-vibes/

Cisco entlässt, Oracle lässt von seinen Mitarbeitenden die Ersatz-KI antrainieren, Salesforce braucht "weniger heads", SAP frisst sich selbst, DeepL wird von ChatGPT zerlegt, Altman selbst spricht von AI-Washing, , 90 Prozent der deutschen Unternehmen sehen keinen messbaren Effekt #KI #Kuratiert

http://stefanpfeiffer.blog/2026/05/27/ki-hype/?utm_source=mastodon&utm_medium=jetpack_social

Wie der KI-Hype Arbeitsplätze vernichtet und Milliarden zirkulieren lässt

Cisco entlässt, Oracle lässt von seinen Mitarbeitenden die Ersatz-KI antrainieren, Salesforce braucht „weniger heads“, SAP frisst sich selbst, DeepL wird von ChatGPT zerlegt, Altman sel…

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Jugendschutz per Verbotsschild, Detox per Studie, digitaler Hausmeister per KI — willkommen in Social Media 2026

Themen rund um die asozialen, algorithmischen Medien kuratiert: Das Social Media-Verbot in Australien wirkt wie von fast allen Experten erwartet nicht. Das wird die Europäer nicht davon abhalten, es auch zu versuchen. Lars hat ja ein Verbot noch in dieser Legislaturperiode in Deutschland vorhergesagt. Zwei Wochen Social-Media-Pause und man ist kognitiv zehn Jahre jünger? Klingt zu gut … Gunnar philosophiert über die vermietete Öffentlichkeit und Carla über die Entmenschlichung des Netzes. Alles gewürzt mit dem zumindest vorläufigen Ende meines #60Sekunden-Projekts.

Kuratiert: Warum ich das #60Sekunden‑Projekt vorläufig stoppe

Diese Kuratiert‑Folge rund um asoziale, algorithmische Medien beginnt ausnahmsweise mit einem Thema in eigener Sache: Mein #60Sekunden‑Experiment auf TikTok, Instagram und YouTube, wo ich regelmäßig meine Blogbeiträge in kurze Videos transformiert habe, pausiert vorerst.

Nicht, weil mir die Themen ausgegangen wären oder die Lust, junge Menschen mit digitalen und politischen Inhalten zu erreichen. Sondern weil mir ein Abonnement von CapCut, das ich als zentrale Produktionsplattform genutzt habe, für ein experimentelles, nicht monetarisiertes Projekt schlicht zu teuer ist. ByteDance hat wohl die Preise geändert und ich kann nicht nur Coins hinzukommen, sondern müsste besagtes Abo abschließen. Sehr schade. Leider habe ich auch keine Alternative gefunden, die meiner Produktionsweise entgegenkommt.

Jugendschutz per Bann: Australiens Social‑Media‑Verbot für Unter‑16‑Jährige

Australien hat es vorgemacht, europäische Politiker jubelten — und Golem berichtet jetzt über das Erwartbare: Der seit Dezember 2025 geltende Social-Media-Bann für unter 16-Jährige ist weitgehend wirkungslos. Wer ein falsches Geburtsjahr einträgt, ist einfach drin. Das ist kein Versagen der Umsetzung, das ist das Konzept. Jugendschutz per Altersgrenze funktioniert im digitalen Raum genauso gut wie Tempolimit nur per Straßenschild — es beruhigt die Politik, nicht die Straße.

Das wird europäische Regierungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht davon abhalten, es auch mit einem Verbot zu versuchen. Europa diskutiert Ausweiskontrollen und Mindestalter, während die eigentliche Baustelle — wie Plattformen strukturell auf Sucht ausgelegt sind und viel strenger reguliert werden müssten — politisch weitgehend unangetastet bleibt. Symbolpolitik ist billiger als Regulierung. Und Trump könnte ja Zölle verhängen.

Social‑Media‑Detox: Zwei Wochen gegen zehn Jahre kognitiven Abbau?

Die Washington Post berichtet über eine Studie, bei deren Ergebnis man sich die Augen reibt: Wer zwei Wochen weniger scrollt, soll laut Studie kognitiv so fit werden wie jemand, der zehn Jahre jünger ist. Kann man Schäden durch Social-Media-Nutzung also rückgängig machen? Das klingt nach Clickbait-Wissenschaft — und man sollte es mit der nötigen Skepsis einordnen.

