Bei einem 4,5h Video darf ich auch mal einen längeren Text schreiben:

Über die Jugoslawienkriege wurde meist so berichtet, als sei er durch eine Vermischung von ethnischen und religiösen Ursachen entstanden. Aus alten Feindschaften, aus dem unvermeidlichen "Erwachen" unterdrückter Nationen, aus dem Charakter der Balkanvölker. Auch in den Spiegel-TV-Reportagen (1991 bis 2001) entsteht dieser Eindruck. Das ist die bequeme Erzählung - bequem vor allem für den Westen, weil sie die eigene Rolle verschweigt. Die unbequeme Erzählung beginnt aber nicht mit Jugoslawien sondern mit dem US-Imperialismus.

Hier mal meine Sicht auf die Dinge, die Leider in den Reportagen nicht benannt werden:

Die Nixon-Administration vereinbarte 1974 mit Saudi-Arabien, seine Öleinnahmen in US-Staatsanleihen und westliche Banken zu recyceln — im Gegenzug für Sicherheitsgarantien und Waffenlieferungen. Das war die Geburtsstunde des Petrodollar-Systems. Infolgedessen flossen gigantische Dollar-Einlagen der OPEC in westliche Großbanken, die wiederum aggressiv Dollar an den globalen Süden und Osten verliehen, mit einem variablen Zinssatz, der sich am US-Leitzins orientierte (LIBOR). Das machte den US-Dollar zur Leitwährung und sorgte dafür, dass Jugoslawien große Staatsschulden in vermeintlich günstigen und stabilen US-Dollar hatte. Dass Jugoslawien, als ein sozialistisches Land, überhaupt so großzügig Dollar bekam, war Geopolitik: Seit Titos Bruch mit Stalin 1948 galt das Land als strategischer Keil gegen Moskau, den der Westen mit Krediten und IWF-Mitgliedschaft stabil halten wollte.

Als 1979 im Iran der von den USA gestützte Schah gestürzt wurde, kam es zur zweiten Ölkrise, die zu einer hohen Inflation in den USA führte. In Reaktion auf diese Inflation wurden die Leitzinsen in den USA auf bis zu 20% erhöht, wodurch sich der Schuldendienst über Nacht verdreifachte oder vervierfachte. Gleichzeitig wertete der Dollar massiv auf und die Landeswährungen ab. Dadurch musste Jugoslawien nicht nur höhere Zinsen zahlen, sondern bekam für seine Dinar auch noch weniger Dollar.

Als Mexiko 1982 seine Schulden nicht mehr bedienen konnte und den Staatsbankrott erklärte, löste das eine globale Panik aus. Jugoslawien bekam an den Märkten keine Gelder mehr und musste beim IWF (Internationaler Währungsfonds) anklopfen. Der IWF sicherte Jugoslawien Gelder zu, aber unter extremen neoliberalen und austeritären Forderungen: Marktöffnung für den Westen, Privatisierungen, Zentralisierung, Lohnstopps, Subventionsabbau, massive Kürzungen der Staatsausgaben. Das war ein Standardpaket des US-nahen IWF, das bis heute gängige Praxis ist und das neoliberale Krebsgeschwür weltweit exportiert. Auch Mexiko, Brasilien, Argentinien und Polen bekamen diese Maßnahmen aufgezwungen - für ein Problem, das ohne die USA nicht existiert hätte.

Nach Titos Tod 1980 hatte Jugoslawien ein rotierendes Staatspräsidium mit Vertretern aller Republiken. Unter dem sinkenden Lebensstandard und der Verschärfung der Krise durch die IWF-Bedingungen verschärften sich auch die Verteilungskonflikte zwischen den Republiken. Die wirtschaftlich starken Regionen Slowenien und Kroatien sahen die Last ungerecht verteilt, weil sie Transferzahlungen an den Süden leisten mussten. Das begünstigte den aufkeimenden Nationalismus und Rassismus, die zum Untergang des Vielvölkerbundes führten.