Trotzdem: Dass deutlich weniger Bildschirmzeit Aufmerksamkeit, Schlaf und mentale Gesundheit verbessert, ist eigentlich keine Überraschung mehr. Die Überraschung ist, wie stark die Effekte offenbar ausfallen. Wir reden ernsthaft darüber, dass Selbst-Entzug gesünder macht. Und die Plattformen verdienen ihr Geld damit, dass Menschen nicht aufhören können. Individuelle Gegenwehr gegen ein System, das darauf ausgelegt ist, genau das zu verhindern? Ob das gelingen kann? Individuell ja, in der Breite sicher nicht.

Die vermietete Öffentlichkeit und der Daumen des Admins

Passend dazu beschreibt Gunnar Sohn auf ichsagmal.com die „vermietete Öffentlichkeit“. Die alte Medienfrage lautete demnach: Wer spricht? Die neue lautet: Wem gehört der Raum, in dem gesprochen wird? Zwischen diesen beiden Sätzen liegt der ganze Verlust der digitalen Öffentlichkeit – vom versprochenen „Kaffeehaus auf Social Media“ hin zu Algorithmen, Aufmerksamkeitsökonomie, Hausordnungen, Zugriffszählern, Werbeauktionen und Moderationsnebel – oder gar keiner Moderation, weil das ja laut Trump und seinen Freunden Zensur ist.

Öffentlichkeit ist nicht offen, nicht neutral, sondern privatisiert auf Twitter/X, Meta, LinkedIn, aber auch Mastodon‑Instanzen. Aus Debatte wird Traffic, aus Bürgern wird Nutzungsverhalten, meint Gunnar, und moniert, dass aus Betreibern Hausmeister mit Generalschlüssel werden, die per AGB und Admin‑Interface entscheiden, was und wer sichtbar ist und wer nicht.

Ein wichtiger Unterschied fällt mir unter den Tisch: Bei den asozialen, algorithmischen chinesischen und US-amerikanischen Plattformen ist Moderation gar nicht gewollt. Im Fediverse und auf Mastodon wird zumindest moderiert, auch wenn es manchem nicht gefällt, wie und was moderiert wird. Und dezentrale Strukturen sorgen auf jeden Fall für mehr Vielfalt.

Der Kernaussage von Gunnar zu Medienpolitik und digitaler Öffentlichkeit stimme ich zu: Es reicht nicht, von der einen zur anderen Plattform zu wechseln. Entscheidend ist, eigene Räume und Ausgänge zu behalten – Blogs, Newsletter, eigene Websites – statt sich vollständig in vermieteten Öffentlichkeiten einzurichten.

„Das Internet stirbt“: Entmenschlichung vor und mit KI

An Gunnar anschließend: Das Internet, von dem wir in den Neunzigern und Nullerjahren geträumt haben, existiert nicht mehr. Nicht weil die Technik versagt hätte, sondern weil das Geschäftsmodell es aufgefressen hat, schreibt Carla Siepmann auf netzpolitik.org. KI ist dabei nicht der Auslöser, sondern der Beschleuniger — die Entmenschlichung sozialer Medien begann mit Engagement-Metriken, algorithmischer Aufmerksamkeitsjagd und dem Umbau von Kommunikation in Werbe-Inventar. KI setzt das jetzt in anderen Geschwindigkeiten fort.

Was bleibt, ist ein Feed, in dem echte menschliche Kommunikation kaum noch stattfindet. Ich schreibe seit über 17 Jahren Blog — und ich merke selbst, wie der Anteil authentischer Interaktion in sozialen Netzwerken abnimmt, während die schiere Menge an Inhalten zunimmt. Das Internet stirbt nicht an einem Herzinfarkt. Es stirbt daran, dass es systematisch optimiert und monetarisiert wurde, so dass nicht viel Menschliches mehr übrig ist. Klick as klick can, scroll as scroll can.

Zuckerberg im Doppelpack: Der KI‑Avatar als Chef‑Double

Apropos Entmenschlichung: Meta entwickelt laut manager magazin einen fotorealistischen KI-Avatar von Mark Zuckerberg — trainiert auf seine Stimme, seine Formulierungen, seine öffentlich geäußerten Strategien. Er soll als digitaler Zwilling intern mit Mitarbeitenden kommunizieren. Mark hat ja schließlich nicht für alle Zeit und die Mitarbeitenden gehören eingenordet.

Das ist mehr als ein Effizienz-Experiment. Es ist die konsequente Verlängerung einer Plattformlogik, die Kommunikation schon lange von Verantwortung entkoppelt. Zuckerberg kann nicht überall sein — sein Avatar schon. Ob der digitale Zwilling richtig oder falsch liegt, falsch entscheidet oder falsch wirkt: Who cares? Das Zuckerberg-Double ist nicht das Ende dieser Logik, sondern erst ihr Anfang. Konzernchefs heute, Influencer morgen, Politiker übermorgen.

Der von Gunnar postulierte Hausmeister Krause ist bald ein digitaler Zwilling, ein KI-gesteuerter Hausmeister. Von Alles für den Dackel, alles für den Club zu Alles für die Klickraten, alles für die Werbeeinnahmen von Zuckerberg und Konsorten. Und das voll automatisiert, agentisch.

Nachtrag zum #60Sekunden‑Projekt: Was bleibt?

Damit sind wir wieder beim #60Sekunden‑Projekt: Der Versuch, in genau diesen durch den Algorithmus gesteuerten Feeds – TikTok, Insta, YouTube – digitale Themen, Demokratie‑Fragen und Medienkritik in 60 Sekunden unterzubringen. Inhaltlich habe ich viel gelernt: Welche Themen funktionieren, wie stark man zuspitzen muss, wie sich Blog‑Texte in Videoform übersetzen lassen und wie unterschiedlich die Plattformen auf denselben Inhalt reagieren. Jetzt steht das Projekt vorerst still.

Vielleicht ist genau das die kuratierte Botschaft dieser Folge: Wer heute junge Menschen erreichen will, muss durch Plattformen navigieren, die gleichzeitig problematisch, gesundheitlich belastend, politisch umkämpft und zunehmend automatisiert sind – und deren Tools einen immer höheren Preis verlangen. Die Frage ist nicht, ob wir dort präsent sein sollten, sondern wie lange wir es uns leisten können: ökonomisch, gesundheitlich und demokratisch.

https://youtube.com/shorts/V6SEGeC3Zn4?feature=share

Good to know: Wie ich mit CapCut gearbeitet habe

Mein Workflow in CapCut war im Kern simpel, aber für mich entscheidend: Erst entstand ein Voice-over-Text — meistens aus einem Blogbeitrag oder einer #9vor9-Folge heraus, von einer KI auf 60 Sekunden zugespitzt. Den fertigen Text habe ich dann in CapCuts Funktion „mit KI erstellen“ eingefügt, Format 9:16 gewählt, Länge rund 60 Sekunden, Stil „Black&White Comic“ oder „Noir Comic“ in Schwarz-Weiß, dazu eine passende deutsche KI-Stimme. CapCut hat daraus automatisch ein Kurzvideo gebaut — Text, generierte Szenen, Voice-over. Danach bin ich noch einmal durch, habe offensichtliche Fehler korrigiert, einzelne Szenen angepasst, und fertig.

Genau diese Automatisierung war der Grund, warum das Projekt für mich überhaupt machbar war. Ohne diesen Grad an KI-Unterstützung wäre der Zeitaufwand für regelmäßige Kurzvideos nicht zu stemmen — nicht neben Blog, Podcast und Job. Dass das Experiment jetzt ausgerechnet am Preis von CapCut scheitert, hat eine gewisse Ironie: Die Plattformökonomie, über die ich in meinen Videos geredet habe, hat mich selbst eingeholt.

Quellen (Auswahl)

#60Sekunden #Bloggen #CapCut #DigitalDetox #Facebook #Fediverse #Instagram #Internet #Journalismus #Jugendschutz #KI #Kuratiert #LinkedIn #Mastodon #Meta #PlattformÖkonomie #Smartphone #SocialMedia #TikTok #Video #YouTube #Zuckerberg

Australiens Social-Media-Bann für Unter-16-Jährige ist wirkungslos — wen wundert's. Zwei Wochen ohne asoziale Medien und man ist kognitiv zehn Jahre jünger? Gunnar Sohn über die vermietete Öffentlichkeit und digitale Hausmeister, Carla Siepmann über das sterbende Internet #Kuratiert #SocialMedia

http://stefanpfeiffer.blog/2026/05/13/asoziale-medien-2026/?utm_source=mastodon&utm_medium=jetpack_social