Wer Geschichte verfolgt, erkennt das Muster. Es wiederholt sich, damals wie heute. Kapitalistische Krisenbewältigung funktioniert immer gleich. Wer 2008 (Lehman) sowie 2010/2011 (Eurokrise) und die Reaktionen darauf betrachtet, erkennt darin den Erfolgsgaranten der Rechtspopulisten und Rechtsextremen der westlichen Welt: Le Pen, Meloni, Milei, Orbán, Trump, Ventura, Weidel und Wilders.

https://www.youtube.com/watch?v=R9_KTLvfmnc

#kapitalismus #imperialism #uspol #jugoslawien

Der Balkankrieg/ Balkankonflikt // alles begann mit einer Lüge

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82. Jahrestag SS-Massaker in Voštane: Deutsche (bis 1990) unerwünscht | taz.de
https://taz.de/82-Jahrestag-SS-Massaker-in-Vostane/!6164507/ Deutsche (bis 1990) unerwünscht
Doris Akrap

Im dalmatinischen Bergdorf #Voštane gedenken Angehörige der Opfer des SS-Massakers von 1944. Auch nach 82 Jahren ist das Blutbad wenig aufgearbeitet. #KeinVergessen #Deutsche #Nazis #Nationalsozialismus #Jugoslawien

82. Jahrestag SS-Massaker in Voštane: Deutsche (bis 1990) unerwünscht

Im dalmatinischen Bergdorf Voštane gedenken Angehörige der Opfer des SS-Massakers von 1944. Auch nach 82 Jahren ist das Blutbad wenig aufgearbeitet.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

Ab 1945 offiziell in #Jugoslawien eingeführt, um alte Schimpfworte wie #Arnauti oder #Arbanasi zu verdrängen.

Doch in den folgenden Jahrzehnten wandelte sich «Šiptar»
vom neutralen Begriff auch zum Schimpfwort mit klarer #Rassismus- und #Diskriminierungs-Konnotation.

📖 Forschungsbefunde:
Unter #Ranković (1945–66) und #Milošević (ab 1986) wurde «Šiptar» gezielt als politisches Instrument genutzt – von Behörden, Medien und im Alltag.

2/5

Zum Feierabend etwas elektronische Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien mit diesem überaus schönen Sampler, der auch ein wirklich tolles Covermotiv hat.
#nowplaying #vinyl #vinylrecords #jugoslawien #jugo #jugoton #balkan #ballaballabalkan #kroatien #bosnien #serbien #electronic

Angesichts des steigenden akademischen und künstlerischen Interesses an dem sozialistischen Jugoslawien, seiner supranationalen Struktur und seinem umfangreichen internationalen Solidaritätsnetzwerk gibt es eine offene Einladung, sich eine neue jugoslawische Politik ‚vor Ort‘ vorzustellen. Die „Yugofuturism“-Konferenz ist ein Beispiel dafür, wie Jugoslawien als kritisches akademisches, künstlerisches und politisches Projekt zurückgewonnen werden kann, das kollektiv generativ ist. Es ist unerlässlich, das Publikum für diese Diskussionen zu erweitern. Dies gilt insbesondere für die Auseinandersetzung mit Ungleichheiten, denen beispielsweise Roma, Bosnier*innen (insbesondere Muslim*innen) und kosovarische Albaner*innen ausgesetzt sind.