Jugendschutz per Verbotsschild, Detox per Studie, digitaler Hausmeister per KI — willkommen in Social Media 2026

Australiens Social-Media-Bann für Unter-16-Jährige ist wirkungslos — wen wundert’s. Zwei Wochen ohne asoziale Medien und man ist kognitiv zehn Jahre jünger? Gunnar Sohn über die vermietete Öf…

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Ein Jahr Digitalministerium: Wildberger schiebt den Stein Souveränität den Berg hoch, Höttges plant Fusion mit T-Mobile US, Palantir erklärt Krieg zur Softwarefrage. Wer hat den Mut hat, den Preis für DigitaleSouveränität zu zahlen? #Kuratiert #DigitaleSouveränität #Telekom #Digitalministerium

http://stefanpfeiffer.blog/2026/05/07/1-jahr-digitalministerium/?utm_source=mastodon&utm_medium=jetpack_social

Digitalministerium, Telekom-Fusionspläne und Palantir – Souveränität als Dauerbaustelle

Ein Jahr Digitalministerium: Wildberger versucht es , doch 90 Prozent des Digitalbudgets fließen an seinem Ministerium vorbei. Die Telekom soll die Bürger-App bauen — und plant gleichzeitig eine Fu…

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Der König, Nero und das hohle Imperium

König Charles III. steht im US-Kongress und erinnert die Abgeordneten daran, dass westliche Bündnisse auf Werten beruhen, nicht auf Deals. Zwölfmal stehender Beifall — in einem Land, dessen Präsident „America First“ predigt und Bündnisse in Deals verwandelt — bei denen am Ende immer der Trump-Clan und seine Verbündeten auf der Gewinnerseite stehen. Offizieller Anlass war das 250. Unabhängigkeitsjubiläum der USA, der eigentliche Auftrag laut FAZ-Korrespondent Johannes Leithäuser aber ein anderer: das angeknackste Verhältnis zwischen London und Washington kitten, nachdem die britische Labour-Regierung sich geweigert hatte, Trumps militärisches Iran-Abenteuer zu unterstützen.

Charles aber lieferte weit mehr als diplomatische Schadensbegrenzung. Er sprach als Europäer mit über tausend Jahren historischem Gedächtnis im Rücken — pointierter politisch, schreibt Leithäuser, als es seine Mutter Elisabeth je gewagt hätte. Ob Trump ihm so ehrerbietig begegnete, weil er wirklich beeindruckt war — oder nur, um anschließend Premier Starmer umso wirksamer in den Senkel zu stellen, lässt Leithäuser offen.

Nero, Reality-TV und das hohle Imperium

Florian Harms beschreibt Trump im „Tagesanbruch“ als Nero der Gegenwart: Größenwahn, Selbstinszenierung, Triumphbögen, große Ballsäle. Er überlebt ein Attentat — und macht daraus sofort Wahlkampf. Er faltet Selenskyj im Oval Office vor laufenden Kameras zusammen und sagt hinterher: „This is going to be great television.“ Der ehemalige Reality-TV-Star betreibt die Präsidentschaft konsequent als Fortsetzung seiner Show — das habe ich in diesem Blog schon ausführlicher beschrieben. Wer so agiert, regiert nicht — er inszeniert.

Dieter Schnaas liefert in der WirtschaftsWoche den historischen Rahmen dazu: Die USA befinden sich am Höhe-, Wende- und Tiefpunkt ihrer imperialen Macht zugleich. Militärisch ein Gigant, der keine Kriege mehr gewinnen kann — aber auch nicht besiegt werden kann. Recht gilt nur zwischen Gleichen — gegenüber Schwächeren zählt nur Macht. Trump droht mit Zöllen, Truppenabzug und Deals. Sprunghaft, rachsüchtig, unfähig zu Bündnissen: Er schwächt sein Land, statt es groß zu machen.

Wirtschaftlich ein Kartenhaus: Die USA leben seit Jahrzehnten auf Pump — und sind darauf angewiesen, dass andere Länder ihre Staatsschulden finanzieren. Und ideologisch? Die Hegemonialmacht ist zum postimperialen Großmaul degeneriert. Das sendet ein klares Signal an Verbündete: Verlasst euch nicht darauf, dass hier jemand aus Überzeugung zu euch steht.