Finde ich spannend!

https://berlinergazette.de/de/auf-dem-weg-zu-einer-neuen-jugoslawischen-politik-wie-der-jugofuturismus-die-vergangenheit-zuruckerobert-um-neue-wege-zur-befreiung-zu-ebnen/

#politik #kultur #bewegung #jugoslawien #sozialismus #yugofuturism

Neue jugoslawische Politik? Wie der Jugofuturismus die Geschichte reanimiert · BG · berlinergazette.de · EN|DE

Angesichts des jüngsten Anstiegs des akademischen und künstlerischen Interesses am sozialistischen Jugoslawien, seiner supranationalen Struktur und seines umfangreichen internationalen Solidaritätsnetzwerks ist es an der Zeit, sich vorzustellen, wie eine neue jugoslawische Politik aussehen könnte. Die Anfang dieses Jahres in Waterloo, Kanada, stattgefundene Konferenz „Yugofuturism“ („Jugofuturismus“) ist eines der vielen ambitionierten Beispiele für die Wiederentdeckung Jugoslawiens als kritisches akademisches, künstlerisches und politisches Projekt. Ena Selimović und Bojana Videkanić geben Einblicke in dieses Unterfangen.

BG · berlinergazette.de · EN|DE

Hier ein Bild aus dem Jugoslawien vor den Kriegen der 90er.
Yugoslavia built in the early 80's abandoned for decades. Nature takes over.
Die Natur erobert sich die alte Kaderschmiede zurück.
Foto: 2015

#urbex #lostplace #farn #urbanexploring #jugoslawien #socialism
#abandoned #naturestrikesback #fotografie #photography #pixelfed

Punk in Jugoslawien in den 80ern

Tipkin stellt euch Punk und New Wave Bands vor, die in den 80ern in Jugoslawien aktiv waren. Da es sich bei Tipkin um eine feministische Sendung handelt, geht es hauptsächlich um die Präsenz von Frauen in den Bands. Es gibt ein bisschen Nerd-Wissen auf die Ohren, aber vor allem natürlich tolle Songs zu hören! https://www.mixcloud.com/radiocorax/punk-in-jugoslawien-in-den-80ern-wh-von-2016/

https://radiocorax.de/punk-in-jugoslawien-in-den-80ern/

Punk in Jugoslawien in den 80ern

Tipkin stellt euch Punk und New Wave Bands vor, die in den 80ern in Jugoslawien aktiv waren. Da es sich... mehr

https://radiocorax.de/punk-in-jugoslawien-in-den-80ern/

#Boye #ČaoPičke #Feminismus #Jugoslawien #Paraf #Punk #Tipkin #Tožibabe

Eine irre Geschichte, fast zu schön um wahr zu sein. Und ist es doch. Geflüchtete jugoslawische Partisan*innen organisierten sich 1944 bei Alexandria trotz härtester Umstände eine schier unglaubliche Gemeinschaft in Zelten im sandigen Nichts, mit Schule, Gärten, Orchester und vielem mehr.

Mit VPN für Kroatien bei Vimeo für 3 bzw 6 USD anzusehen.
#Jugoslawien #filmtipp

https://www.dok-leipzig.de/en/film/el-shatt-blueprint-utopia/archive
El Shatt – A Blueprint for Utopia
https://vimeo.com/ondemand/elshatt
https://de.wikipedia.org/wiki/El_Shatt

El Shatt – A Blueprint for Utopia · DOK Leipzig

A refugee camp built in Egypt in 1944 becomes the social model for Tito’s Yugoslavia. Archive material and contemporary witnesses tell a lived social-utopian origin story.

DOK Leipzig

1/ „Das erfolgreichste Unternehmen des sozialistischen #Jugoslawien wurde ein weltweit führender Energiekonzern, dessen Umsatz kapitalistische Betriebe alt aussehen ließ. Seine Ar­bei­te­r*in­nen schickte Blum zu Weiterbildungen und in den Strandurlaub, veranstaltete Sport- und Kulturevents für die Angestellten, die er bei den strategischen Betriebszielen mitbestimmen ließ und antwortete Journalist*innen, die ihn nach seiner Firma fragten: „Es ist nicht meine Firma, sondern gehört denen, die dort arbeiten.““

#ImGrundeGut.

https://www.taz.de/!6123601

Im Alter keine Rosen, nur noch Dosen­aprikosen

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