Lego-Trump aus Teheran: KI als Propagandawaffe

Untermalt und begleitet wird das mit der Erosion der demokratischen Öffentlichkeit: Influencer statt Journalisten, Late Night Shows statt Nachrichten, KI-Avatare statt echter Stimmen. Das habe ich in diesem Blog vor Kurzem ausführlich beschrieben. And the show must go on. Nur zu dumm, dass auch seine Gegner verstanden haben, dass es um Great Television und Befriedigung der asozialen, algorithmischen Medien geht.

Die iranische Gruppe „Explosive Media“ produziert KI-generierte Clips, die Trump als Lego-Figur mit Schweinerüssel zeigen — schnelle Schnitte, Eminem-Ästhetik, sie gehen millionenfach viral. Propagandaforscher Marcus Bösch erklärt gegenüber ZDFheute, warum das so wirksam ist: Die Videos passen perfekt in den Feed, zwischen Kochvideos und Hundevideos. Der Algorithmus belohnt nicht Wahrheit, sondern Empörung und Belustigung. Iran schlägt Trump mit seinen eigenen Mitteln — denn das Weiße Haus hat selbst monatelang auf Memes, KI-Bilder und Computerspielreferenzen gesetzt, um Trump zu inszenieren. So funktioniert der digitale Informationskrieg im Jahr 2026.

Pay-to-Play: Soldaten als Druckmittel

Währenddessen inszeniert sich Trump weiter selbst und droht Deutschland und Europa mit den ganz klassischen Hebeln amerikanischer Macht. Nach den ständigen Zoll-Drohungen bringt Trump erneut einen Truppenabzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland ins Spiel — inzwischen nicht mehr nur als Drohung, sondern als konkrete Ankündigung, die er explizit an deutsche Kritik an der US-Iran-Politik und die ewige Zwei-Prozent-Debatte knüpft. Alles wird zur verhandelbaren Größe in einem Pay-to-Play-Modell, in dem Bündnisschutz an Unterwerfung gekoppelt wird.

Besonders brisant: Trump beerdigt auch Bidens Versprechen, Mittelstreckenwaffen in Deutschland zu stationieren — Waffen, die Europa in dieser Form nicht hat und gerade erst zu beschaffen beginnt. Eine echte Abschreckungslücke, die Putin direkt nützt. Dass Trump diese Entscheidung kurz nach einem langen Telefonat mit Putin traf, fällt schwer als Zufall zu verbuchen. Der direkte Anlass war ein Schulbesuch: Merz hatte dort gesagt, die USA würden vom Iran „gedemütigt“ — woraufhin Trump wütete und den Abzug prompt als Strafe inszenierte. Das sollte nicht nur Friedrich Merz Sorgen bereiten, denn Europa ist noch nicht bereit, sich selbst zu verteidigen. Es wird noch Jahre dauern. Wladimir Putin weiß das.

Sicherheitsexperten warnen, dass die USA sich damit selbst schaden und ihre logistischen Hebel in Europa schwächen — zugunsten Russlands. Aber in einer politischen Kultur, in der Kurzfristigkeit über Strategie siegt, zählen solche Argumente weniger als der innenpolitische Effekt. Was von den Epstein-Files und den schwierigen wirtschaftlichen Problemen im Land ablenkt, ist nützlich.

Und dann ist da noch der Iran-Krieg, der ihm bei seinen Anhängern enorm schadet. Gerhard Spörl bringt es in seiner t-online-Kolumne auf den Punkt: Trump hat die Widerstandskraft des Mullah-Regimes schlicht unterschätzt. Ein Luftkrieg, der ein Regime stürzen soll, das seine Bevölkerung als Schutzschild benutzt — das hätte man wissen können, wenn man es wissen wollte. So wird dieser Trump in die Geschichtsbücher eingehen: nicht als der große Dealmaker, sondern als der große Irrende.

Wenn man diese Linien zusammendenkt — den König im Kongress, das hohle Imperium im Weißen Haus, die Lego-Propaganda aus Teheran, den angekündigten Truppenabzug, die Angst der Europäer vor Zöllen —, entsteht kein Zufallsbild. Der Westen zerlegt sich nicht durch einen großen Knall, sondern durch viele kleine Entscheidungen, Unterlassungen und Geschäftsabschlüsse. Bündnisse werden zu Transaktionen, Sicherheitsarchitekturen zu Produkten in fremder Hand, Öffentlichkeiten zu Schlachtfeldern für Algorithmen und KI-Clips.

Royale Worte reichen nicht

Die Rede von König Charles klingt vor diesem Hintergrund fast wie ein Anachronismus — oder wie ein Angebot. Wenn Europa „Werte“ im 21. Jahrhundert ernst nimmt, reicht es nicht, in Washington höflich zu applaudieren. Dann bedeutet es: eigene Infrastruktur bauen, eigene KI entwickeln, eigene Sicherheitsarchitekturen definieren. Sonst bleiben uns royale Worte — und darunter ein Geflecht aus Abhängigkeiten und Algorithmen, in dem andere längst Fakten schaffen.

Kuratierte Quellen

#Demokratie #Deutschland #EU #Europa #FakeNews #Journalismus #KI #Kuratiert #SocialMedia #Souveränität #Trump #USA #Verteidigung

Vier zerbrochene „Ostereier“: Menschen im Iran, Wähler in Ungarn, Knast in der Türkei, Reisen in die USA

Ein kleiner Beitrag zu Ostern rund um vier faule Ostereier, die uns ins Nest gelegt wurden:

Iran: Ein Volk zwischen Regime und Bomben

Ich habe in den letzten Wochen kaum über den Iran geschrieben — nicht, weil mich das Thema nicht beschäftigt, sondern weil ich kaum Worte finde. Seit Ende Dezember 2025 erschütterten landesweite Proteste das Land, ausgelöst durch eine Inflationsrate von über 42 Prozent und einen Rial-Kurs, der auf ein historisches Rekordtief abgestürzt war. Die Antwort des Mullah-Regimes war, wie immer, brutale Gewalt. Menschenrechtsorganisationen sprechen von bis zu 30.000 Toten und 300.000 Verletzten allein durch das Niederschlagen dieser Protestbewegung — Zahlen, die sich kaum fassen lassen. Hinzu kam die umfassendste Internetabschaltung in der Geschichte des Landes, um Beweise für Massaker in Teheran, Maschhad und den kurdischen Gebieten zu verbergen.

Und dann, am 28. Februar 2026, begann das Bombardement. Israel und die USA griffen gemeinsam Ziele im Iran an — Atomanlagen, Militärinfrastruktur, aber auch Wohngebiete. Trump begründete die Angriffe damit, den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Internationale Juristinnen und Juristen bewerten den Angriff mehrheitlich als völkerrechtswidrig. Ob das irgendjemanden aus der Trump-Administration interessiert, darf bezweifelt werden.

Keine Kraft zur eigenen Befreiung

Was mich am tiefsten trifft, ist die Hoffnungslosigkeit: Die iranische Bevölkerung hat in den letzten Jahren immer wieder bewiesen, dass sie dieses Regime nicht will. Sie hat mit ihrem Leben dafür bezahlt — mit Tausenden Toten auf den Straßen, mit Hinrichtungen, mit Gefängnis. Und trotzdem sehe ich keine realistische Chance, dass sie sich aus eigener Kraft von den Mullahs befreien kann. Das ist das eigentlich Tragische an dieser Situation, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man damit umgeht.

Die Journalistin Natalie Amiri, langjährige ARD-Korrespondentin in Teheran, benennt den Grund dafür nüchtern im taz-Interview: Die Proteste haben kaum Bezug zu iranischen Oppositionsgruppen oder echten Parteien — eine organisierte politische Kraft, die das Vakuum nach einem Regimesturz füllen könnte, existiert im größten Teil des Landes schlicht nicht. Das Regime ist erschüttert, aber noch nicht gebrochen — und der Unterdrückungsapparat funktioniert nach wie vor. Die Frage, was danach kommt, bleibt erschreckend offen.

Und Donald Trump? Den interessiert das Schicksal der iranischen Bevölkerung herzlich wenig. Ihn interessiert das Öl, der geopolitische Hebel, und dass seine Verbündeten in Rüstung und Finanzen gut verdienen. Das ist keine Spekulation, das ist eine nüchterne Lageanalyse. Es ist, mit Verlaub, eine Tragödie ohne erkennbaren Ausweg.

Ungarn: Schicksalswahl für Europa — und die Ukraine

Apropos Trump: Während der Nahe Osten brennt, schickt der US-Präsident seinen Vize J.D. Vance nach Ungarn — ausgerechnet jetzt, in den Tagen nach Ostern, kurz vor der Parlamentswahl am 12. April. Es ist bereits der zweite demonstrative Rückenwind aus Washington für Viktor Orbán: Im Februar war Außenminister Marco Rubio nach Budapest gereist und hatte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Orbán unmissverständlich klargemacht: „Präsident Trump setzt sich zutiefst für Ihren Erfolg ein, denn Ihr Erfolg ist unser Erfolg.” Trump-Amerika als Wahlkampfhelfer eines EU-Mitglieds, das russlandfreundliche Politik betreibt. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.

Denn die Lage ist ernst — ernster, als es die westlichen Medien in ihrer täglichen Nachrichtenflut vielleicht abbilden. Die ungarischen Parlamentswahlen am 12. April gehören zu den folgenreichsten politischen Weichenstellungen in Europa in diesem Jahr. Nicht nur für Ungarn selbst, sondern für die gesamte EU und für die Ukraine. Nach 16 Jahren Fidesz-Herrschaft könnte es tatsächlich zu einem historischen Machtwechsel kommen: Unabhängige Umfragen sehen Orbán bei 37 Prozent, seinen Herausforderer Péter Magyar von der Tisza-Partei bei 56 Prozent. Ob das Wahlrecht — das Orbán sich nach Maß hat schneidern lassen — am Ende das Ergebnis zurechtbiegt, bleibt abzuwarten, zu befürchten.

Ein Autokrat, der sein Volk beschimpft

Was die Korrespondentin Verena Mayer aus einem Orbán-Auftritt in der westungarischen Stadt Győr berichtet, spricht Bände: Das Publikum pfiff und buhte. Orbán begann zu schreien — sagte von oben herab, wer ihn nicht wähle, stehe nicht auf der Seite Ungarns. Es ist das Bild eines strauchelnden Autokraten, dessen Narrativ nach 16 Jahren nicht mehr zieht. Orbáns Botschaft ist dabei immer dieselbe: Die Ukraine sei der Feind, die EU finanziere den Krieg, und nur er könne das stoppen.

Dazu eine Beziehung zu Putin, die offenbar noch tiefer geht, als bisher bekannt: Die Washington Post berichtete, dass Ungarns Außenminister während EU-Gipfeln mit Russlands Führung telefoniert und vertrauliche Informationen weitergegeben haben soll. Brüssel zeigte sich „äußerst besorgt” — Ungarn bestritt die Vorwürfe.

Magyar hingegen hat von Anfang an eine andere Kampagne geführt: keine abstrakten Demokratie-Debatten, sondern Lebensbedingungen, Korruption, blockierte EU-Gelder. Sollte Magyar gewinnen, könnte Ungarn zeigen, dass sich eine Demokratie von innen erholen kann. Für Europa und für die Ukraine wäre das ein Signal von kaum zu überschätzender Bedeutung: Ein Ungarn, das nicht länger als Trojanisches Pferd Russlands innerhalb der EU agiert, verändert die politische Arithmetik in Brüssel grundlegend.

Türkei: Erdoğans Justiz als Waffe

Bei allen aktuellen Krisenherden gerät nur zu oft aus dem Blick, was weiterhin in der Türkei passiert. Dabei ist das Muster seit Jahren dasselbe: Erdoğans Regime nutzt die Justiz systematisch als Waffe gegen politische Gegner. Jetzt traf es Mustafa Bozbey, den Bürgermeister von Bursa — der Partnerstadt von Darmstadt. Bozbey gehört der CHP an, die bei den Kommunalwahlen 2024 in Bursa deutlich gewonnen hatte. Dass ausgerechnet erfolgreiche Oppositionspolitiker kurz nach Wahlsiegen in Untersuchungshaft landen, ist kein Zufall. Das ist Methode — dieselbe Methode, mit der zuvor schon Istanbuls Bürgermeister Ekrem İmamoğlu aus dem Verkehr gezogen wurde.

Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz hat sich in dieser Frage klar positioniert: Die Umstände der Festnahme weckten „erhebliche Zweifel an der Wahrung rechtsstaatlicher Prinzipien und demokratischer Standards”. Bereits nach der Inhaftierung İmamoğlus hatte die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung auf Initiative von Benz eine Resolution verabschiedet, die die Instrumentalisierung der Justiz gegen politische Gegner klar verurteilt.

Und Benz soll auch gegenüber türkischen Würdenträgern persönlich Haltung bezogen haben. Dass Widerspruch gegen Autokratie manchmal aus der kommunalen Ebene kommt, dort wo Partnerstädte keine Abstraktion sind, sondern Menschen, die man kennt und die jetzt im Gefängnis sitzen, ist wichtig und bemerkenswert. Die EU dagegen schaut seit Jahren zu. Das ist keine Außenpolitik. Das ist Wegsehen mit Handreichung.

WM 2026: Zurück in die USA — aber besser nicht

Zurück in die USA. Die Fußball-WM 2026 ist kein Sportturnier mehr. Sie ist ein geopolitisch aufgeladenes Geschäftsmodell mit Ball — und mittendrin die demonstrative Verbrüderung von Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino, die das Turnier zur Bühne für Macht, Geld und Selbstinszenierung machen. Dass der DFB sich dabei in betretenem Schweigen übt und das Wort „Boykott” offenbar als unzulässig gilt, ist bezeichnend. Statt Haltung gibt es Teilnahme. Statt Kritik: Mitlaufen — über knapp 40 Tage Dauerbeschallung.

880 Euro für Deutschland gegen Curaçao

Was die FIFA parallel abzieht, ist ökonomisch dreist. Von Moral will ich bei der FIFA und Herrn Infantino gar nicht reden. Ein „offizielles” Ticket-Weiterverkaufsportal, das selbst mitkassiert, ist nichts anderes als organisierte Abzocke mit Gütesiegel. Wenn ein Spiel wie Deutschland gegen Curaçao von 60 auf 880 Euro hochgehandelt wird — plus 15 Prozent Gebühr für den Weltverband —, dann ist das kein Markt, das ist ein Abzocksystem, mit dem man sich ungeniert die Taschen füllt. Warum also dann boykottieren und protestieren?

Wer noch immer überlegt, für dieses Spektakel in die USA zu reisen, sollte sich fragen, wofür genau — angesichts eines politisch instrumentalisierten Turniers und einer Sicherheitslage und gesellschaftlichem Klima, das alles andere als stabil ist. Die ehrlichste Form des Protests ist in diesem Fall vielleicht die einfachste: nicht hingehen, nicht einschalten, nicht mitspielen. Denn solange das System liefert, was es will — Aufmerksamkeit, Geld, Legitimation —, wird sich nichts ändern.

Ich weiß, das sind keine wirklich schönen, bunten Ostereier und ich höre auch jetzt besser auf, auch wenn mich Frau Reiche juckt. Aufgeben zählt nicht. Euch allen trotzdem frohe Ostern.

Also, bei uns gibt es zu Ostern die Tradition des Eierklopfens: Zwei Personen halten je ein hart gekochtes Ei, schlagen die Spitzen gegeneinander, und wessen Ei zerbricht, hat verloren. Und ich würde ja nur zu gerne …
#Trump #Infantino #Ostern #Eierklopfen

Quellen & Leseempfehlungen

#Darmstadt #Demokratie #EU #FIFA #Fussball #Iran #Kuratiert #Menschenrechte #Türkei #Trump #Ungarn #USA #WM2026

Iran, Ungarn, Türkei, WM 2026 — vier zerbrochene Ostereier, die frustrieren. Vom Bombenterror gegen die iranische Zivilbevölkerung über Wahlen in Ungarn, Inhaftierungen in der Türkei bis zur FIFA-Abzocke. #Iran #Türkei #Ungarn #FIFA #WM2026 #USA #Kuratiert

http://stefanpfeiffer.blog/2026/04/05/ostereier-2026/?utm_source=mastodon&utm_medium=jetpack_social

Vier zerbrochene „Ostereier“: Menschen im Iran, Wähler in Ungarn, Knast in der Türkei, Reisen in die USA

Vier Themen, vier Tragödien zu Ostern: Im Iran stirbt die Hoffnung auf Befreiung zwischen Repression und Bomben. In Ungarn entscheidet eine Wahl über die Zukunft der EU — mit demonstrativer Wahlkam…

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